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Die gute alte Lücke im Lebenslauf

Umaro

Mitglied
Wenn ich auf mein Leben schaue, bin ich viele falsche Wege gegangen.

Das Fachabitur, welches ich gemacht habe, weil mir mein Vater vermittelt hat, dass ich ohne Abitur nichts "Gutes" werden kann.

Das Informatikstudium, welches ich durch den Suizidversuch meiner Schwester und meinem anschließenden psychischen Totalausfall abgebrochen habe.

Die Ausbildung, die ich nun schon seit 1 1/2 Jahren mache und erst jetzt zu dem Entschluss gekommen bin, dass ich kein Logopäde mehr sein will.

Ich bin 25 und habe soviel Angst vor einer Lücke im Lebenslauf, dass ich im Moment doch ernsthaft dabei bin eine Ausbildung zu Ende zu bringen. "Wer nimmt den schon einen Mann, der ein Studium und eine Ausbildung abgebrochen hat", "In dem Alter wird es schwierig", "Wer einmal abbricht, bricht IMMER ab". Sätze dieser Art muss ich mir immer wieder anhören und sie machen mich traurig.

Ich bin psychisch vorbelastet und hatte durch die Schizophrenie meiner Mutter nahezu keine Kindheit, zumindest keine Gute. Ich hatte nie die Gelegenheit mich in Hobbys und Tätigkeiten auszuprobieren und nun, da ich 25 Jahre alt bin, scheint es so, als ob ich in meinem jetzigen Alter keine Chancen mehr bekomme.

Ich bin nicht faul. Ich arbeite immer viel und mir ist bewusst, wie gut ich es im Moment habe und, dass das Leben nun mal Arbeit erfordert. Aber warum soll ich mein Leben nach der Möglichkeit, dass es "schwieriger" werden könnte, richten? Warum soll ich nun 1 1/2 Jahre meines Lebens einen Beruf erlernen, der nicht das Richtige für mich ist, nur weil ich Angst vor der Zukunft haben muss? Warum muss man bei einer beruflichen Umorientierung überhaupt Angst haben?

Gedanken dieser Art waren vor ein paar Jahren mit dafür verantwortlich, dass ich Suizid begehen wollte, es schon geplant und fast durchgeführt hätte. Als ob die Welt ein fürchterlicher Ort ist, der keine Fehler zulässt.

Ich mag diese Gedanken nicht, sie machen mich traurig und ich wünschte, dass ich daraus entkommen könnte.
 

Ronja1234

Neues Mitglied
Hey Umaro,

Ich kann dein Hin und Her total gut verstehen.

Ich bin jetzt 24 und habe durch ein Urlaubssemester und ein Semester, in dem ich nur Teilzeit studiert habe, auch später eine Lücke im Lebenslauf. Hinzu kommt, dass ich in der Schule damals zwei Jahre wiederholt habe aufgrund von Missbrauch und in eine Pflegefamilie kommen usw.
Ich werde definitiv auch eine Lücke haben.
Im Moment studiere ich, ich mag mein Studium. Aber Corona hat mir gezeigt, dass ich etwas anderes machen möchte, da ich im Theaterbereich unterwegs bin - und im Falle einer Pandemie dort alles dicht gemacht wird. Für mich ist klar, dass ich in dem Bereich nicht dauerhaft arbeiten will.
Für mich habe ich dennoch entschieden, meinen Abschluss zu machen - und danach eine Ausbildung zu machen. Dann habe ich wenigstens etwas in der Tasche.

Ich denke, dass die Angst normal ist. Eine Umorientierung heißt etwas "Neues". Neue Dinge machen Angst. Mir fällt dazu ein Zitat aus dem Lied "Da draußen" von Sarah Lesch ein: "Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt nur, dass man trotzdem springt!" Ich finde das an dieser Stelle irgendwie passend.

Diese Gedanken, wie schlecht die Welt ist, dass sie keine Fehler zulässt... das ist total nachvollziehbar. Es wirkt ja oft so, als ob es viel Druck gibt, man perfekt sein müsste. Doch in der Regel ist da man selbst sein größter Kritiker. Meistens ist es den anderen Menschen ja egal, was man macht. Und sich umzuentscheiden, ist auch normal. Das machen ganz viele.
 

Styx.85

Aktives Mitglied
Hi @Umaro

da du im Unterforum "Beruf" gepostet hast, nehme ich an, dass es dir speziell im Bereich Beruf um Feedback geht, weniger bezüglich der psychischen Probleme.
Ich möchte dir, ohne Rücksicht auf diese, aus meiner Sicht auf deine Berufliche Perspektive antworten und dir das reklektieren, was du eventuell von einem potentiellen Arbeitgeber reklektiert bekommen würdest.

