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Bin ich einfach nur zu feige meine Grenzen zu kommunizieren?

G

Gast

Gast
Hallo,

ich habe schon seit sehr langer Zeit das Problem, dass ich mich Männern gegenüber sehr schlecht abgrenzen kann. Dadurch
gerate ich immer wieder in (für mich) sehr unangenehme Situationen. Manchmal gelingt es mir, diesen Situationen noch rechtzeitig auszuweichen, ohne dass sie mich belasten. Aber jetzt ist es mir schon zum 2. Mal passiert, dass ich es zugelassen habe, dass meine Grenzen so weit überschritten wurden, dass es mich ziemlich stark belastet und ich immer wieder daran denken muss.

Um es konkret zu sagen: Mich hat ein Fremder auf einem Festival ( ja Alkohol war auch im Spiel, jedoch in Grenzen) immer wieder versucht unsittlich zu berühren. Zwar habe ich versucht, dieser Situaton aus dem Weg zu gehen, letztendlich habe ich mich aber doch wieder nicht getraut, das zu unterbinden und seine Berührungen versucht zu ignorieren. Im Gegenteil, ich war wie gelähmt und hatte das Gefühl, als müsste ich mich der Situation einfach hingeben und warten, bis sie vorüber ist oder er von selbst merkt, dass ich das nicht möchte oder er einfach wieder weg geht.
Um es vorweg zu nehmen, dieser Kerl hat mir sonst weiter nichts getan und ich kann ihm für seine "aufdringliche" Art ja auch keine Schuld geben, da ich ja nicht in der Lage war, meine Grenze zu kommunizieren. Im Gegenteil, ich bleibe immer noch höflich, auch wenn meine Grenze lange überschritten ist.
Allerdings belastet mich die Tatsache, dass mir sowas jetzt schon mehrfach passiert ist und ich mich danach immer für meine blöde Feigheit selbst verurteile anstatt einfach mal im Vorfeld den Mund aufzumachen. Es ist nicht so, als wäre ich ein sehr unselbsbewusser Mensch. Im Gegenteil, eigentlich kann ich mich in anderen Bereichen sehr gut durchsetzen. Nur eben in solchen Situationen nicht.
Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich, woran das liegen kann oder wie ich es schaffe, mich auch dahingehend mal durchzusetzen? Ich verstehe einfach nicht, warum mir meine Grenzen so egal sind, dass ich sie nicht einmal verteidigen kann, obwohl ich es mir immer wieder vornehme?
Geht es nur mir so oder gibt es noch jemanden der so ein Verhalten von sich kennt? Ist das noch normal? Was kann ich tun, um in solchen Situationen besser reagieren zu können?

Gruß
 

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Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Lieber Gast,

es gibt einige mögliche Ursachen für Dein Verhalten. Spontan fallen mir ein:

a) was Dich in bestimmten Situationen abstößt, zieht Dich gleichzeitig auch an
b) Dein Vater (oder auch z.B. Opa) war grenzüberschreitend und da Du ihn liebst (liebtest), bist Du gewohnt, so ein Verhalten zu akzeptieren
c) Du hast bestimmte Bedürfnisse oder Wünsche, die unbefriedigt sind. Dies müssen nicht unbedingt sexuelle Bedürfnisse oder Wünsche sein. In bestimmten Situationen wirst Du unbewusst daran erinnert und lässt zu...

d) die Menschen, die sich grenzüberschreitend verhalten, verkörpern etwas, was Du magst. Evt. ist es die Ausstrahlung.

etc etc...

LG, Nordrheiner
 
G

Gast

Gast
Lieber Gast,

es gibt einige mögliche Ursachen für Dein Verhalten. Spontan fallen mir ein:

a) was Dich in bestimmten Situationen abstößt, zieht Dich gleichzeitig auch an
b) Dein Vater (oder auch z.B. Opa) war grenzüberschreitend und da Du ihn liebst (liebtest), bist Du gewohnt, so ein Verhalten zu akzeptieren
c) Du hast bestimmte Bedürfnisse oder Wünsche, die unbefriedigt sind. Dies müssen nicht unbedingt sexuelle Bedürfnisse oder Wünsche sein. In bestimmten Situationen wirst Du unbewusst daran erinnert und lässt zu...

d) die Menschen, die sich grenzüberschreitend verhalten, verkörpern etwas, was Du magst. Evt. ist es die Ausstrahlung.

etc etc...

LG, Nordrheiner


Hallo Nordrheiner,

über die von dir aufgezählten Punkte habe ich auch schon einmal nachgedacht. Zu Punkt a.) kann ich mir selbst keine Antwort geben. Allerdings weiß ich ziemlich genau, dass es nicht mag, wenn ich mich solchen Situationen aussetze, ich es aber doch tue. Zu Punkt b.) kann ich nur sagen, dass mir über sowas nichts bekannt ist. Punkt d.) alles andere als das! Bleibt nun ja nur noch Punkt c.): Willst du damit sagen, dass ich mich unbewusst solchen Sitiationen aussetze, um einen unbefriedigten Wunsch in mir zu erfüllen? Eigentlich wünsche ich mir, dass ich es endlich schaffe solche Sitiationen zu vermeiden, da ich ganz schlecht damit zurecht komme. Ich fühle mich weder wohl dabei noch kann ich dem was passiert etwas positives abgewinnen. Zumindest nicht bewusst. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich mich, wenn auch unbewusst, absichtlich in solche Situationen begebe, denn sonst würde mich das doch nicht so sehr belasten, oder?
 
