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Eigentlich mein Traumjob aber...

Jessica133

Mitglied
Hallo,
in meinem Berufsleben habe ich schon in viele verschiedenen Branchen geschaut. Automobilkauffrau gelernt, in der Elternzeit in der Bäckerei verkauft, Logistik in einem kleinen Unternehmen, Minijob Jahre lang in einem Elektrowarenhandel. Vor einigen Jahren bin ich in einem Wohlfahrtsverband eingestellt worden. Erst an der Information und im letzten Jahr durfte ich mit mehr Stunden in ein anderes Sekretariat wechseln, in dem es einfach tiefer in die Themen geht. Ich habe mich so sehr auf den Job gefreut. Meine Vorgängerin, die in Rente ging war schon eine gute Freundin im Haus und hat mir bereits vorher viel gezeigt und den Umstieg erleichtert. Leider konnte ich die Stelle wegen meinen Kindern nicht in Vollzeit starten und es wurde eine weitere Dame eingestellt. Und da fangen meine Probleme an. Es ist so anstrengend für mich mit ihr zu arbeiten, weil wir grundverschiedene Menschen sind. Ich weiß, dass das jetzt eingebildet klingt, aber hier im "anonymen" Internet kann ich das so schreiben: Als Jugendliche wurde ich Hochbegabt getestet. Weil ich sehr schüchtern und unsicher war/bin (das ist mittlerweile anders, ich bin eine gestandene Frau, steckt aber wohl immer noch in mir drin) merkt man das gar nicht und bei mir im Geschäft weiß das keiner. Im Kontakt mit den Anderen merke ich das aber. Oftmals ernte ich seltsame Blicke. Viele scheinen mich nicht zu verstehen. Einzig meine Chefin erkennt meinen Wert an und hält große Stücke auf mich. Das erzeugt dann aber wieder Unmut und Eifersucht bei meinen Kollegen und vor allem meiner direkten Kollegin. Ich bin sehr ehrgeizig, problemlösungsorientiert, habe eine schnelle Auffassungsgabe. Manchmal aber auch oberflächlich.
Diese Kollegin ist sehr klar und streng und drängt mich damit oftmals in eine Ecke. Mit meinem größeren Stundenanteil bin ich sozusagen die Sprecherin und ihre Themen muss ich zur Leitung tragen und oftmals fällt mir erst beim Gespräch mit dieser auf, dass meine Kollegin dramatisiert und Probleme herbeiredet. Dann wirke ich doofer als ich wirklich bin.
Andererseits bin ich durch meine Chefin so gestärkt, dass ich mich mit anderen Kollegen bei Themen zu weit aus dem Fenster lehne und in Bereiche reinrede, die mich in meiner Position nichts angehen und auch die Erkenntnis zieht mich gerade wahnsinnig runter.
Ich muss mich wieder am Riemen reißen und meine Arbeit machen, ohne mich von den äußeren Bedingungen stören zu lassen.
Außerdem will ich wieder Spass an der Arbeit bekommen. Habt ihr Ideen für mich?

Viele Grüße
Jessica
 

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Binchy

Aktives Mitglied
Hallo,

eigentlich weißt Du die Antworten doch schon.

Andererseits bin ich durch meine Chefin so gestärkt, dass ich mich mit anderen Kollegen bei Themen zu weit aus dem Fenster lehne und in Bereiche reinrede, die mich in meiner Position nichts angehen und auch die Erkenntnis zieht mich gerade wahnsinnig runter.
Ich muss mich wieder am Riemen reißen und meine Arbeit machen, ohne mich von den äußeren Bedingungen stören zu lassen.
Dich auf das konzentrieren, was wirklich Dein Arbeitsbereich ist und vielleicht mal mit der Kollegin bei einem Kaffee reden? Sie vielleicht mal zu einem persönlichen Gespräch einladen?

Vielleicht ist es so, dass du als Hochbegabte, die früher eher schüchtern war, jetzt umso mehr das Bedürfnis hast - vielleicht auch unbewusst - dass man dich anerkennt und auch etwas Deine Begabung. Vielleicht schimmert das etwas durch und die anderen spüren es.

