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Beziehung bröckelt wegen meinen psychischen Problemen, ich bin so nah dran...

Plotia

Mitglied
Hallo liebes Forum,

ich brauche – leider – mal wieder eure Hilfe.
Seit ich meinen letzten Beitrag hier geschrieben habe, ist schon einige Zeit vergangen. In dieser Zeit hat sich bei mir viel getan – zu viel, als dass ich euch hinreichend davon berichten könnte. Ich werde daher mein Bestes geben, diese Zeitspanne so kurz und so prägnant wie möglich zusammenzufassen.

Wer Zeit und Interesse daran hat, kann sich meinen damaligen Beitrag hier durchlesen. Im Nachhinein muss ich zwar viele meiner Aussagen revidieren, und ich bin schockiert, wie negativ, polarisiert und versteift meine Sicht auf die Dinge damals war, aber ihr findet dort auch eine ungefähre Schilderung meiner Vergangenheit – was im Hinblick auf mein aktuelles Verhalten zumindest dazu beitragen könnte, Licht ins Dunkel zu bringen.

Trotz eurer wundervollen und kraftspendenden Antworten damals konnte ich die darauffolgende Lebenskrise nicht abwenden. Ich habe mir selbst das Essen verweigert, habe zu rauchen begonnen und gelegentlich eine Überdosis Schmerztabletten genommen, um nichts mehr vom Leben zu spüren. Ich habe angefangen, mich zu ritzen und habe mehrmals versucht, mich umzubringen. Die Schnitte waren zwar nie lebensbedrohlich, die Suizidversuche nie wirklich ernst gemeint, aber all das hat an meiner Selbstsicherheit genagt, bis am Ende nur noch ein letzter Funke meiner Selbstachtung übrig war.

Ich habe mich meinem Vater anvertraut, habe dadurch aber nach und nach erfahren müssen, dass er sich nicht allzu sehr für mich zu interessieren scheint. Zusammen mit meiner Stiefmutter ist er in realitätsfernen Serien und ebenso realitätsfernen Verschwörungstheorien versunken und bekommt nichts mehr von seiner Außenwelt mit. Dadurch wurde mein Verhältnis zu ihnen auf das Notwendigste reduziert – Finanzielles und Organisatorisches wird in Stichpunkten kommuniziert, ansonsten leben wir in weit voneinander entfernten Parallelwelten.

Ich habe mich meinen zwei engsten Freunden anvertraut, und durch sie konnte ich die Zeit zumindest physikalisch überstehen. Ich habe unglaublich viel ihrer Zeit und ihrer Nerven beansprucht, doch sie waren stets da, wenn es brenzlig wurde. Haben mir gewissermaßen das Leben gerettet.

Dann sind die beiden eine Beziehung miteinander eingegangen und waren plötzlich weg – und ich fühlte mich hintergangen und verlassen. Ich habe innerhalb von einer halben Woche eine komplette Packung Schmerztabletten genommen. In diesen drei Tagen keinen einzigen Bissen gegessen. Mir weit mehr und viel tiefere Schnitte zugefügt als die gesamte Zeit davor.

Ich vermute, diese Grenzerfahrung war es, die mich letztendlich gerettet hat. Denn dann ist meiner Ansicht nach das Unglaubliche geschehen. Im Sommer letzten Jahres hat der allerletzte Funke, der von meiner Kraft noch übrig war ausgereicht, um mein Feuer wieder zu entfachen.

Ich habe mich mit positiveren Denkweisen befasst. Habe aufgehört, mich mit mir selbst zu beschäftigen, bin wieder aus dem Haus gegangen. Habe erst lange Spaziergänge durch die Natur gemacht, und habe mich dann sogar wieder unter die Leute gewagt. Neue Freunde kennengelernt, und so weiter und so fort.
Und ich habe mich wieder meinem Verein (Hobbysport) zugewandt. Wo ich auch meinen jetzigen Freund kennengelernt habe.

