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Genesungszeit nach Gewalterfahrung - wie viel Zeit ist "normal"?

G

Gelöscht 98918

Gast
Hallo liebe Community,

wie lange habt ihr gebraucht, um "danach" wieder auf die Beine zu kommen und um euren Alltag mehr oder weniger selbstständig und beschwerdefrei bewältigen zu können?
Ein paar Wochen oder Monate? Weniger als ein Jahr? Mehr, als zwei Jahre?
Und was hat geholfen?

Die Frage richtet sich an all jene, die eine traumatische Erfahrung gemacht und diese verarbeitet haben.

Danke schonmal.

Bee*
 

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momo28

Moderator
Teammitglied
Guten Morgen,

diese Frage ist ganz schwer zu beantworten.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir schreiben, dass ich lange vieles nicht wusste, nicht einordnen konnte. Das hat mir geholfen, viele Jahre ein Leben ohne Flashbacks, ohne Bodymemories, ohne irgendwelche "Aussetzer" zu führen. Meine Tage waren aber auch Dank vier Kindern sehr ausgefüllt.

Und dann kam der Tag, ab dem nichts mehr ging, es war alles da und seither bin ich nicht mehr so belastbar wie früher. Die Erinnerungen mit allen Facetten, die die traumatischen Erlebnisse in mir veranktert sind, sind seither meine Begleiter.

Aufgrund viele Gespräche mit anderen traumatisierten Menschen kann ich dir auch nur schreiben, es gibt keine allgemeingültige Zeiten zum Überwinden von schlimmen Erlebnissen.

Ich habe Menschen kennengelernt, bei denen der Alltag recht schnell funktionierte, sie wieder leben konnten ohne Ängste. Ob da später wieder was gekommen ist, kann ich aber nicht sagen.
Es waren da aber auch Menschen, die viele Jahre nach den traumatischen Erlebnissen immer noch nicht "normal" waren/sind.

Gerne hätte ich dir hier geschrieben, es dauert XX Wochen, dann ist alles wieder gut. Aber leider kann ich das nicht.

Ich wünsche dir alles Gute und dass du es schaffst, dein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.
 
G

Gelöscht 98918

Gast
Wütend bin ich nicht und ich spüre auch keine Wut. Ehrlich gesagt bin ich unsicher, ob und was ich spüre in Bezug auf ihn.

Danke fürs ausführliche Antworten. :)


Bee*
 

Mark23

Aktives Mitglied
Vor 2 Jahren wurde bei einem Disco Besuch hinterrücks mir eine leere glas Bierflasche an den Kopf geworfen, ich musste ins krankenhaus mit einer riesigen Wunde. Wer das gewesen ist, ist bis heute ungewiss, aber in einer Disco war ich seit dem nicht mehr.
 

KBS

Aktives Mitglied
Hallo Bubblebee!

Du musst nichts Bestimmtes ihm gegenüber fühlen. Deine Unsicherheit ist ok, sie ist, denke ich, nach einem traumatischen Erlebnis eine Art Selbstschutz. So hoffe ich, dass Du Dich nicht fragst, warum Du nichts spürst und hoffe, dass Du es einfach für diese Zeit akzeptieren kannst. Ich selbst habe verschiedene Phasen durchgemacht, ich fühlte mich eine gewisse Zeit gefühlstaub, in einer anderen Phase war ich voller Wut auf den Täter... - und jedes dieser veschiedenen Gefühlslagen ist nach einem traumatischen Erlebnis ok.

Ich weiß aber, dass alle Gefühlsschwankungen, die man einem Täter gegenüber haben kann, ihm eine Bedeutung zukommen lassen, die er nie haben sollte. Auch Wut auf den Täter gibt ihm ja eine Rolle, die von Bedeutung ist. Nein, der Täter ist nicht wichtig, er ist ein verkommenes Subjekt, der keinen Gedanken wert ist. Er ist nur ein Teil der Vergangenheit Deines Lebens und hat für Deine Zukunft eigentlich keine Bedeutung mehr.

Nur die Tat selbst wirkt nach. Wie macht sie das? Sie macht es dadurch, dass Betroffene Vertrauen in sich selbst und in andere verloren haben. Während der Tat fühlte ich kompletten Kontrollverlust, denn ich wurde aus einem Hinterhalt angegriffen. Ähnlich wirst auch Du einen Kontrollverlust erlebt haben.

Dieser Kontrollverlust lässt bei uns Betroffenen zwei Wunden zurück, glaube ich. Der Kontrollverlust hat in uns die "Sehnsucht nach Kontrolle" ( dies habe ich mal im Netz gelesen und fand mich darin wieder) enstehen lassen. Wir wollen nie wieder in eine solche Situation kommen, so dass wir unsere Umgebung , wie ich es formuliere, nach Gefahren abscannen. Dies bedeutet natürlich, dass wir dabei gegenüber unserer Umgebung ein größeres Misstrauen empfinden können. Dieses Misstrauen steht bei vielen von uns unserem alten Leben entgegegen, bei den einen mehr und bei anderen weniger ( dies ist natürlich auch von der tieferen Persönlichkeit abhängig).
Das vorherige Leben wollen wir aber zurück. Wir haben aber auch die Verletzung erlitten, dass wir unserer eigenen Beurteilungsfähigkeiten nicht mehr vertrauen. Oftmals ist dies mit Fragen verbunden, was habe ich selbst in der Situation falsch beurteilt, wann hätte ich mich besser schützen können und müssen...`?

Natürlich haben wir Betroffenen nichts falsch gemacht - der Täter hat ein Verbechen begangen. Deswegen glaube ich, dass Betroffenen lernen müssen, dass sie selbst keine Schuld oder Ähnliches tragen. Betroffene sollten verstehen, dass sie , wenn sie Schuld fühlen, sich selbst vergeben sollten, denn sie trifft keine Schuld. Dies wäre ein erster Schritt zur Genesung, denke ich.
Der 2. Schritt würde darin liegen. wieder Vertrauen zu sich selbst aufzubauen. Genauso wie die Tat einen negativ geprägt hat, wird jedes positive Erlebnis nach der Tat einen auch wieder aufbauen, indem das eigene Vertrauen gestärkt wird. Gleichzeitig wird dadurch mit der Zeit auch das Vertrauen in das eigene Umfeld gestärkt. Die Genesungszeit wird dann vollendet sein, wenn man sich möglichst nah seinem alten Ich genähert hat. Dies ist natürlich von den speziellen Gegebenheiten eines jeden einzelnen Falles abhängig, so dass auch ich keine Zeit dafür bestimmen kann.

Zusätzlich finde ich wichtig, dass wir Betroffenen begreifen, dass der Täter nicht unsere Seele zerstören konnte. Der Kern unseres Ichs ist weiterhin vorhanden, wie er vor der Tat vorhanden war. Physikalisch würde ich die Tat als einen Überdruck darstellen, der die Luft in einem bunten Luftballon komprimiert hat. Wenn man aber diesen Überdruck senkt, dann entfaltet sich auch der bunte Luftballon wieder zur alten Größe - und das ist möglich. Das wäre bildlich mein Symbol für die gelungene Genesung.

Ich wünsche Dir, dass Deine Genesung gut voranschreiten wird.

Lieben Gruß, Kay
 

Weltkind

Aktives Mitglied
Das kann man nicht verallgemeinern oder Anhaltspunkte liefern. Jeder erlebt das auch anders.

Ich hatte meinen Verlauf aufgeschrieben, doch das würde dir nicht weiterhelfen.

Versuch den Mut nicht zu verlieren und deinen Weg mit Hilfe passender Unterstützung zu finden.
 

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