Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

31, unausgeblidet, arbeitslos. Keine Zukunft, keine Hoffnung

Saturday

Mitglied
Hallo. Ich brauche Hilfe.

Ich entschuldige mich dafür, das ganze als zweiteiligen Post zu machen. Ich habe versucht alles wichtige zu trimmen, aber ich komme trotzdem nicht unter 10000. Ich entschuldige mich ebenfalls für den wall of text.
Ebenfalls wusste ich nicht, ob dieser Post unter 'Ich' oder 'Berufe' fällt.



Es ist relativ schwer für mich, das ganze einfach mal abzutippen, aber ich befinde mich am Ende.
Wie der Titel schon sagt, bin ich 31, ich habe weder Ausbildung noch Studium. Ich habe keinen Job, und keine Hoffnung auf einen guten Job.
Wie bin ich hier angekommen? Für viele Jahre habe ich die Schuld auf meine Familie geschoben, besonders meinen Vater. Durch meinen Vater haben meine Mutter, meine Schwester und ich in extremer Armut leben müssen. Geld wurde versoffen, und nach der Scheidung wurde Unterhalt nicht bezahlt. Oftmals für Monate. Ich habe viele schlimme Erinnerungen an die Dinge, die meine Mutter geopfert hat nur damit wir etwas essen konnten.
Mit 19 habe ich ein gutes Abitur bestanden, in einem städtischen Gymnasium. Ich bereue dass ich sehr faul war, ich hätte ein bei weitem stärkeres Abitur abschließen können, aber klassen schwänzen und Daumen drehen hat mir damals besser gefallen.

Der Plan war, nach dem Abi zum Bund zu gehen, Berufssoldat zu werden, für mein Land zu stehen und zu Kämpfen. Durch eine schräge in meiner Wirbelsäule wurde ich jedoch direkt ausgemustert, Plan A war schnell gescheitert. Plan B war ein Studium. Mein Vater, von dem ich Jahre nichts gehört hatte hat sich nach meinem Abiturabschluss voller Stolz gemeldet, und meinte, dass er mir ein Studium auf einer sehr guten Universität bezahlt. Er hatte einen neuen Job im Ausland angefangen, sehr gut bezahlt. Er würde alles übernehmen. Medienwirtschaft war der Titel, und ich war begeistert. Sehr teuer (da es eine private Uni war), aber der Vater wollte endlich bezahlen, und Gott weiß wie viel er uns geschuldet hat. Natürlich habe ich das ganze angenommen. Der Studiengang war ein Mix aus Medien, VWL und BWL und alles lief super. Traumhaft bis zu Mitte des zweiten Semesters, wo auf einmal kein Geld mehr kam. Monate haben wir gewartet, aber weder Geld noch Kontakt zum Vater kam zurück. Wortlos verschwunden. Und so saß ich da, auf einer Schule für die Reichen, alle meine Freunde mehr Geld als sonstwas, und ich.. nichts. Bevor das zweite Semester zu Ende war musste ich abbrechen.
Ich wollte aber nicht aufgeben. Ich wollte studieren, naiv und verliebt in das Studentenleben dachte ich mir dass eine Ausbildung eh einen Scheiß wert ist. Ein zweites Studium hatte ich dann angefangen, English Studies oder Anglistik. 4 Semester habe ich es geschafft. Im 3 Semester habe ich ein Mädchen kennengelernt. Meine erste Freundin. Ich war 22, sie war 30. Ich war ne 3/10 (höchstens), sie war ne 9/10. Zur gleichen Zeit hatte mein verschollener Vater wieder Kontakt aufgenommen. Dieses A*******, ich erinnere mich noch wie sauer ich war. Ein neues Angebot, ich soll Ihn im Ausland besuchen, seine neue Firma anschauen. Er wollte mir finanziell aushelfen.
Ich weiß noch, wie ich mit meiner Freundin darüber geredet habe. Brainstorming über mehrere Tage. Im Endeffekt kamen wir zum Entschluss, dass ich das Angebot annehmen sollte, um den Alten abzuzocken und ihm all die Kohle, die er mir schuldete, abzunehmen. Als Rache für alles was er uns angetan hatte, wollte ich ihn Ausnutzen.

