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Ich habe keine Lust auf das Leben mehr

Ich weiss gar nicht genau, wo ich anfangen soll. Ich will gar nicht mehr leben. Wenn ich morgen überfahren werden würde, es wäre mir so egal, ich würde es mir sogar wünschen. Ich sehe einfach nicht mehr wirklich den Sinn in meinem Leben, ich habe die Nase voll mir immer Mühe zu geben, dass mein Leben besser wird obwohl es das nicht tut. Ich denke, auch wenn ich sterbe, würden mich alle innerhalb von zwei Wochen vergessen haben. Ich habe nicht direkt Suizidgedanken, dafür bin ich zu feige und ich will das meiner Familie nicht antun. Aber der Tod wäre mir willkommen. Ich weiss eh nicht, was ich hier überhaupt mit mir anfangen soll. Es scheint als könnte ich nie zufrieden sein. Um vom vorne anzufangen:

Meine Eltern sind aus Sri Lanka, aber ich bin in der Schweiz geboren. Ich sehe mich eigentlich als Schweizerin, bin auch eingebürgert. Jetzt bin ich 18 und am Gymnasium, eine durchschnittlich bis gute Schülerin. Schon mein ganzes Leben hatte ich Minderwertigkeitskomplexe. Zum Teil wegen meiner Familie, die sich über alles an mir lustig gemacht hat. Ich war immer schon mollig und fühlte mich schrecklich deswegen, meine Familie machte es nicht besser. in der Schule wurde ich teilweise gemobbt, besonders siebte und achte Klasse.. Ich hatte einige Freundinnen (wir waren ein bisschen die Aussenseiterclique, wobei es uns nicht gross störte), aber sonst war ich ziemlich schüchtern, wobei sich das bis neunte Klasse recht besserte. In der 10. Klasse wechselte ich dann zum Gymnasium und dieses Jahr war die Hölle, wobei ich mich davor sogar gefreut hatte auf diesen Neuanfang. Aber irgendwie schaffte ich es einfach nicht, den Anschluss zu finden im meiner Klasse. Ich wurde so ziemlich zu einer Aussenseiterin. Meine ehemaligen vier Freundinnen waren in der Parallelklasse und zuerst wollte ich in ihre Klasse wechseln, aber sie wollten das nicht, da sie das Gefühl hatten, ich würde ihren Zusammenhalt zu ihrer Klasse stören. Ich war enttäuscht, dass ich solche Leute Freunde genannt hatte. Die meisten Mittage ass ich allein und isolierte mich immer mehr.

Zu dieser Zeit (November 2013) hatte ich ausserdem grosse Probleme mit meiner Familie. Meine Eltern waren damals seit 8 Jahren getrennt und ich wohnte bei meiner Mutter mit meinem Bruder, meine ältere Schwester bei meinem Vater. Mit meiner Mutter hatte ich keine gute Beziehung, sie vertraute mir gar kein bisschen, da meine Schwester ihr vertrauen missbraucht hatte. Sie liess mich nirgends übernachten hatte dauernd das Gefühl, ich hecke etwas aus und dachte ich wäre auf der Seite meines Vaters. Wegen einem Problem schlug sie mich sogar mit einem Kochlöffel, und ich schrieb meiner Schwester und mein Vater schaltete deswegen die Polizei ein. Damit war erstmal Schweigen angesagt. Ich fühlte mich beschissen, weinte jede Nacht und überlegte mehrmals einfach von einer Brücke zu springen und mir das Leben zu nehmen. Es hätte eh niemanden gekümmert.

Meine einzige Hoffnung war das Austauschjahr, welches ich im Sommer 2014 machen wollte (es war an sich ein Wunder, dass ich meine Mutter überredet hatte, wobei es mehrmals aussah, als würde es ins Wasser fallen). Damit wäre ich erstmal weit weg von all meinen Problemen. Und wenn ich zurück kam, wäre ich wieder in einer neuen Klasse im unteren Jahrgang. Und dieser Hoffnungschimmer half mir. Und eine gute Freundin, die mich sehr unterstützte und kein Problem hatte, wenn ich mit ihrer Klasse rumhing. Allgemein ging es mir wieder besser, ich freundete mich mit einigen Mädchen aus anderen Klassen an und ass am Mittag mit ihnen. Auch eine Freundin in meiner Klasse fand ich. Jedoch die ganze Zeit merkte ich, dass ich ihnen nicht so wichtig war wie sie mir. Das zweite Semester überlebte ich also ziemlich gut, ausser einigen Problemen, die es gab. Ich fühlte mich ab und zu immer noch scheisse, aber an Selbstmord dachte ich nicht mehr, da ich wusste, dass ich bald endlich wegkonnte.

Im September 2014 flog ich dann nach Panama in mein Austauschjahr. Die ersten vier Monate waren hart, aber die schaffte ich mit anderen Austauschschülerfreunden. An Neujahr fand ich dann auch einheimische Freunde und es ging bergauf. Ich ging auf viele Reisen, machte erste Erfahrungen mit Alkohol und Kiffen, hatte meinen ersten Kuss, ging auf ein Festival und ein Konzert, feierte Carnaval, ging Tanzen, machte Filmabende mit Freunden und endlich fühlte ich mich wie ein normaler Teenager der Spass am Leben hatte. Die ersten 7 Monate von 2015 waren die besten in meinem Leben (trotz Zeiten der absoluten Langeweile teilweise). Es gab immer wieder Zeiten, in denen es mir nicht gut ging, aber die hielten nicht lang. Dass ich mit den meisten Austauschschüler gegen Ende nichts zu tun hatte, störte mich nicht, da ich unter ihnen doch eine beste Freundin gefunden hatte, die mich immer wieder ermutigte mich selber zu entdecken und zu lieben. Mit meinem Aussehen freundete ich mich ausserdem immer mehr an. Ich hatte gefallen an Rockmusik gefunden, und mich besser kleiden konnte ich auch. Ich hatte das Gefühl, endlich jemand zu sein. Als es Ende Juli Zeit für den Abflug war, war ich bereit mich wieder meinem Leben zu stellen. Ich hatte viel erlebt und war stolz auf mich.

