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Ist das Leben schön?

M

Marina2

Gast
Ich muss mir mal eben etwas von der Seele schreiben.

Und zwar habe ich gerade den Bambi 2008 angesehen, und danach die Sendung Red.
Irgendwie fühle ich mich gerade total unwohl.

Vielleicht ein paar Worte zu mir:

Ich bin Mitte 20, kaufmännische Angestellte, habe einen lieben Freund, ein Auto und eine kleine aber feine Wohnung. Viel Geld für besondere Urlaube oder Luxus habe ich nicht.

Jetzt dachte ich wieder vorhin welch falsches Bild einem in Werbung und Fernsehen doch vermittelt wird. Dubai, die Reichen und die Schönen, die Großunternehmer, Vorstände, Stars die für einen Auftritt 3 Mio. kassieren.. usw...
Kann es sein, dass die Menschheit zunehmend auf Geld, Schönheit, Luxus und Karriere aus ist?

Da wird auf der einen Seite der Welt ein Millionen Feuerwerk für eine Hoteleinweihung verpulvert, während auf einer anderen Seite dutzende Kinder an Hungersnot sterben.

Mich würde mal interessieren wie ihr euch definiert?
Für mich zählen z.B noch die "einfachen" Dinge - ich kann glücklich sein wenn mein Freund mich umarmt, wenn wir beide in der Abendsonne spatzieren, wenn ich Sport treiben kann, und vor allem wenn ich gesund bin.

Sobald ich aber den Fernseher anmache oder auch mit Freunden diskutiere, geht alles um die oben beschriebenen Punkte, so dass man schon meint mit Gewalt "dazugehören" zu müssen bzw. ohne Geld und Ansehen nichts wert ist.

Dabei sieht man doch immer nur die denen es gut geht, die es "geschafft" haben, die ganz oben sind, die sich mit Geldscheinen ihre Zigarre anzünden, sich in diversen Internetportalen selbst darstellen etc...

Findet Ihr dass meine Gedanken konfus sind, oder sieht das jemand von Euch ähnlich? Ich spreche auch nicht aus Neid, mache mir nur so langsam meine Gedanken weil man eben den Eindruck gewinnt, ohne "besondere" Eigenschaften nichts zu sein.
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo Marina,
ich bin Mitte 40 und kann mich an die Zeit erinnern, als ich so alt war wie du heute. Damals hatte ich einen "erfolgreichen" Betrieb (Jungunternehmer hieß das damals) und investierte so zwischen 60 und 100 Stunden pro Woche in die Arbeit - natürlich machte sie mir Spaß, brachte viele Kontakte und natürlich ein gutes Einkommen. Was mir erst spät auffiel: Ich tauschte zu viel Zeit gegen (relativ viel) Geld. Und die Lebenszeit lässt sich nunmal kaum vermehren.

Und was vor allem zu kurz kam - und ich könnte mir vorstellen, das ist es, was du auch merkst - das Dasein an sich im Gegensatz zum "Haben" (Titel, Gegenstände, Geld etc.)

Was mir damals (und heute) geholfen hat, die Balance zwischen den Dingen wieder zu finden (ich glaube, als Kind hatte ich sie schon einmal), waren vor allem das Buch "Walden" von Henry David Thoreau und Seneca - z.B. "Von der Kürze des Lebens" und "Vom glücklichen Leben".

Mir scheint einfach, wir haben uns (im industrialisierten Teil der Welt vor allem) weit von unserem natürlichen Leben entfernt, das wir ca. 95% der Menschheitsgeschichte gelebt haben. Dadurch haben wir zwar viel gewonnen - aber vermutlich mehr verloren. Als Vergleichsmaßstab dienen mir hier z.B. die Buschleute im Süden Afrikas - es lohnt sich, einmal über sie zu lesen.

Grüße, Werner
 

pete

Sehr aktives Mitglied
Hallo Marina,

zumindest wird uns dieses Bild, das allein Reichtum/Erfolg das wäre was zählt, seit Jahrzehnten vermittelt. Status, gesellschaftliches Ansehen, und all der Bullshit.

Einige sehen das schon in jungen Jahren kritisch, manche hinterfragen es erst in der Midlife-Crisis, nachdem sie einige Jahre/Jahrzehnte so agiert haben und merken dass ihnen was fehlt. Leider merken es manche garnicht.

