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Ich glaube ich bin schwul und ich will nicht zurück aufs Land. Was kann ich tun?

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gast

Gast
Hallo liebes Hilferufforum,

ich bin 21 Jahre und glaube seit 5 Jahren, also seit der 10. Klasse, dass ich schwul sein könnte.
Da ich mich für Technik interessiere habe eine Lehre zum Elektroanlagenmonteur im konservativen Bayern gemacht. Vielleicht war ich auch etwas dumm, da dies gerade ein schlechter Beruf für schwule ist. In meiner Ausbildungseinrichtung war Homophobie sehr weit verbreitet. Jeder zweite Witz war ein Schwulenwitz, und einmal wurde mir sogar in die Eier getreten, weil einige glaubten ich sei schwul. Zwei haben auch ehrlich und sachlich zugegeben das sie Schwule hassen. Und auch mit Beratungsangeboten sah es dort schlecht aus, die nächste Beratungsstelle sowie junge Comingout-Gruppe waren in München, das 150 Kilometer entfernt lag.
Wenigstens mit freiwilliger Feuerwehr und Schützenverein hatte ich zum glück nicht viel am Hut, da die Ausbildungseinrichtung ein eigenes Internat hatte.
Da die meisten Betriebe, welche Elektroanlagenmonteure einstellen, also Mittelständige Industrie- und Handwerksbetriebe, ebenfalls eher in ländlicheren Gegenden unserer Republik zu finden sind (im Gegensatz zu anderen Branchen), bin ich in die Stadt geflohen, um mein Abi an der Fachoberschule nachzuhohlen. Ich möchte hier in der Stadt herausfinden ob ich wirklich schwul bin und nach meinen Abi vielleicht ein Fach studieren, in welchen ich nicht wieder aufs Land zurückziehen muss. Hier in Sachsen ist dies zum Glück mit der einjährigen Fachoberschule möglich. Ich hätte da in Richtung Informatik oder so etwas gedacht, weil mir programmieren auch sehr viel Spaß macht.
Leider sind meine Noten im Moment nicht so gut, ich stehe auf 3.
Deswegen habe ich mir schon überlegt die schule abzubrechen um später wenigstens noch Bafög zu bekommen um den Techniker oder Meister zu machen, (falls ich überhaut welches bekomme, weil im Moment zahlen meine Eltern für mich, meine Mutti verdient nämlich zu viel).
Ich möchte jedoch nicht mehr aufs Land zurück und außerdem möchte meine Mutti das ich das Abi fertig mache.

Nur so am rande, psychologische Behandlung ist bei mir im Moment leider nicht möglich, da die Krankenkasse nicht mehr zahlt. Ich hatte vor kurzen meine 2 Jahre, die bezahlt werden, voll, unter anderem auch wegen der oben genannten Probleme.

Was meint ihr, soll ich die Schule abbrechen?
Habe ich mir vielleicht etwas eingeredet?
Und was mache ich wenn ich die Schule nicht bestehe?
Kann ich dann auch auf den Land offen leben oder müsste ich mich dann für immer verstecken?

anonymer Gast
 

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Kylar

Sehr aktives Mitglied
Hi du, nur zu deiner letzten Frage: du musst dich auf dem Land nicht für immer verstecken.
Ich wohne selber eher ländlich und lebe in einer schwulen Beziehung und ich fühle mich nicht versteckt.
Ich hab leider grad keine Zeit um ausführlicher zu antworten , aber ich melde mich später nochmal, um da genaueres zu sagen.:)
 

Kylar

Sehr aktives Mitglied
Hi, also ich habe schon auf dem Land und in einer Großstadt gewohnt und ich muss sagen, es tut sich da nicht viel in Bezug auf Homophobie. Jedenfalls ist mir persönlich kein Unterscheid aufgefallen. Auf dem Land musst du damit rechnen , dass die Leute hinter deinem Rücken reden, wenn du mit deinem Freund händchenhaltend durch die Gegend läufst und dir vielleicht auch mal einen abfälligen Blick zuwerfen. Aber die Leute würden sicher auch über andere auffallende Dinge reden. Wenn bei dir öfters Frauen ein und aus gehen, du ein Piercing hast, du bunte Haare hast etc... dann würden sie auch darüber tuscheln. Es liegt also nicht so sehr an deiner Homosexualität an sich, sondern dass éinige Leute auf dem Land langeweile haben und wenn sie etwas sehen, was sie nicht kennen, glotzen sie und es wird darüber gelästert.

So richtig offene Homophobie mit eventuell Gewaltandrohung habe ich auf dem Dorf noch nie erlebt (wobei ich muss sagen, als ich auf dem Land gelebt habe, war ich selber noch ein Kind, daher kann ich nur sagen, was ich da so beobachtet habe und einmal war ich mit meinem Freund im Urlaub nochmal da, da wurde dann eben schon etwas komisch geguckt von einigen) Ich denke sogar, sowas könnte einem eher in der Großstadt passieren vor allem wenn du durch die falschen Stadtviertel läufst. In der Großstadt ist die Wahrscheinlichkeit auf tolerante, offene Menschen zu treffen höher als auf dem Dorf. Ist ja klar, weil es eben viel mehr Menschen gibt. Dadurch steigt aber eben auch die Wahrscheinlichkeit an homophobe, gewaltbereite Deppen zu geraten.
Ich habe auch eine Zeit in einer Kleinstadt gelebt, da wurde ich sehr stark in der Schule gemobbt, weil meine Mitschüler meinten, ich wäre schwul. Aber ich schätze das kann dir auch auf dem Dorf oder in der Großstadt passieren.
Was in der Stadt natürlich viel viel besser ist, ist die Chance andere homosexuelle Männer kennenzulernen. Da sieht es auf dem Dorf wirklich schlecht aus. Ich habe als Teenie in einem etwas größeren Dorf gelebt und mein Kontakt zu Gleichgesinnten bestand eigentlich nur aus dem Internet und die haben dann immer alle sehr weit weg gewohnt, was mich jetzt nicht gestört hat, weil ich eh kein Treffen wollte , aber wenn man sowas sucht ,ist das natürlich doof. Da hast du in einer Großstadt wirklich viel bessere Karten, wo es Bars, Discos, Vereine extra für Homosexuelle gibt, was ich auch tausendmal besser finde als übers Internet suchen zu müssen, weil im Internet sind sehr viele Idioten.

