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Ich halte es im Betrieb meines Vaters nicht mehr aus, nur was dann?

G

Gilson

Gast
Ich bin nervlich völlig am Ende.

Habe wahrscheinlich den großen Fehler gemacht überhaupt in den Kleinbetrieb meines Vaters zu gehen. Wir giften uns täglich an, haben unterschiedliche Vorstellungen, er ist mittlerweile 72, ich 31. Mir fehlt daher auch ein junger Mitstreiter der frischen Wind mit in den Betrieb bringen könnte. Die Branche ist total kaputt, man definiert sich nur noch über Preisdumping und mir will einfach nichts neues mehr einfallen.

Während mir Freunde raten das aufzugeben und mir einen Job im Angestelltenverhältnis zu suchen warnt mein Herr immer dass ich es noch bereuen werde bzw. eine Chance vergeige.

Nur welche Chance? Der tägliche Geschäftswahnsinn raubt mir den letzten Nerv, ständig Ärger mit Kunden, schafft man es mal einen neuen Aufzureißen bricht wieder ein anderer ab. Ich habe Angst, bin unsicher... wir wursteln vor uns hin ohne Plan. Und die Branche wird immer schlimmer. Lieferanten hintergehen einen, jeder liefert Waren mittlerweile direkt an den Endkunden. Keiner von uns hat eine Idee was man noch tun könnte.

Was würdet ihr mir raten? So weitermachen und auf irgendwas "hoffen"? Oder schlussmachen? Mein Hausarzt hat mir geraten einen Psychologen aufzusuchen, da mein Zustand ziemlig labil geworden ist. Ich schlafe nachts schon nicht mehr.
 

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sterndal

Aktives Mitglied
puuuh da hast eine ganz ganz schwierige entscheidung vor dir. mit deinem vater hast du ja schon gesprochen - er sagt dir du würdest eine chance verpassen wenn du jetzt das handtuch wirfst.

natürlich hast du immer mehr sicherheit in einem angestelltenverhältnis als in der selbständigkeit. schon gleich zwei mal wenn die branche wie du beschreibst den bach runtergeht.

ich würde dir dazu raten nochmal ein ganz offenes gespräch mit deinem vater zu führen. dein vater hat sein berufsleben in seinem alter hinter sich, du musst noch über 30 jahre schackern bis zur rente.

erklär deinem vater deine sicht der dinge, fang langsam an dich zu bewerben, schau wie die gespräche bei den potentiellen arbeitgebern so laufen, sag deinem vater ehrlich dass du in deinem elterlichen betrieb keine perspektive für den rest deines berufslebens siehst und dass du zu deiner privaten absicherung für das alter (und auch für dein eigenes seelenheil) in ein angestelltenverhältnis gehen magst.

ich wünsche dir dass du eine lösung findest die für dich gut ist, dass du wieder auf den damm kommst was deine psychische lage angeht, und dass du mit deinem vater ein ganz sachliches gespräch führen kannst!!!

alles alles liebe!
 
G

Gast

Gast
Ich schließe mich meinem Vorredner an. Du solltest nicht über evtl. versäumte Chancen nachdenken, sondern das tun, was dich glücklich macht und das scheint dein jetziger Job definitiv nicht zu leisten.

Dein Vater wird das früher oder später auch einsehen.
Ich wünsch dir alles Gute und dass du das richtige für dich findest!
 
G

Gilson

Gast
Liege gerade wieder wach :((

Mit meinem Vater habe ich schon 100mal geredet. Ich bin im Prinzip schon in den maroden Betrieb gekommen, nur er erwartet wohl von mir dass ich im Alleingang alles umkremple und den Karren aus dem Dreck ziehe. Immer wieder redet er mir ins Gewissen dass ich die Freiheiten die ich jetzt hätte dann nie wieder habe und da hätte ich immer noch die Chance dass vielleicht so wörtlich "irgendwann mal was an mich hinkommt" mit dem es dann wieder bergauf geht. Und solange man noch paar Aufträge macht usw...

