Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Beziehung mit einem sexuell missbrauchen Mann

Lilane 68

Mitglied
Hallo,

Ich führe seit fast 2 Jahren eine Beziehung mit einem Mann der als Kind sexuell missbraucht wurde. Ich weiss es erst seit einem 1 ca. Seit dem muss ich ständig auf passen was ich sage und tue. Ich kann ihn ja verstehen aber für mich ist das sehr schwierig, denn alles was ich nicht mal ansatzweise in diese Richtung meine fasst er so auf. Heute gab es einen heftigen Streit weil ich meine Hand auf seinen Schenkel tat und meinte er soll doch jetzt runterkommen. Er macht sowas ständig bei mir. Doch nach dem ist er völlig ausgeflippt und aus der Wohnung abgehauen. Ich bin es langsam leid denn so läuft es ständig. Kann mir jemand Tipps geben oder sagen was ich tun soll?
 

Anzeige(7)

Kylar

Sehr aktives Mitglied
Ich kann ihn ja verstehen aber ...

Hi,
ist dir denn auch als Kind sowas passiert, oder hast du dich mal genau damit auseinandergesetzt was sexueller Missbrauch in der Kindheit mit einem Menschen anstellen kann? Zum Beispiel das du dich mit Beratungsstellen von Opfern für sexuellen Missbrauch ausgetauscht hat oder sonstwo mit Menschen tiefgehend darüber gesprochen hast, was solche Taten anrichten?
Die sind für Erwachsene schon schwer zu verarbeiten. Bei Kindern bleiben da oft sehr schlimme Schäden zurück, die oft selbst mit einer Therapie nie wieder ganz weggehen.

Eine Beziehung mit so einem traumatisierten Menschen, grad wenn er keinen Therapeuten zur Seite hat, erfordert viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Fingerspitzengefühl. Und selbst dann können Situationen auftreten, wie Gesten oder Worte von dir, die deinen Freund triggern. Das heißt er wird durch irgendetwas an die Tat damals erinnert und reagiert dann entsprechend. Was er dann nicht tut, weil er dich ärgern will oder weil er doof ist, sondern eben weil er sehr, sehr stark verletzt wurde und als Kind durch etwas geschädigt, was ihn so wirklich wohl nie im Leben ganz loslassen wird und wogegen er immer kämpfen müssen wird.

Als Rat würde ich dir mitgeben erst mal zu überlegen, ob es dir dieser Mann unter diesen Umständen wert ist, die Beziehung mit ihm weiterzuführen, wenn du es jetzt schon leid bist. Denn es wird wohl nie so werden, dass dieser Mann sich einfach nur "zusammenreißen" muss und dann wird alles gut. Wenn er seine Vergangenheit nicht weiter aufarbeiten will und sich nicht therapeutische Hilfe holen möchte, dann wird das was du schilderst wahrscheinlich so bleiben. Und du wirst da auch nichts für ihn tun können, außer seine Reaktionen, wenn er getriggert wird nachsichtig aushalten. Das könntest du eine Zeit machen, aber sicher nicht für immer. Das wäre weder für dich, noch für deinen Freund gut.
Daher denke ich, wenn du dich für die Beziehung entscheidest, wäre es für deinen Freund wichtig , einen Therapeuten zu suchen, der diese schlimme Tat mit ihm aufarbeiten kann. Und für dich auch wichtig, wirklich nochmal zu verstehen, was deinem Freund da passiert ist und was das mit ihm macht. Durch Gespräche mit Beratungsstellen oder Betroffenengruppen von Menschen, mit traumatisierten Partnern.
Eine Beziehung würde auf jeden Fall "arbeitsintensiv", sowohl für dich als auch für ihn, und ihr solltet da wirklich ein eingeschworenes Team sein und euch aufrichtig lieben, damit ihr das schafft. Musst du selber wissen, wie entschlossen du da bist es anzugehen. Und auch schauen, wie entschlossen dein Partner ist. Will der alles beim Status Quo belassen, würde deine einseitige Entschlossenheit auch nichts bringen.

