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Beziehungsprobleme - Ich bekomme mich einfach nicht in den Griff

Stanley3010

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin ein wenig verzweifelt. Ich bin seit über 2 Jahren mit meiner Freundin zusammen, wir haben schon immer Streitigkeiten gehabt, die sich durch die Monate gezogen haben.
Ich habe vor allem das Problem bei Kleinigkeiten durch die Decke zu gehen, obwohl ich genau weiß, dass sie mir nichts böses will, sondern viel mehr eine Verbesserung erreichen will, sodass Fehler nicht mehr auftreten. Finde ich auch völlig in Ordnung, allerdings erst im Nachhinein, im ersten Moment ziehe ich erstmal "ne Fresse". Wenn dann noch mehr zueinander kommt werde ich auch gerne mal laut, mich stört es einfach dass ich nicht die Ruhe behalten kann.
Ich habe auch schon eine Therapie gemacht, ich habe 10 Sitzungen besucht und mir ist aufgefallen, reden kann ich gut, ich kann auch sagen, wie ich mir welche Situation wann vorstelle, aber sobald eine solche Situation wirklich eintritt ist alles wie vorher. Ich erkenne mich selbst nicht mehr. Nach den Streitigkeiten rede ich auch mit meiner Freundin darüber, hier die gleiche Situation, reden ist einfacher als umsetzen.
Diese Art belastet die Beziehung mittlerweile, ich will mich einfach unter Kontrolle haben und auch mal sofort in der Situation realisieren, dass überhaupt nichts schlimmes passiert ist.
Ich habe in meinem Freundeskreis nach meiner Ansicht nicht die richtigen Freunde, die mir in so einer Situation helfen können, daher bin ich ziemlich auf mich alleine gestellt und suche hier eine Hilfe bzw. Tipps.
Dazu enge ich sie sehr ein und beschränke mein Leben ziemlich auf meine Partnerin, das tut der Beziehung auch nicht besonders gut.
Habt ihr Tipps und Ideen für mich?
Bzw. suche ich auch Personen mit denen ich mich austauschen kann, was so gerade an den Tagen passiert um direkt Rat zu bekommen, vielleicht findet sich hier ja jemand.

Vielen Dank.
 

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Nordrheiner

Urgestein
Guten Abend, Stanley,

in der Regel sollte Selbstdisziplin ausreichen, um auch in Situationen der Meinungsverschiedenheit oder in problematischen Situation - wenn mal nicht alles rund läuft - nicht die Kontrolle über sich zu verlieren.

Selbstdisziplin - wenn man sie nicht hat - will geübt werden.

Jedoch auch wenn Du Selbstdisziplin übst, wird es Dir schwer fallen, selbstdiszipliniert und eben ruhig zu bleiben, wenn Du eine falsche Grundeinstellung zu Dir und zu den Menschen hast.

Als hinderlich empfinde ich eine Grundeinstellung,

1) ...bei der Du eine Besitzhaltung einnimmst. Der Mensch gehört Dir oder wird wie ein Besitz ähnlich betrachtet. Und ein Besitz hat nun mal zu tun, was der Besitzer will. Widerspruch wird als Auflehnung "gegen den Herrn" empfunden.

2) ... bei der Du unsicher bist, evt. Verlustängste in Dir hast und daher gerne die Kontrolle über andere Menschen übernimmst. Abweichungen von dem, was Du gerne hättest, kannst Du nicht verkraften mit der Folge, dass Du ausrastest.

3) ... bei der Du Bescheidenheit und Respekt gegenüber dem anderen Menschen eher im Fremdwörterlexikon suchst. Deine Grundeinstellung wäre bei mangelnder Bescheidenheit die, dass Du Dich als wichtiger nimmst, als Du wirklich bist. Mit anderen Worten: Wenn mangelnde Bescheidenheit und ggf. mangelner Respekt zutreffen, sieht es so aus, dass Du ein hochmütiger Mensch bist. Und so eine Höherstellung (überzogene Aufwertung) der eigenen Person führt dazu, dass jedes Verhalten des "niedriger stehenden Menschen" (=gemäß Deinen Empfindungen) geahndet bzw. (durch Worte und Ton) bestraft wird.

Ich vermute, in Deinem Herzen kämpfen zwei verschiedene "Personen" um die Herrschaft. Das macht es auch so schwierig, selbst in Situationen, in denen nicht alles rund läuft, ruhig und gelassen (diszipliniert) zu bleiben. Und wenn Du auch noch undiszipliniert bist, ist der Elefant, den Du aus der Mücke gemacht hast, vorprogrammiert. In dem Fall tut mir Deine Freundin besonders leid.

