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Ist das Verhalten in einer Psychotherapie normal?

Hallo zusammen,

ich mache zum ersten Mal in meinem Leben eine Psychotherapie und möchte mich einfach mal austauschen, wie bestimmte Situationen mit meiner Therapeutin zu bewerten sind. Ich habe halt keinen Vergleich und weiß nicht, was geht und was nicht.

Kurz zu mir ohne ins Detail zu gehen: Ich bin in einer komplett instabilen, labilen Verfassung. Vor ein paar Monaten waren Suizidgedanken und die Überlegung über einen stationären Aufenthalt ein Thema. Dann ging es mir kurzzeitig wieder etwas besser, aber nun seit einigen Wochen wieder extrem schlecht.

Ist das normal einen Patienten völlig aufgelöst und mit einer absolut ungeklärten Situation nach Hause zu schicken, weil eben die Zeit vorbei ist und die nächste Person schon geschellt hat und dann erst in 10 Tagen einen neuen Termin zu geben? Ich bin seitdem nervlich komplett am Ende und kurz davor akut stationär zu gehen.
Ich habe komplett keine Erfahrung mit Psychotherapie und Therapeuten und weiß nicht, ob sowas üblich ist und ob ich einfach zu hohe Erwartungen habe?

Ich würde mich sehr über eure Einschätzungen freuen!
 

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Hajooo

Sehr aktives Mitglied
Ist das normal einen Patienten völlig aufgelöst und mit einer absolut ungeklärten Situation nach Hause zu schicken, weil eben die Zeit vorbei ist und die nächste Person schon geschellt hat und dann erst in 10 Tagen einen neuen Termin zu geben? Ich bin seitdem nervlich komplett am Ende und kurz davor akut stationär zu gehen.
Ja, das kann u. U. sehr schmerzhaft sein, ist aber normal.
Das Zeitfenster sieht nunmal 50 Minuten vor.
Manchmal geben die Therapeuten hinten raus etwas zu.

Wenn du eine Therapiestunde hast, willst du auch die volle Aufmerksamkeit des Therapeuten.

Evtl. ist doch für den Anfang eine stationäre Therapie sinnvoller ?

Bespreche das in deiner Therapie, wie du mit solchen Situationen besser umgehen kannst.
Solche Situationen werden dir öfters begegnen.

Gruß Hajooo
 

Fetzbold

Mitglied
Ja das ist normal, denn du hast dich für eine Psychotherapie entschieden, die bei einem niedergelassenen Therapeuten mit regelmäßigen Stunden stattfindet.

Je nach deiner Situation müsste dein Therapeut aber sagen, dass für dich eine ambulante Therapie nicht die erste Wahl ist, sondern eine stationäre Therapie mit Dauer 3-12 Monate mehr Sinn macht. Da würde ich mich allerdings auf seine Expertise verlassen.

Falls es dir wirklich so geht, dass es unerträglich ist, dann weise dich selbst ein in der nächsten Psychiatrie.
 

momo28

Moderator
Teammitglied
Das ist leider so. Die PT-Stunde geht 50 Minuten. Die PT hat dann noch ein paar Minuten Zeit mit deiner Stunde abzuschließen und sich auf den nächsten Klienten einzustellen.

Ich weiß nicht, wie es bei deiner PT aussieht. Mir hat z. B. geholfen, dass in dem Raum an zwei Seiten Uhren waren, so dass ich aber auch die PT die Zeit im Auge haben konnten. So habe ich gegen Ende schon kein emotionales Thema angefangen oder weiter vertieft. Auch meine PT hat mir geholfen wieder runter zu kommen, wenn es notwendig war.

Sprich das doch in der nächsten Stunde an. Sage, wie es dir mit diesem Ende der Stunde ging, wie du dich gefühlt hast. Bitte die PT um Hilfe, damit es so nicht mehr ausgeht.
 

