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Ich habe Beziehung zu Schwiegereltern zerstört, weil ich zu spät komme

  • Starter*in Starter*in Miriam611
  • Datum Start Datum Start
M

Miriam611

Gast
Hallo,
ich habe folgendes konkretes Problem:

Ich bin ein schrecklicher Mensch, weil ich unbeabsichtigt andere Hängen lasse, zu spät komme und sie damit enttäusche, ohne es zu wollen. Daraus habe ich mich in einen Teufelskreis manövriert, in dem ich immer mehr Stresssymptome bekomme, wenn es um Termine mit meinen Schwiegereltern geht.

Es war eine Verlobungsfeier geplant, die meinen Schwiegereltern sehr wichtig war, weil ich schwanger war und sie afghanisch sind. Wir hatten einen groben Termin ins Auge gefasst, an dem meine Eltern auch dabei sein konnten. Mein Papa wollte eigentlich aufgrund von Corona nicht dabei sein. Es wurde sich darauf geeinigt, dass jeder einen Test machen sollte und wir nur im kleinsten Kreis feiern. Es war ein Wunder, dass ich überhaupt schwanger geworden bin. Von dem Thema hatte ich mich eigentlich schon verabschiedet. Als aus dem Bekanntenkreis öfter die Aussage viel, ich solle die nächsten 12 Wochen abwarten, wurde ich unsicher. Ich bat, die Feier auf danach zu verschieben, sobald ich aus der risikoreichen Zeit raus bin. Das hat weder mein Partner, noch seine Familie verstanden.

Wir vereinbarten dennoch einen Verlobungsfeiertermin für nach den 12 Wochen und es kam, wie es kommen musste. Ich hatte am 22.12 eine Fehlgeburt. Somit war ich aus dem Beschäftigungsverbot raus und musste an dem Tag arbeiten. Ich arbeite 800 km entfernt und konnte somit auch nicht zwischenfahren. Gleichzeitig verschärfte sich der Lockdown wieder, sodass mein Papa sagte, er sei gerne wieder raus. Ich wollte den Termin wieder verschieben.

Nachdem meine Schwiegermutter betont hat, wie wichtig ihr die Feier ist, haben wir uns darauf geeinigt, diese ohne meine Eltern durchzuführen.

Wir haben also einen Termin vereinbart. An den Tagen vor der Feier habe ich mich über 2 Dinge geärgert, die definitiv eigentlich Kleinigkeiten sind und ich sie deshalb zunächst auch nicht ansprechen wollte.
Der eine Punkt war, dass ich mir mehr Hilfe im Haushalt von meinem Partner gewünscht hatte. Der andere Punkt war, dass er beiläufig gesagt hat, dass noch Bekannte seiner Familie aus einer anderen Stadt kommen. Und hier ärgere ich mich über mich selbst: Ich bin Krankenschwester und bringe mich täglich ins Risiko. Somit sollte der weitere Besuch für mich eigentlich kein Problem sein. Ist er aber gewesen. Ich habe mich geärgert, dass ich wochenlang Abstand von meiner Familie halte wegen Corona, sie an unserer Verlobungsfeier nicht dabei sein können, die Familie von meinem Freund sich allgemein nicht an Beschränkungen hält und regelmäßig viel Besuch hat und mich keiner fragt, ob es ok ist.

Letztendlich war es sowieso die Feier von meiner Schwiegermutter und wenn sie es glücklich macht, hätte ich es mitgetragen, aber eine Frage habe ich mir irgendwie schon gewünscht.

Die Feier war für einen Samstag geplant. Wir einigten uns, dass wir schon am Freitag kommen, um gemütlich anzukommen.
Leider war mir an dem Freitag alles zu viel. Ich musste noch vieles machen und wir wurde klar, dass ich es nicht bis Freitag um 16 Uhr schaffe. Somit bat ich meinen Freund, am Freitag ohne mich zu fahren und ich würde am Samstag nachkommen, wenn ich die Sachen geregelt habe. Mein Freund hatte Angst, ich sage komplett ab und wollte sich und seine Familie schützen und sagte mir, dass er dann alles absagen würde. Anstatt dass ich mir Luft verschaffen konnte, war ich mehr gestresst als vorher.
Ich wusste nicht, wie ich die Aussage einsortieren sollte. Als er später zu mir kam, fragte ich ihn, ob er den Ring wiederhaben wolle, wenn er die Feier absagen wolle und dass ich die Feier jedenfalls auf keinen Fall absagen möchte.