Ich hoffe, meine Gedanken helfen Dir weiter.

LG, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:

Stanley3010

Neues Mitglied
Hallo Nordrheiner,

du sprichst mir aus der Seele. Alle Punkte, die du anführst passen perfekt auf meine aktuelle Situation.
Mich plagen im speziellen starke Verlustängste.
Wie kann ich diese Selbstdisziplin erlernen, sodass nicht nur tolle Worte dabei rauskommen, sondern auch endlich Handlungen daraus folgen?

Viele Grüße
Stanley
 

Nordrheiner

Urgestein
Hallo, Stanley,

Verlustängste haben meistens eine Ursache, die mit einem oder mit mehreren unangenehmen Erlebnissen in der Kindheit zusammenhängen. Wenn das zutrifft, dann hast Du diese Verlustangst in der Kindheit erlebt und Dein Gehirn hat Maßnahmen „ausgearbeitet“, um mit der Angst fertig zu werden. Du hast also Handlungsanweisungen gespeichert, die damals richtig gewesen sein können, die aber heute völlig falsch sind.

Wenn Du in Deutschland bei Sturm und Regen spezielle Regenkleidung anziehst und in Gummistiefel rumläufst (Vergangenheit), dann ist das ok – aber bei einer Wanderung durch die Wüste (Gegenwart und Zukunft) völlig unpassend. Wie unpassend es ist, merkst Du daran, dass Streit anstelle von Harmonie besteht.

Zunächst – so vermute ich – wirst Du Dir Deine Ängste bewusst machen müssen. Du darfst und solltest Dir deutlich sagen: „Ich habe Angst davor, dass ….“ Und Du darfst auch mit Deiner Freundin über Deine Ängste sprechen. Was Du so an das Tageslicht holst, kann nicht mehr im Verborgenen sein Unwesen treiben.

Du darfst nur nicht das tun, was aus Gewohnheit Dein Gehirn Dir als Handlungsanweisung vorschlägt. Im Automatismus steckt die Gefahr.

Ich empfehle Dir folgendes:

Tipp 1: Mensch, ärgere Dich nicht
Schritt 1: Erstelle Dir eine Kartei oder eine Liste mit möglichst allen Situationen, in denen es zu Streit kommt. Bsp. A: Eine CD geht kaputt.
Schritt 2: Dann schreibst Du auf, wie Du gerne handeln möchtest und was Du sagen willst.

Beispiel: Schade, dass sie kaputt ist. Aber das ist kein Problem. Den Ärger schlucke ich runter und dann kaufe ich mir bei Gelegenheit eine neue. Es ist ja nur eine CD und keine teure 1 Mio € Ming-Vase aus China.
Und wenn der Ärger über die kaputte CD nicht verschwindet, dann sagst Du Dir mindestens 10 x auf: Ach wie blöd, dass ich mich darüber auch noch ärgere. Geht der Ärger immer noch nicht weg, dann wiederholst Du diese Übung – und zwar solange, bis Du es leid bist, diesen Satz zu wiederholen und Dein Ich lieber darauf verzichtet, sich zu ärgern.

Evt. fragst Du Deine Freundin, ob Dein eigener Handlungsvorschlag ihr gefällt oder ob ihr sogar noch eine Verbesserung, eine bessere Formulierung einfällt. Und so arbeitest Du Dich von Situation zu Situation. Und die „neuen“ Handlungsanweisungen sowie Sätze lernst Du auswendig.

Selbstdisziplin lässt sich nicht wie eine Vokabel lernen. Es bedarf Übung. Übung macht den Meister. Also ist Fleiss angesagt. So überschreibst Du früher gespeicherte und heute falsche Handlungsanweisugen durch neue Handlungsanweisungen ab.

Dir muß nur klar sein: Wenn Du nicht fleissig bist, macht Deine Angst alles kaputt, was Du schön und gut findest.

Wir Menschen wollen Sicherheit und Kontrolle. Sicherheit und Kontrolle geben uns das Gefühl, dass wir alles im Griff haben. Aber das ist ein Irrtum. Wir können z.B. auf die Zigarette verzichten – und doch bekommen viele Nichtraucher Lungenkrebs. Der liebste Mensch an unserer Seite kann morgen die Entscheidung treffen, ohne uns alleine auf einer Insel zu leben. Wie bitte soll die Verlustangst in beiden Fällen eine Hilfe sein? Es gibt noch 1.000 andere ähnliche Beispiele. Immer wird es so sein, dass die Verlustangst NULL Hilfe ist und Dich immer zu den falschen abgespeicherten Handlungsanweisungen greifen lässt.

