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Gesunder Umgang mit Religion = Hilfe im Leben?

Werner

Sehr aktives Mitglied
Eines der häufigsten und am emotionalsten diskutierten Themen hier im Forum ist der Umgang mit dem Glauben bzw. der eigenen Religion.

Da taucht schon die Frage auf, ob Religion eher ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung ist - also eher nützt, hilft oder schadet?

Mich würde interessieren, welchen Umgang mit Religion oder Glauben ihr für euch oder bei anderen als "gesund" erlebt - also was man z.B. einem Kind als Beispiel und Vorbild empfehlen könnte?

Ich selbst bin evangelisch-christlich aufgewachsen, dann mit meinen Eltern in eine relativ liberale Freikirche "umgezogen" und mit 18 dort ausgetreten, weil für mich zu viele theologische Fragen unbefriedigend beantwortet wurden. Inzwischen stehe ich allen Glaubenssystemen sehr kritisch und gleichzeitig offen gegenüber, würde für mich aber derzeit ausschließen, einem einzigen davon allein anzuhängen.

Hilfreich ist Glaube für mich dann, wenn ich ein Stück aus einem großen "Glaubensgebäude" einzeln und zur jeweiligen Situation passend herauspicken und verwenden kann ohne gleich dort einzuziehen ...
 

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Acromantula74

Sehr aktives Mitglied
Ich bin - auf Betreiben meiner ausgesprochen katholischen Oma - katholisch getauft worden und musste auf ihren Wunsch hin auch diese ganze "Karriere" (Kommunion, Firmung) durchlaufen.

Die sonntäglichen Kirchgänge und all die verstaubten Zwänge der kath. Kirche haben für mich nie mehr bedeutet als einen lästigen Zwang.

Später dann habe ich erfahren, dass ich nach kath. Kirchenrecht unehelich bin, da ich aus der 2. Ehe meiner Mutter stamme. Das hat mich dann dazu bewogen, mich etwas intensiver mit dem Thema "katholische Kirche" auseinanderzusetzen und letztlich vor über 10 Jahren auszutreten, da ich mich mit einer so frauenfeindlichen, verkrusteten und reaktionären Organisation weder identifizieren konnte noch wollte.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
@ Acromantula: Und - ist irgend etwas von all dem übriggeblieben, das dir manchmal hilft oder das du deinen Kindern weitergeben würdest?
 

Acromantula74

Sehr aktives Mitglied
@ Acromantula: Und - ist irgend etwas von all dem übriggeblieben, das dir manchmal hilft oder das du deinen Kindern weitergeben würdest?
Nein.

Das eínzige, das übriggeblieben ist, ist die Gewissheit:

Sollte ich mal Kinder bekommen, werde ich sie garantiert nicht taufen lassen und im Korsett einer Religion aufwachsen lassen.

Hilfe in Notsituationen finde ich vielfältig - bei meinem Partner, meinen Freunden - aber niemals bei der Kirche.
 

JaneDoe

Aktives Mitglied
Hilfreich ist Glaube für mich dann, wenn ich ein Stück aus einem großen "Glaubensgebäude" einzeln und zur jeweiligen Situation passend herauspicken und verwenden kann ohne gleich dort einzuziehen ...
Sehr schön formuliert.:) Mir geht es auch so. Hätte es nur nicht so treffend schreiben können - zumindest nicht in einem Satz :eek:

Allerdings bin ich ob der Religionen und dem Herauspicken auch immer wieder sehr verunsichert.
Ich weiß, es liest sich jetzt völlig bescheuert - aber ich habe ab und an ein schlechtes Gewissen. So, als würde ich etwas Verbotenes tun und dafür bestraft werden - eben weil ich NICHT an einem Glauben 'hänge'.
Anscheinend hab ich doch von irgendwem, irgendwas einen Knacks abbekommen...
Ob nun durch den Religionsunterricht, den Konfirmandenunterricht, durch meine Beschäftigung mit den Religionen oder was auch immer.

Als noch recht junge Frau bin ich mal quasi von 3 vernagelten Glaubenstanten verflucht worden, weil ich mich gewagt habe zu sagen, daß ich schon glaube, daß es die Person Jesus gegeben habe, aber ich ihn eher als Kräuterkundigen und guten Rhetoriker sehe, der seine Schäfchen zu beeindrucken und zu begeistern wußte.
Man darf dabei auch nicht den damaligen Kontext übersehen.

Mir sind z.B. die 'Naturreligionen', Wicca, Druidentum, Schamanismus sowie der Buddhismus sehr sympathisch.

Warum sollte es nur einen Gott geben?? Bin zwar keine Emanze, aber warum keine Göttin/Göttinnen?

Die Große Erdmutter, eine urzeitliche 'Glaubensperson', die in fast allen Religionen übernommen wurde. Ob in der Antike oder in der Neuzeit - halt mit anderen Namen.

Einige uralte Bräche sind gerade von den christlichen Kirchen übernommen worden.
Irgendwie ist doch alles verwoben - übernommen, addaptiert worden.

Deswegen halte ich es eigentlich für völlig legitim, sich bei den verschiedenen Religionen 'zu bedienen'.

Der Hinduismus z.B. hat so viele Göttinnen und Götter, daß die Hindus da selber kaum durchblicken.*g*
Wenn man bedenkt, daß im Christentum massig Heilige herumschwirren, die sämtliche Wehwehchen abdecken... was kann dann falsch daran sein, für sich selber einen Weg durch und mit den verschiedenen Glaubensrichtungen zu finden.