Schließlich entschied er sich, die Feier abzusagen.
Seine Schwester rief mich an, um zu fragen was los sei. Anschließend versuchte sie, mit meinem Freund zu sprechen in der Hoffnung, dass wir alles gelöst bekämen. Ende vom Lied war, dass sie mir sagte, sie wolle nie wieder etwas mit mir zu tun haben. Sie haben alles getan und ich würde in letzter Sekunde absagen.

Was soll ich sagen. Ich komme allgemein zu Schule, zur Arbeit oder Terminen chronisch oft zu spät. Ich meine es nicht böse, aber schädige mich aktuell offensichtlich selbst damit. Es gab schon öfter Situationen, in denen wir uns alle für das Wochenende verabredet haben. Es wurde eine Uhrzeit vereinbart und ich kam zu spät. Ich weiß, dass das Verhalten gar nicht geht, aber wie gesagt, ich meine es nicht böse und irgendwie ist es wie ein Teufelskreis, in dem ich immer mehr gestresst bin. Ich würde mich freuen, wenn ich kommen könnte, wann ich komme. Ich weiß aber auch, dass man Termin einhalten muss und dass seine Familie warten leid ist.

Mein Freund sagt, er liebt mich wie ich bin und weiß, dass ich es nicht böse meine. Er hat betont, er weiß, dass ich ein gutes Herz habe. Mit ihm fühle ich mich stark verbunden und ich fühle mich auch so geliebt, wie ich bin. Leider steht er natürlich zwischen den Fronten und ich bin die Schuldige.
Entschuldigt, dass es wirrgeschrieben ist. Leider kann ich es gerade nicht besser.
Ich würde mich wirklich um aufrichtige Antworten freuen.
 
"Letztendlich war es sowieso die Feier von meiner Schwiegermutter und wenn sie es glücklich macht, hätte ich es mitgetragen, aber eine Frage habe ich mir irgendwie schon gewünscht."

"Mein Freund hatte Angst, ich sage komplett ab und wollte sich und seine Familie schützen und sagte mir, dass er dann alles absagen würde."

Danke für das Zitat. Kannst du deine Meinung erläutern?
 
Zunächst mal: Es sind nicht deine Schwiegereltern, sondern die Eltern deines Freundes.
Warum erwähnst du, sie seien afghanisch?
Du hast gar nix zerstört.
Ich würde mich zu nichts drängen lassen, auch nicht zu irgendwelchen Feiern.
Sollte EURE Verlobung stattfinden?
Dann plant die doch so, wie IHR es wollt.
Setze jetzt Grenzen, sonst wirst du von den künftigen Schwiegereltern ständig überrollt.
 
Herzlichen Dank für deine Nachricht. Es tut erstmal gut, Verständnis zu fühlen.

Der Hintergrund allgemein ist, dass es in afghanischer Kultur wichtig ist, sich "offiziell" zu verloben, weil ich schwanger war.

Ich weiß darum, was der Familie wichtig ist und mein Wunsch ist grundsätzlich auch, die Wünsche wahrzunehmen und die Erwartungen zu erfüllen. Natürlich ist es mir wichtig, ein gutes Verhältnis zu meinen Schwiegereltern zu haben.

Aus diversen Gründen bewirke ich leider tatsächlich genau das Gegenteil. Mein Zuspätkommen ist respektlos. Ich weiß das. Und dennoch passiert es immer wieder. Eigentlich möchte ich mich auf die gemeinsame Zeit freuen, aber dann ist da immer dieser Stress, dass ich noch so viel machen muss, zu spät komme und sie enttäusche. Ich weiß auch, dass es für zu spät kommen keine Entschuldigung gibt.
 
