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Gibt es überhaupt noch Hoffnung, dass sich bei mir noch was zum Guten wenden wird?

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Gast

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Liebe Forumsmitglieder,

ich bin weiblich und 42 Jahre alt.
Je älter ich werde, desto mehr verzeifle ich an mir und meinem Leben.
Seit Jahren leide ich unter Depressionen, die ich versuche, mit Antidepressiva zu bekämpfen.
Leider nur mit mäßigem Erfolg. Ich denke auch oft, wie soll sich meine psychische Verfassung verbessern, wenn egal was ich anpacke, alles zum Scheitern verurteilt ist.
Meine Eltern und meine wenigen Bekannten schieben mein Scheitern auf meine Ängste und das mangelnde Selbstvertrauen.
Doch ich hatte ganz oft bei mir den Eindruck, dass ich will, aber nicht so richtig kann.

Die Misserfolge ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
Bereits in der Kindheit zeigte sich, dass ich mehr Schwierigkeiten hatte als die meisten anderen Kinder.
Meine motorische Entwicklung war sehr verzögert. Ich lernte spät laufen, Radfahren und schwimmen. Aufgrund von Gleichgewichtsstörungen fiel ich oft hin oder stürzte mit dem Rad. Daher fuhr ich noch mit 8 Jahren mit meinem Kettcar durch die Gegend.

Kontaktschwierigkeiten waren seit der frühen Kindheit gegeben.
In fremder Umgebung fiel ich durch Wutanfälle auf, und oft wechselte mein Verhalten von völliger Schüchternheit zu völliger Albernheit.
Ich war immer Außenseiterin. Gleichaltrige konnten mit mir aufgrund meiner Schüchternheit und emotionaler Entwicklungsverzögerung nichts anfangen.
Als 16-jährige war ich emotional auf dem Stand einer 12-jährigen und fand auch eine Freundin in diesem Alter, die ich total bewunderte.

Meine Leistungen waren in der Grundschule noch mittelmäßig, teilweise gut, doch die Lehrerin riet meinen Eltern zur Hauptschule. Doch die schickten mich aufs Gymnasium, wo ich sehr schnell übefordert war.
Ich hatte eine Rechenschwäche, logisches Denken fiel mir schwer, ich konnte keine komplexen Zusammenhänge erfassen, keine Texte interpretieren.
Sport war wegen meiner motorischen Defizite eine Katastrophe.
Gute Leistungen zeigte ich nur in Latein, wo man nur Vokabeln und die grammatischen Regeln auswendig lernen musste.
Ich machte die mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt von 3,6.

Das Berufsleben wurde zur Katastrophe, weil ich ein zu langsames Arbeitstempo und eine zu langsame Auffassungsgabe habe, mich immer nur auf eine Sache konzentrieren kann, schnell abgelenkt bin, Probleme habe, Anweisungen umzusetzen.
Ich machte eine Ausbildung zur Arzthelferin, doch ich war dem Stress nicht gewachsen. Brach auch oft in Tränen aus, wenn einer der Ärzte unfreundlich war oder die Geduld mit mir verlor.
Danach machte ich eine Umschulung zur Bürokauffrau. In dem Betrieb, wo ich die Praxis absolvieren musste, wurde ich gemobbt und sexuell belästigt. Ich fand anschließend Jobs im Büro, doch einmal wurde ich noch in der Probezeit rausgeworfen und ein anderes Mal nach zwei Jahren, als der nette und väterliche Chef in den Ruhestand ging. Seine Nachfolgerin hatte vorher keine Gelegenheit ausgelassen, mich zu schikanieren.
Danach hatte ich noch Nebenjobs an einer Tankstelle und einem Billigladen und arbeitete ein Jahr vom Jobcenter aus bei einem Wohlfahrtsverband.
Ich hatte auch noch mal einen Job im Büro, wo der cholerische Chef mich fast jeden Tag anbrüllte, weil ich ihm zu vergesslich war. Dabei habe ich mir wirklich große Mühe dort gegeben.
Bisher wurde mir überall vermittelt, dass ich für den ersten Arbeitsmarkt nicht geschaffen bin.