Er ist mein Trainer, obgleich wir nur fünf Jahre auseinanderliegen. Er hat mich nach einem Treffen gefragt, und ich war zuerst vollkommen überrumpelt. Habe so etwas nicht kommen sehen. Aber ich bin dennoch darauf eingegangen. Also haben wir uns getroffen, und nochmals getroffen, bis er den ersten Schritt getan und mir schriftlich seine Gefühle dargelegt hat. Dabei hat stets er die Initiative ergriffen – denn obwohl es schwer war, seine Schüchternheit zu überbieten, hat meine Unsicherheit triumphiert und mich wie gelähmt.

Dann hat er mich zu sich eingeladen (er wohnt noch bei seinen Eltern). An dem Tag konnte ich ihm endlich aus eigener Kraft näher kommen, und wir haben uns zum ersten Mal geküsst.

Ich sollte an dieser Stelle vielleicht anmerken, dass ich aufgrund von meiner Unsicherheit und meinem fehlenden Selbstbewusstsein ein sehr anhänglicher Mensch sein kann. Und als ich mich ihm an diesem Tag gewissermaßen geöffnet habe, ist auch ihm das aufgefallen.

Er hat gemerkt, wie sehr ich mich an ihn klammerte – wo er doch selbst jemand ist, der eine Schulter zum Anlehnen brauch. Auch er war unsicher – und hatte mit dieser Art von Nähe obendrein sogar noch weniger Erfahrung als ich (ich hatte bereits eine, wenn auch sehr kurzfristige Beziehung hinter mir). Ihn hat mein Verhalten und die gesamte Situation daher maßlos überfordert und er hatte einen Zusammenbruch.

Als er mir davon schrieb, stand ich erst einmal unter Schock. Ich war mir sicher, meine psychischen Probleme von damals waren eine Illusion und ich hätte sie mir so lange selbst eingeredet, bis sie tatsächlich da waren. Doch wurde mir, angefangen mit diesem Ereignis, nach und nach bewusst, dass ich selbst dann diese Züge hatte, wenn ich mir nichts einredete, gar nicht erst über mich nachdachte.
Ich war vor nicht allzu langer Zeit fest davon überzeugt, an einer psychischen Störung zu leiden. Alles Einbildung, dachte ich. Und nun war die Wirklichkeit, wie sie mir von anderen bestätigt wurde, doch gar nicht so weit davon entfernt.

Aber das wurde mir erst im weiteren Verlauf unserer Beziehung vollends bewusst. Ich wollte es immer noch verdrängen, wollte die Tatsache, dass ich Hilfe benötigte, immer noch nicht wahr haben.
Nach dieser ersten Ernüchterung brauchten wir beide für eine Weile Zeit für uns, aber wir haben es wieder miteinander versucht, haben es diesmal ganz langsam angehen lassen. Und dieses Mal hat es funktioniert.
Die erste Zeit war wunderschön. Als wir noch frisch verliebt waren und es kaum erwarten konnten, wieder zusammenzukommen. Ich bin aus mehreren Gründen (wir hatten nur eine kleine Wohnung, vor allem aber ist mein Verhältnis zu meinem Vater und meiner Stiefmutter stark angeschlagen) immer zu ihm gefahren, und mittlerweile ist mir seine Familie so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie ohne weiteres als meine eigene bezeichnen wollen würde (obwohl ich den Begriff „Familie“ mit vielen traumatischen Ereignissen verbinde). Das wäre das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Familie, die zum Greifen nah ist, auch als selbige empfinde.

Doch mit der Zeit sind die Schmetterlinge im Bauch verflogen, und mir fiel zunehmend auf, dass wir einem einfachen Prinzip zu folgen scheinen: in den Bereichen, in denen Gegensätze auch Hindernisse darstellen können sind wir das genaue Gegenteil voneinander, und dort, wo Gleiches sich nicht miteinander zu vertragen scheint, da sind wir wie ein und dieselbe Person.
Ich muss zugeben, ich übertreibe mit dieser Aussage maßlos – aber so fühlt es sich zumindest an. Und daher hatte ich auch immer das Gefühl, für unsere Beziehung kämpfen zu müssen. Tatsächlich mussten wir beide hart an uns arbeiten, damit es funktioniert.

