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Das Entstehen vom Ich, Einfluss der Eltern

grisou

Aktives Mitglied
ich sag mal Achtung Triggerpotential für alle mit dissozialen Elternteil




nach immerhin 15 jahre therapie scheine ich jetzt langsam an die basis zu kommen von meinen problemen.

mein adoptiv-vater war gewalttätig mir gegenüber. er hat versucht mich umzubringen, so ganz ungerührt um zu sehen, wie viel lebenswillen und stärke ist in mir, mich bei passender und unpassender gelegenheit verprügelt, weil es ihm spaß gemacht hat, meinen trotz zu sehen. von diesen dingen kann ich mich distanzieren. das ist so offensichtlich dissozial, psychopathisch und narzistisch. das ist klar übergriffig. böser, böser vater.

da ist nur auch ein anderer, sehr subtiler teil.

und an dem punkt habe ich ihm immer viel entschuldigt, viel verantwortung bei mir gesehen.

montag in der therapie bin ich an einen punkt gekommen, da hat es echt wunden aufgerissen. ich bin aus der stunde raus und es wurde so viel in mir hochgeholt. angststörung, suchtgefühle, selbstzerstörung, der hass auf mich, die trauer um das kind. ich habe mich gefühlt wie in einem nebel.

und es ging um nichts großes. ich habe nur erzählt, wie rebellisch ich war als kind und so trotzig und dass ich diesem vater nie nachgegeben habe.

und dann fragt sie mich, ob das so war. und ob einfach dieser kerl an der stelle schluss gemacht hat, wo ich dachte, es ist mein gewinn, damit er "sein spielzeug" nicht kaputt macht. und dass er mich manipuliert hat, immer wieder in die gleichen kämpfe.

ich beschäftige mich schon lange mit diesen narzistischen störungen, klar, ich versuche zu verstehen, was ist mir da passiert. und mir wird jetzt klar, wie viel diese manipulative art in mir angerichtet hat, wie sehr das meine persönlichkeit mit gestaltet hat. und ich komme so in eine krise, wer bin ich eigentlich und was hängt an meinem vater?



  • nur er ist wichtig.
  • er macht sich über meine gefühle lustig.
  • er gibt mir das gefühl, fehlerhaft zu sein.

https://www.wunderweib.de/3-gedankenspiele-mit-denen-ein-narzisst-dich-manipuliert-99622.html
so diese drei punkte von manipulation, das hat mein vater sehr gut beherrscht.

er hat mir immer das gefühl gegeben, er leidet nur wegen mir. es ist meine schuld. und was ich von ihm in erinnerung habe, in so starker erinnerung, ist dieser schmerz.

meine therapeutin hat mich gefragt, wie ist es mir gegangen mit ihm als kind. und ich konnte nur sagen, ich habe immer seinen schmerz gespürt und ich wollte ihm nie weh tun. und sie sagt, das mache ich immer, wenn ich über ihn spreche, ich komme dann gar nicht vor. nur seine gefühle, seine gedanken. (oder was ich denke, dass sie dies sind.)

und merkwürdig, micha war gerade da und wir haben uns kurz unterhalten darüber wie wir uns kennen gelernt hat und er sagte, er hat gleich gemerkt, was für ein besonderer mensch ich bin, wie stark einfühlsam und wie verletzlich. dass ich niemals einen menschen absichtlich verletzen würde. das hat er so noch nie erlebt. und ich merke das ja auch bei meinem job im besuchsdienst, wenn so viele menschen die mich gar nicht kennen sich plötzlich öffnen, mir ihre lebensgeschichte erzählen und am ende dann sagen sie oft: das habe ich noch niemandem erzählt. ich weiß jetzt gar nicht, wie ich dazu komme.

und klar, ich bin viel im außen, bei dem anderen, weil ich ja jede kleine regung bei meinem vater merken musste, er war völlig unberechenbar und alles konnte ihn zum ausflippen bringen. überhaupt keine impulskontrolle.

was es mir unmöglich gemacht hat, kind zu sein. einfach ich zu sein. einerseits weil es schlicht gefährlich war. auf der anderen seite, meine therapeutin sagt, kinder sind impulsiv und die werfen mal türen zu, stampfen mit dem fuß auf, die schreien auch mal. das war für mich alles nicht möglich, da habe ich mich gedeckelt, weil ich genau wusste, so ein ausbruch tut anderen weh und ich wollte niemand weh tun.

