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bedeutung der wut

grisou

Aktives Mitglied
ich bin aus einer welt der gewalt geflohen. irgendwie dachte ich: ich bin da irgendwann weg und es wird besser dann.

also ich schaffe den absprung, komme in dieser welt an. und ich merke. sie ist nicht weniger gefährlich. eigentlich im gegenteil. in der alten welt wusste ich. traue niemandem. rechne mit dem schlimmsten. halt dich aus der schusslinie.

in dieser welt habe ich nicht die geringste ahnung. wo ist die schusslinie?

für mich ist das kofus. undurchschaubar. gefährlich. daraus entwickelt sich die angststörung.

ich habe mittlerweile so in den letzten sechs monaten etwas verstanden.

es gibt zwei sichten auf die welt.


  1. wenn jeder an sich denkt. es ist an alle gedacht.
  2. wenn jeder an den anderen denkt. es ist an alle gedacht.

die welt aus der ich komme. das ist welt a. klar strukturiert. die welt die ich suche ist b.

nur hier im alltag prallen diese beiden werte immer wieder aufeinander und jeder denkt. ich hab doch recht. und der andere ist ein egoist.

ich sehe den reichtum der welt und denke, hey, es ist genug für alle da. also sehe ich mich in der rolle. ich schau, jeder bekommt seinen anteil. geht es allen gut. es geht mir dann gut.

mittlerweile glaube ich. andere denken: wenn jemand etwas gibt. der braucht es dann nicht. der will es dann nicht. weil er bedient sich zuerst und den rest können die anderen haben.

die erwartungen sind unterschiedlich. weil niemand auf den anderen zugeht. weil niemand seine eigenen motive und die von anderen reflektiert: darum kommt es zu missverständnissen. und das kommt zu aggression.

dann kommt es zu verletzungen. da sehe ich in meiner umgebung menschen. die bleiben darin hängen. die wollen rache. das ist ein nach außen orientiert sein. ich denke so wird die tradition gewalt weiter gegeben. man reflektiert die eigene rolle nicht. sieht den eigenen anteil nicht.

der dalai lama sagt: wir sind nicht unsere wut. es ist ein gefühl. das kommt und geht. erst wenn wir ihm raum und macht geben kontrolliert sie uns.

mein partner fragt mich oft: wo ist deine wut? ich habe wut. ist nicht so dass da keine ist. da ist viel wut. nur ich denke darüber nach. komme eigentlich immer zu dem schluss. sie macht keinen sinn. sie ist keine lösung. ich lasse sie dann gehen.

ich hasse meinen a.-vater nicht. ich bin nicht wütend auf ihn. warum? er ist ein großartiger lehrmeister. er hat mich ganz viel gelehrt über liebe. ja, es war nicht seine absicht. hat er aber getan.

er hat mir die schönen seiten der dunkelheit gezeigt. und mir auch gezeigt. das hat einen hohen preis. zu hoch für mich. darum weiß ich heute wer ich sein will und welchen weg will ich gehen. dafür bin ich ihm dankbar.


ich möchte nicht darüber diskutieren ob rache gut ist oder nicht. und nicht darüber warum man gewalt mit gewalt beantworten muss. diese diskussionen haben schon so viel raum. auch hier im forum.

mir hilft sehr meine spiritualität. den blick richten auf das gute. mich orientieren an der mutter erde. die göttin. vielleicht ja auch weil ich meine mutter früh verloren habe habe ich sie immer in der natur gesucht. die weibliche energie. das weiche. das sanfte. und ja vielleicht auch weil es ein teil von mir ist.

ich habe so viele gedanken gerade. möchte so viel schreiben. ich stelle nur mal erst eine frage in den raum.

wie ist das mit der wut und dem hass für euch. wie geht ihr damit um? wie verwandelt ihr diese gefühle in etwas positives? welche rolle spielt das vergeben in euerem leben?

micha hat mich gefragt. ob ich wut verdränge und sie dann als angst zurückkommt. das denke ich wirklich nicht. nur denke ich deswegen eben gerade über diese gefühle nach.
 

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kiablue

Aktives Mitglied
wie ist das mit der wut und dem hass für euch. wie geht ihr damit um? wie verwandelt ihr diese gefühle in etwas positives? welche rolle spielt das vergeben in euerem leben?
Was für ein gutes Thema, lieber Nicclas und dazu eins, mit dem ich mich gerade seit geraumer Zeit selbst beschäftige. Wie Du weißt, ist mir in diesem Jahr auch so einiges passiert.