Wäre eine andere Arbeit eine Möglichkeit für Dich? Ansonsten etwas an Dir arbeiten und vielleicht mehr Gelassenheit und Ruhe üben: Meditieren oder Yoga z.B.
 

Jessica133

Mitglied
Vielleicht ist es so, dass du als Hochbegabte, die früher eher schüchtern war, jetzt umso mehr das Bedürfnis hast - vielleicht auch unbewusst - dass man dich anerkennt und auch etwas Deine Begabung. Vielleicht schimmert das etwas durch und die anderen spüren es.
Hm, das kann ich natürlich nicht ganz ausschließen. Aber das Gefühl habe ich nur bei dieser einen Kollegin. Und zwar hat das auch damit zu tun, dass sie immer versucht meine "Lorbeeren" als unsere zu verkaufen. Bsp. im neuen Programm hat letzte Woche etwas nicht gepasst. Sie sagt mir, dass sie nur Benutzerin ist und nicht so in die Tiefe gehen möchte wie ich. Also habe ich Überstunden gemacht und das Problem behoben. Wohlgemerkt ganz alleine. Heute wurden wir BEIDE gelobt, dass wir letzte Woche "tagelang" an dem Problem gesessen sind?! Und ich habe mich nicht getraut, das klarzustellen, damit ich nicht wieder "schlecht über sie rede".
Denn letzte Woche hat sie mich mit einem anderen Problem als Überbringerin zur Chefin geschickt: sie hätte im neuen Programm nicht die gleichen Rechte wie ich. Die Chefin hat gesagt, dass meine Kollegin das doch schon drei mal angeprangert hat und es längst geklärt wäre. Ende vom Lied: laut meiner Kollegin hätte ICH SIE falsch verstanden und deshalb wäre sie von der Chefin angemacht worden. Bin mir sicher, das ich sie nicht falsch verstanden hatte. Habe doch ihre Frage mitgeschrieben und es so weitergegeben. Jetzt dreht sie mir das Wort im Mund herum um davon abzulenken, dass sie nicht wegen fehlender Rechte etwas nicht tun kann, sondern wegen Unkenntnis :-(
 

Jessica133

Mitglied
Ach, noch was zum persönlichen Gespräch. Natürlich habe ich das schon versucht. Am Anfang war es noch schwieriger zwischen uns beiden, ich fühlte mich unter Druck gesetzt, weil ich damals auch noch nicht so routiniert in der Arbeit war wie heute. Damals hat sie hinter meinem Rücken Regelabläufe mit den Abteilungsleitern aufgestellt und mich angeschwärzt, wenn ich nicht strickt danach gearbeitet habe. Mein Fehler natürlich: Routinierte Aufgaben die nur nach Schema F laufen sind für mich unerträglich. Mir war wichtig, dass ich zum gleichen Ziel kam. Egal ob ich nun die eine oder die andere Aufgabe zuerst mache.
Nach dem Gespräch hat es sich tatsächlich gebessert. Aber jetzt beim Schreiben bin ich schon echt am überlegen, ob sie nicht genau deshalb das ganze jetzt versteckt macht und wer weiß schon, was sie über mich bei der Leitung sagt :-(
 

nachtigall25

Mitglied
Erste Sofortmaßnahme: Du gehst nicht mehr als Überbringerin irgendwelcher Nachrichten zum Chef.
Wie das Problem, das sie nicht die gleiche Berechtigung im Programm hat wie du. Das betrifft nur sie und von daher geht sie auch selbst damit zur Leitung. Warum machst du das? Ich finde das sehr ungewöhnlich. Und wenn du es nicht für sie machst, kannst du nachher auch nix falsch verstanden haben.
 

Santino

Aktives Mitglied
Hallo Jessica

Als Jugendliche wurde ich Hochbegabt getestet. Weil ich sehr schüchtern und unsicher war/bin (das ist mittlerweile anders, ich bin eine gestandene Frau, steckt aber wohl immer noch in mir drin) merkt man das gar nicht und bei mir im Geschäft weiß das keiner.
Es ist völlig normal, dass man eine Hochbegabung "gar nicht merkt" und dass andere Menschen das entsprechend auch nicht schätzen. Im Gegenteil, wenn sie es wissen, haben sie völlig überzogene Erwartungen oder fühlen sich davon bedroht. Ich habe es für mich noch nie erlebt, dass das positiv bewertet wurde, wenn das bekannt war. Deshalb behalte ich das in der Regel für mich und trage es nicht in die Welt hinaus. Letztlich zählen Verarbeitungskompetenz, Auffassungsgabe, soziale Fähigkeiten und Fachkompetenz - das reine Leistungspotenzial muss sich nicht zwingend in Hochleistung übersetzen, letzere ist von ganz vielen Faktoren abhängig.

