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Brauche unbedingt eine Therapie weiß, aber nicht wie

White conejo

Neues Mitglied
Bin gerade wieder in einer ziemlich depressiven Phase, die meiner Zukunft im Weg steht.
War vor drei Jahren bereits in stationärer Therapie, war beim Jugendamt in eine Wohngruppe gekommen, musste aber dieses Jahr ausziehen.
Habe dieses Jahr mit einem Studium angefangen, merke aber dass ich noch Zeit für mich brauche und mich Dinge aus der Vergangenheit wieder einholen.
Fühle mich wieder wie ein hilfloses Kind, das seine Mutter braucht und das mit 21 Jahren.
Leider ist meine Mutter oft sehr kindlich, kann nicht wirklich für mich da sein...
Der Auslöser ist die Trennung meines Freundes, bin Hin und Her gerissen. Er hat sehr wahrscheinlich eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung, wie ich erst sehr spät erkannt habe...
Er hat mir meine ganze Kraft geraubt.

Ich weiß, dass ich unbedingt eine Therapie brauche, kann mich aber nicht aufraffen, weiß nicht wie ich vorgehen soll, weil ich gerade auch existentielle Probleme habe...
Es gibt so viele Baustellen, dass ich nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll.

Wisst ihr, wie ich am besten an eine Therapie komme und vorgehen sollte?
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Wisst ihr, wie ich am besten an eine Therapie komme und vorgehen sollte?
Hallo White conejo,
du kannst entweder über deinen Hausarzt eine
Überweisung bekommen oder direkt versuchen,
einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu
vereinbaren und der beantragt dann Therapie-
stunden für dich, wenn er das für sinnvoll er-
achtet.

Meist dauert es aber ein halbes Jahr oder länger,
bis es klappt, also für deine akuten Themen eher
nicht die ideale Lösung.

Was genau erwartest du dir von einer Therapie -
vielleicht gibt es da noch andere Wege zum Ziel?

Gruß, Werner

P.S. Wenn dir deine Kraft geraubt wurde - wie
bekommst du denn üblicherweise neue?
 

White conejo

Neues Mitglied
Ich hatte als Kind mehrere Traumata,
die sich quer durch mein Leben gezogen haben.
Meine Eltern haben sich getrennt als ich noch ein Baby war, nachdem sie sich ständig gefetzt hatten und ich auch nicht unverschont geblieben bin.
(Mein Vater wurde oft cholerisch, wenn ich angefangen habe zu weinen, hat mich angeschrien etc. was er auch bei meinen kleinen Geschwistern macht, deswegen glaube ich den Erzählungen meiner Mutter)
Seitdem haben sich meine Eltern immer gegenseitig bei mir schlecht gemacht und wollten mich auf ihre Seite ziehen, mich manipulieren.
Meine Mutter ist dann mit mir in eine Stadt 400km entfernt gezogen, dort war sie überfordert und ich wurde auch oft vernachlässigt (hygienisch und emotional) wenn ich Probleme hatte, wurden mir noch Vorwürfe dafür gemacht, dass ich sie hatte.
Z.B. wurde mir vor ein paar Jahren mein Handy geraubt und meine Mutter machte mir noch Vorwürfe,
dass ich es in der Öffentlichkeit benutzt hatte!
Mir wurde immer ein schlechtes Gewissen eingeredet und fühle mich auch heute für Dinge schuldig,
die ich nicht getan habe, und habe kaum ein Gefühl für meine eigenen Bedürfnisse, weil sie meist übergangen oder nicht beachtet worden sind. Kann mich sehr schlecht abgrenzen und fühle mich nicht frei.
Habe Anpassungsstörungen auf neue Situationen z.B. vor allem Angst vor Umzügen, hatte Angst auf der Straße zu landen, weil meine Mutter die Wohnung gekündigt hatte und wir erst eine Woche davor eine neue hatten, dazu permanent Geldsorgen, Ärger mit Vermietern, Handyverträgen.
Musste häufig als Ersatzmann fungieren und wurde mit in die Verantwortung gezogen, seitdem ich 12 war.
Mir wurden Vorwürfe gemacht, wenn ich gesagt hatte, dass ich nicht helfen kann, weil ich gerade für die Schule lernen wollte.

