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Ich weiß nicht mehr weiter !!!

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Gast

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Das Problem betrifft vielmehr meinen zwei Jahre älteren Bruder mit
welchem ich noch zusammen lebe.

Er ist sechsundzwanzig und ich bin vierundzwanzig Jahre alt. Seit Beginn des Jahres ist er arbeitslos. Zuvor war er langjährig im Rohrleitungsbau beschäftigt und verdiente exzellent.

Ich bin seit Ende des letzten Jahres aufgrund psychischer Folgen nach einem 2012 stattgefundenen sechsmonatigen Auslandseinsatz krank geschrieben. Ich war insgesamt fünf Jahre als Zeitsoldat tätig. Eine mehrmonatige stationäre Psychotherapie ist angesetzt.
Stehe auf der Warteliste der Klinik.

Die Diagnosen lauten Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Dissoziative Störung und
paranoide Verhaltensstörungen.

Mein Bruder bekommt seit Beginn seiner Arbeitslosigkeit sprichwörtlich den Hintern nicht mehr hoch. Er öffnet seit Beginn des Jahres keine Post mehr. Weder Mahnungen noch Gerichtsschreiben, welche mit Zwangsvollstreckung zu tun haben.

Die Mietzahlungen wurden von unserer Seite im letzen Jahr aufgrund erheblicher Mängel gemindert. Nach schriftlicher Aufforderung zur Behebung, Dokumentation der Mängel und Fristsetzung und der ausbleibenden Behebung, haben wir die Mietzahlungen komplett eingestellt. Der Vermieter sieht sich im Recht und hat inzwischen eine Räumungsklage beim zuständigen Amtsgericht eingereicht. Das Ergebnis steht noch aus. Er möchte angeblich zu seiner Freundin ziehen und ich suche auch schon seit langem verzweifelt eine Wohnung. Aufgrund des veralteten Mietspiegels gestaltet sich dieses Unterfangen äußerst schwierig. Zumal ich inzwischen als vorübergehend erwerbsunfähig eingestuft wurde.

Da der Betrag an den Energielieferanten (Gas) bislang von seinem Konto überwiesen wurde, ging ich bis vor mehreren Monaten davon aus, dass der Betrag auch weiterhin überwiesen wurde. Habe ihm meinen Anteil immer zur Einzahlung und darauffolgenden Überweisung ausgehändigt. Mein Bruder hat es nicht überwiesen und wie er mir sagte die zuständige Sachbearbeiterin zwecks Zahlungsforderung auf mich verwiesen, obwohl wir beide im Vertrag stehen. Gestern kam trotz Widerspruch ein Vollstreckungsbescheid ins Haus geflattert, in welchem man von mir mehrere hundert Euro fordert. Mein Bruder muss nichts zahlen. Frage mich wie soetwas überhaupt möglich ist.

Vor rund einer Woche hat mein Bruder mir Geld geklaut, war dann zur Blutspende wofür ich 25€ erhalten habe und habe ihn aus Gutmütigkeit mit versorgt. Ich mahnte jedoch zur Einteilung der Lebensmittel, woraufhin er mich beleidigte und mir in den Unterleib und mit voller Wucht
gegen die Hüfte getreten hat.

Besteht die Möglichkeit, dass ich ihn entmündigen und einweisen lassen kann oder ich ihn trotz Aufführung im Mietvertrag aus der Wohnung werfen kann. Habe keinen Nerv mehr dafür. Zumal meine Anspannung, welche seit Monaten besteht aufgrund fehlender Impulskontrolle in erheblichen Straftaten gipfelt. Bin nicht vorbestraft, aber eine weitere Einstellung eines Verfahrens nach Einstellung von zweiundzwanzig Ermittlungsverfahren und drei Gerichtsverfahren halte ich für unwahrscheinlich. Kann inzwischen die Wohnung mit diesen Schreiben tapezieren. Was kann ich tun ?
 

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Gast

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Weil der den Hintern nicht mehr hoch bekommt, sich total isoliert, fast nur noch im Zimmer ist, die Post nicht mehr öffnet, aggressiv ist, nichts mehr im Haushalt tut und in den Tag hinein lebt. Zudem hatte er nach einem Probearbeiten im Mai diesen Jahres einen Suizidversuch und schrieb mir zuvor bei WhatsApp, dass er allem ein Ende setzen würde und irgendwann, dass die Arme jetzt schon aufgeschnitten wären. Bis dahin dachte ich immer, dass mein Bruder psychisch gesund sei. Dieses Verhalten kommt für mich wie eine Mischung aus Depressionen und Borderline herüber.
 