Der Job, den du machst, tönt wenig komplex, eher nach standardisierter Büroarbeit, weiss nun aber natürlich nicht, was es genau ist. Entsprechend stelle ich mir schon anhand deiner Beschreibung des Jobs die anderen Menschen, die in diesem Beruf arbeiten, tendenziell nicht gerade hochintelligent vor und auch der Umgang damit ist eine Fähigkeit, die eine gewisse soziale und emotionale Kompetenz erfordert. Ist es also wirklich diese eine Kollegin, die dich nervt, oder ist dir letztlich der ganze Job nicht anspruchsvoll genug? Fehlt dir die soziale und emotionale Kompetenz, mit der Kollegin umzugehen? Dass du erst zuletzt während des Gesprächs mit der Vorgesetzten erkennst, wie unpassend und dramatisiert ihre Gedanken sind, ist Folge deiner Fähigkeit zu analytischem Denken und deiner Auffassungsgabe, nicht Folge der Kollegin, die es nicht besser kann - du musst das ja nicht 1 : 1 weitergeben, was sie sagt oder kannst es gleich mit einem entsprechenden Kommentar deinerseits versehen. Da würde ich im Vorfeld mehr über die Gedanken der Kollegin nachdenken, um selbst nicht "dumm" zu wirken.

Ich würde mich an deiner Stelle akademisch weiterbilden, um anspruchsvollere Stellen besetzen zu können. Ich persönlich habe nämlich das Gefühl beim Lesen deiner Beiträge, dass es die Stelle ist, die du dir anders vorgestellt hast und nicht die Kollegin oder das Drumherum. Ich glaube nicht, dass du dich auf einer solchen Stelle langfristig ausgefüllt fühlst.

Liebe Grüsse
Santino
 

Jessica133

Mitglied
Nachtigall25 du hast recht und das mache ich auch jetzt gar nicht mehr.
Letzte Woche war es ein Thema von einigen zum neuen Programm, dass ich während einem festgesetzten Gespräch mit der Leitung einbringen sollte.
Nachdem ich einige male schon Probleme mit dem "Überbringen" hatte, tu ich das in der Regel auch nicht mehr. Allerdings war zu Anfang denke ich schon die Erwartungshaltung, dass ich mich darum kümmere, weil ich mich erstens schneller eingearbeitet hatte und besser wusste von was ich sprach und zweitens 5 Wochenstunden mehr habe als die Kollegin.
 

Jessica133

Mitglied
Santino ich werde darüber nachdenken, was du geschrieben hast. In dieses Sekretariat bin ich tatsächlich gewechselt, weil das Anlaufbüro in dem ich 2017-2020 gearbeitet habe, zu wenige Herausforderungen gebracht hat. Momentan ist aber meine jetzige Stelle noch eine Herausforderung für mich. Wegen dem neuen Programm, bei dem mich meine Chefin (die, wie ich bereits geschrieben habe, meine Fähigkeiten sieht und anerkennt) viel mehr einbezieht als jemand anders. Im ganzen Verband habe ich auch sehr weitreichende Rechte (glaube manchmal, dass die Chefs noch nicht mal überblicken, in welche Themen und Bereiche ich Einblick und Zugang habe :) ) Wenn ich frei - ohne die Regeln, die meine Kollegin gerade einführen möchte - arbeiten kann, macht es Spaß. Mir wird Vertrauen geschenkt und ich kann Aufgaben selbst ausgestalten, was sehr reizvoll ist.
Recht haben könntest du, wenn ich den Arbeitsplatz ganz überschaue. Vielleicht stellt sich dann eine Routine ein, die mich langweilt. Bin mir nicht sicher, ob Weiterbildung dann eine Lösung für mich ist. Habe "nur" mittlere Reife, weil ich einfach keine Lust mehr auf Schule hatte und das hat sich glaube ich trotz der langen Zeit nicht geändert. Es könnte sein, dass ich ohne Weiterbildung auf noch höhere Positionen komme. Die Bereichsleitung ist älter als ich und wird irgendwann in Rente gehen. Genau sie bezieht mich in wahnsinnig viele Gedanken und Aufgaben mit ein und das könnte schon was bedeuten. Im Moment würde ich aber sagen, dass ich keinen verantwortungsvolleren Job möchte. Denn das hat immer auch etwas mit Lobbyarbeit - sehen und gesehen werden etc. zu tun und das ist (noch) nicht mein Ding...