Und das habe ich gemacht. Er wollte, dass ich neben dem Studieren, in den Semesterferien, bei ihm jobbe. Das habe ich gemacht. Seine Firma hat extrem viel Geld gemacht. Der Gedanke alleine hat mich mit immer mehr Hass gefüllt. Warum konnte er uns nicht aushelfen, wenn er soviel Geld verdient hat? Warum der Kontakt-abbruch? Es war sicher wieder der Alkohol, die Nutten, alles was vorher die Beziehung mit meiner Mutter ruiniert hatte. Und ja, das ganze hatte sich schnell bestätigt. Nach der Arbeit ging es zum Pub, in die nächste Nuttenbar, vollgesoffen hat er sich, und so ziemlich jeden 2. oder 3. Tag 'ne neue Nutte mitgebracht. 300-400 Euro pro 'Lady'.
Mein plan, ihn auszunutzen war nun fest. Der Hass, der Zorn, die Enttäuschung war zu tief. Er hat mir ein business-visum besorgt, mir eine Stelle gegeben in seiner Firma. Um das Visum aktiv zu halten, mussten ~700 Euro mtl. auf mein Konto gezahlt werden, ob ich gearbeitet habe oder nicht. Er wollte, dass ich das nutze um in den Semesterferien bei Ihm extra Geld zu machen. Was er nicht wusste, war dass ich nach dem 4. Semester abgebrochen habe. Der Studiengang war uninteressant, langweilig, und meine Freundin war mir bei weitem wichtiger als ein blöder Abschluss. 700 Euro im Monat ist nicht viel, aber es hat gereicht. Extra Geld habe ich dann in den 'Semesterferien' verdient, wo ich dann über einige Monate wirklich bei ihm gearbeitet hatte.
Das ganze ging über einige Jahre noch. Aus 'Bachelor' wurde 'Master', ja, ich 'studiere' immer noch. Bis 2018, 4 Jahre lang ausgenutzt. Ab und zu dann immer wieder für 3 Monate hingeflogen und seriös gearbeitet.
Natürlich hat mich meine Freundin irgendwann betrogen. Mit meinem besten Freund hat sie rumgevögelt, und warum auch nicht. Ich war ne 3/10, ein loser zukunftslos und einfach manipulierbar.

as 29. Lebensjahr bin ich vegetiert. Keine Liebe, keine Treue, der betrogene Betrüger, ein totaler Loser. Irgendwann würden meine Ersparnisse auflaufen, und dann würde ich den einfachen Weg aus nehmen. Mich hängen.

31.12.2018 habe ich es dann versucht. Aber nichtmal dafür hatte ich die Kraft. Ich wollte Leben. Ich habe gemerkt, wie viel mir meine Mutter, meine Schwestern und auch mein Vater bedeuten. Ich wollte Ihn wiedersehen, ich wollte Ihm sagen dass ich wusste, dass er Fehler gemacht hat und dass ich Ihm vergeben habe. Ich wollte meine Mutter drücken, weil ich sie einfach endlos liebe. Ich hatte akzeptiert, dass der einzige, der wirklich Schuld an allem hatte.. nicht mein Dad war. Sondern ich selber. Aber vielleicht war es noch nicht zu spät für mich.
 

Anzeige(7)

Saturday

Mitglied
Also fing ich an, wieder Arbeit zu suchen. Schnell hatte ich 'nen job gefunden, allerdings nur als Helfer. Keiner hat Interesse an jemandem ohne Ausbildung. In meinem Helferjob wurde mir oft dargestellt, wie wenig Wert ich habe. Gesundheitliche Einschränkungen und die weite Entfernung der Arbeit machten es zur Hölle, also habe ich wieder aufgegeben. Aufgeben ist ja mein forté.