Die zwei Wochen nach der Heimkehr waren schrecklich. Ich hatte noch zwei Wochen Ferien und so ziemlich nichts zu tun. Auch alle meine “Freunde” waren entweder weg oder beschäftigt. Aber sobald die Schule anfing, ging es wieder besser. Ich lernte neue Leute kennen, traff mich mit alten Freunden und die Schule hielt mich beschäftigt. Ich dachte sogar, ich hätte eine Gruppe von Freundinnen in meiner Klasse gefunden. Tat ich aber nicht. Sie fingen an Dinge zusammen zu unternehmen, aber fragten mich nicht. Ich bekams erst nachher mit. Und auch sonst konnte ich mich nicht richtig mit jemandem anfreunden. Falsch, eine Freundin habe ich, aber sie war eher von ruhiger Art. Ich komme zwar mit allen klar und habe auch längere Gespräche, aber niemand will sich mit mir anfreunden.

Eines muss ich klarstellen: Vielleicht kommt es rüber als wäre ich selber noch schüchtern und warte darauf, dass Leute auf mich zukommen, aber dass stimmt nicht. Ich bin eine offene, lustige, verrückte (im positiven Sinn) Person, die schnell ein Gespräch anfangen kann, auf Leute zugehen kann und viel redet, aber auch zuhören kann. In Gruppen bin ich etwas ruhiger, aber das hat sich auch schon sehr gebessert und mittlerweile schaffe ich es, die richtigen Pausen zu finden wenn ich etwas sagen will. Ich bin nicht total extrovertiert, aber auch nicht introvertiert, eher so ein Mittelding, ich liebe es mit Leuten Zeit zu verbringen bzw brauche es auch, aber nach ein paar Tagen (so auf Reisen oder Lagern) benötige ich auch Zeit für mich selber. Genau deshalb verstehe ich nicht, weshalb Leute nicht wirklich mit mir befreundet sein wollen. Wenn ich jemanden treffe, kommen wir super aus, aber sobald ich weg bin, vergessen sie mich. Ich bin auch immer die, die alle anschreibt. Damit habe ich bei einigen jetzt aufgehört und es kommt auch nach Monaten nix.

Und ja, seit ein paar Wochen habe ich wirklich keine Lust mehr drauf. Wenn ich verschwände, würde es eh niemandem auffallen. Ich muss mich jedes Mal zusammenreissen nicht zu heulen, wenn mir das in der Schule auffällt. Alle haben ihre eigenen Freundesgruppen, nur ich nicht. Sogar solche, die ich als Freunde bezeichnet hatte (zum Teil zehnjährige Freundschaft) scheine ich egal zu sein. Mein Austauschjahr hat vielleicht perfekt erschienen, aber auch dort hatte ich das gleiche Problem. Niemand will sich wirklich auf lange Zeit mit mir abgeben. Ausser die eine beste Freundin, aber die lebt in Italien und sehe ich auch nur selten. Ich verstehe gar nicht, warum ich noch hier bin. Auch sonst weiss ich nicht, weshalb ich überhaupt noch lebe.. Seit ein paar Wochen sitze ich jedes Wochenende nur zu Hause rum, da ich einfach nicht mehr kann. Ich habe keine Lust zu irgendetwas. Ich bin auch die ganze Zeit nur erschöpft. Körperlich wie auch mental, erschöpft davon die ganze Zeit zu versuchen sozial zu sein aber nichts zurückzubekommen. Einen Freund habe ich auch nicht, hatte ich nie, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendein Junge mich je attraktiv finde könnte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mich eklig finden, wobei dazu kein richtiger Grund besteht. Ich denke dass ich hübsch bin, aber so ganz glauben kann ichs doch nicht. Ich versuche an mir zu arbeiten, aber obwohl ich mich verbessert habe in Sachen Selbstbewusstsein, scheint sich sonst nicht zu ändern. Und ich denke auch nicht, dass sich jemals was ändern wird. Am liebsten würde ich irgendeine tödliche Krankheit bekommen und sterben, dann kann ich endlich weg und meine Familie müsste im Gegensatz zu einem Selbstmord nicht sich fragen, was sie falsch gemacht hat. Aber leider kann ich ja keine Krankheit heraufbeschwören. ich weiss ehrlich nicht, was ich tun soll. Ich will einfach nur noch aufhören zu existieren.

Danke wer sich überhaupt die Mühe gemacht hat den Text zu lesen.
 

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manfredo

Neues Mitglied
Hallo ! Ich habe gerade eben Deinen wirklich sehr langen Text gelesen ( komplett ) und habe dann überlegt wie bzw. was ich Dir antworten soll . Zunächst mal würde ich an Deiner Stelle für Ablenkung sorgen von deinen recht düsteren Gedanken . Ich weiß ja nicht was Du so am liebsten machst in Deiner Freizeit , aber Kino oder Konzerte oder zu irgendwelchen Veranstaltungen könntest Du evt. gehen aber wie gesagt , es ist für mich schwierig Dir wirklich gute Tipps oder Ratschläge zu geben ( so auf die Schnelle ! ) . Es war von Dir jedenfalls schon mal ein guter und richtiger Schritt Dein Problem hier zu schildern . Du hast wie ich gelesen habe schwierige Situationen und schwere Zeiten erlebt und durchgemacht , aber irgendwie auch recht gut gemeistert wie ich finde , deshalb solltest Du jetzt nicht den Kopf hängen lassen und aufgeben ! Wie ich bereits sagte bzw. geschrieben habe , wichtig wäre jetzt für Ablenkung zu sorgen und einen klaren Kopf bewahren .
 