Das Fachabitur, welches ich gemacht habe, weil mir mein Vater vermittelt hat, dass ich ohne Abitur nichts "Gutes" werden kann.
Das ist im Prinzip erstmal nichts schlechtes. Du hast ein (Fach-) Abitur. Damit stehen dir viele Ausbildungen und Studiengänge offen. Mehr als mit mittlerer Reife, deutlich mehr als mit Hauptschulabschluss. Auch wenn es für dich befremdlich klingen mag, ich kann den Gedankengang deines Vaters hier verstehen und er hat nicht Unrecht.

Das Informatikstudium, welches ich durch den Suizidversuch meiner Schwester und meinem anschließenden psychischen Totalausfall abgebrochen habe.

Die Ausbildung, die ich nun schon seit 1 1/2 Jahren mache und erst jetzt zu dem Entschluss gekommen bin, dass ich kein Logopäde mehr sein will.
Dass man sich bei der Wahl des Ausbildungsplatzes oder Studiums vertun kann bzw. durch äußere Umstände abbrechen muss, wird einem verziehen als junger Mensch. Das abgebrochene Studium ist verkraftbar im Lebenslauf.
Schwierig wird es in der Tat, wenn auch die Ansätze danach und nochmal danach abgebrochen werden. Arbeitgeber achten auf Durchhaltevermögen und dass Menschen, Dinge die sie anfangen auch zu Ende bringen können.

"Wer nimmt den schon einen Mann, der ein Studium und eine Ausbildung abgebrochen hat", "In dem Alter wird es schwierig", "Wer einmal abbricht, bricht IMMER ab". Sätze dieser Art muss ich mir immer wieder anhören und sie machen mich traurig.
Ich kann dir hier nur aus meiner Erfahrung sagen, dass diese Sprüche leider sehr oft zutreffen. Ehemalige Komillitonen, welche oft das Studienfach wechselten, brachen in der Regel früher oder später ganz ab. Das setzte sich in den danach angefangenen Ausbildungen fort. Nicht alle freilich... doch wenn sich ersteinmal eine entsprechende Mentalität "Das kann eh nix werden" in den Köpfen festsetzt, zieht sich das dann wie ein "roter Faden" durch den Lebenslauf.
Ich kann dir hier nur raten: Mach die Ausbildung zu Ende! Damit zeigst du, dass du Dinge zu Ende bringen kannst. Es heisst nicht, dass du danach nicht in eine andere Branche wechseln kannst. Es wird es dir sogar bedeutend erleichtern.

Ich bin nicht faul. Ich arbeite immer viel und mir ist bewusst, wie gut ich es im Moment habe und, dass das Leben nun mal Arbeit erfordert. Aber warum soll ich mein Leben nach der Möglichkeit, dass es "schwieriger" werden könnte, richten? Warum soll ich nun 1 1/2 Jahre meines Lebens einen Beruf erlernen, der nicht das Richtige für mich ist, nur weil ich Angst vor der Zukunft haben muss? Warum muss man bei einer beruflichen Umorientierung überhaupt Angst haben?
Und nun sei sachlich mit dir selber und refkletiere deine Lebenserfahrung. Wird ein Leben von selbst besser? Einfach so? Wo sind die Nachweise für "nicht faul" und "Gewissheit dass das Leben Arbeit erfordert"? Deine Ausbildung dauert nunmal 3 Jahre und nicht 1,5 Jahre. Wer das nicht durchhält, bleibt außen vor. Arbeitgeber werden sich nicht für nicht-nachprüfbare Behauptungen interessieren. Für die bist du ein Bewerber mit Abi, Abbruch im Studium, Abbruch in der Ausbildung. Demgegenüber steht immer jemand, der auf dem Papier besser aussieht. Und genau diesen werden sie in der Regel einladen zum Gespräch.

Ich mag diese Gedanken nicht, sie machen mich traurig und ich wünschte, dass ich daraus entkommen könnte.
Und genau dies wird dir mit hoher Wahrscheinlichkeit immer und immer wieder passieren. Nicht, weil ein Job eventuell nicht zu dir passt, sondern weil dich die ersten Rückschläge sofort an die bisherigen Abbrüche erinnern werden. Je öfter du abbrichst, desto stärker werden genau diese Ideen in dir und desto höher die Wahrscheinlichekeit für den nächsten Abbruch. Eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Das war nun ein ehrliches Feedback. Ich hoffe meine Worte haben dich nicht zu arg getroffen. Doch ich möchte dir nichts vormachen oder dich gar in deinem Vorhaben, Hinzuwerfen, bestätigen. Wenn du Hinwirfst kann es in der Tat kritisch für dich werden. Die negativen Vorzeichen gegen die du dann zu kämpfen hast, werden nämlich immer stärker von innen und von außen.
 

Binchy

Sehr aktives Mitglied
Hallo Umaro,

dann habe ich mich richtig an Dich erinnert, wie ich in einem anderen Thread von Dir schrieb. Ich sehe das genauso wie @Styx.85 . Leider müssen wir im Berufsleben manche Dinge machen und zuende bringen, damit der Lebenslauf etwas runder und stringenter wird, besonders, wenn man am Anfang des Berufs steht. Das ist nicht schön, es macht nicht immer Spaß, aber längerfristig erhöht es die Chancen auf eine Arbeit. Es sind noch 1 1/2 Jahre, das ist absehbar.