und ich war ja nie das kind, was er haben wollte. also war ich fehlerhaft.

wie sehr mich das prägt, mich selbst ständig zu hinterfragen und mich anzupassen. weil ich auch da nie kind sein durfte, nie mich ausprobieren, fehler machen. sonst war ich nicht genug und das war gefährlich. dann ist er ausgerastet.

man muss etwas genau so machen wie er sich das vorstellt, sonst ist es falsch. sag was er will und wie er es will, dann ist alles gut. und da weiß ich eigentlich gar nicht, hat der ein klares bild darüber oder will er nur einfach fertig machen? hätte ich überhaupt meinen vater zufrieden stellen können?

er hat mir immer das gefühl gegeben, er ist der starke und er ist geschaffen für diese art von gesellschaft. und ich bin einfach zu schwach. und er wollte mir immer nur helfen.

und das war gut heute für mich, dass micha mir noch mal gesagt hat, mit wie viel unglaublicher kraft ich dinge in meinem leben verändert habe, wie ich mich verändert habe. und dass er das sehen kann, obwohl er so selten hier ist. manchmal denke ich, der bekommt das alles nicht mit, wie ich mich verändere, nur dann sagt er, ich reagiere anders, meine körpersprache ist eine andere. und jetzt ist meine haltung viel offener. stärker. und ich merke ja auch wirklich, wie offen ich zugehen kann auf menschen, wie viel stärke da ist in mir.

ich mag mich selbst. ich finde mich cool. so was konnte ich früher gar nicht sagen. höchstens vielleicht "okay sein". nur heute sehe ich meine stärken und die mag ich.

ich merke, wie sehr ich meinem vater alles entschuldigt habe, weil ich das auch nie anders gelernt habe. ich habe einen guten artikel zu narzissten und lügen gefunden.

https://www.businessinsider.de/narzissten-manipulieren-euch-2017-12

ein mensch, der seine handlung ständig rechtfertigt, keine verantwortung übernimmt. das stimmt so für ihn.

und da sehe ich klarer. dass es keine frage ist von "ich bin besser angepasst an die welt und du bist eben zu schwach", sondern dass es schlicht asoziales verhalten ist, wie er sich verhalten hat.

soziales verhalten ist das gegenseitige austarieren, wo sind deine grenzen, wo meine, wo finden wir den kompromiss.

mein vater hat mich in diese welt gesteckt wie er sie gesehen hat und ich bin da völlig untergegangen. da war nie platz für mich als kind. er wollte eine puppe, eine marionette und meine bedürfnisse waren ihm egal. er konnte kein stück auf mich zugehen. und ich frage mich, wie viel marionette bin ich wirklich.

dieses loslösen von dieser welt von ihm, ich denke, das fällt mir am schwersten. weil man auch in der welt immer wieder auf menschen trifft, die können keine kompromisse eingehen, die haben ein klares bild, das müssen sie umsetzen und da muss jeder andere reinpassen, sonst sind sie verloren. die suchen fehler nur bei anderen. und wenn man dann nur schwer grenzen ziehen kann, dann ist man dauernd dabei sich zu hinterfragen.

es ist leichter heute für mich. ich kann leichter bei mir bleiben. sehe mich klarer. nur lange noch nicht selbstverständlich.

und das loslassen hat auch damit zu tun, wie mein vater immer sagte, er hat ja auch gutes getan. er war gar nicht so schlimm wie andere, irgendwie human. und das immer so als ausrede vor sich her getragen hat. er hat sich ja verändert, er hat ja was gutes getan. ja, so menschen tun viel gutes, um ihre scheiße vor sich selbst zu rechtfertigen. und er hat mich ja nur an irgendwelche typen verkauft, weil ich lernen musste, wie gemein die welt ist. und ich hab mich so lange immer mit dieser schuld rumgeschlagen. war ja meine schuld, ich hätte nur brav sein müssen, dann hätte er das nicht tun müssen.

ich habe irgendwie das gefühl, ich habe eine scheinpersönlichketi entwickelt, so wie mein vater das wollte. also die seinen vorstellungen entspricht. weil er mich sonst nicht wahrgenommen hat, mich verachtet hat, weil er nur das annehmen konnte, was er für richtig hält. außerhalb seiner vorstellung gibt es nur "falsch".

und jetzt frage ich mich wer ich eigentlich bin, ob es ein ich gibt. weil wenn ich dann ins innen schaue, sehe ich da nur ein verängstigtes kind.