G

Gast

Gast
Von igendwelchen Ereignissen aus meiner Kindheit ist mir nichts bekannt und mir ist auch durchaus bewusst, dass ein fremder Mann einen nicht "einfach so" anpacken darf. Nun ist es ja aber so, dass das aus meiner Sicht einfach so passiert. Meistens komme ich mit den Personen in irgendein Gespräch, Smaltalk etc... Wenn ich dann merke, dass sie mehr wollen, als nur mit mir reden, dann bekomme ich es einfach nicht hin, meine Position zu vertreten. Mir gelingt es zwar oft, dass ich in solchen Situationen zu meinen Freunden flüchten kann und dann auch "ruhe" habe, sind diese aber nicht zur Stelle, dann passiert es mir immer wieder, das ich die Situation einfach aussitze. In der Regel verlieren die Männer dann auch schnell das Interesse an mir, wenn sie merken, dass ich auf ihre Berührungen und Anspielungen nicht eingehe. Jetzt ist es mir aber schon wieder passiert, dass mein "Aussitzen" wohl als okay gedeutet wurde... Und jetzt geht es mir total schlecht damit... Auf der einen Seite bin ich total enttäuscht von mir selbst, weil ich mich ja selbst solchen Situationen aussetze. Auf der anderen Seite habe ich immer wenn ich in so einer Situation stecke das Gefühl, dass ich dem Mann Unrecht tue, wenn ich ihn zurückweise. Das klingt seltsam, aber ja, das Gefühl habe ich, obwohl ich das nicht haben dürfte. Eher sitze ich die Situation aus. Hinterher könnte ich dann einfach nur heulen. Das ganze macht mich zunehmend unsicherer, da ich Angst habe, dass ich auch ein drittes Mal nicht deutlich genug meine Grenzen aufzeigen kann.
Warum das so ist kann ich mir einfach nicht erklären aber für einen Besuch beim Arzt erscheint mir mein Problem zu trivial, obwohl es mich sehr beschäftigt.
Einen Selbstverteidungskurs habe ich bereits gemacht, allerdings konnte ich in der konkreten Situation nichts davon umsetzen. Wie soll ich mich auch körperlich verteidigen, wenn ich in der Situation eher das Gefühl habe, dass ich es bin, die Unrecht tut? Das klingt doch alles total bescheuert, aber so ist es und ich kann mir nicht erklären, warum ich mich so verhalte?
 

Kaim Argonar

Mitglied
Eigentlich ganz simpel, was du beschreibst ist eine sog. "Schockstarre" , der Mensch reagiert evolutions bedingt auf gefährliche Situationen mit Flucht oder Konfrontation, ganz wenige können sich unbewusst nicht entscheiden und verharren regungslos bis die gefahr vorbei ist. Eine Lösung wäre Hypnose und ein selbstverteidigungs training, die alternative ist sich nicht mehr in solche situationen zu begeben.
 

Bergsteigerin

Aktives Mitglied
Hallo,

Auf der anderen Seite habe ich immer wenn ich in so einer Situation stecke das Gefühl, dass ich dem Mann Unrecht tue, wenn ich ihn zurückweise.
Ich denke, das uns dass hier auf die richtige Spur bringt. Dein Verstand weiß offensichtlich, dass es dein gutes Recht ist, NEIN zu sagen und solche Berührungen zurückzuweisen, oder? Aber dein Gefühl weiß das nicht... Dein Gefühl glaubt, das nicht zu dürfen... Warum? Kannst du da noch genauer in dich reinhorchen?

Stell dir vor, du sagst klipp und klar NEIN. Stell dir vor, du fauchst ihn an: "Nimm gefälligst deine Finger da weg!" Wie fühlst du dich dabei?

Noch ein Gedanke, der aber vielleicht auch ganz falsch sein kann (Ich hoffe, ich bring dich damit nicht auf eine falsche Fährte...): Kann es sein, dass irgendwas in dir sagt, du solltest sowas eigentlich gut finden? Ist da irgendwie eine Stimme, die sagt, du solltest dich doch eigentlich geschmeichelt fühlen, wenn dich jemand offensichtlich sexy findet? Ist da so ein Gedanke, dass eine Frau prüde oder verklemmt ist, wenn sie nicht (von jedem) angefasst werden will?

Viele Grüße
M.
 

Ondina

Sehr aktives Mitglied
Du solltest doch einmal den Gang zu einem Arzt antreten, denn das was du beschreibst klingt sehr danach als hättest du im Kindesalter schon erfahren, das du nicht NEIN sagen darfst. Das kann auch auf sehr subtile Weise passiert sein.
Da reichen schon Eltern welche ihren Kindern keine eigene Meinung zu billigen. Lass das mal durch einen Fachmann abklären. Oder es ist etwas in einem Alter passiert an das du dich nicht mehr Bewusst zurück erinnern kannst.
 

