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auch schlechte Menschen können sich ändern...

P

Phönix78

Gast
Eine angenehme Nacht wünsche ich euch!

Ich bin in meinem Thread im Liebe-Forum schon etwas darauf eingegangen und nachdem es schmerzhaft, aber trotzdem sehr erleichternd war offen über meine Vergangenheit zu schreiben, habe ich mich beschlossen hier mehr davon niederzuschreiben.
Ich warne euch, es wird womöglich sehr lang und verwirrend, das kommt daher weil es sehr ungewohnt und emotional für mich ist, mich damit auseinanderzusetzen und jemand anderem als meiner Freundin zu öffnen.

Als ich 3 Jahre alt war machte sich mein Vater aus dem Staub und ließ mich mit meinen 2 Schwestern bei meiner Mutter zurück. Meine Mutter war immer sehr schwierig und ich kann ihn fast ein bisschen verstehen, warum er sie verließ. Leider habe ich ihn nie kennengelernt, weil er starb als ich 9 Jahre alt war. Meine Mutter war eine hysterische Cholerikerin, kam mir ihrem Leben überhaupt nicht klar und es war nicht gerade eine schöne Kindheit für alle von uns. Je älter ich wurde, desto schlimmer wurde es. Als ich 6 Jahre alt war lernte sie einen Mann kennen mit dem sie schnell schwanger wurde, wir bekamen noch eine Halbschwester. Kurzzeitig war alles etwas besser, aber es hielt nicht lange an. Der neue war ein trinkender Schreihals dem sehr oft die Hand ausrutschte und genauso Cholerisch wie unsere Mutter, die zwei stritten sich ständig. Er war der Meinung ich sei alt genug um Verantwortung für meine Geschwister zu übernehmen und von da an war ich an allem Schuld wenn irgendwas nicht nach seinen Vorstellungen verlief. Oft genug schlug er unsere Mutter, die dann genau das selbe mit mir machte, weil ich an ihrem verpfuschten Leben schuld sein sollte. Meine Schwestern reagierten extrem trotzig auf dieses Chaos zuhause und ließen sich von mir nichts mehr sagen wenn ich wieder mal die Verantwortung für sie hatte, die ältere war ja gerade einmal ein Jahr jünger als ich. Als Konsequenz durfte ich ihr Fehlverhalten ausbaden. Wir stritten uns nur mehr, teilweise bis aufs Blut. Wir haben uns wirklich gehasst. Ich wollte einfach nicht einsehen, dass ich immer ihretwegen bestraft wurde und sie wollten sich absolut nichts von mir sagen lassen. Wenn meine Mutter zuschlug war das immer halbwegs im ertragbaren Rahmen und mehr demütigend als wirklich schmerzvoll, nicht so bei meinem Stiefvater, der mich auch oft genug mit dem Ledergürtel verdrosch, besonders wenn er besoffen war. Weil meine Schwestern auch ihm gegenüber ungehorsam und frech waren, schlug er auch sie immer öfter, worauf sie (zumindest kurz) kleinlaut und gehorsam waren. Ich hab daraus gelernt, dass ich es ebenso machen musste, um sie unter Kontrolle zu bekommen, schließlich wollte ich nicht immer ihretwegen verhauen werden. So lief das bei uns, ich hab mit 8 Jahren regelmäßig meine Schwestern verhauen. Nur meine Halbschwester nicht, die war erstens noch zu klein und zweitens war sie ganz anders, sie reagierte auf diese Hölle indem sie ganz ruhig wurde, in den Augen meiner Mutter und meines Stiefvater also endlich ein normales, braves Kind. Darum bekam wenigstens die keine Schläge, dafür musste sie immer mitansehen was zwischen mir und meinen Schwestern ablief.
Da habe ich "gelernt" dass das Leben für mich halbwegs gut läuft, wenn ich ohne Rücksicht auf andere lebe. Das habe ich mir verinnerlicht, nie wieder wollte ich Opfer sein. Eigentlich wollte ich nur ein normaler Jung sein, ohne so viel Verantwortung für seine Geschwister, ohne die ganzen Schläge und die Brüllerei zuhause, aber das war eben nicht möglich, also wählte ich die zweitbeste Option, selber Täter sein.