Zunächst mal: Es sind nicht deine Schwiegereltern, sondern die Eltern deines Freundes.
Warum erwähnst du, sie seien afghanisch?
Du hast gar nix zerstört.
Ich würde mich zu nichts drängen lassen, auch nicht zu irgendwelchen Feiern.
Sollte EURE Verlobung stattfinden?
Dann plant die doch so, wie IHR es wollt.
Setze jetzt Grenzen, sonst wirst du von den künftigen Schwiegereltern ständig überrollt.

Danke für deine Nachricht! Du hast recht, vom Herzen sehe ich sie so an. Mein Freund und ich sind eben schon lange zusammen.
Ich erwähne es, weil zumindest mein Freund der Ansicht ist, dass das der Grund für die Probleme ist. Weder mein Freund, noch ich wollten so unsere Verlobung feiern. Wir wollten sie gar nicht feiern, sondern lediglich die Hochzeit.
 
Mein Beileid zum Tod Eures Kindes. Das ist unendlich traurig.
Die Zeit der Trauer ist vielleicht auch nicht die richtige Zeit zum Feiern. Fühl Dich sanft umarmt.

Ansonsten wundere ich mich, daß Du den Eindruck hast, wegen Unpünktlichkeit Schuld an den mißlungenen Feierplänen zu sein.
Ich spüre hier nicht in erster Linie Unpünktlichkeit, sondern inneren Widerstand.

Dein Inneres signalisiert Dir doch immer und immer wieder, daß Du diese Feier zu diesem Zeitpunkt, in diesem Rahmen und mit diesen Gästen nicht möchtest. Und Du übergehst Deine Bedürfnisse und achtest Deine Grenzen nicht. Was soll Dein System denn dann sonst machen, als Dich irgendwie auszubremsen und Deine Teilnahme zu sabotieren, um Dich und Deine Bedürfnisse zu schützen?

Es geht um Dich. Du bist mit Deinem Verlobten die Hauptperson. Ihr seid der Anlaß und der Mittelpunkt der Feier. Ihr seid die Entscheider. Deine Freude ist die Richtschnur für die Gestaltung.

Ich wäre tief dankbar, daß Dein Unbewußtes so klug und konsequent ist im Wahren Deiner Bedürfnisse.

Diese ganze Verlobungsfeiergeschichte kann für Dich ein wunderbarer Auslöser für Wachstum und Entwicklung sein. Indem Du viel stärker schaust, was Dir gut tut, wo Deine Grenzen sind. Und Deine Grenzen nicht selbst verletzt, sondern Dich klar positionierst.

Es geht um Selbstliebe und Selbstachtung, damit Du bewußt handeln kannst und Dich nicht mehr selbst verraten mußt. Nicht mehr vordergründig zustimmen, auch wenn alles in Dir "nein" sagt und dann über den Umweg von Verhinderung und Streß die nicht freudig und von ganzem Herzen, sondern widerwillig gegebene Zusage nicht einhalten zu können.

Ich finde Dein unbewußtes Widerstands-sabotage- Programm übrigens sehr vernünftig. Die Feier klingt nicht schön - fremdbestimmt, mit nur einer Familienseite, mit unerwünschten Gästen nach einer Fehlgeburt in Coronazeiten...
Ich finde, Dein Inneres System hat total angemessen reagiert.

Diese Situation ist auch ein gutes Lernfeld für Dich für eine spätere Hochzeitsfeier. Dabei sind die Konfliktmöglichkeiten erfahrungsgemäß noch größer.

Ich wünsche Dir ganz viel Klarheit, Mut und Kraft, Deine Bedürfnisse zu spüren und konsequent zu vertreten. Dir selbst zur Seite zu stehen. Damit Du nicht vordergründig um des lieben Friedens willen und einer unehrlichen Harmonie wegen, über Dich hinweggehst und Dich anschließend durch äußere Umstände und Verhinderung retten mußt.
 
Auch von mir erstmal herzliches Beileid.

Ich würde da 2 Sachen trennen: es ist Eure Verlobung, das ist klar, aber in anderen Kulturkreisen sind andere Dinge wichtig und daher würde ich versuchen, einen guten Kompromiss zu finden, mit dem Du leben kannst, der aber auch Deinem Freund und seinem kulturellen Hintergrund gerecht wird.
Natürlich solltest Du Dich da nicht fremdbestimmen lassen, aber es sollten sowohl Dein Freund und Du mit einer Lösung glücklich sein.