Wer sich nicht an den "kleinen Dingen" des Lebens freuen kann, ist ein armer Mensch, und sei er Milliardär. Mit so einem würde ich nicht tauschen wollen.

Peter
 
M

Marina2

Gast
Naja, also ich spreche wirklich nicht aus Neid, nur wenn ich im Fernsehen Unternehmer X sehe, der es eben "geschafft" hat, sich täglich überlegt welchen seiner 10 Luxuskarossen er nimmt, in Dubai sitzt und sich mit nem 100ter die Zigarre anzündet, dann frage ich mich brauche ich das?

Ist er ein besserer Mensch?
kann ich auch ohne Luxus glücklich sein?
Ist das Leben nicht zu kostbar um es sich schon frühzeitig durch Karrieredruck (hauptsache viiiel Geld), Burnouts und fast kompletten Freizeitverlust steinig zu gestalten?

Es heißt ja immer das leben ist kein Schlotzer, ok ich selbst bin ja auch bereit länger zu arbeiten oder mich anzustrengen. Trotzdem will ich auch die schönen Seiten nicht missen, ob mit oder ohne viel Geld.
 
C

collie

Gast
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit weniger viel glücklicher sein kann.

Wer viel hat (materielles) muss sich auch um viel mehr Gedanken machen.

Eine liebe Familie, ein glückliches Zusammenleben, einen Wohlfühlort (eine kleine aber feine Wohnung:)), sowas findet man nicht jeden Tag und kann es nicht kaufen.

Deswegen sag ich, das Leben ist schön, wenn man sich es selbst auch schön macht und nicht mit Maßstäben von Anderen mithalten muss oder will.

Ich mag die kleinen Dinge des Lebens, sie machen es für mich schön.
Wenn mich mein Kind früh morgens anlacht, kann kommen was will, dann ist für mich in diesem Moment das Leben schön.