Ich wollte irgendwo gemütlich Arbeiten, vielleicht als Kundenbetreuer in einem Callcenter. Warum? IT, Computer, Hardware und Systeme waren immer meine Leidenschaft, mein großes interesse. Seit mehr als 10 Jahren bin ich Bobby-bastler, mehr als der typische Enthusiast. Ich baue und warte Computer für Freunde und Bekannte. Habe meinen eigenen home-server und die dazu nötigen skills in Ubuntu. Nerd shit halt, gelernt aus Interesse an dem 'wie' und 'wieso'. Also habe mich als Kundenbetreuer beworben. Es ging auch recht schnell und ich hatte den Job. Eine angenehme Schulung später, im Callcenter mit meinen Kollegen.. es blieb von Kundenbetreuung nichts mehr übrig. Wir wurden konstant für Service ermahnt und uns wurde schnell klargemacht, dass es wirklich nur ums verkaufen geht; mit allen möglichen mitteln. Wortwörtlich hat mich mein Teamleiter mehrfach gefragt, 'mensch, warum verkaufst du denn nicht mal schmutzig.. unsere Quoten müssen steigen!' Ein anderes mal hat ein anderer Trainer wild in den Raum gebrüllt 'jetzt hört doch mal auf mit dem scheiß Service' - so laut, dass ich mir sicher bin dass der Kunde am anderen Ende der Leitung es mitgehört hatte. Ich habe mehr Doppelvermarktung und Betrugsversuche gesehen, als mir, als Lebenslanger 'professioneller Betrüger' lieb war. Die Norm war es, so zu tun als hätte der Kollege dem Kunden etwas falsches gebucht wenn sich der Kunde nur nochmal meldete um sich über etwas zu erkunden, und Ihm/Ihr dadurch das gleiche Produkt nochmal anzudrehen. Der Kunde bekommt dann nicht 1 Handy zugeschickt, sondern 2 oder 3. 'Die kann er doch alle widerrufen, ist doch nicht dein Problem' wurde dann gesagt.

Irgendwann war es dann genug. Ich wollte dem Betrug, den suizidgedanken entkommen, und trotzdem bin ich genau dort wieder angekommen. Passend für jemanden wie mich. Mit anderen Freunden, die die gleiche Leidenschaft für IT besitzen, habe ich nach Optionen gesucht. Der Plan war recht leicht: Ich bin sehr sparsam, und habe recht schnell wieder aufgespart. Für ein paar Monate arbeitslos, wo ich mich mit internationalen IT Zertifikaten weiterbilde. Die Zertifikate wurden mir von Leuten geraten, die bei AT&T, bei Comcast, bei internationalen anbietern arbeiten. Klasse, dachte ich. Der Plan wurde in Anfang des Jahres Bewegung gesetzt und seitdem habe durchgepaukt. CompTIA A+ ist mein erstes Zertifikat, aber es wird nicht das Letzte sein. Nebenbei lerne ich, bis heute noch, Python, und bin auf einem beginner-intermediate Niveau angekommen, aber bei weitem nicht genug, um irgendwo als Programmierer zu arbeiten.
In dem glauben, dass mein Enthusiasmus, mein erstes (sehr teures) Zertifikat und meine Affinität und Leidenschaft für IT mit eine entry-level position im IT Service verschaffen könnte, habe ich angefangen mich zu bewerben.
10 Bewerbungen. 20 Bewerbungen. 50 Bewerbungen. Nichts. Weiterer Umkreis. Bereitschaft, den halben Tag zu Pendeln. Nichts.
Der Grund? Keine Ausbildung. IT Jobs ausgeschrieben für Quereinsteiger, mit Lernkursen zum start.. aber keine Ausbildung in einem anderen Feld. Für Service-Desk tasks dessen basics ich mir schon angeeignet habe, in meiner Freizeit, aus purem Interesse: ITIL, Active Directory. Tickets schreiben und passwörter resetten. Niemand will mich. Nächste Option? Ausbildungsplatz suchen. Systemintegration/Fachinformatiker, das ist doch genau mein area. Die Realität ist: Niemand will einen 31 Jährigen Azubi für IT. 500 Euro Netto würde ich bekommen, wovon ich nicht mal die Miete zahlen könnte.. und trotzdem würde ich die Ausbildung nehmen.
Niemand will mich, und ich kann es niemandem verübeln. Ich habe mein eigenes Leben ruiniert, und bin an einem Punkt angekommen, wo es keine Chancen mehr gibt. Vielleicht als Strafe, alle meine Chancen bisher in die Tonne getreten zu haben.