In den letzten zwei Wochen war ich fast durchgängig bei ihm. Er muss unter der Woche arbeiten und kommt erst spät heim, sodass kaum noch Zeit für uns blieb. Das hat mich auf Dauer einfach fertig gemacht, weil ich mich von ihm so stark abhängig gemacht habe. Also habe ich unterschwellig angefangen, seine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, wie ich es damals schon so oft bei meinen Freunden getan habe.
Ich wurde noch launischer als ich ohnehin schon bin. Er wollte mich immer wieder aufheitern (und hat es auch erstaunlich oft geschafft), aber ich wollte mich ja nicht aufheitern lassen. Ich wollte seine Aufmerksamkeit, seine Nähe.

Ich hätte es so gerne abgeschaltet, ärgere mich im Nachhinein so sehr über meine eigene Schwäche – aber in diesen Momenten ist einfach der Verstand mit mir durchgegangen, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich habe selbst währenddessen gemerkt, dass ich mich wieder wie ein Kleinkind verhalte, nur dagegen tun konnte ich nichts.

Nun hat er gestern wieder einen Zusammenbruch gehabt. Er hat gesagt, dass er von einem stressigen Tag heimkomme und ich, anstatt ihn zu beruhigen und auf andere Gedanken zu bringen (was ich so weit es mir möglich war versucht habe!), für ihn ein zusätzlicher Stressfaktor geworden wäre. Und dass er merke, wie er immer weiter daran kaputt gehe.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich für den nächsten Zeitraum erst einmal heimfahre, um ihm Zeit zu geben. Zeit für sich selbst, und Zeit zum Nachdenken, ob das wirklich eine Zukunft hat.

Ich habe ihm vor einiger Zeit versprochen, zu kämpfen – habe ihm zugesichert, mir nach meinem Abitur (also sehr bald) einen Psychologen zu suchen, um mich mit mir selbst ins Reine zu bringen. Er hat mir daraufhin gesagt, er würde Geduld haben und mein Verhalten tolerieren, bis der ganze Schulstress vorbei ist. Doch ich wurde ihm so viel, dass er sein Wort nicht halten konnte, und das macht mich traurig. Nicht, weil er sein Wort nicht halten konnte, sondern weil ich so fordernd gewesen sein muss, dass ich ihm keine andere Wahl ließ. Und ich habe es die ganze Zeit über noch nicht einmal gemerkt.

Ich kann ihn so gut verstehen. Hätte mich am liebsten dafür geschlagen, dass ich mein Verhalten immer noch nicht auf die Reihe kriege. Immer noch so abhängig von anderen bin. Ich hätte ihn am liebsten angeschrien, dass ich fest an unsere Zukunft glaube – weil ich weiß, dass ich mich ändern kann, mit etwas Hilfe von außen. Und das habe ich vor, ich bin so nah dran.
Ich habe Angst, dass er mir keine Chance gibt, es zu beweisen.

- Plotia
 

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Suavi

Aktives Mitglied
Der letzte Absatz, insbesondere der letzte Satz ist, denke ich, am aussagekräftigsten.

Ich habe Angst, dass er mir keine Chance gibt, es zu beweisen.
Du bist nicht nah dran. Die Tatsache, dass du erkannt hast, das etwas in deinem Verhalten falsch ist und auch wirklich einsiehst, dass es falsch ist, bedeutet nicht, dass man sich ändert. Menschen ändern sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr. Aus dir spricht immer noch die Abhängigkeit. Der Gedanke, die Hoffnung, der Wunsch, ihm zu beweisen, dass ihr eine Zukunft habt. Vielleicht bist du grad voller Tatendrang, willst etwas ändern, aber dieser Impuls geht vorbei. Letztlich verfällst du wieder in alte Verhaltensmuster.

Möglich, dass du psychische Probleme hast, sehr wahrscheinlich sogar. Diesbzgl. solltest du dich auch in professionelle Hilfe begeben, aber eine Therapie ändert auch keinen Menschen. Sie hilft nur mit den eigenen Problemen und Gefühlen besser umzugehen und sie vermittelt Techniken zur Selbstkontrolle. Ziel ist es, dass es dir besser geht.

