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Hatte eine lange Leidensphase, wollte aber nie über meine Probleme sprechen.

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Gast

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Hallo Liebe Foren-Leser

Ich wäre euch sehr dankbar, wenn einige von euch mir eure Meinung sagen könntet. Vielleicht haben einige schon ähnliche Erfahrungen gemacht.

Ich will meine Geschichte nur grob Zusammenfassen, da mir eine detaillierte Beschreibung ein bisschen zu persönlich wäre. Allgemein fällt es mir auch schwer über meine Probleme zu sprechen oder schreiben.

Ich war bis 20 ein gesunder und unbeschwerter Teenager(heute bin ich 26). Über Nacht bekam ich aber heftige Hautausschläge am ganzen Körper. Die Ursache konnte nie abschliessend geklärt werden. Diese Hautausschläge waren sehr heftig und kamen schubweise. Rund 3 Jahre lange konnte ich diese nicht in den Griff kriegen und sie kamen immer wieder. Ich habe damals wirklich sehr darunter gelitten. Ich ging teilweise tagelang nicht mehr aus dem Haus und musste täglich unzählige Medikamente schlucken. Die Leidenszeit ging ungefähr 3 Jahre lang. Ich musste mir während dessen einige Operationen aufgrund der Hautausschläge über mich ergehen lassen, da vermutet wurde, dass bspw. Blinddarm, Rachenmandeln, Weisheitszähne einen Zusammenhang mit den beschriebenen Symptomen haben könnte. Danach konnte ich das Problem über die nächsten 2 Jahre mit Medikamenten mehr oder weniger eindämmen. Seit rund einem Jahr bin ich medifrei.

Ich würde mich selber als einen eher verschlossenen Menschen beschreiben, der nicht gerne über seine Probleme spricht und nicht gerne "Schwäche" zeigt. Ich habe mich darum während dieser Zeit zurück gezogen. Ich ging nur aus dem Haus, wenn es gerade nicht so schlimm war. Ich habe dadurch hauptsächlich meine Ausbildung und Freunde vernachlässigt. Meine Noten in der Ausbildung wurden schlecht, da ich regelmässig Schulstoff verpasste. Natürlich litt auch mein Sozialleben durch meinen Rückzug. Ich habe dadurch ausbildungstechnisch rund 2 Jahre verloren, die ich aufgrund schlechter Leistungen wiederholen durfte. Ich hielt jedoch immer an meinen Zielen fest und habe letzten Sommer mein Studium abgeschlossen.

Das war es aber leider noch nicht ganz. Aufgrund einer alten Sportverletzung litt ich rund ein Jahr (Sommer 14 bis Sommer 15) unter chronischen Kopfschmerzen. Auch da war es lange nicht klar, was die Ursachen für diese Kopfschmerzen waren. Diese Kopfschmerzen waren oft mit Schwindel und Appetitlosigkeit verbunden. Ich wurde träge und energielos. Ich hatte Schwierigkeiten mich am Leben zu erfreuen. Es war eine Last und ich begann mich wieder zurück zu ziehen. Ich wollte unbedingt mein Studium abschliessen, wofür ich durch meinen vorherigen Leidensweg hart kämpfen musste und viele Rückschläge erlitt. Ich hatte nicht die Kraft, mich um mein Studium und meine damalige Freundin zu kümmern. Also kam es nach rund 3.5 Jahren Beziehung zur Trennung. Zu Beginn war diese Trennung nicht so schlimm für mich, da ich mich nur noch auf mich konzentrieren konnte und wieder ein wenig Luft zum atmen hatte (mehr Ruhephasen um mich zu erholen). Mittlerweile bereue ich aber diese Trennung zu tiefst, da sie die Beste war, die ich bis heute kennen lernen durfte. Sie hat ein Herz, so gross wie die Sonne!

