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Billiggesellschaft - Wie lange geht das noch gut?

G

gazelle

Gast
Es ist ja so. Alles soll billiger und nochmal billiger werden. Egal ob es um Dienstleistungen, Kleider oder Nahrungsmittel geht. Heute geht es bei den meißten Dingen nur noch um eines: Nämlich um den Preis. Das ist ja erstmal auch ganz toll. Das Problem ist jedoch daß um eine Sache billig(er) zu machen irgendwo auch gespart werden muß. Sei es am Personal, in der Fertigung oder Herstellung. Manchmal frage ich mich jedoch ob das auf Dauer überhaupt gut gehen kann.

Einige Beispiele:
Costa Concordia. Das gesunkene Schiff. Die meißten werden es ja mitbekommen haben. War in erster Linie Kapitänsfehler, klar. Doch jetzt habe ich gelesen daß unausgebildetes Personal auf dem Schiff angstellt war. Die Passagiere wurden nicht gebrieft, man hat ihnen noch nicht mal mitgeteilt wo ihre Schwimmwesten waren. Das Personal konnte zum Großteil lediglich italienisch sprechen, war selbst mit den Evakuierungsplänen und Sicherheitsvorkehrungen nicht richtig vertraut und verließ letztlich als erstes das Schiff. Ist hier qualifiziertes Personal zu teuer gewesen?? Aber Hauptsache die Ticketpreise sind für jedermann erschwinglich.

Diverse Fluggesellschaften:
Toiletten werden ausgebaut um mehr Passagiere mitnehmen zu können. Die Sitze werden immer enger, am Personal und Angebot wird sowieso gespart. Die Crews bis zur Erschöpfung verbraten, für Ausnahmesituationen sieht man sich nicht mehr zuständig. Aber dafür können wir alle für 200 Euro nach USA.

Krankenhäuser:
Vollkommen unterbesetzt. Ärzte die 24 Stundenschichten haben, wodurch natürlich Leichtsinnsfehler begünstigt werden oder Patienten nicht richtig versorgt werden. Krankenschwestern die sich für Hungerlöhne den Hintern aufreißen. Wo das Geld hingeht was hier gespart wird würde mich auch interessieren.

Ich frage mich nur ob es das eigentlich wert ist und wie lange das noch gut geht. Es ist doch klar daß nicht alles billiger werden kann ohne an Qualität zu verlieren, oder? Letztlich wird der Bürger selbst dafür aufkommen müssen. Sei es durch mangelnde Betreuung, mangelnde Sicherheit oder schlechte Ware.

LG, Gazelle
 

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S

Sonnenwind

Gast
Der Kunde ist König!
Und alles was der Kunde kauft, das wird ihm auch verkauft.

Wer heute noch behauptet nicht zu wissen, was alles hinter dem Begriff "billig" verborgen liegt und dass er selbst mit der ganzen Entwicklung nichts zu tun hat, der glaubt auch daran, dass Fischstäbchen auf Bäumen wachsen......
 

mikenull

Urgestein
Du hast noch vergessen zu erwähnen, daß dieses "billig" eben auch weltweit Arbeitsplätze kostet. Denn wer preiswert herstellen will, der nimmt eben nicht den "teueren" Menschen, sondern billige Maschinen.
 

Neko

Aktives Mitglied
Billig != Billig. Denn - wie du so schön sagst - durch die Fehler der Billigbesetzung und der daraus folgenden Schadensbehebung entstehen insgesamt viel höhere Kosten. Das ganze haben wir bei uns in der Firma auch und es geht uns allen gewaltig gegen den Strich! Doch es ist eine Firmenleitungs-Entscheidung und wir sind machtlos. Sch*** Gefühl! :mad:

Wert ist es das garantiert nicht, allerdings regiert das Geld nun mal die Welt und daher wird es wohl noch lange so weitergehen...

Sonnenwind meinte:
und dass er selbst mit der ganzen Entwicklung nichts zu tun hat
Mich würde interessieren, was ich - als einzelne Person - dagegen tun kann?
 

mikenull

Urgestein
Nichts. Nur hoffen das Zeiten und Parteien ( Regierungen ) kommen, die über den Tellerrand hinaus denken und - gerechter besteuern.
 