Wäre es nicht viel besser, Du würdest für Harmonie sorgen – damit Du so viel wie möglich geniessen kannst? Und Deine Partnerin auch!!!

Eine Partnerschaft ist eine Wohlfühlgemeinschaft. Fühlt man sich nicht mehr wohl, kommt es irgendwann zur Trennung. Damit hat die Verlustangst mit ihren falschen Handlungsanweisungen genau das bewirkt, was Du vermeiden wolltest.

Tipp 2) Und dann empfehle ich Dir, dass Du Dir Bücher besorgst, in denen bescheidenes Verhalten gut beschrieben wird. Gute Stellen (schöne Formulierungen) schreibe heraus! Mache Bescheidenheit zu einer kleinen Wissenschaft.

Tipp 3) Liebe üben
Besorge Dir das Buch von Erich Fromm: Die Kunst des Liebens
Lies es gemeinsam mit Deiner Freundin und besprich es mit ihr. Überlegt Euch Handlungen, die ihr auf Grund des Buches gelernt habt und setzt sie um.


Und wenn Du alles – wirklich alles – getan hast und sich immer noch keine wesentliche Verbesserung ergeben hat, dann komm wieder. (Ich vermute jedoch, dass das nicht passieren wird.)

Alles Gute, viel Erfolg,
Nordrheiner

 

Zebaothling

Sehr aktives Mitglied
Ich versuche Dir nur eine Sache zu sagen.
Stzell Dir vor jemand rennt auf Dich zu wild wedelnd mit den Armen, gesektem Kopf, schreiend , er will Dich umrennen.

Betrachte die Situation so wie sie ist, Du sagst : " Was Du willst mich umrennen , komm her , versuchs doch Du rennst mich nicht um, Du Schwächling"

Es gibt einen Aufprall der Dich nur etwas erschüttert, aber er schafft es nicht Dich umzurennen.

Du sagst Du willst die Eskalation ( den Aufprall) vermeiden, weil Dir nachher klar wird es ist unnötig gewesen stehenzubleiben,es hätte nicht sein müssen, ihr hättet auch miteinander reden können.

Was ich Dir klar machen will, Du bist in der Situation auch in der Lage einen Schritt zur Seite zu machen, machst Du einen Schritt zur Seite , rennt der ins Nichts.
Solange Du aber denkst Du musst stehenbleiben um etwas zu beweisen, solange wird es diesen Aufprall geben.

Mach einen Schritt zur Seite , lass ihn ins Leere laufen , wer "er" ist ???

Er ist der kleine Schweinehund, der der die Angst hat und nicht das Vertrauen, der der sich bestohlen sieht und nicht der der verschenkt, der der die Begierde hat und nicht die Güte , der der hasst und nicht liebt, der der disharmonisch ist und nicht der harmonische Stanley.

Lass in ins Leere laufen ....einfach an Dir vorbei ....immer und immer wieder ....bis er begriffen hat ...sich mit Dir zu messen bringt nichts ...Du bietest ihm keine Angriffsfläche, sondern wirst einen Schritt zur Seite machen.

Wenn Du innerlich wütend wirst, nimmst Du schon den festen Stand ein, gehst leicht runter die Schulter nach vorn, nimmst die Arme hoch, nach vorne mitden Händen um dem Aufprall standzuhalten, den Stier bei den Hörnern zu packen.

Du weißt doch das Du stärker bist, also werde selbstsicher , wenn Du weißt Du könntest stehenbleiben, kannst Du auch einen Schritt zur Seite machen .

Viel Glück.
 
K

Kassenzettel

Gast
Man merkt es schlecht, wenn man sich wieder in etwas hineinsteigert, obwohl man das nicht tun wollte. Wenn man es erkennt, ist es schon zu spät und ein Gespräch unmöglich.

Mach mit deiner Freundin ein Wort oder ein Handzeichen aus, wann immer es passiert und halt dann einfach mal den Schnabel, verlasse für 5 Minuten den Raum. Komm runter, atme durch, sortier deine Worte und versuch es dann nochmal, entspannt. Es wird dir dabei helfen deine Emotionen besser kennenzulernen und zu kontrollieren. Du musst dich allerdings auch konzentrieren und darfst dich nicht nur auf ihr Zeichen verlassen. Arbeite aktiv daran und lerne dich zu zügeln.
 

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