LG Collie
 
C

ChriMi

Gast
Zunächst erst mal meine Antwort auf die Frage im Titel. Ist das Leben schön? Aus meiner Sicht, JA.
Ich halte es da mit Werner. Ich tausche (relativ) viel Zeit gegen (relativ) viel Geld. Ich kann das, es macht mir Spaß und ich bin einigermaßen zufrieden damit. Mein Beruf lässt mir (bedauerlicherweise) wenige Möglichkeiten Zeit für eine Familie aufzubringen, das belastet mich, aber ich habe mich für diesen Weg entschieden. Mein Luxus ist, immer, wenn ich Zeit dafür habe, das zu tun, auf das ich Lust habe, ohne vorher einen Kontoauszug zu holen um zu sehen, ob ich mir das leisten kann.
Mein Luxus ist, mich mit Freunden oder Bekannten treffen, und dann Gas zu geben, ohne an Morgen zu denken.
Mein Luxus ist, sagen zu können, morgen bin ich in London, übermorgen in Palma, wir treffen uns in drei Tagen in Budapest und machen die Nacht zum Tag. Dafür hätte ich noch viele Beispiele, aber das soll erst mal reichen.
Nun die Gegenseite, kein Luxus ist, abends nach Hause zu kommen und in der kalten Wohnung niemanden vorzufinden, mit dem man den Abend verbringen kann.
Kein Luxus ist, ein tolles Wochenende zu verleben, es aber mit niemandem zu teilen.
Und kein Luxus ist, an Weihnachten zu arbeiten, weil es ja doch niemanden stört, wenn man nicht zu Hause ist.
Schlagen wir den Bogen zu Deiner Geschichte. Deine Grundvoraussetzungen klingen ganz gut. Offenbar hast Du sehr viel davon was andere Menschen sich nur wünschen können. Liebe, Arbeit, Wohnung, alles keine „Selbstverständlichkeiten“ in der heutigen Gesellschaft. Du schreibst, für Dich zählen noch die einfachen Dinge. Das ist klar, denn Deine (und auch meine) Basis sind fest. Wir machen uns keine Sorgen um einen warmen Schlafplatz. Essen? Kühlschrank! – Duschen? Badezimmer! – Licht? Schalter!
All dies ist für uns selbstverständlich. Und das ist auch gut so. Irgendwo ganz tief in unserem Bewusstsein sind wir vielleicht sogar dankbar dafür.
Jetzt schlagen wir den Bogen weiter, zu den Menschen, für die das nicht so selbstverständlich ist. Damit meine ich nicht Menschen, die in einem fernen Land in einer Strohhütte leben, damit meine ich Menschen hier, unter uns, in Westeuropa. Viele, viel zu viele erfahren diese Selbstverständlichkeiten nicht. Viele, ob in Deutschland oder meiner Heimat, fragen sich spätestens in der Mitte des Monats, wie sie die nächsten Wochen überleben sollen. Diese Menschen interessiert kein Spaziergang im Abendsonnenschein, diese Menschen interessiert, wie sie die nächsten zwei Wochen bis zum Zahltag überleben können.
Und hier greift das Fernsehen oder die Boulevardpresse mit ihrer Berichterstattung über die Reichen und Schönen ein. Hier suggeriert man den Menschen, dass sie ES schaffen können. Es ist die alte Geschichte vom Tellerwäscher, der Millionär wird. Irgendein talentfreies Filmsternchen steigt in die große Glitzerwelt des Glamour auf. Wir alle streben nach oben, wir alle wünschen uns, in den verschiedensten Ausprägungen, einen Aufstieg. Und genau das wird uns im Fernsehen gezeigt. Man zeigt uns, was wir angeblich erreichen können. Und bis es soweit ist, dürfen wir uns schon mal anschauen, was die machen, die es schon geschafft haben. Das taugt zum Einen als Ansporn es selber zu versuchen (eher selten) zum Anderen als Ablenkung vom eigenen tristen Dasein (eher häufig).
Um jetzt eine Deiner Fragen zu beantworten: Ja, ich definiere mich über das was ich erreicht habe, was ich mir leisten kann und was andere von mir denken. ABER ich definiere mich auch darüber, was ich an ehrenamtlicher Arbeit für sozial schwache tue und was ich noch nicht erreicht habe. Ich definiere mich auch über meine Ziele… Und sollte ich einmal so weit sein, dass ich mir eine Zigarre mit einem Geldschein anzünden kann, dann werde ich mich auch darüber definieren. Bis dahin, ist eine Umarmung eines geliebten Menschen oder ein Spaziergang im Abendsonnenschein eine perfekte Alternative.
Ganz zum Schluss, Deine Gedanken sind nicht konfus, was Du schreibst zeigt nur, dass Du Dir überhaupt Gedanken machst. Mein Rat allerdings ist, mach Dir diese Gedanken, aber vergiss nicht, dass Du und nur Du Deines Glückes Schmied bist. In diesem Sinne, überlege Dir, ob Du Lust, Zeit und Gelegenheit hast, Dein Glück mit Anderen, die es nicht so gut haben, zu teilen. Und wenn nicht, auch nicht schlimm, denn auch alle Anderen sind ihres Glückes Schmied. Jeder Einzelne kann sich entwickeln, jeder Einzelne hat irgendeine Möglichkeit (auch wenn sie noch so klein ist) und auch wenn das hier im "Opferforum", wo immer irgendwelche "Umstände" am Versagen schuld sind, nicht gerne gelesen wird, jeder hat immer wieder eine Chance. Ansonsten, lass das Fernsehen über die High Society berichten, die „Stars“ die dort zu sehen sind, sind schon morgen vergessen und müssen sich wieder um ihre eigenen Probleme kümmern.
Ein schönes Wochenende wünsche ich…
 
Zuletzt bearbeitet:

Pseudosmile

Mitglied
Aber wer sagt denn, dass die "Reichen und Schönen" die kleineren Dinge des Lebens nicht schätzen? Wir kennen sie nur aus dem Fernsehen, sie tun auch vieles was ihr Manager sagt. Wir wissen nicht, ob sie sich nicht auch freuen, wenn sie ein normales Weihnachten bei der Familie verbringen können oder sich auch gerne mit Freunden auf einen Kaffee treffen.

Ich würde es also nicht so plauschal sagen, dass alle Stars egoistisch oder verliebt in Luxus und Geld sind. Es ist Teil ihres Jobs, in der Öffentlichkeit zu stehen und Dinge für ihre Karriere zu tun, die für uns vielleicht als egoistisch rüberkommen. In ihrer Branche verdient man nunmal viel mehr Geld; sollten sie es also zum "Schutz" der "Normalen" nicht ausgeben? Hätte ich 20Mio oder mehr auf dem Konto, würde ich mir wahrscheinlich auch nicht einen VW Golf kaufen oder in einer Doppelhaushälfte wohnen.