G

gazelle

Gast
Arbeitsplätze gehen selbstverständlich auch verloren. Wie gesagt, mangelndes oder unqualifiziertes Personal. Natürlich fordert es der Kunde erstmal. Aber ich bin mir manchmal ehrlich gesagt nicht so sicher ob der Kunde sich wirklich vorstellen kann warum das Zeug so billig ist...Das ist es ja eben. Wenn wir das ganze z.B mal anhand einer Flugreise messen: Der Kunde kommt mit seinem billigen Ticket an Bord. Dort muß er aber für Getränke und speißen extra zahlen. Dann ärgert er sich weil er glaubt daß er lediglich für den Service bezahlt. Tut er aber nicht. Er zahlt für Kerosin, Flugzeugwartung, etc...etc....! Wenn jetzt sein Ticket immer billiger wird sollte er sich doch eigentlich mal Gedanken machen, oder? Anhand einer Schiffsreise ist es weitestgehend dasselbe. Genauso auch bei Waren usw. Die meißten wissen überhaupt nicht wofür sie eigentlich bezahlen. Aber jeder will billig, billig, billig. Ich freu mich auch wenn was billig ist. Aber andererseits darf ich mich dann auch nicht aufregen wenn es von vorne bis hinten für den Eimer ist.
 

Selah

Aktives Mitglied
Im Kleinen kann man zumindest beim ganz normalen Lebensmitteleinkauf drauf achten, dass man z.B. beim Fleisch eben nicht das billigste Hähnchen von sonstwoher kauft, sondern vielleicht das etwas teurere vom Landwirtschaftsbetrieb aus der Region. Das sichert Jobs in der Region und hat dank kurzer Transportwege noch ne gute Ökobilanz. Dank diverser "Skandale" um Antibiotika im Fleisch ect. sind die Leute da ja meist sogar etwas sensibilisiert. Man kann "Fairtrade"-Produkte kaufen. Klar, letztlich verlässt man sich dabei darauf, dass hinter der "Marke" auch wirklich fair Gehandeltes steht. Dass sich hinter dem Biosiegel wirklich "glückliche Hühner" verbergen...

Ich kann zum Beispiel nachvollziehen, dass man nicht tausende Euro für einen Flug hinblättern will. Aber dass man sich bei Lebensmitteln um einen Euro mehr "streitet", will mir nicht so recht in den Kopf. "Formfleisch" und "Analogkäse" wird verkauft, weil die Leute es eben kaufen. Den Kreislauf kann nur jeder für sich durchbrechen.

Aber die Geiz-ist-Geil-Mentalität ist letztlich auch nur ein Ausdruck von Existenzangst, unter der viele Leute eben leiden. Ob zu Recht oder manchmal auch nur eingebildet, sei dahingestellt. Man spürt den Druck, "für schlechte Zeiten" sparen zu müssen. Also wird möglichst billig eingekauft.
Wobei ja mancher jetzt vielleicht mit dem Weltuntergang im Blick wieder etwas verschwenderischer wird;):D.
 

Neko

Aktives Mitglied
@Selah: Die "Billig"-Produkte kaufe ich schon allein wegen dem Gesundheitsaspekt nicht. Aber - du sprichst es bereits an - diese Siegel sind genau das Problem! Ich muss als Endverbraucher darauf vertrauen, dass es nicht alles nur Lug und Trug und Geldmacherei ist. Das gleiche Problem z.B. bei Naturkosmetik... Ist das drin, was versprochen wird? Bei Reisen: Ist die Reise/das Hotel wirklich "gut", nur weil es etwas mehr kostet? Ist das Fahrzeug wirklich besser für die Umwelt? All diese Unsicherheiten machen es schwer, sich für das "Richtige" zu entscheiden.
"Fairtrade"-Produkte sind mir bei den Märkten hier noch nie aufgefallen :confused: Muss ich mal beim nächsten Einkauf bewusst drauf achten.
 