Ansonsten wollte ich dir noch sagen, dass es mir leidtut, dass du da schon so schlechte Erfahrungen machen musstest. Den Typen der dir in die Eier getreten hat, den hättest du eigentlich anzeigen können, weil sowas ist Körperverletzung.
Was deine Berufsfragen angeht, da würde ich danach gehen, was dir wirklich am meisten Spass macht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es in der Stadt keine Stellen für Elektromonteure gibt. Wenn du bei deiner jetzigen Ausbildung kurz vorm Ende stehst , würde ich die noch durchziehen, dann hast du den Abschluss zumindest in der Tasche. Und danach würde ich dann gucken, eben was macht mir am meisten Spass.
Ich würde die Entscheidung dabei unabhängig davon machen, ob Kleinstadt oder Stadt. Wenn du als junger Mann nicht aufs Land willst, und damit meine ich jetzt die richtig kleinen abgelegenen Dörfer kann ich das verstehen , weil da sitzt du ziemlich isoliert und es ist auch kein guter Ort ,um rauszufinden, ob man nun schwul ist oder nicht. Aber was Homophobie angeht, die kann dir wie gesagt überall über den Weg laufen.
 
G

Gast

Gast
Also ist es , wenn man auf dem Dorf lebt, nahezu unmöglich jemanden kennen zu lernen?
Ich sollte darauf achten, eher in die Nähe einer großen Stadt zu ziehen?
 

Kylar

Sehr aktives Mitglied
Nahezu unmöglich möchte ich nicht sagen, aber es schmälert die Chancen doch sehr.
Kommt auch drauf an, was du mit Dorf meinst. Ich bin auf einem Dorf mit knapp 200 Einwohnern aufgewachsen, das total in der Wallapampa lag, wo es keine Zug und kaum Busanbindungen gab und wo auch im Umkreis von 70/80 km keine viel größeren Städte waren, wo es homosexuelle Treffpunkte oder Events hätte geben können. Für mich ist eigentlich nur sowas "richtiges" Land/Dorf.
Und da wird es wirklich verdammt schwer in Kontakt zu anderen Homosexuellen zu kommen. Das geht eigentlich nur über das Internet, grad wenn man nicht so mobil ist. Und im Internet schwule Männer für eine richtige Beziehung finden, die wahrscheinlich auch noch sehr weit weg wohnen, sollte sich denn was ergeben, wird sehr schwer.
Aber unmöglich würde ich wie gesagt nicht sagen. Vielleicht wohnt dein Traummann auch auf so einem 200 Leute Dorf wie ich damals gewohnt habe.
Wenn du dich erst mal ausprobieren willst, um zu entdecken , ob du jetzt eigentlich wirklich schwul bist, ist Stadt definitiv besser geeignet als ein Dorf. Zumindest so eins, was ich jetzt meine. Es gibt ja auch schon etwas größere Dörfer bzw Kleinstädte wo es noch recht beschaulich ist, aber wo man sich in den Zug setzen kann und in knapp einer Stunde in der Großstadt ist.
 
G

Gast

Gast
Was mache ich, wenn ich gerade in so einen Dorf Arbeit finde?
Große Industriezentren sind nun mal in Südthüringen, im Vogtland oder Bayern. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Industriefirmen so weit wie möglich von den Großen Städten entfernt sind.
Habe auch letztes wieder in einer Zeitung gelesen, das im hohenlohener Land die höchste dichte an Weltmarkt führenden Industrieunternehmen zu finden ist.
Und man muss halt da hin gehen wo man Arbeit findet.
Da ist dan nichts mit in die Stadt fahren, außer man nimmt 150km Zug- oder Autofahrt auf sich.


Nur so am Rande kann ich außerdem die Bemerkungen von meinen Eltern, dass man auf dem Land doch viel schöner lebt nicht mehr hören. Wen man schwul ist, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall.
Ich will damit sagen, mit meiner Mutti und meinen Vati kann ich nicht so über das Thema sprechen, auch wenn sie nicht Homophob sind.

Und soll ich später etwas Studieren wo ich in der Stadt arbeiten kann, falls ich die FOS doch gut abschließe?
 

cassiopeya

Mitglied
Warum willst du denn die Schule abbrechen, nur weil du nicht so gute Noten hast?
Was für einen Abschluss strebst du an?
Ich würde sagen, streng dich an und versuch dein Bestes, auch deine Noten zu verbessern - deinen Abschluss in der Stadt zu machen. Und mein Rat - erstmal nicht aufs Land zurückzugehen, sondern in einer Stadt, oder Großstadt dein Glück (beruflich wie auch privat) zu versuchen. Ich komme aus Köln :) Vielleicht wäre es hier ja auch schön für dich?
Alles Gute!
 
G

Gast

Gast
Das (mit nicht aufs Land zurückgehen) ist leichter gesagt als getan. Wenn ich die Schule nicht/schlecht bestehe, muss ich entweder erst mal Arbeiten (in meiner Branche sieht das in der Stadt eher schlecht aus) oder einen zulassungsfreien Studiengang besuchen (leider auch oft in nicht gans so großen Städten).
 

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