Wenn du etwas an dir ändern willst, dann tue es für dich. Ob dein Freund oder Ex-Freund das nun sieht und mitbekommt oder nicht, sollte keine Relevanz haben. Krieg deine Probleme erst einmal in den Griff. Danach siehst du die Dinge vielleicht auch ein wenig anders...
 
G

Gast

Gast
Es spricht nichts dagegen, bereits jetzt therapeutische Unterstützung zu suchen.
Sagst du deinem Freund auch, dass du "so nah dran bist"?
Wenn ja, ist das üble emotionale Erpressung.
Du kannst noch so viele Schmerzmittel einwerfen, dich noch so tief "ritzen" und aufhören zu essen -
Menschen haben nicht die Aufgabe, DICH als den nabel der Welt zu betrachten und sie haben das Recht, ihre eigenen Leben zu leben.
 

Plotia

Mitglied
Danke für eure Antworten!

Hallo Suavi,


Du bist nicht nah dran. Die Tatsache, dass du erkannt hast, das etwas in deinem Verhalten falsch ist und auch wirklich einsiehst, dass es falsch ist, bedeutet nicht, dass man sich ändert. Menschen ändern sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr. Aus dir spricht immer noch die Abhängigkeit. Der Gedanke, die Hoffnung, der Wunsch, ihm zu beweisen, dass ihr eine Zukunft habt. Vielleicht bist du grad voller Tatendrang, willst etwas ändern, aber dieser Impuls geht vorbei. Letztlich verfällst du wieder in alte Verhaltensmuster.
Möglich, dass du psychische Probleme hast, sehr wahrscheinlich sogar. Diesbzgl. solltest du dich auch in professionelle Hilfe begeben, aber eine Therapie ändert auch keinen Menschen. Sie hilft nur mit den eigenen Problemen und Gefühlen besser umzugehen und sie vermittelt Techniken zur Selbstkontrolle. Ziel ist es, dass es dir besser geht.

Ich glaube, ich habe mich da etwas missverständlich ausgedrückt, entschuldige.
Ich hatte ja geschrieben, dass ich sehr launisch bin. Damit meinte ich nicht nur, dass meine Laune schwankt, auch grundsätzliche Denkweisen ändern sich von Zeit zu Zeit, manchmal sogar dauerhaft (d.h. ich falle nicht in vorige Muster zurück). Das ist etwas, was ich nicht wirklich erklären kann, es passiert einfach. Immer dann, wenn ich in einer Art Schwellensituation bin. Und ich bin mir nicht zu 100% sicher, ob das hier auch eine ist, aber ich habe das Gefühl.
Aber ich will mich keinesfalls aktiv ändern, im Sinne von meinen Charakter ändern. Das habe ich früher schon oft versucht, aber genau wie du sagst, bin ich bei solchen Versuchen des "aktiven Änderns" immer wieder in meine alten Verhaltensmuster gefallen.


Ich hatte nie die Hoffnung, meinen Charakter zu ändern, falls du das meinst. Mir geht es um eben diese alten Verhaltensmuster.
Das äußert sich bei mir in etwa so, dass ich ein bestimmtes Gefühl bekomme, zum Beispiel, dass mein Freund mich weniger beachtet. Ich weiß genau, dass dem nicht der Fall ist, weil ich weiß, dass er mich beachtet, auch wenn er es nicht immer zeigt. Es wäre ihm gegenüber eine Zumutung, von ihm zu verlangen, sich jeden Moment mit mir zu befassen, er ist schließlich weder mein Babysitter noch sonst jemand, der sich ständig um mich kümmern muss. Aber, und das ist das besagte Verhaltensmuster, ich lasse zu, dass mich dieses anfängliche Gefühl runterzieht. Und dann fange ich an, nach Halt zu suchen, um mir selbst bestätigen zu lassen, dass das Gefühl falsch ist. Ich zeige, dass mich etwas bedrückt, indem ich still werde und mich von anderen entferne.
Das merkt er nach einer Weile, und er kommt dann auch auf mich zu und fragt, was los ist. Und obwohl es genau das ist, was ich ursprünglich von ihm hören wollte, blocke ich ab und sage „Nichts, alles ok“.
Er ist niemand, der was sowas angeht gut zwischen den Zeilen lesen kann, und ich fange auch an zu glauben, dass es solche Leute gar nicht gibt. Jedenfalls nimmt er diese Antwort zur Kenntnis und wendet sich wieder ab. Was mir unterschwellig bestätigt, dass sich keiner für mich interessiert, um das mal nach meiner verkappten Logik auszudrücken.