Aus Not, da ich seit dem letzten Job arbeitslos bin, habe ich wieder bei der Zeitarbeit angefragt. Die wollen mich wieder als Helfer in ein Lager stecken, wo die anderen Mitarbeiter mich verachten weil ich eben Wertlos bin, unausgebildet. Ich laufe im Kreis. Ich brauche einen Job, also werde ich so-etwas wohl annehmen müssen. Ich muss meine Krankenversicherung ausbezahlen, die mich auf Ruhend gestellt haben. Ich muss zum Arzt, da ich selber den Verdacht habe, Krebs zu haben. Ich hoffe, dass der Knoten etwas anderes ist, aber wenn Gott so enttäuscht ist in mich, wie ich in mich selber, dann ist es das.

Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich fühle mich, als hätte ich ein ganzes Jahr verschwendet, an nichts, nur um wieder in ein Lager zu gehen in einer Helfertätigkeit und mit den gleichen körperlichen Probleme, die das ganze vorher schon zur Hölle gemacht haben. Ich bin hoffnungslos. Gibt es irgendwas, was ich tun kann? Oder ist meine einzige Chance im Leben, mich zu resignieren und als unausgebildeter Helfer irgendwo zu arbeiten, bis die Stellen abgebaut werden und ich an die nächste Firma vermarktet werde?
 
G

Gelöscht 60940

Gast
Der Plan war, nach dem Abi zum Bund zu gehen, Berufssoldat zu werden, für mein Land zu stehen und zu Kämpfen. Durch eine schräge in meiner Wirbelsäule wurde ich jedoch direkt ausgemustert, Plan A war schnell gescheitert. Plan B war ein Studium.
Warum kam ein Studium über die BW nicht für dich in Frage? Man muss ja nicht Soldat werden um für die BW zu arbeiten, sondern kann auch organisatorisch oder technisch dienen.

Traumhaft bis zu Mitte des zweiten Semesters, wo auf einmal kein Geld mehr kam. Monate haben wir gewartet, aber weder Geld noch Kontakt zum Vater kam zurück.
Warum wurde denn das nicht eingeklagt? Wenn du nicht Bafög-berechtigt bist z.B. ist er zum Unterhalt verpflichtet.

Bevor das zweite Semester zu Ende war musste ich abbrechen.
Wieso hast du direkt abgebrochen und nicht einfach die Uni gewechselt mit der Anfrage ob die schon geleistete CPs oder whatevs angerechnet werden können. Im Grunde wäre es dann dennoch auch "nur" ein Semester in den Sand setzen und einfach nochmal beim 1. Semester auf einer staatlichen Uni anfangen für Medienwirtschaft. Wieso hast du dann einen ganz anderen Studiengang begonnen?

Im Endeffekt kamen wir zum Entschluss, dass ich das Angebot annehmen sollte, um den Alten abzuzocken und ihm all die Kohle, die er mir schuldete, abzunehmen.
Und wie genau wolltest du das anstellen? Das ist eine ziemlich dämliche Idee...

Ich wollte Ihn wiedersehen, ich wollte Ihm sagen dass ich wusste, dass er Fehler gemacht hat und dass ich Ihm vergeben habe.
Ihr hattet doch 4 Jahre lang Kontakt - da wirst du doch auch in den "Ferien" bei ihm untergekommen sein. Oder wo sonst? Kann ich mir nicht vorstellen, dass du 4 Jahre lang so mitgemacht hast und es dir nie auf der Seele brannte darüber zu reden.

Ich hatte akzeptiert, dass der einzige, der wirklich Schuld an allem hatte.. nicht mein Dad war. Sondern ich selber.
Wie kommst du zu dieser Erkenntnis? Klar, du hast echt bescheuerte Entscheidungen getroffen... aber bislang?

Also fing ich an, wieder Arbeit zu suchen. Schnell hatte ich 'nen job gefunden, allerdings nur als Helfer. Keiner hat Interesse an jemandem ohne Ausbildung.
Wieso hast du dann nicht versucht eine Ausbildung anzugehen, wenn dir doch schon klar war, dass du eine Ausbildung brauchen wirst um weiter zu kommen?