Ich muss mir vielleicht auch eingestehen, dass ich selbst nicht der große Reißer bin, ich gehe an der Situation eher kaputt, als dass ich Motivation habe, weil ich gar nicht weiß wie ichs ändern könnte. Und er immer mit seinen Aussagen wenn er nochmals 30 wär würde er was bewegen, er hätte damals mit 1 Mark angefangen und immer wieder die gleiche Leier. Mir fällt nichts ein außer dass wir jeden Tag ein Flohmarktgebahren haben und versuchen einem Kunden noch irgendwas zu verkaufen. Es ist keine Substanz und auch keine Struktur da. Ich lerne nichts, sondern wurstle aufgrund der angespannten Situation vor mich hin und verzweifle. Und vor allem wie lange soll ich denn rummachen bis vielleicht eines Tages mal eine zündende Idee kommt? Es wird ja immer schwieriger nochmals woanders Fuß zu fassen. Vor 3 Jahren hatte ich noch den Betriebswirt nebenher absolviert um mir Kenntnisse anzueignen um einen Betrieb zu führen, aber ob der mir jetzt was bringt weiß ich auch nicht wirklich, ist ja kein Uni-Abschluss. Ich habe keine Ahnung wo ich Chancen hätte wenn ich mich denn bewerbe.
 
G

Gilson

Gast
Nein fast gar nicht. Habe ursprünglich eine Ausbildung in einem Autohaus gemacht, bin aber direkt danach in den Betrieb rein. Man muss es sich so vorstellen dass man täglich aufsteht und irgendwas bewegen will aber nicht weiß wie man das tun soll. Es gibt so viele negative Umstände und so viele Steine die einem im Weg liegen.

Und zusätzlich ist ja immer die Angst da was passiert wenn er von heute auf morgen ausfällt? Ist ja in seinem Alter durchaus denkbar. Vor allem er ist nicht modern sondern denkt halt immer noch so wie in den 80iger Jahren, sprich er ist eigentlich viel zu alt überhaupt noch da groß mitzumischen.

Leider war es auch so, dass ich vor 2 Jahren versucht hatte mit einem damaligen Partner es neu zu versuchen, bis ich herausgefunden hatte dass er betrügt und während der Arbeitszeit im Cafe sitzt, keine Lust hat etc... Das findet man natürlich raus wenn sich nichts tut und man anfängt demjenigen zu misstrauen. Also war auch wieder eine Menge Geld weg für nichts. Zu allem Überfluss ist er dann noch zur Konkurrenz gegangen, wo er letztendlich die gleiche Show abgezogen hat. Heute ist er arbeitslos. Aber Kunden hat er natürlich dennoch zur Konkurrenz geholt.

Ich bin wirklich sehr frustriert, wir leben momentan noch von ein paar Stammkunden, aber wehe dort kommt mal ein neuer Einkäufer oder die alten hasen mit Moral sind nicht mehr dort in den Unternehmen.

Ich sehe einfach kein Land, habe auf der anderen Seite aber auch Angst was kommt wenn ich mich jetzt bewerbe, siehe Thema ständig befristete Arbeitsverträge, und was wenn mir der neue Job dann gar nicht gefällt... in meinem Kopf kreist es und kreist es.... ich weiß nur dass ich mich auf Dauer so auch kaputtmache.
 

Felimaus

Mitglied
Hallo Gilson,
Du darfst auf jeden Fall nicht denken, dass es danach nicht weiter gehen würde. Ich bin mir sicher, dass das nicht der Fall wäre.

Ich habe Deine jetzige Situation schon durchlebt. Nach meiner Lehre zur Einzelhandelskauffrau Textil bin ich direkt in den elterlichen Betrieb, Möbelbranche mit Wohnaccessoires. 15 Jahre habe ich im Angestelltenverhältnis gearbeitet und ich wurde in der Zeit darauf vorbereitet, "selbstverständlich" das Geschäft zu übernehmen. Im Laufe der Zeit war die Möbelbranche ziemlich am Boden und mir war stets bewußt, das ich entweder zu 1000% etwas ändern muß oder ich gehe damit evtl. "unter". Ich habe das Geschäft übernommen und war dann 3 Jahre Selbständig. Ständige Sorge wie es weitergehen sollte, investiert man viel Geld oder hört man auf, bevor man sich komplett verschuldet...
Fragen über Fragen - eine schlimme und absolut nervenaufreibende Zeit!

Zum Glück konnte ich mit meinen Eltern sehr offen und ehrlich sprechen und sie sahen auch, wie sehr ich unter diversen Entscheidungen litt. Aber es war ein gigantisches Eingestehen, dass ich die Firma, die über 30 Jahre existierte und früher florierte, aufgeben wollte.
Räumungsverkauf im Jahr 2009 und ich hatte es geschafft, keine Verbindlichkeiten, Sorgen und Existenzängste mehr.

Dann kam meine Bewerbungsphase und meine Mappe war ein Hauch von "nix", logisch. Ein selbstgeschriebenes Zeugnis mit meinem Firmenlogo und gleichem Nachnahmen... Ich habe gedacht, sorry, wer wird MICH bitte einstellen. Aber ich hatte Erfolg und das nicht zu wenig, nur gedacht hätte ich das früher niemals!