Wie ich sagte, ich weiß ganz genau, wie idiotisch dieses Verhalten ist, und ich habe schon oft versucht, psychologische Kniffe (aus dem Netz) anzuwenden, um da rauszukommen. Bis jetzt hat aber nichts davon funktioniert, und deswegen bin ich der Hoffnung, mit professioneller Hilfe da mehr zu erreichen.
Und um mehr geht es mir auch gar nicht. Ich will mich nicht ändern, ich will nur dieses Verhalten abstellen. An Tagen, an denen dieses Verhalten keine Anwendung gefunden hat, geht es mir auch richtig gut, auch mit ihm, und ich zeige nicht die geringsten Anzeichen von psychischen Problemen. Ich muss einfach lernen, mit diesem teils unterbewussten Verhalten umzugehen.

Wenn du etwas an dir ändern willst, dann tue es für dich. Ob dein Freund oder Ex-Freund das nun sieht und mitbekommt oder nicht, sollte keine Relevanz haben. Krieg deine Probleme erst einmal in den Griff. Danach siehst du die Dinge vielleicht auch ein wenig anders...
Ich hatte auch vor unserer Beziehung schon vor, das zu tun. Nur haben mir eben unsere Probleme mit meinem Verhalten gezeigt, wie dringend das eigentlich ist. Davor war das noch eher weniger wichtig, frei nach dem Motto: „Vielleicht sollte ich irgendwann mal... wenn sich's ergibt...“. Einfach, weil ich niemanden hatte, den es stören könnte, außer natürlich mich.

Aber vielleicht hast du recht, wenn du sagst, ich solle meine Probleme erst einmal in den Griff bekommen. Ich frage mich nur gerade, ob ich für diesen Zeitraum die Beziehung ruhen lassen sollte, es also erst einmal beenden soll, bis ich mein Verhalten im Griff habe. Um danach zu schauen, ob es sich lohnt, einen neuen Versuch zu starten...


Und hallo Gast,

Es spricht nichts dagegen, bereits jetzt therapeutische Unterstützung zu suchen.
In einer Woche sind meine Prüfungen vorbei, d.h. danach hatte ich vor, mir Hilfe zu suchen.

Sagst du deinem Freund auch, dass du "so nah dran bist"?
Natürlich nicht, ich will ihn nicht unter Druck setzen. Das ist es ja gerade, was ihn fertig macht, dass ich ihm keinen Freiraum lasse und ihn dadurch unter Druck setze.
Nach seinem Zusammenbruch war auch ich diejenige, die vorgeschlagen hat, am gleichen Tag heimzufahren und ihm Zeit für sich zu lassen. Er ist (wie zum Teil auch ich) ein eher in sich gekehrter Mensch, d.h. er brauch mehr Freiraum als andere. Und den will ich ihm geben, weil ich meiner Meinung nach ohnehin schon zu viel angestellt habe.

Du kannst noch so viele Schmerzmittel einwerfen, dich noch so tief "ritzen" und aufhören zu essen
Menschen haben nicht die Aufgabe, DICH als den nabel der Welt zu betrachten und sie haben das Recht, ihre eigenen Leben zu leben.
Die Zeit, in der ich mich in dem Ausmaß so verhalten habe, ist meines Erachtens auch schon vorüber. Womit ich im Moment noch zu kämpfen habe, sind die Nachwirkungen, die alten Verhaltensmuster, die sich in dieser Zeit bei mir eingeschlichen haben. Ich habe mit dem Ritzen, Tabletten einschmeißen etc. komplett aufgehört, und meide seitdem alles, was mir in irgendeiner Weise schadet, z.B. auch Alkohol an sich.
Auch mein Aufmerksamkeitsbedürfnis hat rapide abgenommen. Aber es ist eben noch nicht vollkommen verschwunden, und ich möchte daran arbeiten, dass ich auch diese letzten Reste noch beseitige.