Wir wurden konstant für Service ermahnt und uns wurde schnell klargemacht, dass es wirklich nur ums verkaufen geht; mit allen möglichen mitteln.
Klar, das sollte dir doch aber während der Schulung schon klar geworden sein. Cross-Sale ist in der Kundenbetreuung schon so gut wie überall etabliert und man wird auch in der Schulung darauf hingewiesen, dass man bestimmte Pakete anbietet. IT macht man da null - das machen die "Zweigstellen" zu denen man verweist, oder die Internen, die... ja eine Ausbildung haben. Da hättest du dich bei dem Arbeitgeber doch auch für eine Ausbildung als ITler für Systemintegration oder Systemadministrator bewerben können. Auf den Trichter garnicht gekommen?

Ich habe mehr Doppelvermarktung und Betrugsversuche gesehen, als mir, als Lebenslanger 'professioneller Betrüger' lieb war.
Ist nicht unüblich. Hab selbst schon gesehen wie mein Chef von der Polizei abgeführt wurde. Passiert da öfter. Ebenso, dass bestimmte Pakete ohne Zustimmung dazugebucht werden weil es dafür Provi gibt. Tjoa.

In dem glauben, dass mein Enthusiasmus, mein erstes (sehr teures) Zertifikat
Der Grund? Keine Ausbildung.
Richtig. Die Zertifikate sind Weiterbildungsmöglichkeiten und nützen eigentlich wirklich nur, wenn man auch eine Grundausbildung im IT-Bereich hat oder bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Du kannst da auch als Elektrotechniker eine Grundvorraussetzung haben, auch dann bringt dir das Zertifikat etwas, es qualifiziert dich sogar noch weiter, da du nicht nur Soft- sondern auch Hardwarequalis hast. Aber ohne Ausbildung - nö.

Niemand will einen 31 Jährigen Azubi für IT. 500 Euro Netto würde ich bekommen, wovon ich nicht mal die Miete zahlen könnte.. und trotzdem würde ich die Ausbildung nehmen.
Nein. 700-800 Euro je nach Bundesland. Aber mit 31 ist man natürlich nicht super attraktiv. Hier hilft oftmals entweder Vitamin B oder man hat ein gutes Selbstvermarktungsgespür. Du kannst also an der einen oder der anderen Seite Verbesserungen vornehmen. Beim ersteren kannst du dich z.B. in einem Hardwarestore als Aushilfe bewerben, die machen auch viel mit IT - darüber erlangst du zwar keine richtig nachweisbaren Kompetenzen, hast aber schonmal einen Fuß in der Tür. Denn du kommst so an einige Leute der näheren Umgebung, die du im Außendienst triffst.
Beim zweiteren musst du deine Story gut verkaufen. Du hast im Ausland gearbeitet - keine so schlechte Sache und kannst du als "Know-How" für internationale Beziehungen verkaufen. Du kennst dich ein bisschen mit dem amerikanischen Markt aus, in unseren Zeiten der Globalisierung wird dies immer mehr gefordert.

wieder in ein Lager zu gehen in einer Helfertätigkeit und mit den gleichen körperlichen Probleme, die das ganze vorher schon zur Hölle gemacht haben.
Du kannst auch mehr Sachen machen. Kellnern, Bürojob, Aushilfe, whatever. Generell sollte man immer so gut es geht von Zeitarbeit drumrumgehen. Denn oftmals steckt man in Verträgen fest, die einem noch große Abzüge machen. Man kriegt zwar immer Lohn, aber oftmals weniger als Angestellte, die direkt über die Firma arbeiten. Wieso man das freiwillig möchte - I don't know. Geh doch einfach mal initiativ in ein paar Läden in deiner Nähe, die für Elektro- und IT-Support zuständig sind und von jemandem selbstständig betrieben werden (also kein Franchise) - die Chancen stehen da immer hoch, dass man da mit seinen Grundkenntnissen schnell auch höhere Verantwortungspositionen bekommt.
 

Abrafax123

Mitglied
Hallo Saturday,

du hast eine sehr interessante und bewegte Lebensgeschichte.