Q-cumber

Aktives Mitglied
Liebe/r @VintageDreams,

ich kann mich da meinen Vorrednern nur anschließen.
Psychotherapeuten arbeiten sehr strukturiert -das heißt, 50 Minuten sind 50 Minuten.
Das mag anfangs sehr irritieren oder sogar hart wirken, hat aber gute Gründe.

Wie einige hier schon anführten, soll keine Wartezeit für den nächsten Patienten entstehen oder sogar dessen Therapiezeit sich verkürzen, weil die vorherige Stunde überzogen wurde.

Es hilft aber auch dem Klienten, sich zu fokussieren und die Stunde zu strukturieren. Wenn ich weiß, dass meine Therapiezeit "endlich" ist, hilft es mir, mich zu fokussieren, was ich heute zum Thema der Stunde machen möchte.

Es klingt aktuell sehr danach, dass Du Dich in einem sehr instabilen Zustand befindest.
Möglicherweise zu instabil, um mit dem psychotherapeutischen Setting zurechtzukommen.
Dann ist eine Klinik zur Stabilisierung sicherlich zum jetzigen Zeitpunkt die bessere Wahl.

Was für mich noch wichtig wäre, zu wissen:
Kannst Du denn mit Deinem Therapeuten offen reden?
Hast Du in der letzten Stunde klar formuliert, dass es Dir beschissen geht und dass Du suizidale Gedanken hast?
Falls nicht, solltest Du unbedingt darüber nachdenken, warum Du dem Therapeuten gegenüber nicht offen sein kannst.
Falls Du es derart transparent gemacht hast, würde mich sehr interessieren, wie Dein Therapeut darauf reagiert hat.

Liebe Grüße und gute Besserung,

Q-cumber
 

bertil

Aktives Mitglied
"Ist das normal einen Patienten völlig aufgelöst und mit einer absolut ungeklärten Situation nach Hause zu schicken,"

Ich denke schon, dass das zum Programm gehört. Du sollst eben "aufbrechen" und in Bewegung kommen. Tu es nicht empört ab, sondern arbeite daheim weiter an dieser ungeklärten Situation. 2 Stunden/Woche werden Dich natürlich nicht gesunden. Nimm es als Initialzündung und setze Dich damit auseinander, bis zur nächsten Sitzung.

"Jetzt geh ich nimmer hin" gehört ebenfalls zum Programm. Dein Therapeut wird Dich davon nicht abhalten und ist daran gewöhnt. Als Laie kann ich mir aber herausnehmen, Dich davor zu warnen. Wenn Du soweit bist überleg dir gut, ob Du abbrechen willst oder dranbleiben.
 
Vielen herzlichen Dank für euer Feedback!

@Q-cumber: Suizidgedanken habe ich momentan nicht. Das war vor etwa 2 Monaten. Es geht mir dennoch extrem schlecht, aber ich glaube das wurde nicht deutlich in der Sitzung. Mein allgemeines Problem ist, was mir schon zahlreiche Leute gesagt haben, dass ich nicht so wirke, wie ich mich fühle. Dazu kommt, dass ich extreme Probleme habe mich zu öffnen, ich unterdrücke und verdränge alles. Ich habe schon extrem lange Probleme, aber habe noch nie mit jemandem wirklich darüber gesprochen und ich war auch noch nie in einer Therapie. Ich wollte deutlich machen, wie schlecht es mir geht, aber ich denke, dass es nicht wirklich rüber kam, da ich selbst gemerkt habe, wie ich dann versucht habe alles zu unterdrücken und versucht habe gefasst zu wirken. Ich habe zwar so Sätze rausgekriegt, dass ich sehr oft den ganzen Tag nur im Bett liege, aber es ist mir nicht gelungen wirklich zusammenhängend über meinen emotionalen Zustand zu sprechen.

