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Ist alles streben vergebens?

Marmasso

Mitglied
Hallo ihr lieben,


meine Situation ist folgende:


eigentlich führe ich ein sehr geruhsames Leben und auch der Erfolg im Leben scheint sich so langsam einzustellen. Aber nichts davon ist für mich greifbar. Alles scheint nicht mir zu passieren sondern nur um mich herum. So als dürfte ich meine Erfolge, meine Wünsche und Sehnsüchte, wie mein eigenes unfertiges Gemälde nur anschauen, aber auf der Berührung, oder gar der Vollendung steht die Todesstrafe.


Zurzeit befinde ich mich in einer Umschulung zur Fachkraft Lagerlogistik, für diese habe ich kämpfen müssen. Die Umschulung selbst läuft mir eigentlich leicht von der Hand, eine Zwischennote von 1,6 sowie eine Zwischenprüfung mit der Note 2 sind eigentlich Grund genug zur Freude. Mir aber bringen sie keinen Segen. Statt mich zu freuen und offensive damit zu werben, fürchte ich mich, der Note nicht gerecht zu werden, nur ein weiterer Fachidiot zu sein.


Auch zwischenmenschlich liegt einiges im argen. Einfach jemanden ansprechen, sich neben jemanden setzen, ausgehen, während dem Unterricht einen eigenen Beitrag einbringen, alles undenkbar. Ich schäme mich meiner Unzulänglichkeiten, die dann offenkundig werden würden. Bitte keine Demütigungen! Auch wenn mir die anderen versichern das ich wort- gewand (-gewaltig), intelligent und hilfsbereit sei. Kann ich es glauben? Warum stehe ich dann nicht dahinter?


Auch fühle ich mich seit geraumer zeit wieder zu Frauen hingezogen, jedoch wie dieses Bedürfnis stillen? Für meine Umwelt bin ich zu leise, zu unscheinbar, zu gutherzig, zu wenig "A*******."
Ich kam auf die fixe Idee das sich mit der Gewichtsreduktion auch der Rest einrenkt. Blödsinn!
Ja ich arbeite an meinem Äußeren, habe nun rund 5 Kilo abgenommen und will weiter machen, bin für richtigen Sport jedoch noch zu schwer. Aber reicht das? Macht mich das zu einem anderen Menschen, zu einem Menschen der von sich selbst überzeugt ist? Schließlich heißt es doch, liebe dich selbst wie deinen nächsten. Muss ich mich erst selbst lieben lernen, aber wie? Was ist euer Geheimnis warum gelingt den anderen alles, nur ich scheine meine Ketten nicht los zu werden? Ich sehne mich im Grund meine Herzens nach nähe und …


Ist alles streben vergebens?
 

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bird on the wire

Aktives Mitglied
Nein, alles Streben ist nicht vergebens.

Es braucht Zeit sich wahrhaftig kennenzulernen. Auch seine Stärken und liebenswerten Seiten kennenzulernen. Und anzunehmen. Und sich damit zu verabschieden von dem einseitigen Bild, das man sich von sich selbst bisher gemacht hat. Das meistens aufgrund negativer Rückmeldungen und Erlebnisse in der Kindheit geformt wurde.

Es ist der Prozeß der Selbstfindung, des sich "selbst bewußt werdens".


Schau, Du machst Erfahrungen - gute Noten - und bekommst positive Rückmeldungen von anderen. Aber anstatt Dein Bild von Dir zu korrigieren. Ordnest Du das - noch - falsch ein und glaubst, die anderen müßten sich irren und die Lehrer machen bei der Notengebung was falsch und Du könntest dem nicht gerecht werden. Weil dir beim Abgleich mit dem Bild, das Du aufgrund alter Erfahrungen und Rückmeldungen von Dir geformt hast, eine Differenz auffällt.

Was Du jedoch nicht in Betracht ziehst, ist daß Dein Selbstbild falsch oder stark einseitig sein könnte. Überleg mal genau zurück, wann sich Dein Selbstbild geformt hat. Wie alt warst Du da? Wann bekamst Du Rückmeldungen, die zu dem schlechten Selbstbild geführt haben?

Würdest Du im Rückblick sagen, daß Du in dem Alter schon den Überblick hattest? Und eine genaue Menschenkenntnis? Und genug Lebenserfahrung, um abzuschätzen, ob das was Dir gesagt und gespiegelt wird, wahr ist?