Kurz gesagt habe ich folgende Diagnose: Du hast dich einfach auf die falschen Lebensziele fixiert. Natürlich war auch etwas Pech dabei mit deinem Vater. Du hast aber gesehen, dass die Rache und das Geld wiederholen nicht funktioniert hat und dich nicht selbst weitergebracht hat. Statt dessen hättest du die Zeit nutzen können, um beruflich voran zu kommen.

Meine Ratschläge:

1. Bring Ordnung und Struktur in deine Problemwelten: Liste alles auf, was dich bewegt und wo Baustellen sind. Was sind die drei wichtigsten davon? Was sind die drängensten, kurzfristgen Probleme die bewältigt werden müssen? Welche langfristigen Ziele hast du?

Schreibe dir das alles auf! Denke auf Papier!

2. Versuche dir vor deinem geistigen Auge eine neue Perspektive zu bauen. Welche Möglichkeiten hast du jetzt? Was willst du wirklich? Welcher Job macht dir Spaß? Wo kannst du dir ernsthaft vorstellen langfristig deinen Lebensunterhalt zu verdienen?

3. Wer kann dir dabei helfen, Ordnung ins Chaos zu bringen?

4. Wie kannst du Klarheit finden? Dazu ist es gut, dass Handy abzuschalten und einige Stunden allein an einem angenehmen Ort zu sein. Am besten auch früh morgens. Nimm dir die Zeit, und denke einige Stunden über dich und dein Leben nach.
Fasse einen festen Entschluss.

5. Wie soll dein Idealzustand in einem Jahr sein? Entwickle eine Vision!

6. Es kommt zu 90% aufs Wollen drauf an!

Wie stark ist eine Willenstärke?
Wie gut kommst du ins handeln?
Wie Ausdauernd bist du?
Wie fleißig bist du?
Wie kannst du diese Faktoren stärken und verbessern?

Lerne dir die richtigen Fragen zu stellen, die dich weiter, und nach vorn bringen!

Gern kann dich dir auch noch ein paar individuelle, weitere Tipps geben.
 

Saturday

Mitglied
Warum kam ein Studium über die BW nicht für dich in Frage? Man muss ja nicht Soldat werden um für die BW zu arbeiten, sondern kann auch organisatorisch oder technisch dienen.
Eigenverschulden. In Armut aufgewachsen, ohne Internet, ohne Ideen was man tun soll. Null Beratung auf dem städtischen Gymnasium. Alleinerziehende Mutter mit relativ wenig Kontakt zu auch irgendwem im Dorf. Ich hätte mich informieren sollen, habe aber damals einfach den Faden nicht gezogen. Damals dachte ich: Bund -> Soldat und Ausgemustert -> No chance.

Warum wurde denn das nicht eingeklagt? Wenn du nicht Bafög-berechtigt bist z.B. ist er zum Unterhalt verpflichtet.
Mehrfach hat meine Mutter den Unterhalt eingeklagt, über viele Jahre. Das war bevor mein Dad dann ins Ausland gegangen ist, und, auf gut-deutsch, verschollen. In Arabien hat er bei einer arabischen Firma gearbeitet, unauffindbar.

Wieso hast du direkt abgebrochen und nicht einfach die Uni gewechselt mit der Anfrage ob die schon geleistete CPs oder whatevs angerechnet werden können. Im Grunde wäre es dann dennoch auch "nur" ein Semester in den Sand setzen und einfach nochmal beim 1. Semester auf einer staatlichen Uni anfangen für Medienwirtschaft. Wieso hast du dann einen ganz anderen Studiengang begonnen?
Geld. Immer das Geld. Den Studiengang gab es so in der kleinen Stadt nur auf der FH, und ich bin zu dieser Stadt schon 3 stündig täglich gependelt. Die nächste Stadt mit einem vergleichbaren Bachelor war so weit weg, dass ich umziehen hätte müssen. Ohne Geld, keine Chance. Ich habe natürlich versucht BaföG einzureichen. Nachweise vom Vater standen immer im Weg.