T

tuny

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Hallo Gast,

rein äußerlich betrachtet sind es natürlich alles nur "technische" Fragen, die da über den weiteren Verlauf entscheiden. Ob er nun endlich seinen Hintern hoch bekommt, ob du ein rechtliches Mittel in der Hand hst, welche Diagnosen bescheinigt wurden und so weiter. Und natürlich ließe sich auf dieser formalen Ebene sicher etwas machen, auch wenn die Lage zugegeben sehr verzwickt wirkt. Aber ich bin mir fast sicher, dass wir auf dieser Ebene am eigentlichen Kern der Dinge vorbeigehen, und daher will ich den Fokus mal für einen Moment etwas verschieben:

Ich selber habe solche Erfahrungen, wie du sie da draußen offenbar gemacht hast, nicht selbst durchmachen müssen. Aber deine Diagnosen sprechen Bände. Wo du warst und was du erlebt hast weiß ich im Einzelnen natürlich nicht, aber ich weiß, dass in solchen "Einsätzen" all das nicht mehr zählt, was Menschen eigentlich zu Menschen macht. Man wird zu einem Befehlsempfänger degradiert und das individuelle Leben in all seiner Reichhaltigkeit wird zum bedeutungslosen Instrument um Sieg oder Niederlage umfunktioniert. Alles reduziert sich auf rein technische und funktionale Zusammenhänge, Befehlsketten, kalte strategische Logik. Gefühle, Träume, Persönlichkeit und Wünsche und sanftere Zusammenhänge haben dort keinen Platz. Leider haben dann viele heimgekehrte Soldaten gelernt, dass sie sich zum reinen Überleben dieser kalten Logik und dem Gehorsam unterwerfen mussten. Dabei geht der Kern der Menschlichkeit verloren und muss dann in mühsamer, meist therapeutischer Arbeit wiedergefunden werden. Das nennen wir postraumatische Belastungsstörung. Es gilt dann in so einer Therapie, wieder Vertrauen in die Menschlichkeit zu ermöglichen trotz aller gegenteiligen Erfahrungen, die sich tief in die Seele eingebrannt haben. Die erlittenen Erfahrungen und Traumata machen das Fallenlassen und Vertrauen unmöglich, Sicherheit wird nur in äußeren, technischen Zusammenhängen wiedergefunden. Auch die Aggression wurde "da draußen" als überlebenswichtig erlebt. Daher nimmt notwendigerweise auch die Impulskontrolle ab. Und all das wird sich zwangsläufig auch in deinem Verhalten ausdrücken.

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine solche Veränderung deinerseits mit der "seelischen Chemie" deines Bruders in einer Weise reagiert haben könnte, dass er selbst in ein tiefes Loch gefallen ist. Je nach seinem Persönlichkeitsbau, den er vorher schon hatte, können dann auch bestimmte Krankheitsbilder ausbrechen, die schon latent angelegt waren, sich aber vorher in dieser Dramatik noch nicht zeigten.

Verstehe mich nicht falsch, ich möchte dich auf garkeinen Fall schuldig sprechen! Du selbst warst das Opfer menschlichster Grausamkeiten und hattest keine andere Wahl. Du hast möglicherweise so etwas wie ein "menschliches Virus" eingeschleppt, für dass es kaum Antikörper und keine geeingete Immunabwehr gibt. Alle Veränderungen bei dir, auch wenn du sie vielleicht garnicht in dieser Schärfe wahrnimmst, sind ein fast zwangsläufiges Resultat bestimmter Erfahrungen. Aber mir liegt viel daran zu sagen, dass es hier sehr wahrscheinlich nicht um ein Verhaltensproblem (Faulheit, Miete nicht bezahlt, Gewalt) handelt, sondern dass das eigentliche Thema viel tiefer in den Grundfragen zur Menschlichkeit selber liegen könnte.

Dass alle materiellen Dinge grade den Bach herunter gehen ist sicher nicht schön und hat Nachteile. Aber hier muss niemand sterben, wenn er eine Weile nicht funktioniert. Der Verlust von Menschlichkeit ist etwas viel schlimmeres und so wünsche ich euch beiden, dass ihr zurückfindet ins Vertrauen und vor allem zueinander. Diagnosen und zeitweise psychische Fehlfunktionen sollen nicht zwischen euch stehen und euch möglicherweise für immer auseinander treiben. Das wäre sehr schade. Und dir, lieber Threadersteller, wünsche ich von Herzen, dass du deine Erfahrungen und Traumata verarbeiten kannst und bald zu dir selbst zurückfindest.
 
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