Ein Beispiel: Ich bin bis vor 2 oder 3 Jahren fest der Überzeugung gewesen, daß ich faul bin und viel lüge. Ich hatte das nie wirklich hinterfragt, wo die Überzeugung herkommt. Ich hatte sie irgendwie schon immer und war sicher, daß sie stimmt. Außerdem hatte mir meine Mutter ja immer genau das als Kind gesagt... Und da wurde ich stutzig. Ich habe mir das im Rückblick mit meinem heutigen Erwachsenenblick mal angesehen, ob ich wirklich als Kind faul war und immer gelogen habe. Als ich mir die Pflichten, die ich als Kind im Haushalt hatte + Schule + kreative Tätigkeiten ansah, wurde mir klar, daß ich kein faules Kind war. Und heute bin ich auch nicht faul. Und als Kind habe ich nicht mehr und nicht weniger gelogen als Kinder es nun mal tun, die viel Phantasie haben und in dem Alter oft nicht zwischen Realität und Phantasie unterscheiden können. Die auch Ausflüchte nutzen, um Strafen zu entgehen oder andere nicht zu verletzen. Also alles im normalen und akzeptablen Rahmen. Und heute lüge ich bewußt nie.
Es war echt erschütternd für mich, zu sehen, daß ich all die Jahre Sorge hatte, daß meine Mitmenschen dahinterkommen könnten, daß ich ja eigentlich ein ganz fauler, verlogener Mensch bin, daß ich mich immer deswegen geschämt habe und versucht habe meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu verbergen, obwohl dafür objektiv gar kein Grund vorhanden war. Sondern ich einfach ein Selbstbild aufgrund bestimmter Aussagen und Erlebnisse zu einem Zeitpunkt aufgebaut hatte, an dem ich das tatsächlich noch gar nicht einschätzen konnte.

Ich konnte das Kind, das sich mal vor einer Hausarbeit gedrückt hat oder mal eine unwahre Geschichte erzählt hatte als heute Erwachsene mit viel Nachsicht und Wohlwollen betrachten.

Und ab der Erkenntnis hat sich mein Selbstbild in den zwei Punkten korrigiert.

Das wird Dir bestimmt auch gelingen, wenn Du Dir genug Zeit läßt. Und bereit bist, Dein bisheriges Selbstbild zu hinterfragen.


Das mit dem Abnehmen ist aus anderem Grund gut. Gönne Deinem Körper, der Dich so wunderbar trägt, etwas von seiner Last loswerden zu dürfen.
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Selbstbild:

Kennst Du die Geschichte von Karl dem Pechvogel?

Die geht so:

Karl war überzeugt ein Pechvogel zu sein. Ein redlicher, aber von keinem Glück begünstigter Mann.
Eines Tages gewann er einen großen Betrag mit seinem Los.
Es stand in der Zeitung, und so konnte er es nicht leugnen.
Aber Karl zweifelte nicht daran, ein Pechvogel zu sein. Karl zweifelte an der staatlichen Lotterie.
Er war so verwirrt deswegen, daß er, als er von der Bank kam, tatsächlich seine Brieftasche verlor...


Ich glaube, er war erleichtert, daß er sein Selbstbild nicht korrigieren mußte...

Aber schade ist es schon, oder?
Vielleicht willst Du es besser machen?
 

Wandel

Aktives Mitglied
Sorge dich nicht um die Zukunft. Wenn du jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gehst bist du heute deinem Ziel immer näher als gestern! :)
 

