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Thema: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

  1. #11
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    Standard AW: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

    Einer meiner Nachbarn Gregor fährt mit mir ab und zu einkaufen, weil er kein Auto besitzt. Er ist behindert und bewegt sich öffentlich mit einem Elektro-Mobil. Weil er eher auf die ganze Welt schimpft, ist er nicht beliebt. Er ist schon eigensinnig. Im Januar hat er einen Schlaganfall erlitten. Er sprach verwirrt, hatte Verfolgungswahn. Er kam ins Krankenhaus, wurde nach mehrwöchiger Behandlung als gesund entlassen.

    Vor ca. 2 Wochen rief ich ihn an, um zu erfahren, wie es ihm geht. Ich war besorgt, weil er tags zuvor wieder verwirrt sprach und sogar eine imaginäre Stimme in der Garage gehört hatte, in der er sich bei Kälte im T-Shirt 4 Stunden lang aufhielt. Er hob nicht ab. Auch auf mein Schellen und Klopfen reagierte er nicht. Ich informierte die Polizei, da ich Schlimmstes befürchtete. Die Polizei incl. Feuerwehr rückte an. Nach mehrmaligem Schellen wurde die Türe aufgebrochen. Das dauerte 15 Minuten! Was für ein Krach. Als Polizei, Feuerwehr und Notarzt bei Gregor vor dem Bett standen, drehte sich Gregor im Bett um und sagte ganz klar: "Ich empfehle ihnen, meine Herren, dass sie wieder nach Hause gehen".

    Gestern fragte ich ihn, warum er bei dem Lärm nicht an die Türe gegangen sei. "So hätte doch jeder normale Mensch gehandelt." Er meinte: "Nö, ich mache das aber nicht. Ich mache was ich will."

    Er gehört ins Krankenhaus, ist verwirrt, packt die Realität nicht mehr. Aber er geht freiwillig nicht ins Krankenhaus, weil man ihn vergiften könnte. Niemand kann etwas tun.... Freiheitsrechte.... und solange er niemanden angreift oder Suizidabsichten äussert, lebt er eben wie er lebt. Ich versorge ihn, soweit es mir möglich ist. Keiner der Nachbarn möchte etwas mit ihm zu tun haben. Er riecht schon mal unangenehm.

    Man kann nur eben die Augen offen halten und ins Gespräch kommen... Auch er wird vermutlich eines Tages einfach "einschlafen". Ich bin sein einziger "Angehöriger" - und nicht verwandt. Auch das gehört zum Leben.

    Es kann jedem von uns passieren. Alt werden, einsam sein, die Realität nicht mehr verstehen.

    -------------

    Eben hat bei mir der Hauseigentümer angerufen. Er erzählte, dass er Gregor die Kündigung per Einschreiben zugeschickt hätte, aber die sei nicht abgeholt bzw. entgegengenommen worden. Der Hauseigentümer fragte, ob ich so nett wäre, Gregor die Kündigung persönlich zu übergeben. Nein, ich bin nicht so nett.

    Ich erzählte, dass Gregor doch krank bzw. verwirrt sei und da sei Nächstenhilfe und Nächstenliebe gefragt. "Ja" meinte der Eigentümer, "aber das geht zu meinen Lasten. Je länger Sie ihm helfen, je schwieriger wird es für mich, ihn aus der Wohnung zu kriegen."

    Tja, das ist dann eben so.

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  3. #12
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    Standard AW: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

    Hallo Nordrheiner,

    ich finde es sehr lobenswert wie du deinem Nachbarn hilfst und ihn unterstützt so weit es dir nur möglich ist.
    Das finde ich absolut vorbildlich! Und schön zu lesen.

    Ich kenne das so ähnlich von meinen Eltern. In dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, war es fast genau so. Jeder kannte jeden. Man saß an Silvester zusammen, hat im Sommer gemeinsam gegrillt und die älteren Herrschaften wurden von den jüngeren unterstützt. Ich kenne das auch, dass man sich in der Nachbarschaft nicht fremd sein sollte.

