Hier ist Hannes. Hannes möchte gerne besser leben. Das heißt verantwortungsvoller, sozialer, moralischer, gerechter, fairer, gesünder, umweltfreundlicher. Hannes überlegt, wie er das hinbekommen kann. Er hat ein paar Ideen:
- Er wird zum Beispiel Vegetarier, das ist gesunder für ihn, umweltverträglicher, moralisch besser für die Tiere und insgesamt sind auch mehr Nahrungsmittel da, die dann in Regionen gegeben werden können, wo es mangelt. Und Obst und Gemüse sind auch günstiger als Fleisch und Fisch.
-> Auf den ersten Blick gibt es hier kein Problem. Bitte benennen, wenn euch was auffällt.
- Hannes möchte nicht nur vegetarisch essen, sondern auch Bio. Keine giftigen Pestizide, Bio schmeckt besser, ist gesünder. Außerdem keine Umweltbelastung durch Transport um die halbe Welt bei den meisten Produkten. Klingt super. Aber: Kostet mehr, das kann sich auch ganz schön anhäufen, wenn man versucht alles Bio zu kaufen. Zweites Problem: Bio ist nicht stark verbreitet. Hannes wohnt auf dem Land, klar hier gibt es einen Bauern, der verkauft Bio-Erdbeeren und -Möhren, da kommt Hannes mit dem Fahrrad in 10 Minuten hin. Hannes möchte aber nicht nur Bio-Erdbeeren und -Möhren essen, sondern auch mal Salat oder anderes. Dafür müsste Hannes aber weiter fahren oder in einen Supermarkt, der Bio anbietet. Dieser ist aber nicht in der Nähe, die Fahrt mit dem Fahrrad dauert lange, ein Auto hat er nicht (siehe weiter unten) die ÖPNV Anbindung ist schlecht und kostet auch Geld. Da könnte Hannes doch eben zum Supermarkt um die Ecke gehen und nicht-Bio-Produkte für weniger Geld kaufen. Das ist günstiger und schneller.
- Hannes sieht ein, dass nur Bio-Produkte bei der Nahrung sehr kompliziert und teuer sind. Wie sieht es denn bei der Bekleidung aus? Kann Hannes seinen Kleiderschrank mit Produkten aus Bio-Baumwolle füllen? Das wäre gut für die Umwelt und ihn selbst, da auf giftige Stoffe verzichtet wird. Außerdem seien die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung etc besser. Klingt gut. Wäre da nicht der Preis und das mangelnde Angebot. Hannes wohnt auf dem Land, will er in einen richtigen Laden gehen, der eine angemessene Auswahl an Bio- und Fairtrade-Kleidung anbietet, muss er ersteinmal 30km fahren. Das kostet Zeit und Geld. Die Bio-Kleidung selber kostet auch noch mal viel. Woher das Geld nehmen?
- Hannes hält nicht viel vom Auto fahren. Es kostet Geld, man muss Benzin kaufen, was im Prinzip eine endliche Ressource ist. Es ist umweltverschmutzend etc etc. Hannes hat ein Fahrrad, fährt auch mit dem ÖPNV, allerdings ist die Anbindung hier auf dem Land nicht sehr gut. Es gibt nur eine Linie, die stündlich fährt, man muss immer erst in die nächste größere Stadt fahren, um umzusteigen. Möchte Hannes wo hin, wo es keine ÖPNV-Anbindung gibt, muss er mit dem Fahrrad fahren. Möchte er dann auch noch etwas größeres transportieren, dann hat er ein Problem, denn er hat kein Auto. Ist der Verzicht auf ein Auto nur in Ballungszentren mit gutem ÖPNV möglich? Muss ich auf dem Land doch wieder auf ein Auto zurückfallen?