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G

GrayBear

Gast
Hallo Dreaming-Hana,
danke für Deinen humorvollen und hintergründigen Zeilen. Ja, für ein Forum ist Dein Text eine gewisse Herausforderung, aber ich musste herzlich mit Dir lachen. Ich finde, Du bist mutig, intelligent und kannst Deine Gedanken gut in Worte fassen. Du scheinst ein ehrlicher und offener Mensch zu sein, an der das Leben nicht spurlos vorüber geht.

Nach Deinen Zeilen ist mir wieder eingefallen, warum ich mit meinem Leben erst zurecht kam, als ich 25 wurde. Ich fand die Zeit meiner Pupertät und auch noch später eine einzige Aneinanderreihung von Katastrophen, Peinlichkeiten und Hilflosigkeiten. Ich finde, dass Kinder und Jugendliche auf eine manchmal furchtbar grausame, rücksichtslose und kalte Art mit einander umgehen. Aus heutiger Sicht ist mir klar geworden, dass sie es eben so gut machen, wie sie es wissen. Ich möchte Dir einfach sagen, dass das Beste noch vor Dir liegt. All die Hoffnungen, die Du bislang in das Leben gesetzt hast, bekommen in Deinen 20ern erst eine reale Basis, Du wirst sehen. Und noch etwas: Du hast auf schmerzhafte Weise gelernt, auf Dich zu vertrauen und auch alleine zu sein. Ja, vielleicht gehörst Du einfach zu den Menschen, die nicht so leicht Kontakt schließen, aber ich kann Dir sagen: Du kannst das lernen! "Fake it, until you make it!". Das ist kein Aufruf, Deine Mitmenschen zu hintergehen, sondern eine Lektion, die ich viel, viel zu spät gelernt habe. Wenn Du Dir etwas für Dein Leben wünschst, dann tu am Anfang einfach so, als ob Du der Mensch wärst, der Du sein möchtest. Setze ein Lächeln auf, geh auf die Menschen zu, stell Fragen, zeig Interesse. Auch wenn Dir zum Schreien und Davonlaufen ist und Dein ganzer Mut sich in einer dünnen Pfütze den Kanal hinunterschlängelt. "Fake it!". Die ersten Male sind schrecklich, aber Deine Erfahrung wächst, Du bekommst Übung, der Streß wird weniger. Irgend wann wird Dein Lächeln echter, Deine Witze besser, Deine Gesprächspartner interessanter und Du merkst auch dass Deine Gegenüber patzen, nuscheln, Blödsinn daherreden und Dir nicht wirklich voraus sind. Und dann wird aus dem "fake" ein "make". Ja, es wird vielleicht bis ans Ende Deiner Zeit so bleiben, dass Du die Initiative ergreifen musst und Du das auch ganz übel findest, aber wenn diese Gedanken kommen, kannst Du sie in Ruhe anlächeln und Dir denken: "Hey, Ihr mieslaunigen Spaßbremsen, ich hab euch nicht eingeladen. Ihr futtert nicht mein Popcorn weg, geht auf einem anderen Hof spielen!" Und irgend wann sind sie nur noch Erinnerung.

Was Du erlebt hast, ist Dein Erfahrungsschatz geworden. OK, manches davon wirst Du auf keinem Flohmarkt loswerden können, einiges kannst Du schlicht abfakeln, aber Du stehst erst am Anfang! Du warst In Panama, hast eine überlaunige Mutter überstanden, hast Dich von den krotesken Spielchen hormongepeitschter Teenager nicht unterkriegen lassen und bist noch da! Eine der tröstlichsten und wichtigsten Erkenntnisse meines Lebens war, als ich realisieren durfte, dass es kein "gelobtes Land" und kein "Paradies" gibt, in das ich nur gelangen kann, in dem ich alles richtig mache, sondern dass ich in diesem Leben mit all seinem Scheiß, seinen Niederlagen und sonnigen Tagen genau das finden kann, was ich mir wünsche. Es ist ein Irrtum, dass wir versuchen sollten, glücklich zu werden. Das ist nur eine Deiner Möglichkeiten. Sei nicht nur glücklich, sei lebendig! Sei alles! Dazu gehört auch genau das, was Du schon kennst und das Dich stark gemacht hat. Du weist, wenn Dich jemand ablehnt und versucht in eine Ecke zu drängen, dann geht Deine Welt nicht unter, du überlebst es und es wird auch wieder anders. Ein großes Geschenk des Älterwerdens ist ein gewisse Gelassenheit, die halbe Sekunde Abstand zu den Dingen, die andere in die Verzeiflung abdrängen.

Du wirst Dich bis an den Rest Deines Lebens wundern, warum immer wieder das Schicksal an Deine Tür klopft und ungefragt einen Eimer Mist vor Deine Nase stellt. Mit der Zeit findest Du aber heraus, dass Du Dich nicht mehr mit beiden Beinen voraus in diesem Eimer werfen musst. Manchmal kannst Du ihn einfach wieder vor die Tür stellen und darauf vertrauen, dass jemand anderes darüberstolpert. Oder Du must ihn eben annehmen und daraus Dünger für die Zukunft machen.

