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"Danke!" und "Gut gemacht!"

G

Gast

Gast
Hallo liebes Forum,

ich habe folgende Schwierigkeit: Seit dem Kindergarten habe ich nie so richtig typische Höflichkeitsfloskeln benutzt. Ich war immer artig und habe viel geholfen. Nur das Sprechen... hm, ich war immer etwas ruhig. Wenn ich dann aber gesprochen habe, war es mit Leuten, mit denen ich locker umging oder es waren Situationen, wo meine Hilfe verlangt wurde und bei so etwas packe ich gleich mit an. Halt Sachen tragen, sauber machen oder so etwas. Oder Dinge erklären, wie sie funktionieren und so. Ich höre auch nicht gerne "Danke", für mich ist es selbstverständlich, etwas für andere zu tun. Das hat aber dazu geführt, dass ich auch nie "danke" sage, obwohl andere Helfen nicht für so selbstverständlich halten.

Jetzt ist es aber so, dass mich viele nicht als hilfsbereit oder interessiert wahrnehmen. Meistens war ich eher Außenseiter, wenn man es genau nimmt. Ich lächele sehr wenig und ich erzähle auch nicht viel von mir. So schweigsam, dass mir alles aus der Nase gezogen werden muss, bin ich nicht. Nur neige ich mehr zu Sachlichkeit und Themenbezug. Über meinen Gegenüber oder mich rede ich kaum. Das ist so schwierig im Alltag. Manche missverstehen mich sogar und glauben, ich sei arrogant und mag sie nicht.
Am schlimmsten ist es, wenn so vielen Leuten fast die Augen herausfallen und sich über Gesten (weiß nicht, wie es nennen soll) von mir wundern. Als ich in einem Kurs im Ausland zum Abschluss eine Überraschungskarte (hab die Karte dann von allen unterschreiben lassen) für die Lehrerin organisiert hatte, meinte diese und auch einige der anderen: "Du bist ja voll nett!"... Danke... Ich bin halt so. Ich mache vieles hinter den Kulissen und hänge lieber allein herum, wenn es sich lohnt. Aber ich bin sehr sozial eingestellt und möchte andere unterstützen. Nur: Lächeln oder Umarmen ist echt nicht meins!!!!!! -.- Und auf Komplimente (nicht fürs Helfen... -.-) schaffe ich es nicht, zu reagieren. Selbst bei Neujahrsgrüßen oder "Wie geht es dir?" schaffe ich es nicht zu reagieren.

Mein Mund bewegt sich einfach nicht und manchmal fallen mir keine Komplimente oder Interessensfragen ein. Es ist so, dass ich eigentlich etwas mit Kindern machen könnte, aber die brauchen ab und zu mal Aufmunterungen. Wie soll ich das schaffen? Hat jemand einen Tipp für mich, wie ich mit diesem Problem fertig werde? Ich will nicht von jedem gemocht werden, aber wenn es dann doch Missverständnisse gibt oder so, ist es schwer mit Menschen zusammen zu arbeiten.
 

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Tuesday

Aktives Mitglied
AW: Übung macht den Meister ...

Das, was Du hier von Dir schreibst hört sich für mich nach einer, in Richung Autismus geprägten Persönlichkeit an und daran solltest Du mit guten Willen, viele Geduld und vor allem dem Bewußtsein arbeiten, daß das Leben für Dich und Deine Mitmenschen sehr viel angenehmer werden könnte, wenn Du Dich dich ein wenig wahrmherziger, einfühlsammer und gesprächiger verhalten würdest!


Ich finde es schon mal sehr merkwürdig aus den paar Zeilen gleich einen Autismus zu machen. Witzig ist dann aber, wenn man als Psychotherapeut schon in die Richtung denkt, Vorschläge zu machen, von denen man genau wissen müsste, dass ein Autist damit völlig überfordert wäre ...


@Gast

Ich kann dich da gut verstehen. Ich bin auch nicht der Mensch vieler Worte und die typischen Höflichkeitsfloskeln hab ich auch nicht drauf. Ich bin auch eher sehr ruhig.

Viele Menschen irritiert das und sie interpretieren es so, dass sie glauben, man wolle nicht mit ihnen reden und darum wird man als arrogant abgestempelt. Da ist auch so eine gewisse Angst dahinter, weil Menschen wie du und ich schwer einschätzbar sind.