Die heutige Situation sieht so aus. Ich bin nun seit rund 5 Monaten, trotz guter Abschlussnoten, auf Arbeitssuche. Alle meine Studienkollegen haben schnell etwas passendes gefunden. Mein CV liest sich aufgrund der beschriebenen Turbolenzen nicht sehr gut und erschwert mir die Arbeitssuche enorm (zumindest habe ich das Gefühl, dass es so ist). Die Frau meines Lebens ist weg. Es geht mir zwar gesundheitlich gut im Moment, wofür ich sehr dankbar bin, jedoch bin ich trotzdem ziemlich down.

Ich habe während den letzten Jahren so viel in mich hineingefressen und mit niemandem, ausser meiner Mutter, ernsthaft über meine Probleme gesprochen. Nicht einmal mit meiner langjährigen Freundin!! Ich bin mir bewusst, dass meine Verschlossenheit und meine ich-kann-meine-Probleme-selber-regeln-Mentalität falsch ist und ich mir dadurch das Leben nur selber schwer mache. Jedoch gehört dieses Verhalten aber auch zu meiner Art. Ich versuchte über die Jahre all diese Dinge zu verdrängen indem ich mit NIEMANDEM darüber sprach. Heute habe ich das Gefühl, dass mich all das nun einholt. Ich habe den Eindruck, dass ich mittlerweile sehr sensibel auf weitere psychische Belastung reagiere und ich nicht mehr länger der verschlossene Typ sein kann. Als ob das Fass mit unverarbeiteten Ereignissen in mir schon bis zum Rand voll ist und jedes weitere Ereignis es zum überlaufen bringt.

Haben einige von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Kann mir jemand einen Tipp geben?

Vielen Dank für eure Antworten.
 

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Gast

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Hallo!

Also, ich muss sagen, es ist wirklich total bewundernswert, wie Du trotz gesundheitlicher Rückschläge und Leidensphasen dennoch Deine Ausbildung abgeschlossen hast. Ich selbst habe mehrmals begonnen, so aber nie fertig gebracht, obwohl es nicht an gesundheitlichen Gründen lag. Darauf kannst Du schon sehr stolz sein und es sollte Dir Selbstwertgefühl geben.

Dass Du jetzt noch nicht den passenden Job finden konntest, ist leider keine Seltenheit. In meinem Bekanntenkreis gibt es auch einige erfolgreiche Studienabgänger, die lange oder gar nicht in ihrem Fachbereich tätig werden konnten. Das hat aber nichts damit zu tun, wo lange sie jeweils für ihr Studium gebraucht haben. Da mach Dir gar keine Gedanken. Leider gehört da immer ein bisschen Glück dazu und man muss sich verkaufen können. Also, mach Dich nicht klein - glaub an Dich!

Vielleicht solltest Du übergangsweise eine andere Stelle suchen. Wenn man beschäftigt ist, hat man nicht soviel Zeit zum Nachdenken und fühlt sich automatisch "gebrauchter" in einer Aufgabe.

Es ist natürlich schade, dass Du Dich niemandem anvertraut hast. Ich selbst bin auch eher jemand, der "still vor sich hin leidet". Das ist aber keine gute Lösung für niemanden. Denn jeder Mensch und dessen Probleme sind wichtig und es wert, erzählt und gehört zu werden. Im Gegenteil: Früher oder später spitzt sich die Lage zu und dann sind die Mitmenschen meist wie vor den Kopf gestoßen, dass "man nie etwas gesagt hat". Viele Probleme können mit anderen Sichtweisen leichter gelöst werden und wem Du am Herzen liegst, der will Dir helfen.
Aber Du hast die Möglichkeit, für die Zukunft daraus zu lernen, und "aufzumachen". Du musst nicht immer stark sein! Schwächen zu haben und zu zeigen, macht Dich menschlich.
Es kommt bestimmt wieder eine Frau in Dein Leben, die ebenso warmherzig ist. Ganz bestimmt.

Verliere nicht den Mut und trau Dich, über Deine Probleme zu reden - den ersten Schritt hast Du ja hier schon getan.
 

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