Hass: Zu Hass bin ich nicht bereit. Das ist für mich dermaßen energieverschwendend und es schadet ausschließlich mir. Und ich erreiche damit nichts.

Wut ist ein Gefühl, das ich ganz doll selten erlebe. Ich mag sie auch nicht. Auch sie braucht so viel Energie und eben auch den Körper und das ist nicht so angenehm mit all den Schmerzen. Nun kam, nach all dem, was mich so verletzt hat und so ungerecht und auch ungerechtfertigt war, dann doch irgendwann Wut hoch. Ich habe gekämpft. Soll ich etwas gegen diese Frau tun oder soll ich es lassen. Und dann habe ich mir gesagt, damit beschäftige ich mich weiter im Januar. Versuchte, etwas loszulassen. Und wie Du vielleicht mitbekommen hast, mein Weg durchs Leben soll für mich sein - Liebe - Mitgefühl - Weisheit. Das ist mein Ziel, das ist es, woran ich arbeiten möchte. Und ich hielt mich daran fest. Eine Zeit lang schwankte es sehr zwischen beiden Gefühlen. Jetzt habe ich mich entschieden. Die Wut ist weg. Und ich bin gewachsen daran.

Wie ist sie weggegangen? Ich schaue, was ich durch das Verhalten des Anderen gelernt habe. Und vor allem durch Verständnis der Situation des Anderen. Sich hinein versetzen und die Sichtweise des Anderen anschauen. Und bei ihr konnte ich feststellen, sie ist schlicht nicht in der Lage zu begreifen, was sie da tut. So weit denkt sie nicht, wie Du selbst auch sagst, sie projiziert und reflektiert nicht. Die Wut ist weg, mir geht es besser, ich habe so zurück gefunden zu meiner Mitte. Ich bin noch nicht raus aus dem Thema, aber ich finde zurück zu mir. Vergeben habe ich noch nicht, aber auch das wird kommen. Vergeben heißt ja vor allem für mich, ich kann dann etwas loslassen. Es bedeutet ja nicht, nachträglich etwas gut zu finden. Ich habe alles, was ich brauche, um vergeben zu können.

Lieben Gruß, kia
 
G

Gelöscht 60940

Gast
Wut und Hass sind zwei verschiedene Dinge.

Wut kenne ich gut, Hass eigentlich nicht. Ich hasse nichts. Hab ich nie. Ich war aber oft wütend und bin es auch hin und wieder. Wut vergeht, Hass ist irgendwie sowas langfristiges.

Hatte auch meine Erfahrungen diesbezüglich von meiner Mutter, hassen tue ich sie aber nicht. Ich war nur sehr wütend. Wut hatte ich aber auch wieder nicht. Warum das so ist hab ich aber erst später verstanden als ich mal Fromm's "Haben oder Sein" gelesen hatte.

Ich fragte mich oft ob es an meiner Impulsivität liegt, aber eher im Gegenteil, für mich sind Gefühle immer sehr momentabhängig. Wenn ich mich in einem Moment an etwas erinnere, dass mich wütend machte, dann empfinde ich nicht Wut, sondern erinnere mich nur daran, dass ich wütend war.

Aber ich bin in der Hinsicht manchmal doch sehr impulsiv. Wenn ich doch mal wütend bin, dann kommt es vor, dass ich dem Gefühl nachgehe und ausraste. Bis ich einmal jemanden damit verletzte. Da empfand ich Schuld. Ich wollte ja niemanden verletzen, ich wusste, dass ich es tun könnte, nur war es mir in dem Moment so egal. Und erst in dem Moment HATTE ich dann Wut. Weil mich das Gefühl eingenommen hatte und kontrollierte. Ich war quasi Wut.

Es gibt also auch einen Unterschied zwischen wütend sein und Wut haben. Das ist zwar ziemlich linguistisch, aber es beschreibt meine Ansicht darauf.

Der Unterschied hierbei ist, es gibt keine Umgangsausprache "Hass sein", man kann sagen "hassend sein", aber das würde keiner sagen, "Hass empfinden", Hass ist dann immernoch Objekt bzw Subjekt, und kein Adjektiv. Der Unterschied zwischen "wütend sein" und "Wut haben" ist dass das eine etwas beschreibt, wie man ist. Und das andere ist ein Objekt, bzw Subjekt, das man besitzt. Bei Hass ist es nicht so einfach. Es gibt viele Objektbeschreibungen für Hass, aber wenige adjektivische, wie etwas ist.

