das ich dann bereits tätig geworden wäre und ich nicht mehr zurückfallen kann, weil ich halt das ein oder andere dann schon gemacht hätte was ich jetzt nicht machen würde in meiner Verfassung.
Das ist aber echt nett verpackter Unsinn, den sie dir da erzählt hat. Natürlich hat man danach Entzugserscheinungen und fällt aufs alte Level zurück. Wenn nicht sogar noch schlimmer.
Was hattest Du für Entzugserscheinungen?
Ich hab ein gutes Jahr ein AD genommen und war in dieser Zeit in der Tat wie verwandelt, aber so verwandelt, dass es selbst meine Mutter mit der Angst bekam. Ich hab Bestleistungen gebracht und hab jeden angestrahlt wie ein Atomkraftwerk. Also wesensverändert. Erst einmal hatte ich die typischen Psychopharmakabäckchen. Hamsterbacken nennt man sie auch. Hab knapp 10 kg zugenommen und konnte essen ohne Ende. Als ich die Pillen die erste Zeit nahm, hatte ich nachts regelmäßige Schwindelanfälle und dachte mich muss der Notarzt abholen. Dann ständig wie elektrische Blitze. Ich kann das ganz schwer beschreiben. Hervorgerufen durch die ADs.
So, ein knappes Jahr genommen, dann langsam abgesetzt, ging der Mist los. Panikattacken schlimmer denn je. Hab allein kaum das Haus verlassen können. Dann kam die Migräne, wie ich sie nie hatte. Dauerhafte Übelkeit und wieder Schwindel, je weniger ich nahm. Mein psychischer Zustand hat sich extrem verschlechtert. Ich hing total durch. Noch schlimmer als jetzt in einer depressiven Phase und hab nichts mehr auf die Reihe bekommen. Nicht mal Wäsche waschen oder Geschirr einräumen. Supermarkteinkäufe waren eine Herausforderung. Ohne meinen damaligen Stiefvater wäre ich damals wohl verhungert.
Ich hab das Zeug als Teufelszeug empfunden. Solange ich es genommen habe, gings mir gut, aber wehe ich hab es abgesetzt. Hätte ich damals die anderen Tabletten (Schlafmittel) nicht hinterfragt, hätte ich in eine Suchtklinik wegen Tablettenentzug gemusst.
Die Depressionen nach dem Absetzen waren 3 Mal schlimmer als die, in der Akutphase, weshalb ich die Tabletten genommen habe.
Irgendwann stabilsiierte es sich und das nicht durch Psychopharmaka, sondern durch lange Spaziergänge und regelmäßiges Joggen.
Deshalb empfehle ich jedem zu hinterfragen was er/sie nimmt.
Heute sehe ich den Leuten an, was sie nehmen und ob sie was nehmen. Die, die rumlaufen wie ein strahlendes Atomkraftwerk, immer mit Dauergrinsen auf dem Gesicht und die ständig lachen waren die, von denen ich später erfuhr, sie nehmen Antidepressiva. So will ich nie wieder werden.
Da gehe ich lieber durch die Täler der Tränen, als so unnormal dauergrinsend rum zu laufen und ständig übertrieben gut drauf durch die Gegend zu rennen. Mein Wesen ist eben Ernsthaftigkeit und ein Hang melancholisch drauf zu sein.
AD führen meiner Meinung nach zu einer Wesensveränderung, die Menschen ähnlich gut drauf sein lässt. Aber Hauptsache die Wirtschaft funktioniert.