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Ich und wie ich die Welt sah

Adria78

Aktives Mitglied
Ich dachte Tagebuch hier zu führen wäre mal eine gute Idee. Um den ganzen Müll loszuwerden, der mich beschäftigt.

Wer hier liest, sollte bitte dran denken, das alles subjektiv ist. Ich habe keine Lust stundenlang zu diskutieren, ob die Ansicht oder jene wirklich stimmt. Man kann bestimmt auch nicht aus meinem Geschreibsel sehr viel über mich sagen. Aber ich brauche mal einen Ort um einiges loszuwerden.
 

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Adria78

Aktives Mitglied
Ich bin arbeitslos seit ca. 7 Monaten. Hier in der Ecke einen Job zu finden, das ist sehr schwer. Vor ca. 6 jahren war ich bereits schon einmal arbeitslos. Das dauerte auch über 1,5 Jahre bis ich einen neuen Job hatte. Damals habe ich bemerkt, wie extrem mich Arbeitslosigkeit herunter zieht. Ich mag es auch niemanden erzählen, finde es peinlich. Noch schlimmer ist es, das ich mich nutzlos fühlte.

Im Sommer hatte ich einen kleinen Zusammenbruch, weil ich mich so nutzlos fühlte. Damals bin ich auf die Idee gekommen, meine Zeit damit zu verwenden, das ich mich selbstständig auf Nebenjob-Basis mache.Damit ich etwas zu tun habe, beschäftigt bin. Und ich denke, es macht sich gut im Lebenslauf.

Viel verdiene ich nicht. Nur ein Taschengeld. Ich habe auch nicht viel reingesteckt in meine Selbstständigkeit. Hauptsächlich PC-Arbeit.

Trotzdem konnte ich schon letzten Monat zwei Aufträge ergattern. Einer war recht gut bezahlt, der andere nicht so sehr. Dafür eine renommierte Firma. Die macht sich gut im Lebenslauf, besonders da man zufrieden war mit meiner Arbeit. Ich platzte vor Stolz, war hochmotiviert.

Bis ich einer Verwandten davon erzählte. Dazu muss man wissen, dass ich große Probleme mit meiner Familie habe. Ich hatte Depressionen wegen der Situation, einige Therapien und bin auf Abstand gegangen. Im Prinzip reden wir nur noch das Nötigste. Und am besten übers Wetter.

Was mache ich? Ich erzähle von meinen Aufträgen. Direkt wird wieder rumgestänkert. Dabei würde ich doch nichts verdienen, das ist lächerlich, warum ich überhaupt etwas tue. Ich könnte doch auch brav zuhause bleiben und mich an den Herd ketten. Hausfrau spielen. Was hatte ich erwartete? Ich hätte diese Reaktion, die immer auf meine Arbeit kam, vorher sehen können. Deswegen habe ich auch mit meinem Therapeut besprochen, nicht mehr mit dieser Verwandten über den Job zu sprechen. Was hatte ich erhofft? Das was ich mir immer erhoffe: Anerkennung. Aber an die ist ein Preisschild gebunden.

Genauso wird über meine ehrenamtliche Arbeit gesprochen. Was würde die mir einbringen?

Was bringt es mir ein, wenn ich den ganzen Tag zuhause sitze? So wie im Moment? Und nur am Internet surfe? Was bringt mir DAS ein? So groß ist mein Haushalt nicht, das ich hier 12 Stunden am Tag aufräumen könnte! Mir fällt hier die Decke auf den Kopf.

Auch sonst war das Gespräch wieder sehr negativ.

Vielleicht hätte ich nicht ans Telefon gehen sollen. Ich hatte sowieso einen schlechten Tag, mir ging es körperlich nicht sehr gut. Das macht mich noch verletztlicher.

Gestern hatte ich an dem Gespräch zu knabbern. Heute geht es mir wieder besser. Ich habe diese Woche nicht so viel mit meinem Nebenjob gemacht. Gestern nur das Nötigste (weil es mir wirklich nicht gut ging). Davor die Tage war ich gar nicht zuhause, da habe ich ehrenamtlich gearbeitet. Was ich auch positiv sehe. Ich fände es nur negativ, wenn ich meinen Nebenjob vernachlässige, weil ich zu viel am PC surfe oder TV schaue! Von daher bin ich optimistisch und werde mich nach der Hausarbeit darum kümmern. Es ist schon ein Angang, weil ich mich selbst motivieren muss. Das ist nicht immer einfach.

Heute arbeite ich an einem Auftrag, der mir schon etwas schwer fällt und ich versuche neue Kunden zu gewinnen.
 

Adria78

Aktives Mitglied
Ich plane gerade die nächste Woche. Mein Therapeut hatte mir geraten, dass ich jeden Tag "raus gehe". Am besten unter Menschen, was quatsche. Das ist einfacher gesagt als getan. Außerhalb der Sommerferien geht es noch: Da bin ich zu einigen VHS-Kursen angemeldet. Es geht auch noch, wie letzte Woche. Da habe ich es an drei Tagen geschafft. Gut geschafft. Aber da lag auch viel an, was ich machen konnte.

Und genau da liegt mein Problem: Nächste Woche liegt nichts an. Ich muss mal kurz zum Arzt ein Rezept abholen und wollte mir noch Schuhe einkaufen. Das war es aber.

Hier gibt es nächste Woche einfach auch nichts, wo ich hin könnte. Manchmal gehe ich zu einem Frauentreff. Der ist nur nächste Woche nicht. Ehrenamtliche Arbeit, auch nicht nächste Woche. Museen, Zoos etc. in meiner Umgebung habe ich schon alle durch. Da bleibt nur noch radfahren und spazieren gehen... öde. Und unter Menschen bin ich da auch nicht. Naja, wenn ich Schuhe einkaufe spreche ich auch nicht viel mit Leuten!