Die Sitzung hat sehr viel mit mir gemacht und ich habe auch die Verhaltensweisen von mir erkannt, dass ich alles blockiere, abwehre. Da es mir nun 6 Tage nach der Sitzung immer noch so mies geht, habe ich der Therapeutin eine E-Mail geschrieben und kurz erklärt, dass mich die Sitzung sehr zum Nachdenken über mich gebracht hat und dass ich ihr dies in der nächsten Sitzung erklären möchte. Leider kam da bis jetzt keine Rückmeldung. Ich weiß nicht, ob ich bis zur nächsten Sitzung noch durchhalte :(
 

unschubladisierbar

Aktives Mitglied
Auch ich kann mich nur anschließen. Die Aufgabe eines Therapeuten ist es deine Denkmuster zu erkennen und begleiten dich bei der Problemlösung und helfen dir dich weiterzuentwickeln und dem Umgang mit deinen Problemen. Es ist nicht ihre Aufgabe sich emotional auf Probleme einzulassen, Verständnis zu haben und dich zu trösten . Dafür hat man Familie oder Freunde.
 

Q-cumber

Aktives Mitglied
Liebe/r @VintageDreams,

Ich finde es super, dass Du der Therapeutin eine Mail geschrieben hast - so kommt ihr bei der nächsten Sitzung auf jeden Fall ins Gespräch über das, was Dich umtreibt.
Es besteht also eine große Diskrepanz zwischen Deiner äußeren Fassade und Deinem Innenleben, wenn ich Dich richtig verstehe.
Und es klingt, als ob Du und die Therapeutin noch nicht lange zusammenarbeitet.
Zum einen musst Du natürlich überhaupt erst etwas Vertrauen aufbauen können.
Zum anderen muss die Therapeutin Dich natürlich auch erst besser kennenlernen, quasi ein "Gefühl für Dich entwickeln".
Irgendwann werdet ihr Euch so gut kennen, dass sie sehr schnell weiß, wie gut oder schlecht es Dir gerade geht.
Ich drücke Dir die Daumen für ein gutes, nächstes Gespräch!

Und falls die Zeit bis dahin zu lang wird:
- Wenn es Dir ganz mies geht, versuch, sie anzurufen.
- Alternativ könnte die Telefonseelsorge hilfreich sein.
Vorteil: Durch das Telefon bist Du anonymer und traust Dich vielleicht, offener zu reden.
Nachteil: evtl. passt die "Chemie" mit dem Berater nicht.
- Im akuten Notfall: ab in die Notaufnahme der nächstgelegenen Psychiatrie. Evtl. reicht auch schon ein Krisengespräch vor Ort. Falls nicht: ggf. stationäre Aufnahme.

Alles Gute für Dich!
 

bertil

Aktives Mitglied
Auch ich kann mich nur anschließen. Die Aufgabe eines Therapeuten ist es deine Denkmuster zu erkennen und begleiten dich bei der Problemlösung und helfen dir dich weiterzuentwickeln und dem Umgang mit deinen Problemen. Es ist nicht ihre Aufgabe sich emotional auf Probleme einzulassen, Verständnis zu haben und dich zu trösten . Dafür hat man Familie oder Freunde.
Dass eine Gattung "Berufsfreunde" schön langsam zu einer psychosozialen Notwendigkeit wird, die viele Psychotherapien ersetzen könnte....ist halt leider auch traurige Gegebenheit. Aber ja, wie Du sagst wäre es ein anderes Berufsbild!

Lehrer kämpfen ja auch schwer mit diesen sozialen Defiziten. Meine Tante hat mit folgendem Gebrüll in der Direktion an den Nagel gehängt:

"Verdammt ich bin Didaktikerin, das habe ich gelernt und diese Rolle wurde mir zugesagt. Ich habe diese Unverschämtheit satt, dass ich meine Schüler psychotherapeutisch betreuen soll" :)

Neues Familienbewusstsein und klassische Wiederbelebung von Freundschaft könnte also vielen ihre Profession erleichtern - und manche teure Therapie ersparen.
 
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