Hallo Thread-Eröffnerin.
Ich würde Dir gern meine Erfahrungen als Mutter eines jungen Mädchens schreiben, welches mit 17 schwanger wurde.
Meine Tochter hatte ihren 17. Geburtstag, als sie mir und meiner Partnerin (ich bin les.) verkündete, dass sie schwanger ist. Für mich brach eine Welt zusammen. Hatte ich nicht vor genau so einer Situation die größte Angst? War das nicht immer mein größter Albtraum? Hatte ich nicht geredet, gepredigt, was die Verhütungsthematik angeht? Ich sah das Leben meiner Tochter und meins förmlich den Bach runter gehen. Meine Tochter stand drei Monate vor dem Schulabschluss, sollte ab Sommer die Ausbildung machen bzw. eine weiterführende Schule besuchen. Und dann das.... Ich hab geheult, getobt, hatte Angst, Wut, Hilflosigkeit und die ganze Palette negativer Gefühle in mir drin. Eigentlich war mein Plan, in Kürze wieder Vollzeit arbeiten zu gehen. Sollte ich jetzt etwa die Verantwortung für das "Fehlverhalten" meiner Tochter übernehmen? Fragen über Fragen....
Um Antworten zu bekommen, war erstmal wichtig, zum Arzt zu gehen. Bis dato hatte meine Tochter nur einen Test aus der Apotheke gemacht, wir brauchten Klarheit. Mich immer noch an die Hoffnung klammernd, dass dieser Test evtl. falsch angezeigt hatte, sind wir also zum Gyn. gefahren. Der ist mit ihr ins Untersuchungszimmer, nach gut 10 Min. kamen sie da wieder raus ins Sprechzimmer, der Gyn. hatte einen Zettel in der Hand, den er vor sich auf den Tisch legte. Dann verkündete er: "Ihre Tochter ist schwanger" und ich brach in Tränen aus. Auf meine eher rethorische Frage mehr zu mir selbst denn an ihn gestellt: "heul....schnief... Was machen wir denn jetzt?... schnief... heul" antwortete er (mit etwas gebrochenem Deutsch, er ist gebürtiger Pole): Können Sie machen nix, ist 12. Woche plus 1! Klartext: Abbruch nicht mehr möglich, ich werde Oma - punkt.
Und weißt Du was, liebe TE? Ich war soooo froh! Keine Entscheidungsmöglichkeit mehr, keine Fragen nach dem Abbruch oder nicht Abbruch. In dem Moment ist mir als Oma soooo ein großer Stein vom Herzen gefallen. Weil ich mir in den zwei Tagen zwischen Verkündigung der frohen Botschaft und dem Arztgespräch natürlich auch die Frage gestellt habe, ob Abbruch nicht vielleicht das Beste wäre. Und wie es mir damit gehen würde, wenn meine Tocher sich für diese Option entscheidet. Die mir gar nicht gefallen hätte... Die ich aber mittragen hätte müssen - weil sie eben schwanger war.
Meine Tochter hat im Juni 2011 ihren Schulabschluss gemacht, im Juli 2011 den Führerschein und am 18.09.2011 kam Lara zur Welt. Im April des drauffolgenden Jahres hat meine Tochter ihre Teilzeitausbildung zur Krankenschwester begonnen, die geht insgesamt vier statt drei Jahre, ist in Teilzeit - also pro Tag 6 Std. Ich betreue die Kleine, während sie arbeitet bzw. zur Schule geht und gehe halt weiter Teilzeit arbeiten. Alle hier - meine Frau (zwischenzeitlich haben wir geheiratet), mein Sohn (der tollste Onkel, den ein Kind nur haben kann - obwohl er erst 17 ist), meine Tochter (die Mama der Kleinen) und ich - sind so froh, dieses Kind zu haben.
Tja, das war jetzt wohl irgendwie ein leidenschaftliches Plädoyer gegen eine Abreibung.
Was Dich angeht: Wenn Du Eltern hast, die zuhören und vor denen Du keine Angst hast, dann rede mit ihnen. Und wenn Dein Gefühl Dir sagt, dass Du das Kind gern bekommen möchtest, dann bekomm es. Vielleicht sagt der Verstand, dass es nicht gut geht, ein Baby zu bekommen. Aber es gibt so viele Hilfsmöglichkeiten, finanzieller und auch praktischer Art.
Wenn Du magst, kannst Du Dich auch gern mal mit meiner Tochter unterhalten.
Natürlich stellt ein Kind Dein gesamtes Leben und auch das Deiner Familie auf dem Kopf. Und natürlich verlangt die Entscheidung für das Kind viel Verantwortung von Dir. Egal wie Du Dich entscheidest - für oder gegen Dein Kind: Du musst mit dieser Entscheidung den Rest Deines Lebens klar kommen.
Ich wünsche Dir alles Gute und wenn Du magst, maile ich Dir mal meine email-Adresse.
Viele Grüße
Gudrun