Klar gibt es Stars, die 20 Reality-Shows über sich drehen in der Hoffnung, ihre Karriere anzukurbeln. Aber es gibt auch welche, die ihren Erfolg nicht an die große Glocke hängen.


Und selbst jeder Star braucht die "normalen" Menschen; die Industriekaufleute, Tierärzte, Müllmänner, Verkäufer, Putzfrauen, usw.
 
S

Sibel

Gast
Hallo Pseudosmile,

das mag ja sein, aber ich glaube gernerell wurde an der Gesellschaft an sich kritisiert, dass es quasi "in" und "Pflicht" ist, gut auszusehen, viel Geld und Status zu haben, ich selbst bin ebenfalls der Meinung dass der Mensch dahingehend abstumpft.
 

samsa

Mitglied
Also ich muss sagen, dass ich absolut nicht das Gefühl bekomme, weniger wert zu sein, wenn ich im Fernsehen die High-Society präsentiert bekomme. Aus irgendeinem Grund reagiere ich auf sowas allergisch, das Auftreten und die Mentalität dieser Menschen sind mir ehrlich gesagt extrem zuwider, sodass ich mich von sowas lieber distanzieren möchte. Eine Vorbildfunktion kann ich darin eigentlich auch nicht erkennen, ich würde lieber alles dafür tun, so einem Schicksal zu entrinnen. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht welche Zielgruppe mit diesem Boulevard-Mist überhaupt angesprochen werden soll. Das einzige was mir da in den Sinn kommt, sind kleine Teenager, die ständig neue Gerüchte über ihre schönen, reichen Stars erhaschen wollen... Die größte Heuchelei ist es jedoch, wenn sich einer dieser im Luxus ertrinkenden Menschen dazu "erbarmt" in ein 3.Welt Land zu reisen, um auf die Armut mancher Völker aufmerksam zu machen... kurze Zeit später sitzen diese wieder bei sich im Pool und haben nichts zu beklagen...
Ich denke, mich könnte so eine Lebensweise nicht glücklich machen. Allerdings denke ich, das das auch mit dem Charakter zu tun hat. Manche Menschen sind möglicherweise ehrgeiziger im Hinblick auf die Karriere und finden nur Erfüllung, wenn sie viel Geld verdienen. Ich persönlich fühle mich wohl, wenn ich ein bescheidenes Leben mit den "kleinen Freuden" führen kann. Doch muss ein gewisser Grundlebensstandart schon gegeben sein, wi Chrimi schon gesagt hat.
 
Zuletzt bearbeitet:

Sweetdream

Mitglied
Ich antworte auch mit einem klaren JA! Meiner kleinen Familie gehts momentan finanziell auch nicht so gut, ich hab in diesem Jahr gleich zwei geliebte Menschen verloren, bin arbeitslos und bin ab und zu auch zwiegespalten was meine Zukunft angeht. ABER ich antworte Dir jetzt mal mit der krassen Gegensatz-Sendung zu der Bambi-Verleihung, Marina. Und zwar sehe ich mir Dienstags immer gerne auf RTLII "Zuhause im Glück" an, kennst Du vielleicht. Da bekommen Leute denen es nicht gut geht, eine komplette Wohnung renoviert, behindertengerecht wenn nötig. Natürlich spekulieren die Medien da auch auf die Einschaltquoten, aber die Schicksale der Menschen dort sind teilweise echt heftig! Manche wissen dass sie nicht mehr lange zu leben haben, andere haben schwer kranke Kinder, müssen ihren Partner pflegen usw. DAS finde ich wirklich schlimm! Ich hab letztens zu meinem Mann gesagt, unsere Probleme sind dagegen eigentlich ein Witz, wir haben uns, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir sind gesund und unser Sohn ist gesund und ein wirklich liebes und kluges Kind. Wir sind es gewohnt mit wenig Geld auszukommen und so erziehen wir auch den Kleinen. Natürlich ist es angenehm, sich alles leisten zu können aber man verliert dabei auch das Gefühl für die kleinen und wirklich wichtigen Dinge im Leben. Es gibt so viele Menschen denen es beiweiten schlechter geht als uns und deswegen würde ich mich schämen zu behaupten das Leben wäre nicht schön!
 

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