Privat sieht es genauso schlecht aus.
Kontakte scheitern regelmäßig nach kurzer Zeit, weil andere sich abgestoßen fühlen von meinem mangelnden Selbstbewusstsein, meiner Unreife, Weltfremdheit und meiner langsamen Art.

Für die ganze Problematik habe ich oft meinen Eltern die Schuld zugeschoben (in meinen Gedanken, gesagt habe ich es ihnen nie), weil sie mich immer abgewertet und sich kaum um mich gekümmert haben.

Doch irgendwann glaubte ich nicht mehr an mangelnde emotionale Zuwendung als einzige Ursache.
Vor ein paar Jahren stieß ich im Internet auf Autismus, genauer gesagt auf das Asperger-Syndrom. Ich erkannte mich in vielen Dingen wieder, nachdem ich mir eine Liste mit meinen Problemen und Defiziten erstellt hatte. Daher ließ ich meinen Verdacht in einer Autismusambulanz einer Uniklinik abklären.
Das Asperger-Syndrom wurde bei mir ausgeschlossen, auch wenn ich viele Symptome zeige. Im Rahmen der Diagnostik wurde auch ein IQ Test gemacht mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass ich einen IQ von 86 habe!

Zur Zeit bewerbe ich mich mal hier und mal dort, d.h. auf Inbound-Stellen im Call-Center oder einfache Bürojobs.
Doch mein Lebenslauf weist inzwischen so viele Lücken auf, dass ich kaum noch Hoffnung habe, irgendwo wirklich anzukommen.

Könnt ihr mir einen Rat geben, wie es bei mir weitergehen kann?
 

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Violetta Valerie

Moderator
Teammitglied
Hallo lieber Gast,
das liest sich alles sehr resigniert und traurig. Tut mir echt lied für Dich, dass Du es so schwer hast.
Ich denke, um einen neuen Anstoß für Dein Leben zu finden, brauchst Du mal einen Schuß positive Erlebnisse.
Wie wäre es, wenn Du Dir neben dem Job ein Ehrenamt suchst? zB in der Kirche, oder in irgendeinem Verein?
Es gibt ne Menge und vielleicht klingt das auf den ersten Blick nicht so, als wäre es was für Dich, aber warum nicht mal sowas versuchen? ZB gibt es in der Kirche Gruppen für alles mögliche: man kann helfen, einen Seniorennachmittag zu betreuen (die Arbeit mit Älteren Menschen kann sehr zufriedenstellend sein, da Du unmittelbare und ehrliche Dankbarkeit erfährst), oder mithelfen, den Blumenschmuck oä zu basteln und so weiter. Das ist alles nix besonderes, aber man ist in einer kleinen Gemeinschaft und bekommt Zuspruch für das was man tut. Man ist willkommen.
Oder Du engagierst Dich im Tierheim- auch da kannst Du was sinnvolles und erfüllendes machen und nette Leute kennenlernen.
Oder vielleicht eine Umweltbewegung?
Oder vielleicht machst Du gern Musik? Die meisten Kirchenchöre freuen sich über neue Mitglieder, auch wenn man garkeine Erfahrung hat. (Nebenbei wächst durch gemeinsames Singen das Selbstvertrauen).
Ich denke, es wäre sehr gut für Dich, wenn Du außerhalb Deiner Arbeit einfach mal Erfolgserlebnisse einfahren würdest. Dann erkennst Du vielleicht leichter, wie es beruflich weitergehen soll und schöpfst neues Selbstbewusstsein und Kraft für einen Neustart.
Überleg Dir mal: Was könntest Du Dir vorstellen?
 

Metallworker

Aktives Mitglied
Es tut mir wirklich leid, dass du bis dato scheinbar niemanden hattest, der dich einfach mal so angenommen hat wie du bist. Normalerweise sollte man sich innerhalb der Familie sicher und geborgen fühlen. Wertgeschätzt und respektiert. Wundert mich gar nicht, dass es dir seelisch so miserabel geht.

Hast du eigentlich Hobbys? Ganz gleich was; für viele der Hobbys gibt es auch Vereine oder Gemeinschaften. Der Tipp von Violetta ist wirklich gut.
 

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