Man sagt ja, alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich. Ich bin generell kein Mensch der viel Wert auf Besitz legt. Wenn jemand was von mir haben möchte, dann gebe ich es ihm ohne groß darüber nachzudenken, verkaufe es unter Wert, weil jemand mehr Freude daran hat als ich oder schenke es direkt. Als Kind war das nicht einfach, da mir oft immer etwas weggenommen wurde, was mich wütend machte. Als Baby wird man mit Nichts außer dem Ego geboren, man fordert also nur ein, um sich Dinge anzueignen. Nahrung, Wärme, Liebe, trockene Buchse. Mit weil man es braucht um daran zu wachsen. Irgendwann wird das Ego aber durch diese Dinge ummantelt, Stück für Stück. Sie werden Teil von uns, auch die Gefühle. Aber so bauen sich viele Schalen um das Ego auf. Und man muss den Unterschied zwischen dem Ego und den "Schalen" verstehen. Diese Schalengefühle sind oft von Besitz ausgehend. Das man etwas hat. Das Ego an sich hat nichts. Es ist ein Ego, ein Ich. Mehr nicht. Was das ist, ist eigentlich unwichtig. Was man hat, das kann man für sich entscheiden. Je weniger man hat, desto einfacher ist es sich daraus ein "Bild" zu machen. D.h. je weniger Gefühle man hat, desto einfacher ist es in einem Gefühl zu sein.

Viele machen so ein "Retreat" in die Natur, weil wir dort eine bessere Verbindung zu uns selbst, unserem Ego sehen. Wir können unseren Empfindungen näher sein, und sind nicht von ihnen eingenommen. Viele sehen das als wohltuend, und auch bereichernd. Der Fehler ist nur, dass man es immer als "Flucht" sieht, vor dem Lärm des Alltags, weil die Großstadt das einem nicht bietet. Das ist nicht richtig. Denn die Natur ist man ja selbst. Das ist ja alles schon da, nur kann man sich nicht konzentrieren, weil man immer vom haben abgelenkt wird. In der Natur ist das zwar einfacher, denn es geht nicht um haben, einem Baum ist es egal ob er jetzt zwei oder drei Vögel auf einem Ast sitzen hat, er ist ein Baum, aber das geht überall.

Ein bisschen ausschweifend, nur möchte ich damit deutlich machen, Wut ist irrelevant, aber ist man wütend, dann bedeutet das etwas. Was aber Hass bedeutet, keine Ahnung. Wenn ich darüber nachdenke, man sagt ja eher "Ich hasse", aber man sagt nicht "Ich wüte", sondern "Ich bin wütend" aber nicht "Ich bin hassend".
 

Yannick

Moderator
Teammitglied
Hallo Nicclas,

die Wut zu verdrängen, ist keine Lösung. Wenn du das versuchst,
verschiebst Du sie nur in Dein Unterbewusstsein.

Die Wut ist die Folge bestimmter Ereignisse oder Gegebenheiten.
Dort musst Du ansetzen. Du kannst versuchen, Dich mit den Ur-
sachen auseinanderzusetzen und zu arrangieren. Klappt das
nicht, dann denke darüber nach, den Ort des Geschehens zu ver-
lassen.
 

Adria78

Aktives Mitglied
Ich mag es nicht, wenn man Gefühle in "gut" oder "schlecht" einteilt. Gefühle sind ersteinmal Gefühle.

Wut hat Ursachen und Gründe. Wenn ich jetzt hingehe und diese einfach unterdrücke, weil Wut eben ein "schlechtes" Gefühl ist, dann stolpere ich schnell in die Depression hinein.

Das ist eine Sache, die ich oft hier im Forum bemerke. Das viele ihre Wut so lange unterdrücken, bis sie gar nichts mehr fühlen. Tot sind. Depressiv eben. Und das ist das Schlimmste was man machen kann. Wenn ich hier lese, das manche "nie" oder "super selten" wütend sind, sehe ich das persönlich eher als besorgniserregend. Entweder schwindeln sie oder sie unterdrücken.

Die Wut will einem etwas sagen. Nämlich Verletzungen aufzeigen, wo Menschen Grenzen überschritten haben, wo man selbst nicht genug auf sich geachtet hat. Manchmal entsteht Wut auch aus Angst, aus Hilflosigkeit.