Bergsteigerin

Aktives Mitglied
Hallo,

noch ein Gedanke: Kann es (ganz allgemein) sein, dass dir Anerkennung und Wertschätzung (möglichst von jedem) sehr wichtig sind? Kann es sein, dass es übermäßig schwer für dich ist, wenn dich jemand nicht leiden kann, dich für nervig, zickig, anstrengend oder sonstwas hält? Hattest du schon früher oft das Gefühl, um Anerkennung kämpfen zu müssen?

Gruß
M.
 
B

Bohemia

Gast
Hallo,

ich habe schon seit sehr langer Zeit das Problem, dass ich mich Männern gegenüber sehr schlecht abgrenzen kann. Dadurch
gerate ich immer wieder in (für mich) sehr unangenehme Situationen. Manchmal gelingt es mir, diesen Situationen noch rechtzeitig auszuweichen, ohne dass sie mich belasten. Aber jetzt ist es mir schon zum 2. Mal passiert, dass ich es zugelassen habe, dass meine Grenzen so weit überschritten wurden, dass es mich ziemlich stark belastet und ich immer wieder daran denken muss.

Um es konkret zu sagen: Mich hat ein Fremder auf einem Festival ( ja Alkohol war auch im Spiel, jedoch in Grenzen) immer wieder versucht unsittlich zu berühren. Zwar habe ich versucht, dieser Situaton aus dem Weg zu gehen, letztendlich habe ich mich aber doch wieder nicht getraut, das zu unterbinden und seine Berührungen versucht zu ignorieren. Im Gegenteil, ich war wie gelähmt und hatte das Gefühl, als müsste ich mich der Situation einfach hingeben und warten, bis sie vorüber ist oder er von selbst merkt, dass ich das nicht möchte oder er einfach wieder weg geht.
Um es vorweg zu nehmen, dieser Kerl hat mir sonst weiter nichts getan und ich kann ihm für seine "aufdringliche" Art ja auch keine Schuld geben, da ich ja nicht in der Lage war, meine Grenze zu kommunizieren. Im Gegenteil, ich bleibe immer noch höflich, auch wenn meine Grenze lange überschritten ist.
Allerdings belastet mich die Tatsache, dass mir sowas jetzt schon mehrfach passiert ist und ich mich danach immer für meine blöde Feigheit selbst verurteile anstatt einfach mal im Vorfeld den Mund aufzumachen. Es ist nicht so, als wäre ich ein sehr unselbsbewusser Mensch. Im Gegenteil, eigentlich kann ich mich in anderen Bereichen sehr gut durchsetzen. Nur eben in solchen Situationen nicht.
Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich, woran das liegen kann oder wie ich es schaffe, mich auch dahingehend mal durchzusetzen? Ich verstehe einfach nicht, warum mir meine Grenzen so egal sind, dass ich sie nicht einmal verteidigen kann, obwohl ich es mir immer wieder vornehme?
Geht es nur mir so oder gibt es noch jemanden der so ein Verhalten von sich kennt? Ist das noch normal? Was kann ich tun, um in solchen Situationen besser reagieren zu können?

Gruß
Es ist nur normal, sich zu einem anderen Menschen hingezogen zu fühlen aber nicht zu allen. Vielleicht vermisst du eine Partnerschaft oder Nähe zu jemandem. Leider gibt es genug Männer, die so etwas ausnutzen. Die verstehen nicht, dass du solche Berührungen nicht möchtest, wenn du nichts sagst. Sage einfach: Lass das! Ich will das nicht! Höflichkeit ist da fehl am Platz, er hat nämlich auch keine Höflichkeit dir gegenüber, wenn er dich einfach immer wieder begrapscht. Ein korrekter Mann würde erst mal auf Nummer sicher gehen, dass die Frau das auch möchte. Aber durch nichts sagen, weiß er nicht, dass du es nicht möchtest. Niemand darf andere Menschen ungefragt anfassen. Wenn du nein sagst, ein- zweimal und er macht trotzdem weiter, dann hau ihm auf die Finger oder flüchte.
 
G

Gast

Gast
Stell dir vor, du sagst klipp und klar NEIN. Stell dir vor, du fauchst ihn an: "Nimm gefälligst deine Finger da weg!" Wie fühlst du dich dabei?
Ich fühle mich so, als hätte ich jemanden vor den Kopf gestoßen, der ja eigentlich nichts schlimmes von mir will. Ja es fühlt sich so an, als hätte ich einem Hungernden das Stück Brot verweigert, welches ich in der Hand halte.

Ich kann sehr gut damit umgehen, wenn mich jemand aus persönlicher Abneigung nicht leiden mag. Womit ich nicht so gut umgehen kann ist, wenn jemand, auf Grund eines Bildes von mir das nicht zutrifft, nicht mit mir zurecht kommt. Bei mir unbekannten Menschen trifft das dann ja aber nicht zu.
 

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