Du bist einem Punkt Deiner Entwicklung angelangt, die Dich die Welt, die Dinge und die Menschen klarer sehen läßt. Und da gibt es eben leider auch viele Mißstände. Wir Menschen sollen die Spitze der Evolution sein? Nun ja, ich hege da gewisse Zweifel. Haie gibt es schon viel länger, vielleich sind wir nur ein Pups der Geschichte. Ich bin kein gläubiger Mensch, aber als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, haben sie die Erkenntnis mitgenommen und durften im Schweiße ihres Angesichts arbeiten. Hallo? Willkommen im Club. Das ist auch das Erbe, das Du angetreten hast. Dazu gehören auch Tränen der Verzeiflung und der Angst, aber auch der Freude und der Wut. Du hast das volle Programm gebucht. Ich kann Dir nur versprechen, dass es Dich noch oft aus den Socken hauen wird und Du immer wieder fassungslos sein wirst, wie viel Glück Dein Herz empfinden kann, aber auch wieviel Schmerz und Elend. Genau dafür hast Du bis heute Deine Erfahrungen gesammelt, um das aushalten und leben zu lernen.

Wenn Du, liebe Hana, Dich dem nicht gewachsen fühlst ... nun ja <lächel> ich bin es auch nicht und viele Deiner Mitmenschen fühlen jeden gottverdammten Tag ebenso, aber Du wirst Wege finden, die Du vorher noch nicht gesehen hast und manchmal wird es einen heiden Spaß machen und Du wirst den nächsten Tag kaum erwarten können. Das ist ein Versprechen. Aber Du wirst auch mit Deinem Leben dafür bezahlen, auch das ist sicher. Also? Wenn Du heute nicht weißt, was Du tun sollst? Na ja, dann eben morgen oder nächste Woche. Abenteuer ist zu einem großen Teil Ungewissheit, verbunden mit der Hoffnung auf einen Ausweg.

Sei nicht naiv, wir Menschen sind das schlimmste Raubtier, das die Welt je gesehen hat, aber eine Berührung kann Dich dem Himmel näher bringen, als Du Dir es je erträumt hast. Das Geheimnis liegt in dem Wort "UND". Sei nicht glücklich ODER traurig, sei glücklich UND traurig UND ängstlich UND wütend, sei alles und das nennt man Leben. Heiße all das willkommen und es kommen auch noch Freunde dazu, Du wirst sehen.

Hast Du bis hier her gelesen? :) Danke für Deine Zeilen voller Kraft und Lebenswillen, denn das konnte ich mit meinen 55 Jahren auch sehen und Du wirst es auch bald sehen und fühlen können. Eben mit all dem anderen Krempel auch. Sei erschöpft, sei gut zu Dir, finde heraus, was Dir gut tut und wie Du Dich erholen kannst und dann leb weiter. Ich war noch nie in Panama, Du hast mir schon einiges voraus.

Alles Gute
 
Zuletzt bearbeitet:
@manfredo: Ich würde ja gern zu Konzerte oder anderen Veranstaltungen gehen, aber erstens weiss ich nicht wirklich über welche Bescheid, zweitens weiss ich nicht mit wem..
Und ja, ich habe schwierige Zeiten gemeistert, aber es wird trotzdem nicht einfacher und das frustriert mich... Ich scheine immer am selben Punkt wie vorher zu landen
 
@GrayBear: Ich weiss gar nicht, was ich antworten soll, deine Antwort ist so schön geschrieben.. Und ich verstehe gar nicht, wo genau mein Text humorvoll ist, deiner brachte mich teils zum Lachen. Und ja, das ist wahr, wir haben alle das volle Programm mit Freude, Angst, Trauer, Liebe und Wut gebucht, ich denke ich muss wirklich an meiner Einstellung arbeiten, dass die positivenGefühle in den Vordergrund rücken.

Jedoch zum "Fake it until you make it": Ich habe den Spruch schon mehrmals gehört und setze ihn manchmal auch um und manche Verhaltensweisen sind viel einfacher geworden, jedoch hat sich trotzdem nicht viel geändert. Ich habe geschrieben, dass ich keine Probleme habe auf Leute zuzugehen und zum Teil habe ich mich auch damit abgefunden, als erstes die Initiative zu ergreifen, aber ist es denn falsch von mir etwas zurück zu erwarten? Freundschaften bestehen aus Geben und Nehmen, aber ich scheine nur zu geben. Was ist denn falsch mit mir, dass Leute so gar nicht an mir interessiert sind?

Etwas anderes was ich sonst noch manchmal denke: Wie du schon meintest war ich schon in Panama, in einigen anderen Länder und habe damit wahrscheinlich schon mehr von der Welt gesehen als andere. Natürlich würde ich gerne noch mehr von der Welt sehen, aber auf irgendeine Weise war es auch genug. Ich habe keine wirklichen Träume die ich noch erreichen will. Es gibt gerade nichts, dass ich bereuen würde wenn ich jetzt sterbe, da ich weiss, dass ich sonst eigentlich immer mein Bestes gegebenhabe. Ich glaube nicht, dass noch mehr Leiden wirklich wert ist für das bisschen Glück dass ich ab und zufühlen werde.

Ich habe deine Antwort jetzt mehrmals durchgelesen und es lässt mich immer bisschen besser fühlen, aber dann kommen mir meine Gedanken dazwischen und vertreiben die positiven Gefühle wieder.
 