Die Verhältnisse in unserer ganzen Familie waren komplett im Eimer, jeder hasste jeden. Meine Schwestern wünschten mir offen den Tod, ich war für sie der reinste Tyrann geworden, natürlich zusätzlich zu Mutter und Stiefvater von denen sie ohnehin schon genug ertragen mussten. Ich hab mit der Zeit weniger abgekriegt, weil ich ihnen egal wurde und meinem Stiefvater immer öfter Paroli bot, wenn er handgreiflich wurde. Meine Schwestern haben es dafür umso dicker gekriegt. So wie ich früher. Dadurch, dass ich keinerlei Rücksicht auf meine Mitmenschen nahm und keine Skrupel hatte sie einzuschüchtern, unter Druck zu setzen, zu demütigen, auszunutzen, zu belügen usw. lief es ganz gut für mich. Erst in der Schule, Berufschule und auf der Lehrstelle, später in der Firma. Mit meinem ersten selbst verdienten Geld bin ich bei Kumpels eingezogen, später dann in eine eigene Wohnung. Durch mein rücksichtsloses Verhalten habe ich es in der Firma bald zu was gebracht und konnte von dem Geld ganz gut leben. Natürlich alles auf Kosten der Arbeitskollegen, die mich dafür großteils hassten, aber nicht den Mumm hatten das offen zu sagen, genauso wie ich es gern hatte.

Mein Frauenbild war total verkorkst, Frauen bedeuteten für mich nur Probleme, wenn ich sie nicht unter Kontrolle hatte und klein hielt, das habe ich von meinen Schwestern gelernt. Dementsprechend behandelte ich auch meine "Partnerinnen", ich suchte mir auch immer bewusst welche mit wenig Selbstbewusstsein, da hatte ich leichtes Spiel. Meist langweilte ich mich dann nach kurzer Zeit und wurde immer dreister. Ich verlange immer schmutzigere Dinge im Bett, nicht selten weinten sie danach, weil sie sich selbst so schmutzig fühlten, so etwas ließ mich total kalt. Machten sie nicht genug mit versuchte ich ihre Freundinnen flachzulegen oder ging in den Puff, wo ich die Huren oftmals noch besonders demütigte. Ich ließ mich natürlich immer soweit es ging von ihnen aushalten und bekochen, sagte ihnen dass ich das natürlich erwarte, wenn sie mich wirklich lieben würden. Wurde mir eine zu lästig oder begann zu zweifeln hab ich sie gleich verlassen, ohne jegliche Erklärung, war einfach weg und hab sie ignoriert. Gekümmert habe ich mich nie um eine, ich hab viel lieber getrunken oder bin mit Saufkumpanen um die Häuser gezogen. War ich betrunken bin ich nicht selten total ausgerastet, hab sie beschimpft, gedemütigt und manchmal auch geschlagen.

Mit meinen Schwestern, meiner Mutter und meinem Stiefvater hatte ich null Kontakt, meine Halbschwester habe ich ab und an getroffen, aber anstatt ihr zu helfen wenn sie wieder psychische Probleme hatte und wen zum Reden brauchte, hab ich sie immer nur versetzt.
Vor knapp 2 1/2 Jahren rief sie mich wieder an und sagte mir, dass meine meine ältere Schwester gestorben ist. Mit 34 Jahren bei einem Verkehrsunfall, sie hinterlässt ihren Mann und einen 6 Jährigen Sohn. Anfangs war mir das fast egal, sie hatte eben Pech, wie so viele andere auch. Auf ihrer Beerdigung sagte mir meine andere Schwester am Grab, sie wünschte sich, ich würde stattdessen da unten liegen. Das war mir damals relativ egal, ich war ja nur der Form halber dort. Aber in der darauffolgenden Zeit fühlte ich mich nicht gut, es nagte an mir, dass ich meine Schwester das letzte mal mit 18 gesehen hatte und da gingen wir im Hass auseinander und jetzt war das für alle Ewigkeit besiegelt. Dann beschäftigte mich noch die Aussage meiner anderen Schwester, ich war verwundert, dass sie nach all den Jahren immer noch so viel Hass für mich empfand. Als ich dann erkennen musste, dass ich auch genauso nur Verachtung für sie über habe hat mir das zu denken gegeben. Von ihr erwartete ich, dass sie alles vergessen sollte und selbst war ich dazu nicht bereit... Von da an begann ich immer wieder nachzudenken und mein Gewissen meldete sich zu Wort. Vor fast auf den Tag genau 2 Jahren habe ich den endgültigen Entschluss gefasst mein Leben umzukrempeln, so wollte ich nicht mehr weitermachen. Ich habe einmal einen Spruch gelesen: "Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi". Nun einen Radiergummi wünschte ich mir so sehr für mein Leben, einmal zurück und alles anders machen. Aber das ist eben nur ein Wunsch.