Aber die andere sache ist: warum kommst Du sonst auch immer zu spät? Bist Du schlecht organisiert, hast Du keine Uhr, verschätzt Du dich zeitlich? Woran liegt das genau?

Ich bin das genaue Gegenteil: ich bin in der Regel immer etwas zu früh und plane immer so, dass ich einen Zeitpuffer habe, da ich ungern warte und auch nicht mag, wenn Leute unpünktlich sind. Das kann mal passieren, aber wenn jemand ständig unpünktlich ist, finde ich das respektlos.

 
Danke für eure Nachrichten! Das tut wirklich gut. Mir ist es wichtig, mich zu reflektieren.

Was das Zuspätkommen angeht, kann ich sagen, ich mache es nicht absichtlich, um mich respektlos zu verhalten. Ich kann aber definitiv nachvollziehen, was für eine Wirkung das bei meinem Gegenüber auslöst.

Ich bin ein grundsätzlicher Zuspätkommer (In der Schule, bei der Arbeit etc.). Aus dem Bauch würde ich sagen. Ich habe es erstens nicht gelernt. Meine Mutter ist auch eine chronische Zuspätkommerin. Bei meinem Papa gab es selten zeitliche Termine, zu dem ich erscheinen musste. Ich kam eben, wann ich konnte. Im Alltag kann ich sagen, dass es aus dem Bauchgefühl immer das gleiche ist: Ich habe unendlich viele Dinge zutun, (Ich weiß, dass das jeder Mensch hat) und versuche alles unter einen Hut zu bekommen oder es kommt noch meine Erschöpfung dazu, die mich gelegentlich gedanklich hemmt und zur Pause ermahnt.

Im Internet habe ich gelesen, dass es ein Autonomiekonflikt mit mir selbst sein kann. Darin finde ich mich auch wieder- nach dem Motto "Wenn ich einen Termin habe, rebelliert mein Inneres für meine eigene Freiheit". Ich fühle mich in meiner Freiheit eingeschränkt. Wie gesagt, ich mache das nicht bewusst, sondern "es passiert" einfach. Jedenfalls ist mir meine Selbstbestimmtheit und Freiheit allgemein auch extrem wichtig. Das hat wahrscheinlich verschiedene Gründe, aber sie gibt mir Sicherheit. Tatsächlich verabrede ich mich mit meinen Freunden kaum noch zu festen Terminen, sondern viel lieber spontan. Mit einigen Freunden klappt das sehr gut. Natürlich habe ich dadurch auch einige verloren. Darunter leide ich aber auch eher nicht, weil es für mich innerlich sowieso überfordernd gewesen wäre.

Ein weiterer Grund in diesem Fall konkret ist sicher auch die innere Rebellion gegen meine Zustimmung zu etwas, was ich eigentlich gar nicht wollte.

Ein weiterer Faktor ist sicher, dass ich grundsätzlich introvertiert und damit auch glücklich und zufrieden bin. Ich meide grundsätzlich gerne soziale Interaktionen. Ich liebe meinen Freund, meine engen Freunde und meine Familie und oft tut es mir im Nachhinein auch gut, mehr soziale Kontakte zu pflegen (Ich bin Krankenschwester und Lehrerin und habe da natürlich auch ständig Kontakt 🙂). Oft versuche ich sie allerdings wahrscheinlich auch hinauszuzögern. Im Inneren habe ich irgendwie Angst vor Zurückweisung oder Ablehnung, was natürlich durch mein Verhalten sicher dann auch ausgelöst wird.

Ich sehe es absolut so wie ihr, dass es eigentlich unserer Feier sein sollte. Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig es seiner Mutter war und wollte ihr den Wunsch gerne erfüllen. Mir ist es ja schließlich wichtig, dass wir eine schöne Zeit zusammen haben und es allen gut geht.

Gleichzeitig kommen dann diese Muster bei mir auf, die eher zu Unglück als zu Freude führen.
 
Ist es nicht so, dass zur Zeit Feiern dieser Art eh nicht erlaubt sind. Denke da an die Regel 1 Person als Besuch in einem Haushalt.
 

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