In der Wohngruppe vom Jugendamt konnte ich ein wenig zur Ruhe kommen und Sicherheit erfahren.
Jetzt fühle ich mich wieder ganz auf mich alleine gestellt und habe Angst vor den Problemen, die meine Mutter hatte. (Ich Kann z.B. die Miete nicht zahlen, weil mein Bafög-Antrag zu lange dauert, weil ich erst einmal die Belege meiner Mutter auftreiben musste, Jobcenter, Arbeitsamt, alter Arbeitgeber)
Mache mir zum Teil aber auch zu viele Sorgen, einfach aus den schlechten Erfahrungen...
Durch den Stress auch mit meinem Freund, wurde ich wieder depressiv und kann mich nicht auf das Studium konzentrieren, bräuchte mehr Zeit, die mir das Bafögamt nicht gibt (alles in Regelstudienzeit).

Hoffe, dass ich diese Erlebnisse in der Therapie verarbeiten kann,
meine Ängste abschwächen kann,
lerne mich abzugrenzen und wie man auf seine Bedürfnisse hört.
Habe auch ein erhöhtes Bedürnis nach Sicherheit, die ich mir selbst geben sollte...

Früher hatte ich mir Kraft durch Hoffnung gegeben, die ich in der Jugendeinrichtung hatte., dass alles besser werden kann, auch dass ich meinen Freund hatte, hatte mir Kraft gegeben.
Er war sehr verständnisvoll anfangs und konnte ihm Dinge erzählen, die ich keinem anderen anvertraut hatte.
Nur hatte er dann irgendwann angefangen, Besitzansprüche mir gegenüber zu haben, wurde sogar eifersüchtig wenn ich mich mal mit meinen Freundinnen traf. Hat Streit angezettelt, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen lief.
Früher hatte ich auch meine Betreuerinnen, die ich bei Problemen ansprechen konnte.
Hatte meine Freunde in der Schule, die für mich das einzige zu Hause war.
Meine besten Freundinnen sind inzwischen in anderen Unis bzw. umgezogen.
Fühle mich allein...
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Hoffe, dass ich diese Erlebnisse in der Therapie verarbeiten kann,
meine Ängste abschwächen kann,
lerne mich abzugrenzen und wie man auf seine Bedürfnisse hört.
Habe auch ein erhöhtes Bedürnis nach Sicherheit, die ich mir selbst geben sollte...
Diese Wünsche sind verständlich auf deinem Hintergrund.
Ich bezweifle allerdings, dass eine Psychotherapie das alles
leisten kann, vor allem in so kurzer Zeit, wie du das brauchst.

Ein bisschen eigenes Training wäre vermutlich angesagt. Du
brauchst ja nicht für alles einen Profi, weil du selbst sicher
sehr viele Kompetenzen hast oder sie dir z.B. durch Bücher
aneignen.

Früher hatte ich mir Kraft durch Hoffnung gegeben, die ich in der Jugendeinrichtung hatte., dass alles besser werden kann, auch dass ich meinen Freund hatte, hatte mir Kraft gegeben.
Hast du eine Idee, wie du dir das heute ersetzen kannst?
Für mich klingen deine Beschreibungen sehr danach, dass
du wenig Zutrauen in deine eigenen praktischen Fähigkeiten
besitzt. Je mehr du aber Krücken benutzt, desto weniger
werden deine eigenen Muskeln trainiert.
 

White conejo

Neues Mitglied
Die Psychotherapie hatte ich gedacht auch begleitend zu machen und sie nicht als Lösung aller meiner Probleme zu sehen. Habe nur gemerkt, dass ich manche Erlebnisse noch nicht verarbeitet habe und sich in Krisensituationen mir in den Weg stellen. Habe bereits in der Vergangenheit ein paar Bücher gelesen, die mich in mancher Hinsicht etwas bestärkt hatten.
Bin mir bewusst, dass ich für mich selbst verantwortlich bin, eigentlich bin ich auch ziemlich selbstständig.
Das einzige, was mir fehlt, ist eine Person der ich mich anvertrauen kann oder um Rat fragen kann, wenn ich nicht weiter weiß. Hat nicht jeder jemanden oder etwas das einem Halt gibt?
Es war einfach nur das Gefühl, nicht mit seinen Problemen völlig sich selbst überlassen zu sein.