Entsprechend stelle ich mir schon anhand deiner Beschreibung des Jobs die anderen Menschen, die in diesem Beruf arbeiten, tendenziell nicht gerade hochintelligent vor
klingt fies, aber genau das scheint mein Hauptproblem zu sein. Wieso braucht sie denn für alles eine Ablaufliste? Wieso ist sie nach fast einem Jahr noch nicht mal ansatzweise so weit wie ich? Da gehen ein paar Punkte von uns sehr weit auseinander. Solche Menschen würden niemals meine Freunde werden, denn Gespräche sind langweilig und trotzdem anstrengend. Aber als Kollegin kann ich sie nicht einfach "nicht mehr zum Kaffeetrinken" treffen...
 

Kolya

Aktives Mitglied
Jessi, ich habe offen gestanden beim Lesen ein ganz ungutes Gefühl.
Was ist eigentlich Deine konkrete Frage an uns?
Ich weiß des nicht, aber anhand Deiner Antworten erlebe ich Dich als sehr arrogant. Vielleicht hat Deine Kollegin ja auch ein Problem mit Dir?
Was heißt denn Hochbegabung? Was Du beschreibst ist, dass Du Durchschnittliches im Leben geleistet hast. Realschule, weil Du ja keine Lust auf der Schule hast und überhaupt kommst Du ja bald an einer höheren Position ohne Weiterbildung. Klar, und die Kollegin macht sich Ablauflisten. Na ja, mit sowas kann man ja auch nicht befreundet sein.

Ich lese nicht daraus, dass Du aus Deiner Hochbegabung was gezaubert hast und Dir auf solidem Fuß was geschaffen hat. Ich lese dass Du auf Kosten Deiner Kollegin Dich erhöchst, Dich höher machst als Du überhaupt bist. Das ist wirklich fies, da gebe ich Dir Recht.

Hochbegabung? In was?

Ich wünsche dir wirklich Erfolg in diesem Bereich und Deine Chefin profitiert ja anscheinend von Deiner Art.

Dein Problem mit der Kollegin ist meiner Meinung nach hausgemacht. Jeder Mensch hat seine Begabungen, auch Deine Kollegin, sonst hätte sie keinen Vertrag mit der Firma / Wohltätigkeitsverein) abgeschlossen. Es geht doch darum innerhalb der Abteilung gute Ziele zu erreichen. Das Maximum wird erreicht, wenn alle an einem Strang arbeiten
Übrigens erstelle ich nach über 20 Jahren noch Fliessschemata, eine super Methode. Listen und Ablaufpläne erleichtern das Arbeiten ungemein. Vielleicht kannst auch Du, ein offenes Herz vorausgesetzt, von Deiner Kollegin viel lernen, z.B. auch Teamarbeit. Alles kann man lernen aber sozialen Umgang.....da scheitern die Meisten

Alles Liebe für Dich

Kolya
 

Santino

Aktives Mitglied
Recht haben könntest du, wenn ich den Arbeitsplatz ganz überschaue. Vielleicht stellt sich dann eine Routine ein, die mich langweilt.
Das ist möglich. Deine Biographie lässt ja erahnen, dass es dir immer wieder so ergangen sein könnte. Du hast in vielen unterschiedlichen Bereichen gearbeitet und immer wieder gewechselt. Ein Grund dafür könnte natürlich darin liegen, dass es dir schnell zu langweilig wurde. Sind ja, wenn wir ehrlich sind, grundsätzlich alles keine sehr komplexen Tätigkeiten, die du beruflich bisher ausgefüllt hast.