Instrumentell-dissoziales Verhalten
Dieser Subtyp ist vor allem auf Geld, materielle Werte sowie Macht ausgerichtet. Die Personen haben keinen Leidensdruck, sondern ein übersteigertes Selbstvertrauen und Machtgefühl und daher keine Veränderungsbereitschaft. Diese Wesensart hat Ähnlichkeit mit dem, was früher als Psychopathie bezeichnet wurde: Fehlen von Einfühlungsvermögen, Schuldgefühl oder Angst, oberflächlicher Charme und Gefühlsregungen und instabile, wechselnde Beziehungen. Allerdings kann dies manchmal der gesellschaftlichen Norm entsprechen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziale_Persönlichkeitsstörung

ja, diesen charme, das kenne ich von meinem vater. darum ist es auch so schwer. weil er nach vorne immer so liebenswürdig nett erscheint. und er will ja nur die welt retten, mich retten, überall will er immer nur das beste. bis heute hat er nicht kapiert, warum ich ihn angezeigt habe. also er denkt, ich bin missraten. im grunde geht es bei ihm nur um macht, andere zu dominieren. er wollte nie irgendwas für mich. ihm hat es einfach gefallen, weil er einen menschen hatte, den konnte er ganz nach seinen vorstellungen formen. und es war mein pech, dass es nicht funktioniert hat mit mir. oder doch? oder geht es allgemein nicht mit menschen, dass man sie zum perfekten sklaven erzieht und irgendwann brechen alle frei oder war das doch ein rebellischer anteil in mir?

ich bin da ziemlich verwirrt.

ich weiß nicht mal, welchen teil von mir ich da eigentlich mag. ein ich oder doch ein ich, das er gestaltet hat. keine ahnung.


ich würde mich gerne austauschen mit anderen menschen, die narzistische eltern hatten. wie ist da euer gefühl, was bleibt am ende von einem übrig, wenn die mit einem fertig sind? hart formuliert, aber so fühle ich mich im moment. irgendwie im freien fall.

ich weiß nicht, wie ich durchkommen soll durch diese therapiestunden, ausgerechnet jetzt auch, wo sich so vieles ändert in meinem leben? ich weiß es nicht. was ich weiß, ich kann das nicht wieder zu machen. ich merke, da geht der weg durch und irgendwie möchte ich das schaffen, werde ich das schaffen und hoffentlich am ende mein ich finden.
 

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Deliverance

Gast
Wow, der Text hätte 1:1 über meine Mutter sein können. Ich bin gerade schockiert, erstaunt und irgendwie ....begeistert....?

Mich treiben gerade die selben Fragen um:

Wer bin ich eigentlich? Und wer *darf* ich sein? Warum war ich vorher nicht ich?
Ist das verängstigte Kind, was sich aus der Todesangst heraus verbiegt, überhaupt ich?
Wieso habe ich den Scheiß überhaupt so lange mitgemacht? Ich habe doch auch Rechte? (Die Frage ist eigentlich schnell beantwortet und irgendwo auch nicht....)

Wer ist diese gefakte Persönlichkeit, die allen erzählt, es geht ihr super, obwohl dem nicht so ist? Wieso kann ich die Maske nicht abnehmen, den dämlichen Überlebensmechanismus nicht ausschalten, dass Wettrennen um mein Leben ist doch vorbei?!

Fragen über Fragen.