Ich will damit sagen, sehe die Zukunft nicht so schwarz-es wird weiter gehen, glaube daran und gebe nicht auf! Stecke Dir Ziele und Etappen, nicht alles zeitgleich, sonst stehst Du gefühlt vor einem riesigem Berg und kommst keinen Millimeter voran.

Wünsche Dir alles Gute und berichte wie's weiter geht,
Lg. Felimaus
 
G

Gilson

Gast
Hallo Fellimaus,

toll wie hier auf einen eingegangen wird. Das freut mich wirklich und es spendet Trost.

Mir geht es dann genauso wie dir. Man will auf der einen Seite an was festhalten, bzw. die Selbstständigkeit nicht einfach so aufgeben, auf der anderen Seite sieht man aber wie zäh und aussichtlos es ist, bei einer gleichzeitigen Angst nichts mehr zu finden bzw. für gescheitert erklärt zu werden.

Ich fühle mich einfach auch von der Kraft her nicht fähig hier noch irgendwas zu ändern, jeden Tag das herumgewurstle ohne richtigen Plan. Und dann immer das hin und her, während mich Freunde schon überzeugt hatten dass ich hier zu Grunde gehe, denke ich nach dem Gespräch mit meinem Vater doch wieder insgheim wenn sich irgendwas finden würde. Habe auch einen Bekannten der ein Bekleidungsgeschäft aufgemacht hat, welches nicht läuft, jeden Monat verschuldet er sich mehr, will es aber nicht aufgeben. Das ist ja der Wahnsinn in meinem Kopf. Mache ich es richtig, mach ich einen Fehler wenn ich es aufgebe?

Und dazu kommt natürlich dann auch die Enttäuschung über einen selbst, wenn man dann andere sieht die scheinbar den roten Faden im Leben haben.
 

Felimaus

Mitglied
Auch die Gedankengänge sind mir natürlich bekannt, aber selbst diese sehe ich differenzierter. Denn es zeugt eher von Größe, Vernunft und Stärke einen "Absprung" zu schaffen, fast sogar eine Art Anerkennung. Von daher sind das wieder Gedanken, mit denen Du Dich kaum beschäftigen solltest - eher stolzen Hauptes sein, alles richtig gemacht zu haben, statt zu dem Kreis der Insolvenzen zu gehören...

Wenn ein Unternehmen seit geraumer Zeit gar nicht mehr läuft, grenzt es vielmehr an Blödheit daran noch festzuhalten. Jeder Steuerberater sollte auch beratend zur Seite stehen und Prognosen hoch rechnen, was noch Sinn macht und was eine Geld-vernichtungs-maschine ist. Alleine daraus müßte sich ein deutlicher Weg erkennen lassen-wenn man es denn wissen will und nicht aus Stolz die Augen verschließt!

Sollst Du denn irgendwann die Firma übernehmen? Was sieht denn Dein Vater für Dich vor? Wenn Du noch kein Teilhaber bist o.ä. hast Du es doch theoretisch viel einfacher zu gehen, oder? Das schlechte Gewissen dem Vater mal außen vor gelassen;)
 
M

Mimikri

Gast
Hallo,

was sagt den Deine innere Stimme?

Meiner Meinung nach ....
würde ich den Betrieb aufgeben. Du bist noch jung und hast nach wie vor viele Möglichkeiten, DEINEN Weg zu gehen.
Selbst wenn dieser nicht den Vorstellungen Deines Vaters / Eltern entspricht. Es ist dann deren Aufgabe zu lernen, das DU eine eigenständige Persönlichkeit bist, die ihre eigenen Entscheidungen trifft und lebt.

Dein Vater hat mit dem Betrieb eine ganz andere Zeit im Geschäftsleben erlebt und wird mit Sicherheit an seinem " Lebenswerk" hängen.
Doch eine marode, halbtote Firma künstlich am Leben zu erhalten auf Kosten Deiner Gesundheit?:confused:

Das sind erst die Anfänge von schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, so zu sagen die ersten Warnschüsse vor den Bug....:(

Und in unserer, sich wandelnden Gesellschaft ist nicht in naher Zukunft abzusehen, das sich die Moral ändert, ich denke , im Gegenteil...es wird noch schlimmer...:(

Eine schwere Entscheidung..ganz klar...
Ich wünsche Dir viel Kraft und Entschlossenheit Deine innere Stimme wahr zu nehmen und darauf zu hören, eagl was andere sagen oder denken

Mimikri
 

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