Das ist jetzt extrem lang geworden und es war sehr schmerzhaft das alles wieder gedanklich Revue passieren zu lassen, aber es war auch unglaublich befreiend. Es ist schon so spät und der Text ist ohnehin viel zu lang, ich werde daher hier Schluss machen und Morgen noch ein paar Gedanken weiterschreiben.

Wenn ihr euch wirklich den ganzen Text angetan habt, dann sage ich Hut ab und danke dafür!
 

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Wandel

Aktives Mitglied
Eine sehr schmerzvolle jedoch berührende Geschichte. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg.

Ein Tipp den ich dir mitgeben will: Meditiere! Jeder Tag hält Lektionen für uns bereit, die wir lernen könnten. Doch wenn wir nie innehalten um zu reflektieren, ziehen diese Lektionen spurlos an uns vorbei und wir werden nichts mitnehmen. Dann ist jeder Tag wie der nächste. Und die gleichen Fehler werden immer wieder begangen. Ich gratuliere dir deshalb, dass du dich dazu durchringen konntest, Bewusstsein in dein Leben zu bringen und auch dort hinzuschauen wo es wehtut. Lass diesen Funken nun zu einem Feuer anwachsen. Vielleicht kannst du bald anderen Leuten helfen, die in der selben Situation feststecken wie du vor ein paar Jahren!
 

Nordrheiner

Urgestein
Da habe ich "gelernt" dass das Leben für mich halbwegs gut läuft, wenn ich ohne Rücksicht auf andere lebe. Das habe ich mir verinnerlicht, nie wieder wollte ich Opfer sein. Eigentlich wollte ich...

Vor fast auf den Tag genau 2 Jahren habe ich den endgültigen Entschluss gefasst mein Leben umzukrempeln, so wollte ich nicht mehr weitermachen. Ich habe einmal einen Spruch gelesen: "Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi". Nun einen Radiergummi wünschte ich mir so sehr für mein Leben, einmal zurück und alles anders machen. Aber das ist eben nur ein Wunsch.
Lieber Gast Phönix,

es ist schon sehr erschreckend, was Du und Deine Schwestern erleben musstet. Es tut mir für Euch alle leid.
Wenn ich es richtig verstehe, wurdest Du zu Hass, Gewalt und Rücksichtslosigkeit erzogen. Das ist eine Katastrophe!! für Euch und für andere Menschen.

Dein Vergleich mit dem "Zeichnen des Lebens ohne Radiergummi" ist treffend ausgedrückt.

Vor kurzem lernte ich einen Mann kennen, dem es in seinem Leben ähnlich erging wie Dir. Nur - vermutlich ging er in Sachen Rücksichtslosigkeit und Gewalt weiter, als Du es bisher getan hast. Dieser Mann leitete eine Autoschieberbande und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Um seine Ziele zu erreichen, ging er wortwörtlich über Leichen. Er führte dieses Leben, bis er zur Erkenntnis kam, sein Leben umzukrempeln. Obwohl ihm der Mord nicht nachgewiesen werden konnte, bekannte er sich schuldig und saß viele Jahre im Gefängnis.

Daher finde ich Deinen Entschluss, dein Leben umzukrempeln, besonders bemerkenswert. Gab es dafür einen Anlass?

LG, Nordrheiner
 

PsychoSeele

Urgestein
Huhu,

ich finde es sehr Mutig aber auch gut das du dein Leben verändern möchtest. Dabei wünsche ich dir viel Kraft und alles Gute. Du schaffst das bestimmt.

Liebe grüße
SchwarzeSeele
 

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