Anstatt Wut einfach nur weg zu drücken, sollte man sie sich genauer ansehen. Warum bin ich wirklich wütend? Was kann ich ändern? Wie gehe ich mit der eignen Hilflosigkeit um? Kann ich anderen Menschen Grenzen setzen? Was tut mir gut? Manchmal muss man seine negativen Gefühle, auch Wut, einfach mal aushalten.

Aber jetzt zum TE.

So ganz klar ist mir nicht geworden, was Du sagen willst. Von daher interpretiere ich da was hinein. Ich denke, Du unterscheidest zwei Zustände. Du denkst, die Welt ist super egoistisch. Aber so sollte sie nicht sein. Ganz das Gegenteil.

Damit hast Du zwei Extreme. Die beide gleichzeitig falsch und wahr sind. Die Menschen sind egoistisch. Müssen das auch sein. Man kann nicht wie im Märchen Sterntaler sein letztes Hemd verschenken. Sondern wie gesagt, muss man auch auf sich achten. Grenzen setzten. Nein sagen. Und das erscheint manchmal egoistisch anderen gegenüber. Aber es ist super wichtig. Sonst macht man sich kaputt (Burnout-Depression etc.).

Manche Handlungen der Menschen erscheinen uns egoistisch, weil sie gegen unsere Interessen laufen. Aber von ihrer Seite her, kann man es verstehen. Weil derjenige vielleicht "nein" sagen muss, um sich selbst zu schützen.
Es stehen manchmal einfach zwei Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gegenüber. Der eine braucht Ruhe und der andere Hilfe. Was dann? Wer ist dann der Egoist?

Deswegen sollte man diese Einteilung, die Wertung von Menschen, lassen. Sondern einfach anerkennen, das Menschen verschiedene starke Bedürfnisse haben. Und das es deswegen Konflikte gibt.

So, falls ich jetzt mit meiner Interpretation total daneben liege, tut es mir leid. Das ist das, was ich bei Dir reingelesen habe.
 

Nordrheiner

Urgestein
Lieber Nicclas,

ich lernte, dass Wut der Türöffner für Hass ist. Und Hass ist der Feind jeder Liebe. Ich muß mich entscheiden, was in meinem Herzen wohnen soll. Ich habe mich für Liebe entschieden.

Es gibt immer wieder mal Situationen, in denen z.B. die Wut über lieblose oder über kriminelle Gewalt bei mir herein will. Es erscheint auch berechtigt, über Bosheit wütend zu werden. Sobald ich diese Wut zulasse, verändert mich die Wut sehr negativ. Ich werde negativ. Liebe hat auf einmal keinen Platz. Ich bin dann – wenn ich Wut zulasse – fähig, Böses mit Bösem zu vergelten. Die Folgen sind immer negativ. Zu dem Schaden, den das Böse anderer Menschen verursacht kommt der nächste Schaden, den ich dann zu verantworten habe. Der Hass, die Gefühle machen sich breit und übernehmen die Führung des Menschen, von mir. Weil ich das alles nicht will, muß ich immer wieder in solchen Situationen die Kraft aufbringen, der Wut die Türe vor der Nase zuzuschlagen.

Mir hilft der Gedanke, dass Gott trennt zwischen dem Menschen und seinen boshaften Gedanken, Gefühlen und Taten. Er liebt den Menschen und verurteilt genau deswegen das Böse, was aus dem Herzen kommt. Deswegen darf auch ich das Böse, Wut und Hass, anprangern, aber nicht in mein Herz lassen.

Bei meinem Umgang mit Wut und Hass hilft mir meine Spiritualität. Lediglich gründet sie sich auf mein Vertrauen auf Gott bzw. Jesus Christus. Er ist nicht nur für die liebevollen und für die friedliebenden Menschen gestorben. Mir hat es sehr zu denken gegeben, dass Jesus auch für Menschen starb, die ohne Liebe lebten und leben, für Menschen, die man sogar als kriminell und höchst gewalttätig bezeichnen kann. Gerade sie brauchen Liebe als „Heilmittel“.

Ich halte mich von den bösen Menschen fern, die sich für den Weg des Bösen entschieden haben. Ich will damit – mit diesen Menschen – nichts zu tun haben. Auch das ist mir eine Hilfe, mich von ihrer Wut und Hass nicht infizieren zu lassen. Daher suche ich den Kontakt mit Gott, um mich mit seiner Liebe anzustecken. So geht es mir gut – auch in einer Welt, die voll Bosheit, voller Wut und Hass ist.