Es könnte sein, dass ich ohne Weiterbildung auf noch höhere Positionen komme.
Ist in den richtig hohen Positionen mittlerweile schwierig geworden, weil oft auch spezifisches Fachwissen gefragt ist, das man sich nachweislich (auf dem Papier) nur durch höhere Bildung aneignen kann. Generell ist eine laufende Weiter- und Fortbildung mittlerweile eigentlich in jedem Arbeitsbereich sehr wichtig, die Welt verändert sich rasant. Oft wird daher für den Einstieg in gewisse Positionen eine bestimmte Grundausbildung verlangt - und da hast du mit einer Berufslehre im kaufmännischen Bereich zwar etwas in der Hand, kommst vermutlich aber nicht gegen jemanden an (rein formal!), der Verwaltungswissenschaften oder BWL/VWL studiert hat.

Im Moment würde ich aber sagen, dass ich keinen verantwortungsvolleren Job möchte. Denn das hat immer auch etwas mit Lobbyarbeit - sehen und gesehen werden etc. zu tun und das ist (noch) nicht mein Ding...
Kommt sehr auf den Bereich an, aber klar, positionieren muss man sich eigentlich fast überall, AUSSER in einfachen, ausführenden Tätigkeiten an der Basis. Wenn du mehr nicht möchtest, ggf. auch wegen deiner Kinder, ist das natürlich okay.

Habe "nur" mittlere Reife, weil ich einfach keine Lust mehr auf Schule hatte und das hat sich glaube ich trotz der langen Zeit nicht geändert.
In der Schweiz kann man die Matura extern machen - so viel ich weiss, gibt es auch in Deutschland die Möglichkeit einer externen Abiturprüfung, dahingehend müsstest du dich informieren. Ggf. könntest du dich im eigenen Tempo vorbereiten und dich für die PRüfung anmelden, wenn du so weit bist, das Lernen also eigenständig gestalten. Ich glaube, dass dir ein (ggf. den Beruf begleitendes) Studium wohltun könnte, beruflich und ebenso in deiner Persönlichkeitsentwicklung. Studium ist ja sehr anders gestaltet als Schule, viel selbstständiger und freier.

Wieso braucht sie denn für alles eine Ablaufliste? Wieso ist sie nach fast einem Jahr noch nicht mal ansatzweise so weit wie ich?
Das ist nach ihren kognitiven und fachlichen Möglichkeiten nun mal ihre Art zu arbeiten. Du musst diese Art nicht teilen und ich weiss genau, wie das ist, wenn man von der Langsamkeit und dem eindimensionalen Denken von Kolleg*innen frustriert ist.

Übrigens haben Ablauflisten einen Sinn insofern, dass sie Prozesse automatisieren, strukturieren und die Arbeit so effizienter und zielgerichteter gestalten (im besten Fall). Ist also eine Stütze, um mehr Zeit und Raum für komplexere Tätigkeiten zu schaffen. Du magst das (zumindest auf dem Tätigkeitsniveau) nicht zu brauchen, allerdings ist das für viele Menschen durchaus eine Hilfe und ich denke, die Kollegin möchte damit einfach auch eure gemeinsame Arbeit koordinieren und fokussieren.

Dass sie länger braucht - nun ja, damit musst du letztlich in allen Tätigkeitsbereichen umgehen können, denke ich. Auch in komplexeren Tätigkeitkeitsfeldern wird es immer Menschen geben, die kognitiv weniger fit sind, die ggf. schlechter qualifiziert sind, die aus einem ganz anderen Bereich kommen und sich neu einarbeiten müssen, deren Begabungsschwerpunkte und Einträge für's Team auf anderen Gebieten liegen, etc. - damit muss man umgehen lernen. Du musst mit der Kollegin nicht befreundet sein, du musst nicht mit ihr Kaffee trinken. Aber du musst lernen, mit ihr zu arbeiten.