G

GrayBear

Gast
Liebe Hana,

Dein Humor ist eher im Hintergrund zu entdecken: Deine Schilderung Deiner Zeit in Panama, dieses Stakato von Erlebnissen, der Einwurf der Langeweile, das Wundern über Dich selbst, dass Du Rockmusik magst, all das sind Zeichen der inneren "Entspannung" und der Erkenntnis, dass da noch mehr sein könnte.
Verzeih mir, wenn ich widerspreche: Du solltest die positiven Gefühle eben nicht in den Vordergrund rücken, denn das verzerrt Deine Wirklichkeit. Ja, überall liest man, dass man das Positive sehen muss. Aber das Positive ist zum einen eine sehr subjektive und manchmal vergängliche Sache und wie oft kommen dahinter ganz andere Dinge zum Vorschein?
Aus der Sicht eines kleinen Kindes besteht die Welt nur aus Bedürftigkeit (Essen, Nähe, Geborgenheit, saubere Klamotten, Wärme) und der Suche nach Wegen, diesen Wunsch zu stillen, Hilfe zu erhalten. Wir erleben unsere eigene Ohnmacht und die Macht "der Anderen" und lernen, dass wir mit einem Lächeln, mit von "den Anderen" akzeptierten Lauten und Gesten auf uns aufmerksam machen und den Lauf der Ereignisse beeinflussen können. Babys manipulieren, was das Zeug hält. Im Laufe der Pupertät funktionieren diese erlernten Verhaltensweisen immer weniger und manche gehen nach hinten los. Die Tränen von früher erzeugen jetzt Ablehnung und Genervtheit, die kindischen Witze nur noch Augenrollen. Ein Teil von uns empfindet dies als ein "Verstossen werden, abgelehnt werden" und die Hilflosigkeit in uns wächst, weil wir wieder weniger im Griff zu haben scheinen, als Jahre zuvor. Und jetzt komme ich auf den Punkt Deiner Frage: ob es falsch ist, in einer Freundschaft etwas zurück zu erwarten. "Falsch" ist nicht das treffende Wort. In einer Freundschaft etwas zu erwarten ist eher naiv und ein wenig kindlich, eben weil dieses "ich gebe Dir ein Lächeln, wo ist die Gegenleistung?" (=Erwartung) meistens die kindliche Enttäuschung zur Folge hat. Diese Gegenleistung (Geben und Nehmen) funktioniert deswegen mit wachsendem Alter nicht mehr so einfach, weil uns immer mehr andere Abhängigkeiten, Ziele, Erwartungen und Wünsche andere Prioritäten setzen lassen. Die andere Party scheint interessanter, der andere Mensch näher, die Anzahl der Möglichkeiten übersteigt die Stunden des Tages oder was auch immer. Sehr oft hat eine Absage oder Abkehr einiger Menschen von Dir garnicht so viel mit Dir zu tun, sondern mit den ganzen anderen Verbindungen und Möglchkeiten um euch herum. Du hast es selbst geschrieben: Du hast keine großes Problem, auf Menschen zuzugehen, aber was dann passiert, entzieht sich scheinbar Deinem Verständnis. Die weiteren Ereignisse lassen Dich fragen, ob das Freundschaft sein kann, weil "sie" sich so ganz anders verhalten, als Du bereit bist, es zu tun. Freundschaften bestehen durch die übereinstimmende Übereinkunft von Menschen, zusammen zu leben, Nähe zuzulassen. Das Geben und Nehmen kann dabei völlig im Ungleichgewicht sein oder sich auf völlig unterschiedlichen Ebenen abspielen. Das meinte ich vorhin mit "naiv". Schau genauer hin! Was bringt und hält die Menschen um Dich herum wirklich zusammen?
Ein Aspekt Deines Beitrags scheint mir, ist Dir noch nicht ganz klar geworden (Verzeih diese Formulierung, wie sagt meine 11-jährige Tochter, ich wäre ein Besserwisser und Klugscheißer, also aus der Richtung kommt das jetzt): Jeder Mensch hat unterschiedliche Motivatoren (Geld, Macht, Einfluss, Status, Anerkennung, Ehre, Selbstlosigkeit, etc.). Ich habe in Deinem Alter geglaubt, dass ich reisen und wo anders leben muss. Aber an den meisten Orten war ich im Grunde nur unglücklich und wollte immer nach hause. Dann habe ich es mit der Anerkennung bei Freunden versucht und war nur noch unglücklicher, weil es mir ähnlich erging, wie Dir: "Kein Schwein ruft mich an, keine Sau intressiert sich für mich!" Ich weiß, das ist nur ein Liedtext, der mich damals lachen und zur gleichen Zeit weinen ließ. Ich habe BWL studiert, weil Geld eben auch ein Motivator sein kann. Wie sagte meine Ex-Schwiegermutter: "Ich wäre hinter meinen Möglichkeiten zurückgeblieben". Bis ich vor einigen Jahren erkennen durfte, dass mich das alles einen Scheiß interessiert: was mich wirklich hinter dem Ofen vorholt, ist das, was hinter dem Lächeln einen Menschen steckt, was er/sie wirklich sagen will, die Widersprüche, die Gefühle. Da bekomme ich heiße Ohren. Ob Du in Panama warst, in der Schweiz oder wo immer auch, es ging Dir immer nur um den Kontakt mit anderen Menschen und die scheinbare Willkürlichkeit von Werden und Vergehen von Beziehungen. Dein ganzer Beitrag enthält fast nur Berichte, wie es Dir im Umgang mit anderen Menschen erging. Was also ist Dein Motivator? Reisen sind es nicht, denn Du hast erfahren, dass Menschen auch auf der anderen Seite der Welt doch irgendwie ähnlich ticken. Macht, Einfluss und Status scheinen es auch nicht zu sein. Dein großer Wunsch scheint wirkliche Nähe/Geborgenheit/Miteinandersein zu sein. Wie würdest Du es bezeichnen? Was ist es, das Du überall auf der Welt vermisst/gesucht hast? Wo willst Du keine Kompromisse machen? Was kannst Du innerhalb von einer Millisekunde erfassen, begreifen und erkennen?

