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Thema: Was hilft bei der Trauerarbeit?

  1. #1
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    Standard Was hilft bei der Trauerarbeit?

    Mein Vater hat vor 4 Monaten sich das Leben genommen. Es war schrecklich. Ich war gerade am Flughafen und 10000km entfernt von zu Hause als mein Bruder mir mit den Worten mitteilte, dass mein Vater sich erschossen habe und jetzt die Kripo da sei. Danach saß ich 2 Stunden am Flughafen unfähig zu wissen, was ich tun sollte. Einen Rückflug sofort buchen? Ins Hotel fahren? Es war alles wie ein schlechter Traum und ich hoffte davon schnell wieder aufzuwachen. Ich wurde wütend, richtig wütend und wollte nicht, dass irgendjemand über meinen Vater trauert. Ich fand, dass er das nicht verdient habe. Meine Brüder haben eine schöne kleine Feier organisiert und ich habe am Anfang mit großem Widerwillen geholfen. Jetzt bin ich froh, dass wir das gemacht haben. Ich hatte kein gutes Verhältnis zu meinem Vater. Er war ein sehr zynischer und unglücklicher Mensch, der leider es nie schaffte sich seinen Problemen zu stellen. Stattdessen ließ er seinen Frust an seine Mitmenschen raus. Lange Zeit habe ich über meinem Vater schöne Momente und Zeiten gesucht und gehofft an etwas festhalten zu können. Ich habe nichts gefunden und das hat mich unendlich traurig gemacht. Jetzt nach dieser Zeit bleibt nur noch Leere übrig. Es ist so als ob nichts mehr von meinem Vater übrig ist. Ich habe noch die letzte SMS von meinem Vater in der er mir einen schönen Urlaub wünscht. Das ist alles was ich habe. Das ist irgendwie nichts.
    Wie geht ihr mit Trauer um? Was hat euch geholfen? Ich mache mir auch große Sorgen um meinem Bruder. Er hat meinen Vater auf der Terasse gefunden und es geht ihm sehr, sehr schlecht. Ich habe Angst, dass mein Bruder sich auch etwas antut. Wie kann ich ihm bei der Trauerarbeit helfen?
    Was sind eure Erfahrungen bzgl Trauerarbeit? Ich habe festgestellt, dass sich Freunde von mir abwenden wegen dem Suizid. Sie können wahrscheinlich nicht damit umgehen??
    Was macht ihr gegen soziale Isolation?

  2. Psychologen Online

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  3. #2
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    Standard AW: Was hilft bei der Trauerarbeit?

    Hallo Anais,

    Mein Beileid zu deinem Verlust.
    Selbst wenn man kein gutes Verhältnis - warum auch immer - hatte, beschäftigt ein solcher Ereignis einen selbst doch.
    Fangen wir mal bei der Sorge um deinen Bruder an - die Umstände auch der Fund sind schon harter Tobak.
    Ein Elternteil leblos aufzufinden ist ein traumatisches Ereignis.
    Wenn ein Familienmitglied derartig schwer auf den Verlust eines nahe liegenden Menschen reagiert, sind sinnvolle Möglichkeiten eher begrenzt. Man kann erstmal und sollte hier unbedingt für einander da sein . Denn wie bereits erwähnt, ist der Fund ein traumatisches Ereignis gewesen. Man kann schweigend zusammen sitzen oder einfach miteinander reden, viel.
    Man muss auch gar nicht über den Vater dann sprechen, denn viel wichtiger ist es dem Menschen das Gefühl zu vermitteln dass er jetzt damit nicht alleine ist.
    Auch halte ich professionellen Beistand, Seelsorge für eine Überlegung ratsam.

    Zu dem Umfeld, liegst du mit deiner Vermutung erstmal richtig. Der Tod ist unserer Gesellschaft ein schwieriges Thema und der Suizid oft ein Tabu.
    Es bleiben viele Fragen offen die keiner beantworten kann, oder nicht beantworten möchte. Auch fällt es den Menschen oft schwer, dann damit adäquat umzugehen. Hier kann man nur direkt miteinander sprechen und die Leute evtl darauf hinweisen, dass die Distanz falls nicht erwünscht auch nicht nötig ist.

    Aus deinem Text lässt sich bislang schließen, dass es auch keinen Abschiedsbrief bisher gefunden wurde ?