- Hannes studiert. Das kostet Geld, Studiengebühren, Miete, täglicher Bedarf an Lebensmitteln etc. Dafür muss er jobben. Studium, Jobben, man will natürlich auch noch etwas Freizeit haben und einem Hobby nachgehen, Sport machen oder einfach mal mit Freunden ausgehen. Da bleibt kaum Zeit für etwas ehrenamtliches, was Hannes gerne machen würde. Stattdessen jobbt er jetzt in einem Supermarkt. Eine Arbeit, die er nur wegen des Geldes macht, die ihn aber nicht ausfüllt. Schließlich brauch er das Geld ja auch, um sich Bio-Produkte und Bio-Kleidung zu finanzieren.
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Diese Liste kann man sehr weit fortführen..
Hannes ist auch kein zufälliger Charakter, sondern das bin mehr oder weniger ich (ich heiße aber nicht Hannes ^^). Bzw. das möchte ich sein. Erst seit kurzem denke ich so, hört sich alles sehr schön an, aber schon sehr schnell bin ich an diese hier beschriebenen Grenzen gestoßen.
Ich frage euch:
Ist ein besseres, verantwortungsvolleres Leben nur etwas für Leute, die das Geld und die Zeit haben und es sich leisten können? Dürfen diese reichen Leute dann ein gutes Gewissen haben, da sie z.b. umweltschonend sind, oder ist das in Anbetracht der Menschen, die es sich nicht leisten können, und die vielleicht in ihren eigenen Unternehmen beschäftigt sind, nicht gerechtfertigt?
Ist die Mehrheit der Menschen dazu verdammt unter unwürdigen Arbeitsbedingungen zu arbeiten und in Discountern giftige Kleidung und gen-manipulierte Nahrung zu kaufen? Dürfen diese Menschen ein schlechtes Gewissen dabei haben, wenn sie das tun oder gibt es für sie nun einmal keine andere Wahl und selbst wenn sie ein verantwortungsvolleres Leben führen wollen, ist es für sie unmöglich?
Vorläufiges Fazit: Leben wir also alle so weiter wie vorher und müssen warten, bis die Wirtschaft weit genug ist, damit Bio auch günstig ist? Bis dahin ist es ein Luxus nur für Reiche?
Außerdem: Welche Sachen kann ich trotzdem machen, um die Welt zu einem besseren Platz zu machen, auch wenn ich nur sehr wenig Geld habe?
- Er wird zum Beispiel Vegetarier, das ist gesunder für ihn, umweltverträglicher, moralisch besser für die Tiere und insgesamt sind auch mehr Nahrungsmittel da, die dann in Regionen gegeben werden können, wo es mangelt. Und Obst und Gemüse sind auch günstiger als Fleisch und Fisch.
-> Auf den ersten Blick gibt es hier kein Problem. Bitte benennen, wenn euch was auffällt.
- Hannes möchte nicht nur vegetarisch essen, sondern auch Bio. Keine giftigen Pestizide, Bio schmeckt besser, ist gesünder. Außerdem keine Umweltbelastung durch Transport um die halbe Welt bei den meisten Produkten. Klingt super. Aber: Kostet mehr, das kann sich auch ganz schön anhäufen, wenn man versucht alles Bio zu kaufen. Zweites Problem: Bio ist nicht stark verbreitet. Hannes wohnt auf dem Land, klar hier gibt es einen Bauern, der verkauft Bio-Erdbeeren und -Möhren, da kommt Hannes mit dem Fahrrad in 10 Minuten hin. Hannes möchte aber nicht nur Bio-Erdbeeren und -Möhren essen, sondern auch mal Salat oder anderes. Dafür müsste Hannes aber weiter fahren oder in einen Supermarkt, der Bio anbietet. Dieser ist aber nicht in der Nähe, die Fahrt mit dem Fahrrad dauert lange, ein Auto hat er nicht (siehe weiter unten) die ÖPNV Anbindung ist schlecht und kostet auch Geld. Da könnte Hannes doch eben zum Supermarkt um die Ecke gehen und nicht-Bio-Produkte für weniger Geld kaufen. Das ist günstiger und schneller.