Und genau das ist Dein Motivator. Was vielleicht schon Faust formuliert hat: "... was die Welt im Innersten zusammenhält ...". Dieses "arbeite an Dir" hört sich für Dich nur an nach "Sei nicht so, wie Du bist". "Reisen macht interessant" bedeutet dir nichts. Du hast eine große Gabe, die Dinge in Deinem Inneren zu benennen und zu beschreiben und das in einer Klarheit und Ehrlichkeit, die für Dein Alter nicht selbstverständlich sind. Was Dich langweilt und schwächt ist, dass Du bisher immer nur getan hast, was von Dir erwartet wurde. Das ist für Kinder irgendwie auch wichtig, führt aber bei vielen zu einer Desorientierung und verbitterten Lustlosigkeit. Du hast gemerkt, dass Du vieles kannst. Aber jetzt stehst Du irgendwie mit der Frage "WAS WILLST DU?" allein und ratlos da. Was ich zwischen Deinen Zeilen lesen kann, ist, dass Dir Träume nichts geben, sie Dich im Gegenteil abstossen, weil sie Dir nicht echt, nicht ehrlich, nicht wirklich genug sind. Ich möchte Dich um eines bitten: fang an, Dich ernst zu nehmen. Wer bist Du? Das Du vieles sein kannst, das hast Du gezeigt. Aber was macht DICH aus? Dazu gehört, dass Du Verantwortung für Dich übernimmst. Das Wort "Verantwortung" beinhaltet, dass jemand, die/der Verantwortung übernimmt auch Antworten geben kann! Nicht "ich möchte", sondern "ich tue/kann". Dein nächster Schritt in Deiner Entwicklung besteht darin, dich nicht mehr wie ein Kind in die verschiedenen Sandkästen der Welt setzen zu lassen und (was Wunder!) zu bemerken, dass der Sand überall auf der Welt am Hintern kneift! Jetzt ist Deine Ehrlichkeit gefragt, Dein Scharfsinn und Deine ganze Intelligenz und auch Dein Mitgefühl: wofür stehst Du? Was ist Deins? Was sind Deine Motivatoren?

Wenn Du das herausgefunden hast (und das ist nicht einfach und dauert vielleicht den Rest Deines Lebens), dann schert Dich "ein bißchen Glück" (Ganz schön frech von jemandem, der noch garnicht gefühlt zu haben scheint, was Glück wirklich ist :) nicht mehr so sehr, dann brennst Du für etwas. Deine Gefühle sind Dir dabei eine große Hilfe.

Hab einen guten Start in die Woche
 
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@GrayBear:
Was mich ausmacht? Keine Ahnung.. Ich habe mich eine Weile mit dieser Frage beschäftigt, aber ich verstehe trotzdem gar nicht wie ich sie beantworten soll.. Auch die Frage nachdem Motivator. Die einzige Antwort auf die Frage was ich im Leben will, ist 'Spass haben'. Und das mit anderen Menschen. Ich will zwar reisen, aber auch diese Momente mit anderen Menschen teilen. Aber das kann doch nicht die Antwort sein, das würde mich immer abhängig von anderen machen. Du meintest zwar, es kann das ganze Leben dauern die Frage nach dem Motivator zu beantworten, aber wie soll ich das überhaupt angehen? Ich weiss, dass es Geld, Status oder Ehre es nicht sind, aber weiter weiss ich auch nicht.

Die ganze Woche war ich eigentlich mehr oder weniger okay, aber jetzt ist wieder Wochenende (bzw dieses Mal sogar Ferien für eine Woche) und ich sitze alleine zu Hause und weiss nicht, was mit mir anfangen. Ich habe gar keine Lust das Bett zu verlassen und könnte nur heulen. Ich habe gar keine Lust auf irgendetwas, ich möchte am liebsten einfach gar nicht mehr existieren. Für immer schlafen wäre auch schön. Wie soll ich in so einem Zustand irgendeine Frage beantworten, die mit mir zu tun hat?
 
G

GrayBear

Gast
Hallo Hana,
wir Menschen sind häufig irrational, aber nicht so häufig, wie man meinen sollte. Es kommt auf die eigene Sichtweise, den eigenen Standpunkt an. Versteht man diesen, sind manche Handlungen plötzlich wohl überlegt und logisch. Ein Beispiel: wenn ich mich selbst als Opfer sehe, ungeliebt, träge und einfallslos, weil ich das schon immer war und immer wieder bin, dann stellt sich die Umwelt auf mein vermeindliches Wesen ein: ich werde nicht mehr wegen einer Party gefragt, meine Mitmenschen kommen gar nicht auf die Idee, weil von mir doch noch nie etwas "Spannendes" kam. Dies verstärkt meine Rückzugstendenz und damit auch das Bild, das ich nach außen abgeben und so fort. Würde das immer so weiter gehen, würde ich an Einsamkeit und Fettsucht draufgehen. Aber dann gibt es noch Menschen, die einem Opfer helfen. Es reden also doch noch Leute mit mir, aber gerade so viele, dass ein gewisser "Schwebezustand" erreicht wird. Ich habe gerade noch so viele Kontakte, dass ich nicht völlig zerbreche, aber weit weniger, als ich mir wünsche und vor allem nicht in der ersehnten Qualität. Aber meine Opferhaltung gibt mir noch einen weiteren Pluspunkt: ich "steuere" damit quasi das Geschehen, ohne viel dazu tun zu müssen. Immer wieder tauchen Menschen in meinem Umfeld auf, deren Helferkomplex von meiner Opferhaltung getriggert wird. Und dann sind da noch die "A...cher", die auf mich herabsehen, gegen mich lästern, mich meiden und dadurch meine Helfer und mich näher zusammen bringen, gegen den Rest der Welt. Es entsteht ein symbiotisches Zusammenspiel, von dem jeder etwas hat. Das Opfer erhält Aufmerksamkeit und bekommt die Verantwortung abgenommen, die Helfer sonnen sich in Ihrer "besonderen Aufgabe", die Antreiber (=A...cher) fühlen sich als etwas Besseres. Dieses Opfer-Helfer-Antreiber-Konstellation findest Du sehr häufig als Ersatz für zwischenmenschliche, echte Beziehung und zwar nur aus einem Grund: SIE FUNKTIONIERT FÜR JEDEN DER BETEILIGTEN! Aber die dunkle Seite ist, dass eine Veränderung in diesem Geflecht zur Auflösung desselben führt. Wie haben von Kindesbeinen an gelernt: lieber eine schlechte Beziehung, als gar keine. Lieber sind meine Eltern wütend auf mich, als das ich nicht beachtet werde. Also bleibe ich lieber in einem mir bekannten Umfeld, das ich wenigstens etwas beeinflussen kann, als dass ich mich noch größeren Risiken mit ungewissem Ausgang aussetze. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, denn es könnte ja auch noch schlimmer kommen.