Das Ausmerzen von Bosheit ist die Aufgabe von Gott. Ich bin nicht sein Racheengel. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich will eher Fackelträger für Gottes Liebe sein und das auch in mir spüren und andere sollen es mir abspüren. Die Unfähigkeit, Böses zu denken und zu tun, ist für mich die wertvollste Medaille, die der Mensch haben kann. Auf der anderen Seite dieser Medaille ist nur Liebe.

In diesem Sinne wünsche ich schon jetzt einen Gott gesegneten und friedevollen Übergang ins neue Jahr.

Nordrheiner
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Ich kann Wut auch nicht gut spüren bzw. bin nicht oft wütend. Nicht im Sinne von zerstörerischer, alles niederwälzender Wut. Sogenannter blinder Wut, die nur zerstören will. Manchmal platzt es raus. Aber selten. Manchmal denke ich voller Wut, es ist so gemein und ungerecht, wie es gewesen ist. Dann kann ich das auch fühlen.
Aber meist differenziere ich relativ schnell. Und dann kann ich genau wie Du sehen, alles hat zwei Seiten. Der Schmerz hat mich vieles gelehrt. Meine Geschichte hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Ich wäre nicht die ich heute bin, wenn ich nicht durch so viel Kummer und Einsamkeit, so viel Angst und Unsicherheit hätte gehen müssen. Und Du weißt, daß das auch auf Dich zutrifft. Diese Sicht macht es nicht leicht. Ich glaube, es ist der mühsamere Weg, anstatt einfach nur Rachegedanken zu hegen. Solche Gedanken sind mir komplett fremd.
Klar wünsche ich mir manchmal, eine bessere Startposition ins Leben gehabt zu haben. Aber ich sehe auch die Verletzungen der Verletzer. Das was sie zu dem gemacht hat. Sie sind mit weniger guten Talenten ausgestattet. Sie hatten nicht die Chance, sich zum Positiven zu entwickeln, sich und ihr Handeln zu reflektieren. Dann wandelt sich die Wut in ein Bedauern, daß es so war, wie es war mit all dem Schmerz. Und den Mühen für uns, die wir anders gestrickt sind, damit heute klar zu kommen und unseren Weg zu gehen.

Das was Du vom Dalai Lama zitierst hast, erinnert mich an das, was mir vor kurzem eine wunderbare Schamanin gesagt hat. Sie sagte: "Emotion kommt von Evolution. Du bist nicht Deine Emotion. Du bist an eine andere Punkt. Da guckst Du und siehst, ah, da ist eine Wut, da ist eine Panik. Aber Du bist nicht diese Panik. Du bist nicht Deine Emotion. Die kannst Du kommen und gehen lassen." (Und dann hat sie ganz herzlich und ansteckend gelacht.) Offenbar ist das die gleiche Einstellung, die dahinter steht. Für die meisten Menschen, die ich kenne, sind das ungewöhnliche Gedanken. Für mich zunächst auch. Aber ich empfinde das als sehr hilfreich.

Dann darf auch alles da sein. Und wieder gehen. Die Schamanin sagte, wir verwenden viel zu viel unserer Energie dafür, gegen ungewollte Emotionen anzukämpfen. Um zum Beispiel Trauer oder Wut zu vermeiden. Sie sagte, wenn Du einfach guckst, ohne zu bewerten und sie wahrnimmst, dann kann sie kommen und gehen.

Mein Therapeut sagte mal etwas ähnliches. Er meinte: "Wut ist ein zu Unrecht negativ konnotiertes Gefühl. Es wäre besser, es einfach zuzulassen und zu betrachten ohne Bewertung".
 
G

Gast

Gast
Problematisch ist das schwarz / weiß denken.
Ist nur so oder so, dazwischen ist nichts?
Wut ist nur eine Emotion die nie alleine auftritt oder Bestand hat.
Gefühle sind vielfältig, warum haben wir die Überhaupt, wo sitzen die, nur im Gehirn?
Wie wichtig sind die für unser leben?
Gefühle helfen uns eine Entscheidung zu treffen, auch schlechte Gefühle sind wichtig.
Wie ein Kompaß helfen sie uns, die Richtung zu finden.
So können wir spüren, ob wir einem anderen vertrauen können.
Und spüren manchmal - ohne nachzudenken - wenn uns etwas nicht gefällt.
Haben wir nicht gelernt, diese Gefühle zu steuern, wenn wir etwas nicht verstehen, fühlen wir uns überfordert, wir haben Angst.
Wut hat oft was mit Angst zu tun, denn wir bewerten meist unbewußt jede Situation mit Hilfe unserer Gefühle.
Es gibt Hinweise an einem Tatort, die leider von Natur aus weder gesammelt noch untersucht werden können.
Wie sammelt man auch Liebe, Wut, Haß oder Furcht?
Aber wir suchen vor allem nach solchen Dingen.
Ich möchte kein Verständnis, ich will es ( selber ) verstehen, warum ich wütend bin ?
 