Ihr hattet doch 4 Jahre lang Kontakt - da wirst du doch auch in den "Ferien" bei ihm untergekommen sein. Oder wo sonst? Kann ich mir nicht vorstellen, dass du 4 Jahre lang so mitgemacht hast und es dir nie auf der Seele brannte darüber zu reden.
Gebrannt auf der Seele, drüber zu reden, hat es mir immer. Aber ich hatte gewisse Einflüsse im Leben, die mir gesagt haben, dass es okay ist. Der rest war eine mixtur aus Internet-addiction/MMO addiction und dem fehlen der skrupel, wie ein psychopath. Ich bin nicht stolz und ich weiß was es über meinen Character sagt.
Wieso hast du dann nicht versucht eine Ausbildung anzugehen, wenn dir doch schon klar war, dass du eine Ausbildung brauchen wirst um weiter zu kommen?
Versucht ja. Übers Arbeitsamt sogar. Vom Arbeitsamt aus kamen dann die Helferjobs bei den personalern. Ich fühlte mich so als hätte man wirklich kaum Interesse an mich dort, also habe ich angenommen was die mir geschickt haben.

Klar, das sollte dir doch aber während der Schulung schon klar geworden sein. Cross-Sale ist in der Kundenbetreuung schon so gut wie überall etabliert und man wird auch in der Schulung darauf hingewiesen, dass man bestimmte Pakete anbietet. IT macht man da null - das machen die "Zweigstellen" zu denen man verweist, oder die Internen, die... ja eine Ausbildung haben. Da hättest du dich bei dem Arbeitgeber doch auch für eine Ausbildung als ITler für Systemintegration oder Systemadministrator bewerben können. Auf den Trichter garnicht gekommen?
Ich wäre ziemlich überrascht, wenn die Firma in der ich war überhaupt Leute wirklich ausbildet. Und ja, es war mir klar dass Vermarktung ein Teil der Arbeit wäre, neben dem Service. War ich auch voll und ganz in Ordnung mit. Der Unterschied von Schulung und Realität war, dass es in der Schulung 80/20 support/sale hieß, und dann im Center drin war es 100% sale oder auflegen. Mir wurde ebenfalls versprochen, dass mit genug Erfahrung einen Wechsel ins das KSC (Kabel Service Center) möglich wäre. Das gleiche Service Center was wenige Monate später komplett abgebaut wurde, da Service für einen ISP keinen Profit macht.

Richtig. Die Zertifikate sind Weiterbildungsmöglichkeiten und nützen eigentlich wirklich nur, wenn man auch eine Grundausbildung im IT-Bereich hat oder bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Du kannst da auch als Elektrotechniker eine Grundvorraussetzung haben, auch dann bringt dir das Zertifikat etwas, es qualifiziert dich sogar noch weiter, da du nicht nur Soft- sondern auch Hardwarequalis hast. Aber ohne Ausbildung - nö.
Da hast du absolut recht. Was mich bewegt ist dass viele Firmen für Quereinsteiger und totale IT noobs Jobs anbieten, solange diese eine Ausbildung in auch nur irgendwas haben. Ich bin mir sehr sicher, dass ich 100% mehr IT relevante skills angesammelt habe, und trotzdem komme ich nicht in die Branche, da mir einfach das Wertpapier fehlt. Meine Hoffnung war es, dass ich mit genug Zertifikaten die beweisen, dass ich Wissen in dem Umfeld habe, das Fehlen der Ausbildung überbrücke. Allerdings bin ich mir nun nicht mehr so sicher.

Ein Praktikum, und die spezialisierten Kenntnisse von der Arbeit bei meinem Vater habe ich auch, wobei die im Maschinenbau sitzen.

Ich danke dir für deinen Post. Es tut weh, über diese ganze Situation zu reden, aber wenn man muss, dann muss man.
 

Saturday

Mitglied
Du kannst Dich mit der Agentur für Arbeit in Verbindung setzen. Die unterstützen Spätstarter in der Ausbildung.
Das habe ich letztes Jahr versucht, vielleicht zu kurzfristig aber im ähnlichen Zeitrahmen wie nun auch. Leider ist nichts ist dabei herumgekommen. Ausbildungen fangen ja im Durchschnittsfall in einem Monat an, und dann ist es wieder 1 Jahr warten.
 

