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Ende?

evil_ewok

Neues Mitglied
Vorab: Ich weiß nicht, ob mein Beitrag hier an der korrekten Stelle steht. Wenn nicht, verschiebt ihn bitte. Danke..

Okay.
Ich denke, ich habe nicht mehr allzu lange zu leben.
Ich weiß es natürlich nicht genau, es könnte auch sein, dass ich einfach bedingt durch Andreas‘ Tod (dreieinhalb Jahre war er mein Partner, er starb an plötzlichem Herztod und ich war dabei und konnte es nicht verhindern) und eine Überdosis „Dr. House“ eine kapitale Hypochonderin geworden bin. Aber ich habe gewisse Indizien. Es ist so, dass ich seit ungefähr zehn, zwölf Jahren stark übergewichtig bin. Ich war in Esssucht-Therapie, einmal stationär, und zweimal habe ich je 25 nutzlose Sitzungen Gesprächstherapie bei Frauen gemacht, die mir beide nachher gesagt haben, dass wir zum eigentlichen Kern meines Problems noch nicht durchgedrungen sind (das galt vor Andreas‘ Tod genauso wie davor). Komisch, dass sie das erst nach dem Ende der Therapien sagten und nicht zwischendrin, eigentlich. Aber wahrscheinlich bin ich auch daran selbst schuld, denn bei so einer Psychotherapie muss der Patient mitarbeiten und ich habe immer nur versucht, nicht zu heulen und möglichst ohne Peinlichkeiten aus den Sitzungen herauszukommen. Manchmal wusste ich auch gar nicht, was ich den Frauen erzählen sollte. Wo ich anfangen sollte. Was wichtig ist, was nicht.
Es ist schwer, zu wissen, was man will. Wie soll ich das entscheiden? Ich will natürlich schlank, gesund und glücklich sein (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Aber will ich Journalistin sein? Für immer? Will ich mich einfach nicht mit mir selbst befassen? Ich suche einen Gegenpart, damit ich seinen Lebenssinn übernehmen kann, um damit mein Vakuum zu stopfen. Manchmal ist die schlichte Wahrheit trivial.
Ich wiege noch genauso viel wie damals, 2003, als ich in die stationäre Therapie gegangen bin. Dass ich noch keine Diabetes habe, ist ein Wunder. 105 bis 109 Kilo bei 165 cm, das ist auch für meine Gelenke nicht gut. Sie tun oft weh, besonders die Hüfte und die Knie.
An kaputten Gelenken oder einem Zucker, der sicher demnächst auf der Bildfläche erscheint, geht man aber nicht ex. Um bei Dr. House zu bleiben.
Nein, mein Problem ist und wird wohl mein Herz sein. Ein paar harmlosere Der-Blutdruck-soll-runter-Pillen habe ich von meiner Hausärztin schon mal bekommen, aber das ist lange her, und nachdem sie alle waren, habe ich mir keine neuen geholt. Ich gehe ohnehin viel zu selten zu Ärzten, weil ich Angst habe, was sie alles finde, wenn sie mich mal richtig untersuchen würden. Irgendwann war ich wegen Herzschmerzen schon einmal beim Arzt und der hat ein Herzultraschall gemacht. Damals war alles in Ordnung. Er sagte, die Schmerzen kämen wahrscheinlich vom Rippen, sie würden die Rippen entlang strahlen. Aber das ist locker fünf Jahre her.
In der Zwischenzeit ist mein Gewicht stagniert, mein Stress- und Traumalevel aber enorm gestiegen. Tagsüber, bei der Arbeit, gehe ich zum Bäcker und hole mir Pizzataschen und anderen ungesunden Mampf. Meine Mutter kocht für mich, gute und normale Portionen in Tupperschalen. Ich packe sie in mein Tiefkühlfach und stecke sie bei Bedarf in die Mikrowelle und dann in mich. Das ist nützlich, einerseits. Andererseits koche ich auch manchmal für mich selbst, und dann koche ich enorme riesige Nudelberge mit Käse und Ketchup und Salz und Pesto und Zwiebeln. Und ich esse sie komplett auf. Früher tat mir danach wenigstens richtig der Bauch weh. Jetzt fühle ich mich genauso wie vorher. Ich fühle meinen total vollgestopften Körper nicht mehr.
Aber mein Herz, das fühlt es wohl noch.