- Hannes sieht ein, dass nur Bio-Produkte bei der Nahrung sehr kompliziert und teuer sind. Wie sieht es denn bei der Bekleidung aus? Kann Hannes seinen Kleiderschrank mit Produkten aus Bio-Baumwolle füllen? Das wäre gut für die Umwelt und ihn selbst, da auf giftige Stoffe verzichtet wird. Außerdem seien die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung etc besser. Klingt gut. Wäre da nicht der Preis und das mangelnde Angebot. Hannes wohnt auf dem Land, will er in einen richtigen Laden gehen, der eine angemessene Auswahl an Bio- und Fairtrade-Kleidung anbietet, muss er ersteinmal 30km fahren. Das kostet Zeit und Geld. Die Bio-Kleidung selber kostet auch noch mal viel. Woher das Geld nehmen?
- Hannes hält nicht viel vom Auto fahren. Es kostet Geld, man muss Benzin kaufen, was im Prinzip eine endliche Ressource ist. Es ist umweltverschmutzend etc etc. Hannes hat ein Fahrrad, fährt auch mit dem ÖPNV, allerdings ist die Anbindung hier auf dem Land nicht sehr gut. Es gibt nur eine Linie, die stündlich fährt, man muss immer erst in die nächste größere Stadt fahren, um umzusteigen. Möchte Hannes wo hin, wo es keine ÖPNV-Anbindung gibt, muss er mit dem Fahrrad fahren. Möchte er dann auch noch etwas größeres transportieren, dann hat er ein Problem, denn er hat kein Auto. Ist der Verzicht auf ein Auto nur in Ballungszentren mit gutem ÖPNV möglich? Muss ich auf dem Land doch wieder auf ein Auto zurückfallen?
- Hannes studiert. Das kostet Geld, Studiengebühren, Miete, täglicher Bedarf an Lebensmitteln etc. Dafür muss er jobben. Studium, Jobben, man will natürlich auch noch etwas Freizeit haben und einem Hobby nachgehen, Sport machen oder einfach mal mit Freunden ausgehen. Da bleibt kaum Zeit für etwas ehrenamtliches, was Hannes gerne machen würde. Stattdessen jobbt er jetzt in einem Supermarkt. Eine Arbeit, die er nur wegen des Geldes macht, die ihn aber nicht ausfüllt. Schließlich brauch er das Geld ja auch, um sich Bio-Produkte und Bio-Kleidung zu finanzieren.
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Diese Liste kann man sehr weit fortführen..
Hannes ist auch kein zufälliger Charakter, sondern das bin mehr oder weniger ich (ich heiße aber nicht Hannes ^^). Bzw. das möchte ich sein. Erst seit kurzem denke ich so, hört sich alles sehr schön an, aber schon sehr schnell bin ich an diese hier beschriebenen Grenzen gestoßen.
Ich frage euch:
Ist ein besseres, verantwortungsvolleres Leben nur etwas für Leute, die das Geld und die Zeit haben und es sich leisten können? Dürfen diese reichen Leute dann ein gutes Gewissen haben, da sie z.b. umweltschonend sind, oder ist das in Anbetracht der Menschen, die es sich nicht leisten können, und die vielleicht in ihren eigenen Unternehmen beschäftigt sind, nicht gerechtfertigt?
Ist die Mehrheit der Menschen dazu verdammt unter unwürdigen Arbeitsbedingungen zu arbeiten und in Discountern giftige Kleidung und gen-manipulierte Nahrung zu kaufen? Dürfen diese Menschen ein schlechtes Gewissen dabei haben, wenn sie das tun oder gibt es für sie nun einmal keine andere Wahl und selbst wenn sie ein verantwortungsvolleres Leben führen wollen, ist es für sie unmöglich?
Vorläufiges Fazit: Leben wir also alle so weiter wie vorher und müssen warten, bis die Wirtschaft weit genug ist, damit Bio auch günstig ist? Bis dahin ist es ein Luxus nur für Reiche?
Außerdem: Welche Sachen kann ich trotzdem machen, um die Welt zu einem besseren Platz zu machen, auch wenn ich nur sehr wenig Geld habe?