Versteht mich bitte nicht falsch, mir geht es an sich gut. Ich bin mittlerweile wieder fähig, vollkommen normale Beziehungen zu Freunden, Bekannten etc. zu führen. Auch hat mir mein Freund wehement widersprochen, als ich ihm gebeichtet habe, dass ich vermutlich psychisch gestört bin. Seiner Meinung nach bin ich lediglich "viel zu oft viel zu negativ" (Zitat er), und ich hätte auch Phasen, in denen er mich unglaublich gut drauf erlebt hat.
Ich habe nicht den Anspruch, immer gut drauf zu sein, das wäre wohl etwas zu viel verlangt. Ich will nur, dass diese gänzlich unnötigen Tiefs, die nur von meinem Verhalten ausgelöst werden, ein Ende haben.

- Plotia
 
M

MarieD.

Gast
Ich habe ihm vor einiger Zeit versprochen, zu kämpfen – habe ihm zugesichert, mir nach meinem Abitur (also sehr bald) einen Psychologen zu suchen, um mich mit mir selbst ins Reine zu bringen. Er hat mir daraufhin gesagt, er würde Geduld haben und mein Verhalten tolerieren, bis der ganze Schulstress vorbei ist. Doch ich wurde ihm so viel, dass er sein Wort nicht halten konnte, und das macht mich traurig. Nicht, weil er sein Wort nicht halten konnte, sondern weil ich so fordernd gewesen sein muss, dass ich ihm keine andere Wahl ließ. Und ich habe es die ganze Zeit über noch nicht einmal gemerkt.

Ich kann ihn so gut verstehen. Hätte mich am liebsten dafür geschlagen, dass ich mein Verhalten immer noch nicht auf die Reihe kriege. Immer noch so abhängig von anderen bin. Ich hätte ihn am liebsten angeschrien, dass ich fest an unsere Zukunft glaube – weil ich weiß, dass ich mich ändern kann, mit etwas Hilfe von außen. Und das habe ich vor, ich bin so nah dran.
Ich habe Angst, dass er mir keine Chance gibt, es zu beweisen.
Habe keine keine Angst. Wenn er sagt, dass er dich liebt und dir Zeit gibt, vertraue ihm. Nur so gibst du ihm die Chance, sein Versprechen einzuhalten. Mit Infragestellen einer solch liebevollen Person stößt du ihn von dir weg.

Das Kämpfen ist nicht immer einfach - sonst hieße es nicht kämpfen. Mein Partner kämpft auch, um sein Selbstbewusstsein aufzubauen. Dabei fällt er ganz unbemerkt (automatisch) in seine alten Muster zurück. Wichtig ist, dass du an dir arbeiten willst und dich nicht gehen lässt.

Deine kindlichen Anteile sind ganz normal! Die meisten Menschen verlieren ihr inneres Kind, aber es ist ein Vorteil, dieses Kind zu hegen und zu pflegen. Kinder sagen ungefiltert die Wahrheit, sie sind ehrlich und unverfälscht. Behalte dein inneres Kind, dann wirst du die Person, die du wirklich bist :)

Wenn du das Gefühl hast, zu wenig Beachtung zu erhalten, dann ist das so. Ich kenne das, habe es bei einem Ex-Partner auch immer empfunden. Männer reden einem gerne ein, dass frau übertreibt, zuviel Aufmerksamkeit verlangt, sich nur anstellt oder gar Wahrnehmungsstörungen hat oder psychisch anormal sei etc...

Fühle dich selbst und stehe zu deinen Emotionen. Niemand kann in deinen Körper hineinfühlen außer dirselbst! Daher hat auch niemand das Recht, deine Gefühle in Frage zu stellen! Gefühle sind immer echt, subjektiv - aber vorhanden und damit REAL!

Lass dir nichts erzählen und denk nicht so negativ über deine Gefühle!