Mir ist es egal, sollen die Leute glauben, ich wäre arrogant und doof. Die Menschen, die mir wirklich wichtig sind, die wissen, dass ich durchaus eine Menge zu sagen habe. Aber ich sage eben auch nur dann etwas, wenn ich was zu sagen habe. Im Gegensatz zu vielen, vielen Nervsäcken ('tschuldigung, aber mich nervt das wirklich). Und auf das, was ich sage, kann man sich auch verlassen.

Ich bin dafür ein sehr genauer Beobachter. Das scheint bei dir so ähnlich zu sein. Ich sage auch selten Danke. Es kann auch sein, dass ich das schon mal vergesse, wenn ich Geschenke bekomme. Aber ich denke mir, wenn ich über das ganze Gesicht strahle und mich freue wie ein Honigkuchenpferdchen, dann sind das ehrliche Gefühle und die drücken meine Dankbarkeit aus.

Ich hör sehr genau hin, wenn die anderen von dem erzählen, was sie sich so wünschen und was ihnen Spaß macht und irgendwann bekommen sie dann etwas von mir, was ihnen total Freude macht. Das ist meine Art, Danke zu sagen.

Höflichkeitsfloskeln sind genau das, Höflichkeitsfloskeln. Anerzogen. Vorhersehbar. Ich mag das nicht. Ich brauch kein Danke. Was ich sehen will, das ist das Leuchten in den Augen und dann geht es mir gut.

Bleibt also für dich die Frage, warum sind dir diese Höflichkeitsfloskeln nicht wichtig und kompensierst du das vielleicht auf eine andere, möglicherweise sogar viel ehrlichere Art? Und wenn du ein ruhiger Mensch bist, ja und? Wahrscheinlich kann man mit dir wunderschöne, tiefgehende Gespräche führen und die Menschen, die sich die Zeit nehmen, dich kennen zu lernen, die mal genauer hinschauen, sich wirklich für dich interessieren, die kommen dann in den Genuss eines Menschen, der es wirklich wert ist, dass man ihn kennt.

Ich mache mir da schon lange keine Gedanken mehr drum, wie ich bin, weil ich einfach gemerkt habe, dass es gut so ist. Ich kann vielleicht nicht das geben, was alle anderen geben, aber warum soll ich das auch noch geben, es machen doch genug andere. Ich bin eben einfach ich und wer zu mir kommt, der muss sich auf mich einlassen.

Außerdem ... ist doch auch schön, wenn man Menschen überraschen kann, so wie du diese Lehrerin.

Ich weiß nicht, ob du dich wirklich irgendwie ändern musst. Du hast eine Menge guter Eigenschaften. Warum diese aufgeben?


Tuesday
 
Naja, es gibt ja auch verschiedene Abstufungen von Autismus. Bei mir ist mal eine Art Asperger Autismus diagnostiziert worden. Ich konnte auch nie danke sagen, und war allgemein sehr ungesprächig, hatte es nicht so mit Mimik und Gestik, oder sagen wir mal meine Motorik insgesamt war nicht so besonders... wenn ich meinen Neffen bei den Hausaufgaben geholfen habe, hab ich auch nie ein "gut gemacht" rausbekommen.
Ich hatte wenig Interesse an meiner Umwelt und hab eher in meiner eigenen Welt gelebt.
Die Symptome könnten auch mit meinen Mobbing-Erlebnissen zusammenhängen, aber es war wohl eine Mischung aus beidem.
Ich war nur ein paar Mal bei der Psychologin, die die Diagnose damals aufgestellt hat, und dann hat sie sowas gesagt wie, naja, das geht wahrscheinlich von alleine wieder weg. Und sie hatte recht.
Ich kann Rainer nur Recht geben, man kann und sollte es üben, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Aber man sollte auch nicht auf biegen und brechen versuchen, sich zu verändern. Es dauert eben seine Zeit, bis man sich entwickelt und die sollte man sich auch lassen und sich nicht unter Druck setzen.
 

Gelinda

Sehr aktives Mitglied
Ich möchte Rainer voll Recht geben, jetzt mal ohne den Autismus oder so.

Mir ist eine Falte hinderlich: die soll wohl Zornesfalte heißen.

Da ich aber doch immerhin freundlich spreche, nach meiner Meinung und offenbar auch wirklich, denn ich werde sehr häufig gefragt, wieso ich denn so böse gucke.