Ich frage mich manchmal, wie Therapeuten sich das so denken. Ich kann mich wirklich schlecht auf die Straße stellen und wildfremde Leute anquatschen. Das ist doch total bescheuert.

Ich wollte mir in der nächsten Zeit mal einen Sportverein hier ansehen. Leider soll es nächste Woche wieder brüllend heiß werden. Da kann ich Sport auch knicken.

Ich habe einfach keine Idee, wie ich das nächste Woche bewerkstelligen soll. Von "sinnvoller" oder "schöner Beschäftigung" ganz zu schweigen. Das ist nächste Woche nur Zeit tot schlagen. Das wollte ich eigentlich auch nicht mehr.

Mein Nebenjob ist ca. eine Stunde pro Tag, das füllt leider auch die Zeit nicht so aus wie ich es mir wünsche.
 

Adria78

Aktives Mitglied
Im Moment mache ich wirklich gar nichts, außer vorm PC hängen. Bei mir ist es seltsam, ich brauche ein wenig Druck/Streß um wirklich in Gang zu kommen. Heute steht nur einkaufen an und dazu kann ich mich nicht aufraffen.

Aber ich habe mir Gedanken gemacht. Weil ewig möchte ich hier zuhause wirklich nicht so sinnlos rumhängen. Ich überlege, ob ich nicht ein Bufdi-Jahr machen sollte. Das wäre besser als ehrenamtlich zu arbeiten, vielleicht komme ich so auch an einem neuen Job. Natürlich bin ich wieder unsicher. Schaffe ich es? Kann ich das, was gefordert wird?

Was ich manchmal bräuchte wäre Mut und Selbstvertrauen. Das ist auch eine Eigenschaft, die ich am meisten bei anderen Menschen bewundere!
 

Adria78

Aktives Mitglied
Ich und meine Glaubensgrundsätze :

Das Tief das mich die letzen Wochen quälte ist überwunden. (Hoffe ich zumindest). Sehe wieder optimistischer in die Zukunft.

Ich hatte im Mai eine Dame kennen gelernt, die sich mit mir zum sporteln verabreden wollte. Was ich damals nicht wußte, das sie depressiv ist. Und in den folgenden Wochen hat sie mich mit runter gezogen. Bis ich dann einen Schlusstrich gezogen habe und sie auch nicht mehr sehe.

Ja, zum runterziehen gehören immer ZWEI. Aber sie hat es geschafft, genau meine Knöpfe zu drücken, meine Ängste zu aktivieren etc.

Es geht hier um "Glaubenssätze". In der Psychologie bezeichnet man damit Dinge, die man fest glaubt zu wissen. Über sich, über andere, übers Leben. Viele kommen aus der Kindheit.

Blöde ist, das die sehr mächtig sind. Und sich richtig im Kopf festbohren. Wer mehr darüber wissen möchte, kann die mal googlen.

Meine entstammen zum Teil aus Unsicherheit bzw. mangelnden Selbstbewusstsein (keiner mag mich!) und von meinem sozialen Umfeld. Meine Eltern haben eine sehr negative Sicht auf die Dinge. Und das hat sich bei mir im Kopf festgebohrt.

Ich habe lange gebraucht, um diese Glaubssätze in einer Therapie dingfest zu machen.

Und nun kommt diese Frau und hat die gleichen Glaubenssätze wie ich früher. Und redetet wirklich ununterbrochen auf mich ein. Und ich dumme Nuss stoppe sie nicht (bzw. zu spät).

Die Glaubenssätze waren:
Andere sind besser als ich.
Ich bin zu alt.
Jede Art von Arbeit ist negativ.
Warum etwas für andere tun, die tun doch nichts für mich.
Man bekommt nie etwas zurück.
Warum sich überhaupt für etwas anstrengen, ist doch sowieso sinnlos.
Ich kann doch sowieso nichts ändern.
Das Leben ist immer spaßlos und anstrengend.

Naja, den Rest kann man sich denken.

Ihre Motivation mich runter zu ziehen ist wahrscheinlich, das sie nicht mehr in ihrer Negativität alleine sein wollte.

Sie versuchte auch alles zu unterbinden, was ich mir positives aufgebaut habe. Hat schlecht über meinen Verein geredet (warum gehst Du dahin, ist doch sowieso für die Katz), wollte das ich keine weiteren Kurse mehr besuche oder mir einen neuen Job suche (dann hast Du doch keine Zeit mehr für mich).

Im nachhinein empfinde ich diese Frau als total egoistisch. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht denke, das sie absichtlich egoistisch ist, sondern aus ihrer Krankheit unbewußt heraus.

Und wie gesagt: Ich hätte schon viel früher Stopp schreien müssen.

So ist genau das passiert, was auch früher passierte. Ich lies mich hängen.

Zwar ging ich noch zu meinem Verein, zu meiner ehrenamtlichen Arbeit, machte Ausflüge.... aber ich fand alles richtig scheiße in den letzten Wochen. Nichts machte mir mehr Spaß.

Es hat wirklich lange gedauert bis ich wieder "Lebensfreude" empfunden habe. Fast einen Monat hing ich fest. Das ist ärgerlich.

Jetzt geht es wieder besser. Aber ich denke viel nach. Darüber, ob ich nicht einfach mein Leben als "schön" empfinden darf, auch wenn mir jemand versucht einzureden, das es nicht so ist. Damit mir so ein Krampf nicht ein zweites Mal passiert.

Ehrlich gesagt möchte ich solche Diskussionen gar nicht mehr führen. Mein Leben steht nicht zur Diskussion! Muss mal schauen, wie ich soetwas demnächst höflich, aber bestimmt abblocken kann.
 
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