Das mit dem plötzlichen sich-Öffnen passiert mir übrigens auch oft, manchmal Frage ich mich, ob das an der fehlenden Abgrenzung liegt.
Wildfremde Leute erzählen mir dann plötzlich die absurdesten und schlimmsten Dinge, irgendwas haben wir da wohl an uns ;)
Über deinen Text muss ich jetzt erstmal nachdenken, dafür ein ehrlich und nett gemeintes Danke.
 

grisou

Aktives Mitglied
Das mit dem plötzlichen sich-Öffnen passiert mir übrigens auch oft, manchmal Frage ich mich, ob das an der fehlenden Abgrenzung liegt.
Wildfremde Leute erzählen mir dann plötzlich die absurdesten und schlimmsten Dinge, irgendwas haben wir da wohl an uns ;)
Über deinen Text muss ich jetzt erstmal nachdenken, dafür ein ehrlich und nett gemeintes Danke.

danke dir. es hat mich sehr berührt. es tut mir sehr leid, dass du bei so einer mutter aufwachsen musstest.

ich kämpfe mit all dem schon so lange und mich hat es erschüttert jetzt nach all den jahren stelle ich fest, wie sehr das meine persönlichkeit betrifft, wie viel das mit mir gemacht hat.

am meisten hat mich geschmerzt, als sie eben genau sagte, dieses nach außen fühlen können, wie viel hat das zu tun mit der todesangst und genau dieses "vertrauenswürdig sein" bekommt plötzlich so einen bitteren beigeschmack. ich komme mir vor wie ein dressierter affe, der merkt, sein bestes kunststück ist genau das, nur ein erlerntes kunststück.

dieses ganz subtile manipulative, sich selbst und der eigenen wahrnehmung nicht mehr trauen können, immer den anderen entschuldigen und sich selbst in frage stellen. das ist so viel gemeiner als die ganze körperliche gewalt, die ich erlebt habe.

meine therapeutin meinte, ich musste lenkbar sein. und genau so habe ich mich oft gefühlt. und ich glaube, viel meiner angst mit menschen kam auch daher, die angst, nicht lenkbar zu sein. darum auch immer erst schüchtern sein, ruhig sein, beobachten. um mich "lenkbar zu machen".
 
D

Deliverance

Gast
Das kann ich gut verstehen.
Denn wer unlenkbar ist, ist ein schlechtes Opfer.
Mich hat die Erkenntnis vor ca. Einem Jahr total aus der Bahn geworfen, dass meine Mutter vieles in bösartiger Absicht getan hat und sie durchaus ein Bewusstsein dafür gehabt hat, wie schlecht es uns ging. Das war ein trauriges "Wow".
Die Manipulation meiner Wahrnehmung war gewollt und sollte so sein - das wiederum erfordert ein Bewusstsein für die Folgen solcher Taten, ein gezieltes Lenken und Zufriedenheit über den Erfolg....am Ende ist es doch komplexer, als man sich so denkt.
Bekloppt. Dein Text hat mir das nochmal gut vor Augen geführt....

Vor einem halben Jahr las ich Ein Buch über Esstörungen.
Darin stand, dass Betroffene meistens früh wahrnehmen, dass in ihrer Umgebung etwas nicht stimmt, von da aber die Rückmeldung kommt, dass man dumm und falsch ist. "Stimmt doch alles gar nicht, du übertreibst mal wieder, etc. " die eigene Wahrnehmung wird schon von Kindesalter an verdreht & manipuliert.
Die Betroffenen zweifeln an sich und "fressen" die Gefühle. Das schlimme Familiengeheimnis wird verschlungen, die eigenen Zweifel richten sich gegen einen Selbst.
Am Ende weiß man eh nicht mehr, was wahr ist.

Für mich war dann die Erkenntnis "Meine Gefühle sind richtig. Die dürfen da sein. Ich darf da sein.".

Wenn es an den grundlegendsten Dingen fehlt, muss man gaaaaaanz von vorne anfangen....Fassaden einreisen, Masken abreissen.
Vielleicht ist alles dadrunter erstmal hässlich und verwahrlost.
Irgendwann kann dann neuer Putz drauf und ein wenig Deko - ein Lebenswerk, was nie beendet ist.


Aber es hat dir sicher auch Stärken gegeben.

zB merke ich, dass ich sehr gut wochenlang mit wenig Schlaf auskomme (ich durfte selten durchschlafen), bei Geldnot kann ich 2 Wochen lang das selbe Essen essen, mich wirft fast nichts aus der Bahn, ich kann blitzschnell einschätzen, ob und wie mir jemand gesonnen ist.....was ist mit dir?
 

grisou

Aktives Mitglied
Das kann ich gut verstehen.
Denn wer unlenkbar ist, ist ein schlechtes Opfer.
also wird man lenkbar gemacht.

und meine therapeutin meinte, das passiert mehr als man denkt, gerade in unserer hektischen gesellschaft. wenn die eltern total überfordert sind. und manchmal werden kinder auch lenkbar gemacht, wenn sie alles bekommen. oder eben mit entsprechendem druck.