Ich würde mich an deiner Stelle da jetzt voll reinstürzen, versuch Gedanken daran, wie wenig es Dir Spaß macht etwas zu verdrängen und guck doch mal, ob Du nicht doch etwas findest, was Dir ganz gut gefällt in Deiner jetzigen ausbildung. Je mehr Du dir immer wieder sagst, wie wenig Spaß es Dir macht, desto schwerer wird es. Machst Du noch Therapie, kannst Du das Thema da thematisieren, wenn Du noch Therapie machst?

Teile Dir die Tage ein in Lerneinheiten und den Rest mach das, was Dir Spaß macht.
 

koernerpudding

Mitglied
Hallo :)

auch ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen und ich kann auch deine Angst verstehen.

Ich bin 25, in ein paar monaten im 3. Lehrjahr, hab auch eine Ausbildung vorher abgebrochen und ne etwa 5 Jährige Lücke im Lebenslauf, psychisch bedingt. In meinem Vorstellungsgespräch bei meinem jetzigen Arbeitgeber/Ausbilder kam auch die Angst in ihm hoch, dass ich abbreche, weil ich in der Ausbildung nochmal dem Betrieb wechseln musste. So ein Gedanke wird immer wieder aufkommen, wenn man oft abbricht oder wechselt.

Also beiß dich durch und schau was du dann machen könntest. Aber vorher genau über den Beruf informieren, nicht dass es endet wie jetzt :) Viele wexhselndw Arbeitgeber sehen nämlich auch nicht schön aus.

Liebe Grüße
Pudding
 

Andreas900

Sehr aktives Mitglied
Schule, nachgeholtes Fachabi, Praktikum und Ausbildung. Ist das so schlecht mit 25? Ich denke, du bist in einem Alter, in dem sich viele andere auch noch orientieren oder z.B. noch studieren.
"Lücken im Lebenslauf" sehe ich viel kritischer wenn jemand mit 40 ankommt und einem Arbeitgeber nicht sagen kann was er zwischen 25 und 30 gemacht hat.

Meiner Meinung nach konzentrierst du dich zu viel auf die Vergangenheit, die du nicht mehr ändern kannst. Und die wichtigste Frage: WAS willst du denn werden?

Solange du keine neue Ausbildung oder neue Stelle hast, würde ich dir auch raten, deine jetzige Ausbildung zu Ende zu bringen.

Ich war damals Zivi und habe freiwillig 3 Monate drangehängt, weil meine Ausbildung erst ca. 4 Monate nach Ende meiner Zivi-Zeit endete. Blöder Vergleich, aber ich würde immer erst das Alte beenden wenn ich einen Plan für was Neues habe. Und diesen Plan sehe ich für dich als viel wichtiger als als sich über die Vergangenheit Sorgen zu machen.

Alles Gute!
 

Jusehr

Sehr aktives Mitglied
Also von irgendwas muss man ja leben. Und jemandem auf der Tasche liegen willst Du doch wohl auch nicht, oder?

Also sollte das Ziel doch irgendwie in der Art sein, dass Du Dich im Rahmen der Menschheit nützlich machst (und dafür Geld bekommst). Ich würde also versuchen, mir Fähigkeiten zu holen, die für viele nützlich sein könnten.

Also: was interessiert Dich? Wo sind Deine Kompetenzen? Da es bei Informatik nicht geklappt hat und der Logopädie, frage ich mich allerdings, ob Du Dir Deine Berufe wirklich hinreichend gründlich im zeitlichen Vorfeld der Entscheidung aussuchst. Auch frage ich mich, warum Du nicht mit Informatik weiter gemacht hast. Lag es doch mehr an der Informatik selbst als an der Sache mit der Schwester? Hast Du eigentlich auch das Fachabitur abgebrochen? Nur am Rand gefragt.

Informatik ist schon ziemlich anspruchsvoll. Lust am Programmieren - was man oft hört - reicht nicht.

Ebenso interessant könnte es sein, warum Du mit der Logopädie aufgehört hast.

Meines Erachtens kann es auch sinnvolle Abbruchgründe geben. Aber auch mir schleicht sich der Verdacht bei Leuten, die oft abbrechen, ein, dass die sich mindestens nicht gut informiert haben. Dass ihnen nichts Spaß macht, dass sie sich für nichts interessieren etc. Ist das so bei Dir? Wenn nein: wo liegen denn die Gründe?

Wenn man Dich nicht kennt, kann man schlecht beraten.

Also noch mal kurz gefasst:
Etwas finden, dass andere Menschen brauchen und Du ihnen geben kannst!

Es klingt vielleicht zu streng, aber irgendeine "Existenzberechtigung" sollte man schon haben.

Zumindest sollte man sich darum bemühen.
 

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