Wenn ich Deinen letzten Beitrag lese, dann scheinst Du (ist nur eine Vermutung, ich bin kein Medium) gerade diese Opferposition einzunehmen. Daran ist nichts Verwerfliches oder Falsches, das machen Millionen Menschen genau in dieser Sekunde. Der Nachteil ist aber, dass Du Dir damit einen Helm aufsetzt, der Deine Wahrnehmung und Dein Bild der Welt verfälscht. Dass im Augenblick niemand da ist, wird plötzlich zu einer langen Reihe von einsamen Erfahrungen und Wiederholungen. Ja, wirst Du vielleicht sagen, das ist ja auch so. Nein, könntest Du aber auch sagen, das ist jetzt im Augenblick so! Und damit wird dieses Einsamkeitsding zu einem Moment, den Du ändern kannst, weil Dir das nicht von einem Schicksal aufgezwungen wird, sondern zu einem der vielen Momente des Lebens schrumpft, in dem es gilt, eine Entscheidung zu fällen: bleibe ich liegen, stehe ich auf, gehe ich Einkaufen, was auch immer. Für ein Opfer mit dem Opferhelm wird dies um vieles schwieriger, da es weniger Farben sieht, der Raum undeutlich wird, das Atmen schwerer fällt, alles mehr bedrückend wird und damit zu einer großen Anstrengung mutiert. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Du an einer Depression leidest und Deine Sichtweise dadurch hin und her gerissen wird. Ich weiß es nicht. Nicht jedes Tief ist eine Depression.

Ich kann Dir aus eine recht langen Praxis von Hochs und Tiefs sagen, dass ich gelernt habe, dass auch in meinem Universum das Wasser bergab fließt. Das wollte ich mit 19 noch nicht akzeptieren. Eine Nacht durchmachen: kein Problem. Mich wenig bewegen, macht mir nichts aus. Niemanden anrufen, na und? Wie Dein und mein Leben verläuft, setzt sich aus sehr vielen großen und kleinen Entscheidungen, Zufällen und dem Lauf der Dinge zusammen. Nicht gerade viel davon haben wir im Griff. Selbst wenn es mir und Dir nicht passt, aber einer der Grundpfeiler ist Disziplin. Bock auf Sport? Nee, demnächst wieder. Etwas dazu lernen? Kommt schon von allein. Die traurige Wahrheit oder die frohe Botschaft ist, dass es ohne eine gewisse Schinderei leider nicht abgeht, auch bei Dir nicht. Gerade dann, wenn das Bett Dich tagsüber in seinen Bann zieht, ist ein Spaziergang oder eine Runde Radfahren angesagt. Such Dir (wenn möglich) feste Termine aus, an denen Du nicht nach Deiner Befindlichkeit fragen musst, sondern einfach gehst, weil es zu Deinem Verprechen gehört, etwas für Dich zu tun. Schwimmen, skaten, was auch immer. Komm in Bewegung - ES GEHT NICHT ANDERS, DENN WASSER FLIESST BERGAB!

Studiere! Fang an, Dir mehr Wissen anzueignen. Hol Dir Bücher und triff eine Vereinbarung mit Dir selbst, dass Du jeden Tag mindestens 20min darin liest. Such Dir jemanden, mit dem Du über das Gelesene sprechen kannst. Nein, mach es nicht vom Zufall anhängig. Jeden Tag 20min, das ist nicht viel. Aber Du wirst sehen, wie Dich diese Minuten verändern und Deinen Horizont erweitern. Besorg Dir eine der vielen Infoblätter mit den Veranstaltungen in Deiner Umgebung. Werde aktiver. Plane Ruhetage/Ruhezeiten ein. Du musst Dich nicht versklaven, aber mit Disziplin eine innere Verlässlichkeit, eine Basis aufbauen. Das Lustprinzip für die Tagesbewältigung bringt leider keinen Segen, denn Wasser fließt bergab. Bestrafe Dich nicht, wenn es am Anfang mit der Disziplin nicht klappt, lächle in Deinem Inneren, nimm Dich selbst liebevoll in den Arm: morgen ist noch ein Tag oder dann eben nur 15min. Werde nicht zu Deinem eigenen Feind. Wir haben schon genug Über-Ichs und innere Stimmen, der Chor muss nicht noch wachsen.

Und was die Motivatoren angeht: untrügbare Indikatoren dafür sind Deine Gefühle. Am Anfang ist es vielleicht nur ein "Ziehen", das sich als Trauer herausstellt, etwas nicht getan, nicht erlebt zu haben, der Neid auf jemanden, dass Starren auf ein Bild mit mehr als einer halben Sekunde. Damit dieser Prozess in Gang kommen kann, musst Du mit offenem Herzen die Welt anschauen, so, als ob Du in einem fremden Land wärst und noch nichts kennst und weißt. Sieh genauer hin! Bleib stehen und rieche. Mach die Augen zu und höre. Vertraue auf Dich. Jeder Mensch hat viel Weisheit in sich. Wir haben sie oft unter vielem Geschwätz, Halbwahrheiten und Ignorranz begraben, aber die Schicht ist nicht so dick, wie man immer meint. Und vor allem: denke nicht!!!! Die Antwort liefert nicht Dein Kopf (Ja, ok, was denn sonst, aber ... Du weist, was ich meine), sondern Dein Herz. Manche Deiner Motivatoren passen vielleicht nicht in Dein Konzept und scheinen zu Deiner Person überhaupt nicht zu passen. Ich kenne eine Yoga-Lehrerin, die mit Begeisterung eine fetten SUV fährt. Sie spendet, ist vegetarisch, aber sie steht auf Spritfresser und zieht das durch. Das soll nur ein Beispiel sein.