Marmasso

Mitglied
Ein Nachtrag

Wenn ich mich recht erinnere war ich als kleines Kind bekannt für meine freundlich- und Höflichkeit. Die Leute haben glaube ich sogar meine Mutter darauf angesprochen und sie um ihren Sohn beneidet. Auch war ich ein sehr neugieriges und aktives Kind. Laut meiner Mutter habe ich mich jedoch schon im Kindergarten nicht gegen Repressalien gewehrt, sondern habe versucht ihnen aus dem weg zu gehen, bzw. es über mich ergehen lassen. Die Schule war mir ein Graus, ich war wohl der stillste und schlechteste Schüler von allen. Auch hier habe ich wieder alle Brutalität über mich ergehe lassen. Außer den Naturkundefächern waren mir alle anderen egal, dementsprechend auch meine Zeugnisse. Als ich dann von der Grundschule in die Hauptschule wechselte brach für meine Familie die Welt zusammen. Außer mir war der gesamte Familienzuwachs auf höheren Schulen, von da an war ich das schwarze Schaf der Familie. Nach und nach wich das Selbstbewusstsein einem Grundmisstrauen erst gegen andere bis es sich schließlich in Selbsthass manifestierte. Es war wohl die Machtlosigkeit mit er ich zusehen musste wie die Welt um mich zerbrach und ich zu klein war mich dagegen zu stemmen. Krankheit, Siechtum und Tod haben meine gesamte Jugend beherrscht, ein Familienmitglied nach dem anderen starb. Die Frage nach dem Sinn im Leben war wohl schon in jungen Jahren ins wanken geraten.
 

maryanne

Aktives Mitglied
Es gibt ja Leute, die kommen mit Misserfolgen psychisch wohl besser klar, als mit Erfolg. Denn das kennen sie. Ein echter Erfolg macht Angst.

Betrachte all das was in deinem Leben nun passiert als Lektionen auf dem Weg erwachsen zu werden. Und das Erwachsenwerden hat mit dem Alter nichts zu tun.

Sei einfach neugierig, was das Leben für dich bereithält.

Du denkst gerade sehr viel an deine Mutter und an die Art und Weise, wie sie dich erzogen hat und was sie dir mit auf den Weg gegeben hat. Aber da war ja nicht nur deine Mutter sondern auch noch andere Leute, die vielleicht ganz anders waren...mach dich frei von dem was deine Mutter dir überstülpen wollte.

Du bist selbst deines Glückes Schmied, so ist das. Das ist dein Leben, horche in dich hinein, fühle in dich hinein. Lerne deine Grenzen kennen und habe Mut.

Und hab keine Angst vor den Weibern! Die ticken nämlich im Grunde ganz ganauso wie die Männer!;)
 
G

Gast

Gast
Es scheint wohl so, das die Sicht auf sich selbst von den eigenen Erinnerung und erlebten gespeist werden. Ist es dann möglich diese Erinnerungen so zu verändern das sie sich positiv auf mich auswirken?

Oder kann das Ziel nur sein Frieden mit sich selbst, sprich mit seinem inneren Kind zu schließen? Dann aber bleibt die Frage nach dem wie?Wiehabt ihr es geschaft euer eigenes euch so fremdes "Kind" zu einem verbündeten zumachen
Oder ist es am Ende gar in euch aufgegangen? Als eine Persönlichkeit.
 

Marmasso

Mitglied
Ich hatte heute morgen ein kleines Gesprächit mit einer mir unbekannten Umschülerin. Zwar ging das Gespräch von ihr aus aber dennoch mag es:eek::eek: ein schritt in die richtige Richtung sein. Nein, es ist die richtige Richtung. Findet ihr das genauso?
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Findet ihr das genauso?
Ja.

Vielleicht biste doch nicht so unscheinbar? Und zumindest nicht zu still für ein nettes Gespräch? Kann das sein?
Und kann das auch sein, daß Du Dein Selbstbild ein klitzekleines bißchen korrigieren darfst?

Viel Freude an Deinen zukünftigen Erfahrungen wünsche ich Dir. Vor allem an den guten Erfahrungen. Vielleicht beobachtest Du Dich in nächster Zeit mal selbst und immer dann, wenn Dir was Gutes wiederfährt und Du reflexartig denkst, "das habe ich doch nicht verdient" oder "das gilt doch gar nicht mir" oder "das ist nur Zufall, daß ich das geschafft habe" - dann hinterfrage Dich und erlaube Dir einfach mal anzunehmen, daß Du es verdient hast, daß Du ok bist, daß Du etwas schaffst, weil Du es gut gemacht hast. Man kann das trainieren, wenn man sich die negative Gedankenspirale bewußt macht.
 

Marmasso

Mitglied
Ich danke allen für ihre Unterstützung und werde versuchen durch eure Ratschläge ein besserer Mensch zu werden
Alles gute auf eurem Wegen. Dir birdy alle Kraft damit du deinen Weg weiter gehen kannst.
 

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