Man könnte es eventuell etwas differenzieren.
Bindungsangst könnte die Angst sein, eine Bindung ein zu gehen, weil man Angst vor Verletzung hat.
Die Angst vor Verletzung könnte die Angst davor sein, dass der Partner Grenzen überschreitet oder dass man eigene Grenzen nicht deutlich genug setzen oder kommunizieren kann. Das Überschreiten stellt man schnell fest, das Setzen geschieht ehr unbewusst, soweit man selbst nicht genau weiss, was man zulassen könnte oder nicht.
Bindungsangst könnte aber auch eine Angst davor sein, nicht gut genug für den Partner zu sein.
Hat man aber einen Partner gefunden, der einen ständig wissen lässt, dass alles in Ordnung ist, so muss man Vertrauen haben und sich darauf verlassen dürfen.
Als junger Mann beispielsweise war ich sehr gut in meinem Fach ausgebildet und stark. Bei den Stadtwerken war ich daher Kollegen vom Wissen und Können überlegen - oder hab mich so gefühlt.
Also habe ich mir bei 30 Grad Hitze im Sommer eine Sense geschnappt und eine komplette Plantage, unter der sich die Wasserbrunnen befanden, in nur einem Tag von Hand gemäht, indem ich mich mit Klamotten unter einem Wasserschlauch abgekühlt habe. Das Recht dazu hatte ich und fand Leistung gut.
Dann ging es darum, ein Loch zu graben um an Wasserrohre heran zu kommen. Angefangen - fertig.
Der Fehler war, dass ich dem Meister damit gezeigt hatte, dass die Kollegen dieses Tempo nicht durch halten konnten, weil sie 10 Jahre älter waren.
Fazit: Mir wurde nahe gelegt zu kündigen, ich passte nicht ins Team.
Solche und andere Aktionen haben nach und nach mein Selbstvertrauen erschüttert. Ich meinte oft zu wissen wie es geht, konnte es aber keinem recht machen.
Dies hat sich auch auf Beziehungen ausgewirkt, zB weil Fehler, die ich gesehen habe, nicht korrigiert werden durften. Jedoch hatte ich die Sorge, dass ich für Folgen aufkommen soll.
Also gab es Streit.
Später habe ich daher beschlossen, mit Fremden zusammen zu leben. Man kennt sich nicht, möchte aber mit einander auskommen.
Es gibt dann viele Dinge, die ich anders machen würde, die mich auch beeinträchtigen. Jedoch ist Sinn der Übung, dass ich es ausbügele oder dass es einfach egal ist.
Je gelassener man mit Situationen umgeht, desto länger bleiben die Leute, und dass sie bleiben, möchte ich ja gerade.
Schwierig dabei ist, dass ich dabei eigene Grenzen ständig erweitere, keine Grenze kommuniziere und Dinge toleriere, die ich nicht müsste. Immerhin wird es ja so sein, dass die anderen ebenfalls Grenzen haben, die ich aber nicht kenne.
Die eine Mitbewohnerin hat beispielsweise das Talent, Geschirr kaputt zu machen. Nun haben wir mittlerweile keine tiefen Teller mehr und es fehlen Glasschüsseln.
Sicher könnte ich verlangen, dass sie neue kauft. Die Frage ist aber, über welche Beträge man spricht, und dass der Schaden in keinem Verhältnis dazu steht, wenn ich einkaufe und für sie mit koche.
Schließlich würde ich für nur eine Mahlzeit mit Zutaten gleich vier Teller kaufen können.
So ist es mit vielen anderen Kleinigkeiten auch.
Die Kunst sehe ich darin, dass man Ärgerliches später überhaupt nicht mehr an sich heran lässt, es einfach mit einem Achselzucken ignoriert oder auch erledigt, dass man sich in Situationen einfach um orientiert. Kommt jemand unpünktlich, so schreibe ich ihm also, dass ich die Zeit noch nutze um einzukaufen und starte dann mit ihm gemeinsam zu einem späteren Zeitpunkt.
Dass man sich beherrscht, muss man freilich länger einüben. Hat man es aber dann verinnerlicht, so macht es das Leben einfacher.