Es ist auch wichtig für dich den Spagat zu finden zwischen Nachsicht und Geduld für den Partner, weil ihm sowas schlimmes, prägendes passiert ist, und für sich selber einzustehen. Denn gefallen lassen, musst du dir natürlich auch nicht alles.

Ich wünsche dir und deinem Freund auf jeden Fall alles Gute, egal wie die Sache ausgeht.
 
D

Die Katze

Gast
Sexuellen Missbrauch bei Jungen und Männer ist oft schwieriger als man zunächst denkt.

Während Mädchen und Frauen nach so einen Ereignis "Opfer sein dürfen", gibt es wohl beim männlichen Geschlecht noch ein gewisses Stigma Opfer von sexueller Gewalt zu sein. Von wegen er sei ne Schw****, P*ssy, oder es wird ihn nicht mal geglaubt, weil "er ist ein Mann, er hätte sich wehren können, wie schwach ist das denn?"

Dein Partner hatte es als Kind wenig Rückhalt gehabt und frisst das Thema schon seit Jahrzehnten in sich rein. Du kannst noch mal das Gespräch suchen und ihn sagen was dein Eindruck ist und du dich dementsprechend um ihn sorgst.
 

Schroti

Sehr aktives Mitglied
ch führe seit fast 2 Jahren eine Beziehung mit einem Mann der als Kind sexuell missbraucht wurde. Ich weiss es erst seit einem 1 ca. Seit dem muss ich ständig auf passen was ich sage und tue.
Im ersten Jahr, als er dir noch nichts von dem Missbrauch erzählt hatte, konntest du dich ganz unverkrampft verhalten? Seit seiner Erklärung verlangt er Rücksichtsnahmen aus dem Nichts heraus und hellseherische Fähigkeiten?
Heute gab es einen heftigen Streit weil ich meine Hand auf seinen Schenkel tat und meinte er soll doch jetzt runterkommen. Er macht sowas ständig bei mir. Doch nach dem ist er völlig ausgeflippt und aus der Wohnung abgehauen.
Kann er generell keine Kritik vertragen? Benutzt er die "Missbrauchs-Karte", um dich mundtot zu machen?
Das tut er nicht und in seinen Augen hat er es verarbeitet.
Da er keine Therapie will und alles verarbeitet hat, gibt es auch keinen Anlass mehr für besondere Rücksichtnahmen.

Ich würde mich keinen Tag länger so behandeln lassen.
Dafür ist das Leben zu kurz.
 

Knirsch

Aktives Mitglied
Den Aspekt, dass du erst "aufpassen" musst, seit du es weißt, würde ich auch gerne noch mal beleuchten.
Was heißt das genau im Vergleich zu vorher?
Hat er sich vorher schon so verhalten und du wusstest einfach nicht wieso?
Wie beurteilt er selbst den Unterschied zu vorher?
Hat er da Dinge, die ihn getriggert haben, in sich hineingefressen und versucht zu ignorieren?
Oder ist es tatsächlich der Faktor, DASS DU ES WEIßT, der für ihn auch einen gehörigen Unterschied macht?

Dass muss nicht bedeuten, dass er da was ausnutzt oder die "Missbrauchskarte" spielt. Es kann auch bedeuten, dass er sich unterbewusst dafür schämt vor dir als Opfer dazustehen oder Ähnliches. Und es kann bedeuten, dass er nun, da du es weißt, dein Verhalten anders beurteilt, also denkt, dass DU dich anders verhältst oder dein Wissen sogar ausnutzt. Das heißt nicht, dass es so ist, aber es könnte ihm so vorkommen.
Ich habe das schon einmal gehört, dass die Beziehung eigentlich normal wirkte, bis der Mann sich seiner Partnerin mitgeteilt hat und fortan jeden Blick von ihr als "mitleidig" empfunden hat und jede Berührung als "rücksichtslos", da sie es nun weiß. Es ist eine Sache so ein Erlebnis als verarbeitet zu erklären, eine andere Sache, wenn hinzukommt, dass man die Partnerin eingeweiht hat. Auch das muss irgendwie verarbeitet werden.
Wie genau sowas geschehen kann, weiß ich auch nicht. Bei besagtem Paar war es letztendlich so, dass er sie ihm Laufe der Therapie verlassen hat und gegen eine Frau getauscht, die es nicht weiß. Letztere Formulierung stammt sogar von ihm.
Ich würde mich da auch fragen, ob du diesen sicher beschwerlichen Weg zu Ende gehen willst. Es kann sein, dass es für immer so bleibt. Mit einer Erwartungshaltung kommt man hier vermutlich auch nicht weit.
Heftig. Für euch beide.
Dass es bei Männern noch einmal was anderes ist, kann ich mir auch durchaus vorstellen und habe ich immer wieder gelesen. Nicht nur, dass das "Opfer sein" bei Männern verpönt ist, es kommt je nach Konstellation auch oft zu anderen Stigmata wie der Frage, ob man sich nicht mit dem Täter identifizieren kann, wenn er auch ein Mann ist, ob man vielleicht homosexuell ist und und und.
 