"Stay hungry, stay foolish!", Steven Jobs Motto, kennst Du seine Ansprache? Du hast im Augenblick noch zu viele Schranken in Deinem Kopf, die Dir vielleicht früher einmal geholfen haben, am Leben zu bleiben. Inzwischen bist Du größer und sie behindern Dich. Die Stimme in Deinem Kopf, die Dir sagt: "Das geht nicht, das kann ich nicht ...", sie ist nur ein Echo aus der Vergangenheit (Es sei denn, Du stehst vor einem Abgrund und willst einen großen Schritt machen!! :). Jede Reise beginnt mit einem Schritt und nicht mit einem 20km-Sprung. Fange heute damit an.

Alles Gute und nimm den Helm ab :D
 
M

Mr. Pinguin

Gast
Ich finde, dass Kinder und Jugendliche auf eine manchmal furchtbar grausame, rücksichtslose und kalte Art mit einander umgehen. Aus heutiger Sicht ist mir klar geworden, dass sie es eben so gut machen, wie sie es wissen.
Dass sie es nicht besser wissen. ist ja wohl ein schwacher Trost.

Auch dieses "fake it" sehe ich kritisch. Ich denke, es ist eine Grausamkeit an sich, dass man ein falsches Lächeln aufsetzen soll und eine gekünstelte Art und dies zu seinem vermeintlich Echtem machen soll, weil man sonst nicht erwarten kann, akzeptiert zu werden. Dann heißt es "ich liebe mich selbst", aber was für eine Selbstliebe soll das sein, die daraus erwächst, dass man nicht so sein darf, wie man ist?

Überall laufen nur noch Leute mit gestelltem Verhalten umher. Die Folge ist, dass nur noch jene akzeptiert werden, die sich künstlich einen ablächen und so tun als ob, und das all jenen Vorwürfe gemacht werden, die in ihrer Art noch nicht angeglichen (unverfälscht) sind. Obwohl sie doch keinem etwas getan haben, sondern im Gegenteil sich bemühen und unter der Zurückweisung verletzt und verzweifelt sind.

Was helfen kann ist vielleicht, sich vor Augen zu führen, dass andere auch ihr Päckchen zu tragen haben und gelernt haben, dass sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten müssen, um von anderen nicht ausgeschlossen zu werden. Die Angst verstoßen zu werden treibt sie alle um. Und sich nicht selbst annehmen zu dürfen, wie man wirklich ist (sondern halt so zu tun und dann zu sagen, dass man das ja ist), führt dann zu den Grausamkeiten.

18 ist aber definitiv noch zu früh, um die Flinte ins Korn zu werfen. Da kann noch allerhand kommen. Aber sich klar zu werden, wer man ist und was man möchte und warum die anderen so sind, kann glaub ich schon viel helfen...
 
G

GrayBear

Gast
Dass sie es nicht besser wissen. ist ja wohl ein schwacher Trost.
Auch dieses "fake it" sehe ich kritisch. Ich denke, es ist eine Grausamkeit an sich, dass man ein falsches Lächeln aufsetzen soll und eine gekünstelte Art und dies zu seinem vermeintlich Echtem machen soll, weil man sonst nicht erwarten kann, akzeptiert zu werden. Dann heißt es "ich liebe mich selbst", aber was für eine Selbstliebe soll das sein, die daraus erwächst, dass man nicht so sein darf, wie man ist?
Überall laufen nur noch Leute mit gestelltem Verhalten umher. Die Folge ist, dass nur noch jene akzeptiert werden, die sich künstlich einen ablächen und so tun als ob, und das all jenen Vorwürfe gemacht werden, die in ihrer Art noch nicht angeglichen (unverfälscht) sind. Obwohl sie doch keinem etwas getan haben, sondern im Gegenteil sich bemühen und unter der Zurückweisung verletzt und verzweifelt sind.
@Mr.Pinguin
Sorry, da hast Du mich falsch verstanden. Es geht nicht um ein gekünsteltes Lächeln und den dauerhaften Aufbau einer Fassade, sondern um das sich Aneignen von persönlichen Fähigkeiten im Umgang mit Menschen. So viele Menschen trauen sich den ersten Schritt nicht zu. Wie aber sollen sie über diese Hürde kommen? Und da nützt es, erst einmal "so zu tun", um die Erfahrung zu machen, dass es funktioniert. Um zu spüren, dass das Wasser einen trägt, muss man ins Wasser. Aus der Not wird eine Tugend.

Zu begreifen, dass das Gegenüber einfach nicht anderes konnte, ist wirklich ein schwacher Trost, da stimme ich Dir voll und ganz zu, aber es IST wenigstens einer. Wenn ein Mädchen mit voller Absicht meiner Tochter auf den Fuss steht, dass sie dunkelblaue Flecken mit nach Hause bringt und das, obwohl sie mit meiner Tochter noch nie ein Wort gewechselt hat und meine Tochter an ihrem ersten Tag nur im Flur stand, dann möchte ich diesem Mädchen ihre Unwissenheit zu gute halten. Die Alternative würde meinen unbändigen Zorn hervorrufen. Dreaming-Hana sucht nach Ansatzpunkten, mit ihren Erfahrungen besser klar zu kommen. Mitgefühl und die Bereitschaft, dem Gegenüber eine Dummheit zuzugestehen, sind nicht die schlechtesten Ansätze.
 

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