Manchmal ist es, als hätte ich zwischen den Brüsten auf einmal ein Loch. Es fühlt sich wattig an. Mein Herz scheint viermal so schnell zu schlagen wie sonst, und ich fühle mich schwindelig. Normalerweise sind es nur Bruchteile von Sekunden. Aber als ich neulich in einer ganz normalen, stressfreien Redaktionskonferenz saß, da dauerte es mehrere Sekunden. Unheimlich lang war das. Ich atmete langsam durch die Nase ein und aus und konzentrierte mich darauf, dann ging es wieder weg. Sowas sollte wohl besser nicht passieren, während ich autofahre. Bisher hatte ich da Glück.
Aber eines Abends, nach einem Fressanfall, werde ich ins Bett gehen, und dann, vielleicht nach dem Schlafen, vielleicht mitten in der Nacht, wird ein schlimmer Schmerz durch meine Brust fahren und in meinen linken Arm und alles wird schwarz werden, ich werde panische Angst haben, aber nicht mehr schreien können, und selbst wenn – in meiner Wohnung hört mich ja keiner. Irgendwann wird sich jemand Sorgen machen und mich finden.
Es wird schwierig werden, mich da oben aus meinem Dachgeschoss heraus zu bekommen. Unangenehm ist mir, dass der Bestatter mich ausziehen und meinen schwabbeligen Körper sehen wird. Bei Andreas haben sie das T-Shirt und die Unterhose, die er getragen hat, als er starb, ausgezogen. Sie haben sie auf dem Boden neben der Matratze liegen lassen, und ich hab sie nachher eingesammelt. Ich habe beides noch, irgendwo im Schrank oder in der Kommode. Sie haben ihn in einen diskreten dunkelroten Sack gestopft, mit einem Reißverschluss in der Mitte. Wie eine überdimensionierte Golfschlägertasche.
Ich weiß nicht, warum ich mich immer wieder dagegen entscheide, gesund zu essen. Wenig zu essen. Die Regeln zu befolgen: beim Essen nicht fernsehen oder lesen, das Essen abwiegen (Küchenwaage ist vorhanden), sich vorher überlegen, was man kochen will und gezielt dafür einkaufen, viel Obst und Gemüse kaufen und nicht nur verschimmeln lassen, sondern essen…
Ich kenne nur eine Art, mich vorübergehend zu vergessen, und das ist Essen. Selbst in der Wanne bin ich immer unangenehm vorhanden. Essen und gleichzeitig lesen oder fernsehen, das ist, als wäre ich fort.
Und irgendwann werde ich fort sein, und so lange wird es wohl nicht mehr dauern, wenn sich nicht etwas tut. Ja, ich weiß, wenn ich nichts tue.
Nur, dass diese „Nun ändere ich mein Leben“-Sache mich schon so lange begleitet und ich es nie geschafft habe. Ich bin super darin, Pläne zu machen. Ich halte sie nur nie durch. Meistens fange ich gar nicht erst an, sie umzusetzen.
Ich begehe wohl wirklich Selbstmord mit Messer, Löffel und Gabel.
Was mich davon abhalten könnte, so weiterzumachen, wäre wohl Liebe. Aber ich finde keine, weil mein Gewicht und mein Hormonproblem (was wohl miteinander was zu tun hat), das wiederum etwas Gesichtsbehaarung verursacht (von den ekligen dicken haarigen Unterarmen wollen wir an dieser Stelle schweigen) die allermeisten davon abhalten, mein ach so strahlend schönes Inneres kennen lernen zu wollen. Kein Wunder, ich habe selbst sehr hohe Ansprüche. Biete: hässliche Mops-Ente, suche: stolzen klugen schönen Schwan, der nicht stinkt.
Tadaa.
Ich sollte meine Tagebücher entsorgen. Es ist wirklich nicht nötig, dass alle meine Verwandten, die nach einem Grund für mein baldiges Ableben und insgesamt eigenartiges Wesen suchen, meine pubertären Ergüsse und Schlampenerfahrungen lesen.
Selbstmitleid hilft nicht. Nur wie soll man es verhindern, sich selbst leid zu tun? Es ist wie „Denk nicht an ein rotes Einhorn“ – autsch, zu spät. Genau.
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Nur wie soll man es verhindern, sich selbst leid zu tun? Es ist wie „Denk nicht an ein rotes Einhorn“ – autsch, zu spät. Genau.
Hallo evil_ewok,
wenn man etwas nicht mehr will sollte man sich einen attraktiven, motivierenden Ersatz dafür suchen, ein neues Ziel. Solange das nicht da ist, ist es reizvoller, sich zu bemitleiden, ganz klar.
Gruß, Werner