So habe ich mir eine beschwichtigende Anwort zurechtgelegt: "Och, nach innen gucke ich ganz freundlich, daß ist nur die Sonnenabschirmfalte für die Augen - stört mich selber, kann ich leider nicht ändern. Aber nun wißt ihr s ja " . . . oder so ähnlich

Man muß sich wirklich auf so Standart/Kontaktfragen gerade bei so unangenehmen Dingen Antworten vordenken - glaube ich - und üben. Wen ich nämlich die Hälfte mit-der-Falte-und-dem-nicht-ändern-können "vergesse", kommt garantiert: "Na dann guck doch nach draußen genau so freundlich!"

FG Gelinda


Nachtrag: In einer Beziehung möchte ich Tuesday Recht geben: es bringt einem nicht so viel, ständig ein "Danke" zu hören, wenn man aber keine Anerkennung und/oder Dankbarkeit g e z e i g t bekommt oder das "gelebt werden" kann. z.B. bei regelmäßig immer wiederkehrenden "Tätigkeiten" kann ein ausdrückliches, sterotypisches Danke eine regelrechte Falschheit sein, wenn man denjenigen trotz dieses sage mal "Liebesdienstes" nicht wirklich akzeptieren mag.
Nach der Devise: Freundlichkeit ohne Liebe ist Heuchelei.

Nicht zu jedem Menschen steht man in solch einem Verhältnis, wo dieses Motto zutrifft. Deshalb ist ein "Danke" meist keine großartige Dankbarkeit, sondern mehr eine Geste der Anerkennung.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

Gast
Hallo Leute,

DANKE für eure Antworten. :D Ich muss zugeben, "danke" sagen passiert jetzt schon öfter und ganz unbewusst. Wie ich das geschafft habe, weiß ich leider nicht. Deswegen hilft es mir nicht, wenn man mir einach sagt: "Sei höflich.". Ich bräuchte Tipps, wie ich die Situationen und Menschen leichter wahrnehmen kann und mein Körper nicht so passiv reagiert. Wie gesagt, es geht hier auch um berufliche Sorgen. Deswegen ist es mir wichtig, wenigstens ein paar Dinge hinzubekommen. Und es hat mich schon damals genervt, wenn ich von den Erwachsenen ständig zurechtgewiesen wurde.

@ Rainer: Autismus zu diagnostizieren wäre aber schon ziemlich gewagt. Ich gebe zu, dass einige Symptome dort nicht allzu fern liegen. Dennoch ist es bei mir noch lange nicht so stark ausgeprägt. Mein Interesse besteht halt eher bei Leuten, die ich kenne. Neue Leute kennen lernen ist für mich echt ein Akt. Das funktioniert meist nur notgedrungen und durch Unterstützung eines Freundes. Allerdings habe ich an sich keine Angst davor. Den Kurs im Ausland habe ich zum Beispiel auf eigene Faust gemacht und durchgehalten. Nur kann ich mit anderen nicht so locker umgehen wie mit meinen Freunden. Meine Freunde sind immer auf mich zugekommen. Vielleicht hat das zu meiner reservierten Art beigetragen.

@ Tuesday: Ich habe mich auch immer eher als Beobachter kennen gelernt. Ich kannte jeden in meiner Umgebung und habe vieles mitgekriegt. Die Höflichkeitsfloskeln habe ich anfangs wohl aus Ungeduld und Bequemlichkeit weggelassen. Denn zu Hause bekam ich ja erst einmal alles (ich bin nicht reich, aber irgendwo auch verwöhnt worden... ist etwas kompliziert). Später hat sich das eingefahren. Allerdings war es mir auch unangenehm, wenn die Leute mir Komplimente machten oder sich bedankten. Mir war das immer zu viel. Heutzutage bin ich vielleicht auch schneller gerührt und ich will auch nicht lange fackeln: "Lieber gleich weiter machen, es gibt noch viel zu tun!". Ich schätze auch, dass ich anders kommunizieren kann. Ich brauche nicht immer Worte. Mit mir kann man auch gut schweigen oder versteckte Signale austauschen. Dass das allgemein schwer verstanden wird, habe ich schon mitgekriegt... -.-

Das mit dem Freuen über Geschenke geht übrigens kaum bei mir. Ich bin selten von etwas begeistert, dann kann ich aber auch nicht aufhören, zu grinsen. :D Man kann mich an sich auch schwer aus der Ruhe bringen.
 

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