Ich würde meine Bedürfnisse der Kollegin gegenüber äussern und darüber sprechen, was genau mit den Ablauflisten erreicht werden soll (offene Haltung, keine ablehnende, kritische Haltung). Dann kannst du ggf. selbst Anregungen zur Koordination geben, vllt zumindest einige der Ablauflisten loswerden. Das setzt aber ein Eingehen auf die Bedürfnisse der Kollegin voraus, der es offenbar ein Bedürfnis ist, mit Ablauflisten zu arbeiten. Auch das ist eine Kompetenz: Teamarbeit mit Menschen, mit denen man privat nicht zurechtkommen würde. Das hat dir auch Kolya versucht zu vermitteln: es geht hier in erster Linie um die Arbeit, um Inhalts- und Prozessaspekte, nicht um Beziehungsaspekte, die man aber nie komplett ausblenden kann. Könnte mir vorstellen, dass die Kollegin vielleicht auch gerade deshalb so stark an ihren Listen festhält, weil sie merkt, eure Koordination in der Zusammenarbeit funktioniert nicht gut. Daher denke ich, dass ihr offen miteinander sprechen müsst und du auch für dich und deine Bedürfnisse eintreten musst, dass ihr eine Ebene finden müsst, in denen beide Seiten berücksichtigt werden.

Solche Menschen würden niemals meine Freunde werden, denn Gespräche sind langweilig und trotzdem anstrengend.
Weiss genau, was du meinst, aber wie gesagt, ihr müsst ja auch gar keine Freunde werden. Wichtig wäre, auch für spätere Tätigkeiten mit grösserem Verantwortungsbereich, dass du lernst, trotzdem mit (für dich) schwierigen Menschen arbeiten zu können. Schwierige Menschen werden nämlich mit grösserem Verantwortungsbereich nur zahlreicher und Teamfähigkeit bzw. die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, auch wenn es Reibung gibt, ist eine Kompetenz, die im Arbeitsleben in jedem Bereich und bei jeder Tätigkeit wichtig ist. So wie es sich anhört, teilt ihr euch eine Vollzeitstelle und du hast keine Weisungsbefugnisse der Kollegin gegenüber. Da bleibt also nur Aushandeln - und das ist durchaus eine Kompetenz, die später mit Weisungsbefugnis bspw. ebenfalls wichtig wäre. Man kann sich auch in Führungspositionen nicht immer auf die Weisungsbefugnis zurückziehen, sobald Mitarbeitende schwierig werden. Ich würde es also neben einem Ärgernis auch als Chance betrachten, dir da berufliche Soft Skills anzueignen, die du noch nicht zu haben scheinst.

Mit Sicherheit ist die Kollegin für die Stelle qualifiziert und geeignet, denn sonst hätte man sie nicht eingestellt. Eher könnte es sein, dass du mit deinem Hintergrund (Hochbegabung) für deine Stelle übergeeignet bist und es deshalb nicht gut passt miteinander (überQUALIFIZIERT bist ja nun nicht, denn du hast ja kein hohes Ausbildungsniveau, wenn du mir den Kommentar erlaubst - facts). Daher meine Anregung mit einer parallelen akademischen Weiterbildung.

Wenn du beruflich aber ohnehin nicht viel erreichen willst, dich eher privat verwirklichst und selbst forderst, dann kannst du natürlich auch weiterhin Dienst nach Vorschrift fahren und auf deinem jetzigen Ausbildungsniveau verbleiben. Ich glaube, auf der Stelle, die du jetzt besetzt und auf vergleichbaren Stellen kannst du gut und gerne auch alt werden, wenn du nicht "mehr" willst. Solltest du aber mehr wollen, ist irgendeine Form von akademischer Weiterbildung unumgänglich. In Deutschland macht über die Hälfte eines Jahrgangs mittlerweile Abitur. Gegen die Massen, die da kommen, die bald auch sehr viel jünger als du sein werden mit höherem Ausbildungsniveau und vergleichbarer Berufserfahrung, wirst du dich auf Dauer, wenn es um Stellen mit mehr Verantwortung geht, nicht durchsetzen können. Grosse Wohlfahrtsverbände sind Konzerne. Insbesondere in Konzernen wird es da schwierig, denn auch deine Chefin sucht ihre Nachfolgerin nicht persönlich aus, gibt ggf. nur Empfehlungen.

Viele Grüsse
Santino
 
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