Sisandra

Moderator
Teammitglied
Das habe ich letztes Jahr versucht, vielleicht zu kurzfristig aber im ähnlichen Zeitrahmen wie nun auch. Leider ist nichts ist dabei herumgekommen. Ausbildungen fangen ja im Durchschnittsfall in einem Monat an, und dann ist es wieder 1 Jahr warten.
Grundsätzlich stimmt das schon, aber manchmal werden Ausbildungsstellen nicht besetzt und man kann noch bis November einsteigen.

Versuch es einfach. Was hast du denn zu verlieren?
 

Saturday

Mitglied
Hallo Saturday,

du hast eine sehr interessante und bewegte Lebensgeschichte.
Hallo, danke für deinen Post. Ich würde sie nicht als Interessant oder bewegend bezeichnen, ich bin mir recht bewusst wie peinlich meine Story ist. Trotzdem muss es irgendwann mal raus.

Zu den Punkten:
Ich weiß schon was ich machen will, was ich mir vorstellen kann. Ich weiß auch, dass ich fast keine Chancen auf einen Eintritt habe. Und ich weiß nicht wer mir helfen kann, den Weg zu finden.
 
G

Gelöscht 60940

Gast
Ein Praktikum, und die spezialisierten Kenntnisse von der Arbeit bei meinem Vater habe ich auch, wobei die im Maschinenbau sitzen.
Ok, das ist eigentlich schon ein Anfang. Du hast dort vier Jahre gearbeitet. Ich würde dann folgendes machen. Du kannst dir das als Ausbildung anrechnen lassen und im Bereich Maschinenbau den schulischen Teil nachholen. Sollte sich da jemand quer stellen und dir nicht aushändigen von der Firma deines Vaters hast du folgendes in der Hand - man hat dich über mehrere Jahre bezahlt ohne, dass du dort wirklich gearbeitet hast. Ebenso hast du nun auch den Wohnort deines Vaters. Ich möchte nicht sagen, dass du nun ein "unmoralisches" Druckmittel in der Hand hättest - aber... er hat sich jahrelang um die Unterhaltszahlung (die man auch rückwirkend einklagen kann, weil schon ein Antrag vorlag aber dein Vater nicht auffindbar war - jetzt weiß man ja auch wo er ist und man kann sich auf die Klage von damals berufen) gedrückt.

Damit kannst du dann nämlich die Abschlussprüfung ablegen ohne die Ausbildung gemacht zu haben indem du dir die Jahre anrechnen lässt. Das sind immerhin 4 Jahre. Für die Abschlussprüfungszulassung ohne Ausbildung brauchst du viereinhalb meistens, das kann auch irgendein anderer Berufszweig sein, aber dennoch "verwandt" und nicht kontinuierlich. Solltest du also noch irgendwo ein halbes Jahr zusammenkratzen können - you got it.

Damit kannst du dich dann für die Prüfung anmelden und eine "Ausbildung" in der Tasche haben.

Dann nützt dir auch das Zertifikat etwas.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
G

Gelöscht 75067

Gast
Ich würde sie nicht als Interessant oder bewegend bezeichnen, ich bin mir recht bewusst wie peinlich meine Story ist.
Was ist denn genau peinlich? Du bist viel rumgekommen, hast einiges erlebt und konntest deinen Vater eins auswischen. Das ist so manches mehr als andere haben. Ich weiß, es ist abgedroschen: Kopf hoch, es gibt immer einen Weg nach vorn, gib nicht auf.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
E 28 Jahre alt, arbeitslos und keine Ausbildung Ich 2
S Ich hab keine Kraft mehr... Ich 8
J Ich finde keine Hobbys? Ich 14

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • Im Moment ist niemand im Chat.
  • Chat Bot:
    Raumnachrichten wurden entfernt!
  • Chat Bot:
    Gast Thadeus hat den Raum betreten.
  • (Gast) Thadeus:
    Hi
    Zitat Link
  • @ Otter:
    Hallo Thadeus
    Zitat Link
  • Chat Bot:
    Peter1968 hat den Raum verlassen.

    Anzeige (2)

    Oben