Ich weiß nicht genau, was mir diese Kraft ersetzen könnte.
Was gibt dir denn deine Kraft?
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Die Psychotherapie hatte ich gedacht auch begleitend zu machen und sie nicht als Lösung aller meiner Probleme zu sehen.
Okay, das klingt angemessen und passend für mich.
Dann hatte ich das missverstanden.

Habe nur gemerkt, dass ich manche Erlebnisse noch nicht verarbeitet habe und sich in Krisensituationen mir in den Weg stellen.
Nach meiner Kenntnis der psychotherapeutischen
Forschung findet die "Verarbeitung" nicht in der
Therapie selbst statt, sondern sie macht nur - im
Erfolgsfall - dafür bereit, dass man die alten Sachen
im Hirn "überschreiben" kann; und das gelingt wohl
nur im realen Leben mit realen Menschen, d.h. in
echten Beziehungen auf Gegenseitigkeit und nicht
mit gekaufter Zuwendung.

Was wäre für dich denn anders, wenn du alles so
gut "verarbeitet" hättest wie möglich - also welchen
praktischen Unterschied im Alltag würde das bedeuten?

Habe bereits in der Vergangenheit ein paar Bücher gelesen, die mich in mancher Hinsicht etwas bestärkt hatten.
Ja, Bücher sind eine große Inspirations- und Kraft-
quelle. Vielleicht kann ich dir noch das eine oder
andere empfehlen, wenn ich deine Ziele besser ver-
standen habe. Was hat dir denn am meisten geholfen
bislang?

Bin mir bewusst, dass ich für mich selbst verantwortlich bin, eigentlich bin ich auch ziemlich selbstständig.
Das einzige, was mir fehlt, ist eine Person der ich mich anvertrauen kann oder um Rat fragen kann, wenn ich nicht weiter weiß. Hat nicht jeder jemanden oder etwas das einem Halt gibt?
Es war einfach nur das Gefühl, nicht mit seinen Problemen völlig sich selbst überlassen zu sein.
Klar, das ist völlig menschlich, dass man jemand für
den Austausch braucht, selbst wenn man ziemlich
selbständig ist. Geht mir auch so. Aber in manchen
Zeiten oder mit manchen Themen muss man eben
ohne diesen Luxus auskommen oder halt mal auf
einen bezahlten Zuhörer zurückgreifen.

Vermutlich wird es dir besser gehen, wenn du wieder
einen Partner gefunden hast oder einen guten Freund,
eine beste Freundin usw. - dafür kannst du ja durch-
aus auch etwas tun parallel zur Therapeutensuche.

Ich weiß nicht genau, was mir diese Kraft ersetzen könnte.
Was gibt dir denn deine Kraft?
Letztlich weißt man es so lange "nicht genau", bis man
verschiedene Sachen ausprobiert und es herausgefunden
hat. Ich tippe mal, dass Bewegung/Sport, gute Ernährung
und ausreichend Schlaf schon einiges an Kraft geben
könnten - aber das ist von Mensch zu Mensch verschieden
und vielleicht auch je nach Lebenssituation.

In deinem Alter bezog ich meine Kraft wohl noch viel aus
meinen religiösen Vorstellungen, aber auch aus einzelnen
wichtigen und nahen Freunden, zudem aus meinen Zielen
und - meinen Büchern! :) Auch die Musik gab mir Kraft,
einzelne Platten (gab es damals noch) konnte ich immer
wieder hören und daran auftanken. Dann mein Hobby (die
Kalligrafie), das war wie Meditation. Heute beziehe ich
auch viel Kraft aus der Natur, aus meiner Arbeit und aus
der Beziehung zu meiner Frau, die auch meine beste Freun-
din ist.
 

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