    Diese SMS scheint in Moment noch sehr wenig zu sein. Und doch, hast du diese bis heute behalten.
    Auch wenn das für den jetzigen Moment nicht besonders viel erscheinen mag, ist es doch sehr viel. Er hat dir einen schönen Urlaub gewünscht.
    Vor seiner Tat, dir noch diese SMS zu schicken, kann sehr Gefühl beinhalten. Manchmal fällt es den Menschen schwierig sich so auszudrücken, wie sie es gerne würden und begrenzen es dann auch auf ganz kleine Dinge - die doch viel mehr Aussagen sollen.
    Deine Wut ist vollkommen berechtigt. .....



    Was die Erfahrung angeht.
    Als ich 12 war ist mein Vater nach langer Krankheit dennoch relativ plötzlich verstorben. Ich kam damals von der Schule und es war für mich irgendwie "Ok". Ich wusste dass er schwerkrank war, hatten es auch schon geahnt und schließlich hatte er sich an diesem Morgen noch von mir verabschiedet. Alles war vollkommen anders als sonst und irgendwie konnte ich mich mit diesem merkwürdigem Gefühl während der Schulstunden darauf vorbereiten.
    Und obwohl er dort lag, viele Leute umher schwirrten, hatte es mich keineswegs übermäßig aus der Fassung gebracht.
    Nur der Rest der Familie ist damit natürlich nicht "so gut" zurecht gekommen.
    Damals lernte ich das erstes mal etwas von Trauerbewältigung kennen, hatte es für mich aber nicht als notwendig angesehen. Wie gesagt, für mich es war es Ok.
    **Erst eine Ewigkeit später, als sich mein Partner nach langjähriger Beziehung durch eine Überdosis das Leben nahm, geriet auch meine Welt ins schwanken. Wie ich fand, haben viele Leute furchtbar reagiert - sich zu viel angemaßt und ich blieb am Ende mit dem Verlust allein. Ich suchte zwar das Gespräch, doch man löcherte mich bloß mit Fragen. Fragen auf die ich zwar alle eine Antwort hatte - doch keine gab, aus Respekt. Er wird schon seine Gründe gehabt haben, warum er mit mir aber nicht mit anderen gesprochen hat.
    Außerdem hatten uns viele ähnliche und gemeinsame Erfahrungen verbunden, die einfach zu intim für unser Umfeld waren.
    Trotzdem blieben am Ende Selbstvorwürfe und tiefe Verzweiflung.
    Und hier erinnerte ich mich wieder an die Trauerbewältigung von früher. Meine Familie nahm damals das Angebot der Gespräche mit Bekannten, Seelsorgern,Therapeuten und Selbsthilfegruppen an - doch war dies alles keine Option für mich.
    Mir kam aber auch wieder in den Sinn, als meine Mutter im Garten Zettel verbrannte.
    Es waren Briefe die sie ihrem Mann schrieb.. .. und symbolisch verbrannte, um damit abschließen können.


    Als mein Partner damals ging, fiel ich von einem Extrem ins Nächste und wusste nicht wohin mit mir. ...
    Und so fing ich dann irgendwann an zu schreiben.
    Und halte an unsere Rituale fest .
    Jeden Dienstag um 11 Uhr eine Tasse Kaffee zu trinken oder eher hastig runter kippen, haben wir 7 Jahre lang auf biegen und brechen umgesetzt.
    Diese besondere Tasse Kaffee gönne ich mir noch immer, wenn auch alleine. Und auch noch heute schreibe ich Briefe..unzählige....allerdings ohne diese zu verbrennen, weil ich das nicht tun möchte.

    Vlt gefällt / fällt Euch dazu etwas ähnliches ein ?!


    Es ist wichtig zu trauern, aber auch sich selbst die nötige Zeit für alles zu geben.
    Wann, wie sehr und wie lange man trauert - ist einem jedem selbst überlassen.
    Trauern können wir auf ganze viele verschiedene Weisen.
    Rituale fortführen und Briefe sind nur 2 Möglichkeiten. Man kann sich aus der Kleidung ein Erinnerungsstück nähen, damit dennoch etwas greifbares hat. Oder persönliche Gegenstände aufbewahren.
    Und eben für einander da sein ....

    Im Leben getrennt,im Herzen vereint

  4. Für den Beitrag dankt: SchwarzeSeele

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