Bedenkt man dann noch, daß das Christentum das Alte Testament hinten über kippen läßt und sich meist nur noch auf das NT versteift...

Auge um Auge, Zahn um Zahn ist halt nicht mehr en vogue, sondern demütiges Prügeleinstecken wird gepredigt.

Dann doch vll. lieber die Voodoo-Puppe, in die man Nadeln stechen kann - auch wenn es nichts bringt - es erleichtert.
 
E

EuFrank

Gast
Hallo Werner!

Eines der häufigsten und am emotionalsten diskutierten Themen hier im Forum ist der Umgang mit dem Glauben bzw. der eigenen Religion.

Da taucht schon die Frage auf, ob Religion eher ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung ist - also eher nützt, hilft oder schadet?

Mich würde interessieren, welchen Umgang mit Religion oder Glauben ihr für euch oder bei anderen als "gesund" erlebt - also was man z.B. einem Kind als Beispiel und Vorbild empfehlen könnte?

Ich selbst bin evangelisch-christlich aufgewachsen, dann mit meinen Eltern in eine relativ liberale Freikirche "umgezogen" und mit 18 dort ausgetreten, weil für mich zu viele theologische Fragen unbefriedigend beantwortet wurden. Inzwischen stehe ich allen Glaubenssystemen sehr kritisch und gleichzeitig offen gegenüber, würde für mich aber derzeit ausschließen, einem einzigen davon allein anzuhängen.

Hilfreich ist Glaube für mich dann, wenn ich ein Stück aus einem großen "Glaubensgebäude" einzeln und zur jeweiligen Situation passend herauspicken und verwenden kann ohne gleich dort einzuziehen ...
Schönes Thema :)!

Eine gesunde Religion basiert lediglich auf der Möglichkeit Gottes. Diese Möglichkeit sollte man beachten. Bei allem, was man tut, sollte man diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Wer mehr verlangt, gelangt schnell zu Zwang etc.

 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Sehr schön formuliert.:)
Allerdings bin ich ob der Religionen und dem Herauspicken auch immer wieder sehr verunsichert.
Ich weiß, es liest sich jetzt völlig bescheuert - aber ich habe ab und an ein schlechtes Gewissen. So, als würde ich etwas Verbotenes tun
Vielleicht beruhigt es dein Gewissen etwas, wenn ich dir sage dass in der Religionsausübung vor dem alten Ägypter Echnaton (von dem Moses vermutlich die Idee mit dem einen wahren Gott hatte) es gang und gäbe war, in jeder Stadt den dort verehrten Gott bzw. die Göttin auch anzubeten und um Segen zu bitten.

Philosophisch gesehen haben die Menschen dieser Zeit erkannt, dass kein Mensch allein eine so weitreichende Frage allein und verbindlich beantworten kann - dass es also verschiedene "richtige" Antworten geben und niemand eine definitive Entscheidung treffen kann. Man nennt Fragen dieser Art "prinzipiell unentscheidbare Fragen" - sie lassen uns die Freiheit, selbst zu wählen, was wir wann wofür wiesehr für "wahr" halten ...

... für mich war das die ganz große "Erleichterung", die Frage nach Gott in diese Kategorie einordnen zu können und so trotz massiver Bedenken gegen Religion einige mir wertvolle Elemente "mitnehmen" und verwenden zu können.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Eine gesunde Religion basiert lediglich auf der Möglichkeit Gottes. Diese Möglichkeit sollte man beachten.
Interessante Antwort! Kannst du dir auch vorstellen, dass eine Option ist, zeitweise oder fallweise die "Möglichkeit Gottes" auszuschließen - z.B. um die Angst vor Gott zu reduzieren?

Vielleicht verstehe ich dich auch nicht korrekt - magst du ein Beispiel sagen, wie sich dieser Gedanke für dich praktisch auswirkt?
 

JaneDoe

Aktives Mitglied
Interessante Antwort! Kannst du dir auch vorstellen, dass eine Option ist, zeitweise oder fallweise die "Möglichkeit Gottes" auszuschließen - z.B. um die Angst vor Gott zu reduzieren?

Vielleicht verstehe ich dich auch nicht korrekt - magst du ein Beispiel sagen, wie sich dieser Gedanke für dich praktisch auswirkt?
Wenn Du Gott nur 'fallweise' ausschließt, glaubst Du/man doch an Gott, sonst könntest Du/man ihn (den Glauben an ihn) doch nicht ein- und ausschalten - je nach Lebenslage/Problem!?

Und wenn man die Möglichkeit in Betracht zieht, ist dies dann nicht wie ein Hintertürchen??
Es könnte ja sein, also bete ich mal sicherheitshalber. Nach dem Motto: Schaden kanns nicht - auch wenn es vll. nix nutzt.
 

JaneDoe

Aktives Mitglied
@ Werner

Zu Echnaton: nicht nur, daß er den 'Eingott erfunden' hat. Einige Wissenschaftler sehen darin auch die Wurzeln der Dreifaltigkeit, da er sich und seine Frau Nofretet zusammen mit Aton (der Sonnenscheibe) als göttlich hat anbeten lassen. Vater, Sohn und heiliger Geist waren bei ihm er, seine Frau und Aton
 

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