N

Nickel

Gast
Krankenhäuser:
Vollkommen unterbesetzt. Ärzte die 24 Stundenschichten haben, wodurch natürlich Leichtsinnsfehler begünstigt werden oder Patienten nicht richtig versorgt werden. Krankenschwestern die sich für Hungerlöhne den Hintern aufreißen. Wo das Geld hingeht was hier gespart wird würde mich auch interessieren.
Hallo gazelle,

ja das habe ich mich auch gefragt. Und ich finde das Problem sehr vielschichtig. Denn höhere Preise sind für mich nur dann ok, wenn das Geld auch wirklich da ankommt wo es hingehört. Warum sind denn die Krankenhäuser unterbesetzt? Wir bezahlen ja nicht zuwenig Krankenkassenbeiträge. Das Problem ist, warum müssen Krankenhäuser Gewinne erwirtschaften? Ärzte schuften, damit Aktionäre sich den Bauch prusten lassen können. Das ist doch krank! (Ja, Asklepios ist eine AG.)

Ein schönes Beispiel von vor hmm 2, 3 Jahren: Milch wird im Supermarkt verscherbelt (bitte, wer achtet denn bei Milch auf 5 Cent, wenn Süßigkeiten für 3-5 Euro pro Packung gekauft werden?), die Milchbauern können nicht mehr von dem Erlös leben. Proteste. Lidl erhöht sofort die Preise, sie sind ja so gut zu den Bauern :) ... leiten aber nichts von dem Überschuss weiter.

Ich bin nicht bereit, einen höheren Preis zu zahlen, wo dann nur die Aktionäre von profitieren, aber die arbeitende Bevölkerung trotzdem immer weiter beschnitten wird.
Bin nicht bereit, habe aber noch keinen Ausweg gefunden... für den Wochemarkt habe ich keine Zeit. Fleisch esse ich so selten, das macht den Fleischer auch nicht reich. Irgendwie sehe ich keinen Ausweg - leben muß ich ja auch irgendwie.

Und diese Geiz ist Geil Mentalität ist doch nur vorgeschoben. Die Menschen sind verschwenderisch wie nie zuvor! Sie sind nicht geizig. Sie sind nur stumpf und folgen dem Konsumwahn, der eben grade auch vorgibt, daß man vielvielviel aber billigbilligbillig einkauft. Nicht günstig, billig. Ich finde, das ist weit von Geiz entfernt.
Dazu ein kleines Beispiel: Eine junge Mutter mit ihrem Kind in der Karre, die ihren Mann durch den Laden scheucht. Es wird ohne drauf zu achten sehr deutlich, daß jeder Cent gespart wird. Aber der Badewannenpuster (wie heißt das ding, daß so ein Sprudelbad immitiert?) der MUSS mit. Er versucht sich zu wehren, sie wird zickig und setzt sich durch. Sorry, so ein Verhalten ist für mich nicht geizig (dann hätte sies nicht gekauft) sondern einfach nur hohl (in vielerlei Hinsicht, das möcht ich aber nicht ausführen).
Ich könnte jetzt gern noch weiterspinnen, warum dieses Verhalten vom Markt so gewünscht und den Menschen anerzogen wird, aber ich muß jetzt leider weg. :)
 

mikenull

Urgestein
Das Problem besteht leider auch darin, daß allein "ich bezahle etwas mehr fürs Essen" oft gar nichts bringt - und nur die Taschen der Verkäufer zusätzlich füllt. In unzähligen Tests erfahren wir ja, daß z.B. die Produkte beim Discounter nicht unwesentlich schlechter sind, als Markenware. Ja, oft diesselbe Ware vom selben Hersteller ist.
Ich glaube eben, daß unser Aufschrei viel zu spät kommt. Die Hersteller, der Handel hat schon frühzeitig die Weichen so gestellt, daß wir heute nur noch wenig nachvollziehen können, was und wo, wie hergestellt wird. Und der Gesetzgeber hat ein übriges dazugetan, in dem er Verschleierungen aller Art zuläßt. ( Gestern Abend war es ja wieder zu sehen. Das Wiesenhof-Emblem das uns Tiere auf herrlichen Wiesen vorgauckelt - Tiere die überhaupt nie ein Tageslicht gesehen haben )
 

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