P.S. Bist du schon mal deinem Heißhunger positiv nachgegangen - also in dem Sinne, dass er dir etwas ganz sachlich mitteilen will, z.B. dass du bestimmte Nährstoffe dringend brauchst (das ginge dann auch ohne parallel die Kalorien zu essen). Ich habe dazu mal einen Test entwickelt (zu einem meiner Bücher), der kostet nichts außer etwas Zeit und könnte dir einen Hinweis geben, wohin es zielt, wo die Lücken in deiner Ernährung sind: heisshunger, ernährung, gesundheit, mineralstoffe, vitamine

Ich kenne einige Leute, die haben ihren Schokoladenbedarf z.B. radikal reduziert nachdem sie sich ausreichend Zink auf kalorienarmem Weg gegeben haben. Ähnliches ist mit Vitamin B12 etc.
 
M

Mahdia

Gast
Hallo und erstmal Willkommen, das war ja dein erster Beitrag hier! :)

Vorab mein herzlichstes Beileid, weil Du deinen Partner verloren hast! Das war und ist sicher noch sehr schmerzhaft für Dich!

Ich bin selber ein Moppelchen ;) :eek: und hab erst vor kurzem versucht, meine Ernährung und Gewohnheiten umzustellen. Ich weiss, wie schwer das ist.

Es geht nicht von einem Tag auf den anderen, dass Du abnimmst. Du musst erstmal an Dich selbst glauben (auch das ist schwer, ich weiss).

Du schreibst ja selbst, dass Du Dir der Risikofaktoren bewusst bist, dass Du Angst hast, so sterben zu müssen...

Das ist schon mal ein erster Schritt, denke ich!

Versuche nach und nach, die Pizzataschen gegen zB Gemüse zu "tauschen" ... schnippel Dir Karotten oder Paprika oder was Dir halt schmeckt (und wenn Du Dir nicht sicher bist, probier es einfach aus! Ist nicht so schlimm ;):)) und knabber das!

Es muss wie gesagt nicht von einem auf den anderen Tag geschehen. Wichtig ist schon mal, dass Du erkannt hast, dass es so nicht weitergehen kann.

Und jetzt geh einen Schritt weiter. Am Anfang wirst Du Dir denken "Iiiieh so gesund??" aber dann funktioniert das schon. Du wirst Dich wohler fühlen, darauf kommt es an, und das motiviert Dich, weiterhin abzunehmen.

Ich hab auch lange geglaubt, eine neue Liebe würde mich da rausreissen...aber so ist es leider nicht...

Wichtig ist, dass Du zuerst auf dich selbst guckst! Dass es Dir gut geht, vor allem gesundheitlich!

Und danach geh auf Partnersuche ;)

Deine Tagebücher brauchst Du nicht zu entsorgen! Sie sind ein Teil Deines Seelenlebens, was in Dir vorgegangen ist, dafür brauchst Du Dich nicht schämen!

Mit Deinen Therapeutinnen hattest Du wohl viel Pech :(
Wenn Du meinst, noch mal diesbezüglich Unterstützung zu brauchen, dann "schnupper" weiter...bis Du eine findest, wo Du das Gefühl hast, dass es passt.

Ich wünsch Dir alles Gute und liebe!
 

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