Lilane 68

Mitglied
Den Aspekt, dass du erst "aufpassen" musst, seit du es weißt, würde ich auch gerne noch mal beleuchten.
Was heißt das genau im Vergleich zu vorher?
Hat er sich vorher schon so verhalten und du wusstest einfach nicht wieso?
Wie beurteilt er selbst den Unterschied zu vorher?
Hat er da Dinge, die ihn getriggert haben, in sich hineingefressen und versucht zu ignorieren?
Oder ist es tatsächlich der Faktor, DASS DU ES WEIßT, der für ihn auch einen gehörigen Unterschied macht?

Dass muss nicht bedeuten, dass er da was ausnutzt oder die "Missbrauchskarte" spielt. Es kann auch bedeuten, dass er sich unterbewusst dafür schämt vor dir als Opfer dazustehen oder Ähnliches. Und es kann bedeuten, dass er nun, da du es weißt, dein Verhalten anders beurteilt, also denkt, dass DU dich anders verhältst oder dein Wissen sogar ausnutzt. Das heißt nicht, dass es so ist, aber es könnte ihm so vorkommen.
Ich habe das schon einmal gehört, dass die Beziehung eigentlich normal wirkte, bis der Mann sich seiner Partnerin mitgeteilt hat und fortan jeden Blick von ihr als "mitleidig" empfunden hat und jede Berührung als "rücksichtslos", da sie es nun weiß. Es ist eine Sache so ein Erlebnis als verarbeitet zu erklären, eine andere Sache, wenn hinzukommt, dass man die Partnerin eingeweiht hat. Auch das muss irgendwie verarbeitet werden.
Wie genau sowas geschehen kann, weiß ich auch nicht. Bei besagtem Paar war es letztendlich so, dass er sie ihm Laufe der Therapie verlassen hat und gegen eine Frau getauscht, die es nicht weiß. Letztere Formulierung stammt sogar von ihm.
Ich würde mich da auch fragen, ob du diesen sicher beschwerlichen Weg zu Ende gehen willst. Es kann sein, dass es für immer so bleibt. Mit einer Erwartungshaltung kommt man hier vermutlich auch nicht weit.
Heftig. Für euch beide.
Dass es bei Männern noch einmal was anderes ist, kann ich mir auch durchaus vorstellen und habe ich immer wieder gelesen. Nicht nur, dass das "Opfer sein" bei Männern verpönt ist, es kommt je nach Konstellation auch oft zu anderen Stigmata wie der Frage, ob man sich nicht mit dem Täter identifizieren kann, wenn er auch ein Mann ist, ob man vielleicht homosexuell ist und und und.
 

Lilane 68

Mitglied
Ja vorher hat er sich anders verhalten und mittlerweile wie du schreibst meint er ich spiele die Karte aus bei ihm was aber nicht der Fall ist. Mittlerweile muss ich schon fragen ob ich ihn berühren darf zb wenn ich nach einem Streit auf ihn zugehen will. Er macht das zum Beispiel immer bei mir aber wehe ich mache das ohne Vorankündigung
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • Im Moment ist niemand im Chat.

    Anzeige (2)

    Oben