Mich hat die Erkenntnis vor ca. Einem Jahr total aus der Bahn geworfen, dass meine Mutter vieles in bösartiger Absicht getan hat und sie durchaus ein Bewusstsein dafür gehabt hat, wie schlecht es uns ging. Das war ein trauriges "Wow".
das kann ich verstehen.

es ist mir immer noch so eine art trost, wenn ich denke, okay, mein vater ist ein narzist, ein psychopath und wie er sagte, er meinte es gut und irgendwie war ihm gar nicht klar, was er anrichtet.

ich kann den gedanken kaum zulassen, dass er das sehr wohl wusste, wie du so passend schreibst, ein bewusstsein dafür hatte. eine so böse absicht menschen zu unterstellen, das fällt mir schwer. ich sollte mich damit auseinander setzen.

ganz spannend finde ich, wenn ich merke, es gibt wohl menschen, denen fällt es leicht, anderen böses zu unterstellen. also da war mein vater ja auch immer schnell dabei. man muss andere klein halten, aggressiv sein, bevor die einem was böses tun. das sagt so viel über ihn aus, seine eigenen gedanken.


Die Manipulation meiner Wahrnehmung war gewollt und sollte so sein - das wiederum erfordert ein Bewusstsein für die Folgen solcher Taten, ein gezieltes Lenken und Zufriedenheit über den Erfolg....am Ende ist es doch komplexer, als man sich so denkt.
Bekloppt. Dein Text hat mir das nochmal gut vor Augen geführt....
menschen sind komplex :schulterzucken:

ich habe die welt irgendwie immer als ganzes gesehen, mich als teil davon, wo man hand in hand arbeitet, geht es jedem gut. und da wo teilen grundlage der gesellschaft ist, ist es ein friedliches miteinander. auch dann, wenn die ressourcen knapp sind. und eigentlich ist es genau eine narzistische einstellung, die einfach nicht funktioniert. habe ich noch nie erlebt.

geht es dir eigentlich auch so, hast du den eindruck, nachdem du weg warst von deiner mutter, dass du quasi irgendwie narzistische menschen angezogen hast? ich bin ein paar mal ganz schön auf die schnauze gefallen. es ist ein wenig so wie wenn ich lange versucht hätte, irgendeinen narzisten zu retten, wenn ich mich schon mit meinem vater nicht versöhnen kann. oder vielleicht war das auch nur einfach das verhalten, das ich gewohnt war. jedenfalls gab es eine ganze reihe von narzisten in meinem leben, die viel zerstört haben.



Vor einem halben Jahr las ich Ein Buch über Esstörungen.
Darin stand, dass Betroffene meistens früh wahrnehmen, dass in ihrer Umgebung etwas nicht stimmt, von da aber die Rückmeldung kommt, dass man dumm und falsch ist. "Stimmt doch alles gar nicht, du übertreibst mal wieder, etc. " die eigene Wahrnehmung wird schon von Kindesalter an verdreht & manipuliert.
Die Betroffenen zweifeln an sich und "fressen" die Gefühle. Das schlimme Familiengeheimnis wird verschlungen, die eigenen Zweifel richten sich gegen einen Selbst.
Am Ende weiß man eh nicht mehr, was wahr ist.
da erkenne ich mein verhalten auch wieder.

ich habe so ganz oft das gefühl, wenn ich nicht "funktioniere" ist irgendwie beim essen der erste punkt, wo ich mir selbst die fürsorge nicht geben kann.

also falle ich von zeiten wo ich so gut wie nichts essen kann in zeiten, wo ich essen als belohnung brauche und dann unkontrolliert esse. das hat großes suchtpotential bei mir.

manchmal kann ich so viel in mich reinstopfen und gleichzeitig das gefühl haben, ich verhungere. oder dann brauche ich ganz viel gewürzte sachen, viel salz und kann das nicht schmecken. ist irgendwie fad.

als kind habe ich auch manchmal einfach essen gestohlen um nicht zu verhungern und ich merke heute noch, wenn es mir nicht gut geht. ich kriege dann schnell das gefühl, etwas ist verdorben. da kann ich dann das brot selbst backen, es aus dem ofen holen und mein ganzer körper schreit, das ist verschimmelt. und ich krieg dieses gefühl nicht los und muss es wegwerfen. bzw. ich versuche dann schon immer leute zu finden, denen ich das geben kann.