Adria78

Aktives Mitglied
Ich weiß nicht, ob das OT ist. Ich möchte mal mit dem Umgang meiner Wut beschreiben.

Ich hatte ja selbst Probleme mit Depressionen. Also keinen Zugang zu meiner Gefühlswelt. Und als das aufbrach, kam auch die Wut hervor. Ich konnte aber nicht benennen, warum ich wütend bin. Es war blinde Wut.

Geholfen hat mir eine Bedürfnisliste nach Rosenberg.
http://www.junfermannkongress.de/uploads/media/AlWeckert_Gefuehle_Beduerfnisse_Pseudogefuehle.pdf

Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.

Beispiel 1)
Ich bin wütend, weil ich mich oft ängstlich fühle. Ich habe besonders Angst vor sexuellen Übergriffen. Das erzeugt in mir Hilflosigkeit. Wut, weil ich mich nicht ausreichend "geschützt" fühle.

Fazit: Wie kann ich mich selbst schützen? Habe mich über verschiedene Verteidigunsmaßnahmen und Vorsichtsmaßnahmen informiert. Möchte einen Selbstverteidigungskurs belegen. Klar, 100% Schutz gibt es nicht. Aber ich fühle mich durch die Auseinandersetzung mit dem Thema sicherer.

Da dies ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben ist, habe ich beschlossen, mich auch in dieser Richtung zu engagieren. Habe dazu schon Kontakt mit anderen Frauen in die gleiche Richtung aufgenommen.

Ich bin vom "Opfer" zum "Verantwortlichen" geworden, die sich selbst darum kümmert. Von passiv in Richtung aktiv.

Dadurch ist das Gefühl der Hilflosigkeit nicht mehr so stark vorhanden. Und da meine Wut an Hilflosigkeit gekoppelt ist, nimmt sie ab.

2 Beispiel:
Freiheit ist mir sehr wichtig. Selbstbestimmung.

Dieses Jahr habe ich eine Dame kennen gelernt, die meine Freundschaft suchte. Sie wollte sich sehr oft mit mir treffen, was ich nicht wollte. Es war mir einfach zu viel. Ich fühlte mich von ihr unter Druck gesetzt, da sie mir bei jedem "nein" Vorwürfe machte.

Das sie ein "nein" nicht akzeptieren kann, hat mich auch wütend gemacht. Ich hatte das Gefühl, das mein Bedürfnis nach Selbstbestimmung für sie nicht wichtig war. Obwohl ich ihr das so klar sagte. Ich hatte das Gefühl, das sie meine Grenzen nicht akzeptiert. Ich empfand diese Bekanntschaft daher als sehr einseitig.

Früher hätte ich diese Bekanntschaft weiter geführt. Nur um irgendwen "Freund" nennen zu können. Und hätte mich auch nicht getraut, ihr zu widersprechen. Ansonsten still unter ihren Vorwürfen gelitten und wäre doch wütend gewesen. Damit wäre ich wieder in der Opferrolle hängen geblieben.

Das hat sich geändert. Ich habe die Bekanntschaft nach zwei Monaten beendet. Einige Zeit war ich noch wütend, weil ich mich auch schlecht behandelt von ihr fühlte. Aber das ging vorbei. Mittlerweile ist sie mir egal.

Ich habe dabei für mich selbst eingestanden und meine eigenen Werte vertreten. Meine Grenzen geschützt. Das war wichtig für mich. Und nicht ganz einfach. Aber wieder war ich aktiv statt passiv. Und dadurch hörte die Wut auch auf.

Und mein Selbstbewußtsein stieg. Weil Depression ist nichts anderes als Wut, auch auf sich selbst.
 

grisou

Aktives Mitglied
vielen dank für eure beiträge. ich freue mich über jede sicht der dinge.

mir fehlt es gerade etwas an kraft darauf zu antworten. ich werde ganz sicher noch in das gespräch einsteigen.

gemerkt habe ich durch eure beiträge. ich unterscheide zwischen wütend sein und sauer sein. darum irritieren mich manche aussagen. und so kann ich jetzt einiges besser einordnen.
 

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