Weißt du, ich war letztens, am Donnerstag, Freitag und das WE am Boden zerstört, wollte alles hinschmeißen, habe geweint und mich innerlich von meinem Partner distanziert. Weißt du was passiert ist? Etwas, das ich vorher noch nie so erlebt habe. Er nahm mich in den Arm und fegte alle meine Ängste beiseite. Als ich ihn anfuhr, er soll weggehen, ich sei traurig und will ihn nicht damit belasten - so extrem niedergeschlagen wollte ich nicht, dass er mich sieht. Doch er bestand darauf zu bleiben. Sagte mir, welch wertvoller Mensch ich bin und dass meine Familie ein Scheißhaufen ist. Er redete mit mir sehr geduldig über all meine Ängste, so wie ich die letzten Jahre mit ihm zusammen an seinen Ängsten und sozialen Defiziten gearbeitet hab, arbeitete er nun an meiner Gefühlswelt. - Arbeit, weil schwierig und unangenehm...

Vielleicht hilft dir mein Beitrag. Alles Liebe MarieD. :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Plotia

Mitglied
Hallo Marie,

wow. Ich danke dir für deine aufmunternden Worte!

Habe keine Angst. Wenn er sagt, dass er dich liebt und dir Zeit gibt, vertraue ihm. Nur so gibst du ihm die Chance, sein Versprechen einzuhalten. Mit Infragestellen einer solch liebevollen Person stößt du ihn von dir weg.
Naja, genau das habe ich leider weder nach seinem ersten noch nach seinem jetzigen Zusammenbruch von ihm gehört. Wenn er seine Privatsphäre in Gefahr sieht und ich ihm zu sehr auf die Pelle rücke, verschwinden seine Gefühle für mich, zumindest sagt er mir das so. Auch jetzt hat er mir gesagt, er bräuchte Abstand, sonst sähe er in all dem keine Zukunft mehr. Eben weil er daran kaputt geht.
Doch sagt er auch, dass er in solchen Momenten keinen Schlussstrich will, weil er es nach einiger Zeit vermutlich bereuen würde. Und nachdem ich ihm nach seinem ersten Zusammenbruch genug Zeit und Raum gegeben habe, waren die Gefühle auch wieder da.

Und ja, auf seine Art ist er ein unglaublich liebevoller Mensch. Aber er brauch auch eine Schulter zum Anlehnen, einen Anker sozusagen. Und diese Stabilität kann ich ihm momentan nicht bieten. Ich gebe mir ja Mühe, aber ohne Hilfe von außen werde ich mich vermutlich nie dauerhaft unter Kontrolle haben, oder zumindest meistens.

Außerdem brauche ich auch eine gewisse emotionale Stabilität. Mir fehlt einfach eine Art fester Hafen. Er kommt aus einer Familie, die genau das ist.
Zwar leben wir in anderen Welten – ich lebe ähnlich wie mein Vater in meiner eigenen Fantasie- und Gedankenwelt, während er und seine Familie auf dem Boden der Realität aufbauen. Dadurch verstehen wir uns manchmal einfach nicht, können einander nicht nachvollziehen. Aber wir komplettieren uns auch, faszinieren uns sozusagen gegenseitig.

Um auf mein Verhalten zurückzukommen: weil ich ihm genau deswegen keine Stabilität bieten kann, kann er mir rückwirkend auch keinen festen Hafen bieten. Und das halte ich mit der Zeit auch nicht mehr aus.
Ich erinnere mich da an eine Situation, in der ich daran zweifelte, irgendwo zuhause zu sein (ich kam gerade von unserer Wohnung zu ihm, und war daher wieder von der emotionalen Kälte meiner Eltern deprimiert). Wie so oft zuvor hat er mich darauf hingewiesen, nochmal scharf nachzudenken, mit Verweis auf ihn und seine Familie.
Auf solche „Versprechen“ habe ich mich verlassen. Und durch seine Zusammenbrüche muss er sie immer wieder „brechen“. Das ist genau diese Art von emotionaler Unsicherheit, mit der ich nicht klarkomme.

Du hast geschrieben, er würde mir Zeit geben. Das tut er zwar jetzt automatisch, aber eigentlich ist er derjenige, der Zeit brauch. Ich schade ja mit meinem Klammern nicht mir (zumindest nicht direkt), sondern ihm.