Für mich war dann die Erkenntnis "Meine Gefühle sind richtig. Die dürfen da sein. Ich darf da sein.".
ich arbeite immer noch daran, das zu erleben, dass meine gefühle ganz normal und richtig sind. aber es ist ein tolles gefühl, wenn man sich nicht mehr ständig selbst in frage stellt und dann auch einfach mal sagen kann, so wie es damals gelaufen ist, er ist der idiot :)


Wenn es an den grundlegendsten Dingen fehlt, muss man gaaaaaanz von vorne anfangen....Fassaden einreisen, Masken abreissen.
Vielleicht ist alles dadrunter erstmal hässlich und verwahrlost.
Irgendwann kann dann neuer Putz drauf und ein wenig Deko - ein Lebenswerk, was nie beendet ist.
ich glaube das ist das große problem am narzismus. wann immer ich zu tun hatte mit jemandem, da merkt man, das waren immer menschen, die konnten sich genau diesem hässlichen, verwahrlosten teil nicht stellen und der narzismus ist so was wie ein zuckerguss, um nur ja nicht genau hinschauen zu müssen. narzisten setzen sich nicht gerne mit ihrem schatten auseinander. daran erkennt man sie immer gleich. mein vater versteht bis heute nicht, was er getan hat. er versteht die dimension gar nicht. also klar ist ihm, er hat die gesetze gebrochen. nur die waren irgendwie für ihn wie ein spiel. so nach dem motto, sei einfach cleverer als die polizei oder das finanzamt. dass es um menschliche schicksale geht, das hat er gar nicht auf dem schirm. dass da menschen gestorben sind, also das ist für ihn so was wie ein kollateralschaden. die waren eben zu schwach. abfall. kann entsorgt werden. es ärgert ihn einfach, er war zu dumm sich erwischen zu lassen. er war so dumm mir zu vertrauen. er hat mich nicht rechtzeitig genug aus dem weg geräumt. zum schweigen gebracht. das verzeiht er mir nicht. er mir. :schulterzucken:


Aber es hat dir sicher auch Stärken gegeben.

zB merke ich, dass ich sehr gut wochenlang mit wenig Schlaf auskomme (ich durfte selten durchschlafen), bei Geldnot kann ich 2 Wochen lang das selbe Essen essen, mich wirft fast nichts aus der Bahn, ich kann blitzschnell einschätzen, ob und wie mir jemand gesonnen ist.....was ist mit dir?
das mit dem schlaf kenne ich. ich konnte tage durcharbeiten. allerdings jetzt brauche ich dafür sehr viel ruhe, einfach wegen meiner erkrankung. und ja, meine bedürfnisse kann ich ganz übersehen, nicht wirklich was essen oder trinken, bis zum köperlichen zusammenbruch. das muss ich erst lernen, selbstfürsorge. allerdings bin ich heute achtsamer und merke dann schon auch mal eher, was ich gerade brauche.

und ich bin ein ganz schöner kämpfer. jemand der nach lösungen sucht und dran bleiben kann. sonst hätte ich nicht überlebt. ich denke, das ist ein gutes wort dafür, ein überlebender. udn menschen einschätzen. da war ich leider viel zu lange eher sehr naiv. ich habe immer das gute im menschen gesehen. wirklich nicht mehr jedem zu vertrauen, das habe ich erst in den letzten jahren gelernt. dass menschen es wirklich böse mit einem meinen können und das nicht einfach ein "gut gemeint" schief gelaufen ist. ich schaue mir menschen genauer an. ich habe das jetzt kapiert, dass es manchen wirklich in der tat nur um sich selbst geht und die das hinter schönen worten verstecken. früher konnte ich das nicht so annehmen, weil es bedeutet hätte, mein vater behält recht. die welt ist ein böser ort. jetzt sehe ich mehr, es ist eine armseelige welt voller angst.
 

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