Deine folgenden Zeilen hätten von ihm stammen können :)
Auch er betont, dass ich nicht so „gestört“/anders bin, wie ich immer von mir behaupte.

Weißt du, ich war letztens, am Donnerstag, Freitag und das WE am Boden zerstört, wollte alles hinschmeißen, habe geweint und mich innerlich von meinem Partner distanziert. Weißt du was passiert ist? Etwas, das ich vorher noch nie so erlebt habe. Er nahm mich in den Arm und fegte alle meine Ängste beiseite.
Das wiederum könnte von mir stammen. Auch er hat mich schon oft aus solchen Krisen herausgezogen. Ich hoffe nur, dass ich endlich auch mal für ihn da sein kann.


Nochmals vielen Dank für deine positiven Gedanken :)
- Plotia



 

Plotia

Mitglied
Hi ihr,

mein Freund hat mich gestern angeschrieben, und ich glaube, wir sind zu einer Lösung gekommen, die uns beiden sehr gut tut.

Mir ist in diesem Beitrag dasselbe passiert, was mir auch schon bei meinem ersten passiert ist: ich habe alles versucht, auf Biegen und Brechen auf meine persönlichen Probleme zurückzuführen. Dabei habe ich aber viele andere Sachen ausgeblendet, die zwischen uns schief gelaufen sind.

Natürlich spielt mein Verhalten trotzdem eine sehr große Rolle, und hat die anderen Problempunkte zusätzlich erschwert. Aber nachdem wir gestern grundehrlich zueinander waren glaube ich, dass meine eigenen Probleme nicht der Knackpunkt sind, sondern eher unser beider Motive und Erwartungen an eine Beziehung.

Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich die Beziehung von vorneherein nur eingegangen, um nicht alleine zu sein, um einfach irgendjemanden zu haben. Und bei ihm war es genauso. Zwischenzeitlich waren Gefühle da, aber eben nicht immer.
Solche Gefühle hätten sich zwar im Laufe der Zeit entwickeln können, die Voraussetzungen dafür waren rein von der Personenkonstellation her sogar ziemlich gut. Aber damit wäre ich auch schon beim nächsten Punkt angelangt: Zeit.

Davon haben wir uns einfach viel zu wenig gelassen. Ich lese von Paaren, die sich monatelang gedatet haben – bei uns hat sich das innerhalb von 1-2 Wochen abgespielt, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir haben alles sofort machen wollen, weil wir es einfach nicht erwarten konnten, nicht mehr alleine zu sein.

Ich erinnere mich gerade an einen schlauen Spruch, den ich irgendwo mal gelesen habe: „Ohne Freiheit kann keine Liebe wachsen“. Bei uns hat sich mit der Zeit so eine unreflektierte Routine eingeschlichen: eine Beziehung führen, sich nahe sein, auch wenn man es gar nicht bräuchte/wollte, ständig aufeinander sitzen, weil in Zukunft soll es ja auch so sein. Das gute alte Bauchgefühl ist da leider auf der Strecke geblieben. Und ohne auf dieses zu achten kann man sich oft extrem täuschen und große Fehler begehen. Und man kann sich Dinge einreden, die Lage in einem völlig falschen, verklärenden Licht betrachten. Und genau das ist uns passiert.

Insgesamt haben wir das Ganze einfach alle beide viel zu verkrampft und unfrei gesehen. Haben uns so selbst unter Druck gesetzt.

Wir haben uns schlussendlich darauf geeinigt, die Beziehung nicht direkt zu beenden, sondern einzufrieren. Sie anders zu definieren. Es erst einmal wie eine sehr sehr enge Freundschaft angehen – weil wir uns eben immer noch brauchen. Und wenn uns beiden der Sinn danach steht, vielleicht auch eher wie ein Zwischending zwischen Freundschaft und Beziehung, mal so, mal so. Aber das wichtige ist, dass wir uns immer noch gegenseitig haben, und das ist letztendlich das, was uns beiden am wichtigsten ist. Und vielleicht – je nachdem, wie ich mich entwickle, was die Zeit halt so bringt – wollen wir die Beziehung ja später langsam wieder auftauen.

- Plotia
 

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