    Selbst als ich damals vom Land dann in die Großstadt gezogen bin, hatte ich immerhin zu 2-3 meiner Nachbarn ganz guten Kontakt.
    Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, merkte ich, als ich dann wieder umzog... In eine andere Stadt.
    Da war es quasi direkt so, dass man sich einander unsympathisch fand ohne überhaupt einander wirklich zu kennen. Das war ganz, ganz seltsam. Meine Nachbarn dort konnten im Grunde nur meckern. Das fand ich furchtbar.

    Jetzt wohne ich hier in Schweden wieder in einer überschaubaren Kleinstadt. Und trotzdem ist es hier im Hause so, dass man zu den Namen an den Klingelschildern nicht mal ein Gesicht hat...
    Die Hausverwaltung organisiert manchmal (insbesondere jetzt zur Weihnachtszeit) Kuchen- und Kaffeetreffen. Das finde ich eine schöne Idee. Leider lagen die Termine dafür immer in meiner Arbeitszeit... Aber ich würde gern ein paar Kontakte zu den Nachbarn hier knüpfen... Doch viele wirken auch hier sehr in sich gekehrt...

  4. #13
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    Standard AW: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

    Ja, das kenne ich. Die Menschen sind oft zurückgezogen. Dafür gibt es viele mögliche Gründe. Vielleicht auch schlechte Erfahrungen? Angst davor, man könnte ausgeraubt werden?

    Neulich erfuhr ich, dass viele Obdachlose keine fertigen Lebensmittel (z.B. Butterbrote) annehmen, da sie befürchten, dass zerkleinerte Glassplitter oder Rasierklingen oder unappetitliche Dinge untergemischt sind.

    Mir ist es egal, wie andere Menschen in Sachen Nächstenliebe denken. Ich mach mein Ding. Im Haus bin ich hier der Einzige, der so handelt.

    Von L. Tolstoi wird berichtet, dass Tolstoi auf der Straße einen Bettler traf. Tolstoi wollte ihm etwas Geld geben, fand aber nichts. Er sagte zu dem Mann: "Bruder, tut mir leid, aber ich habe kein Geld mit mir." Der Bettler antwortete: "Das ist nicht schlimm. Du hast mir mehr gegeben, als andere Menschen mit Geld getan haben. Du hast mich Bruder genannt."

  5. #14
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    Standard AW: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

    Ich kann dich verstehen, TE. Es ist ein schwieriges Thema. Oft ist man einfach "nur" eine Nachbarschaft. Manche Leute leben absichtlich zurückgezogen und würden gar keine Hilfe wollen. Nicht bei jedem alten Menschen geht man davon aus, dass er allein ist.

    Es stimmt aber schon, unsere Gesellschaft wird immer anonymer. Und wo man früher noch etwas mehr auf die anderen geachtet hat, guckt man heute eher weg oder bemerkt es einfach nicht.

    Du hast mit der alten Frau immer wieder ein paar nette Worte gewechselt und sie erzählen lassen. Und du hast dir Gedanken über sie gemacht. Ich denke, alleine das ist schon etwas, was du nicht vollkommen ausklammern solltest.

    Bevor meine zwei Katzen bei mir gelandet sind, haben sie bei einer alten Frau gelebt. Die hatte am Ende wohl auch leider Demenz oder Alzheimer und keiner der Angehörigen hat sich für sie verantwortlich gefühlt. Die Nachbarn haben erzählt, dass sie sehr zurückgezogen gelebt hat. Keiner wusste so richtig, ob sie Familie hat und wenn ja, ob da der Kontakt gut ist.

    Auch sie lag einige Zeit lang tot in der Wohnung. Meine Katzen waren bei ihr. Die Nachbarn haben gesagt, sie wussten nicht ansatzweise, dass die alte Dame Katzen hat. Wenn sie es gewusst hätten, hätten sie natürlich viel früher gehandelt.

    Sehr viel später habe ich eine Angehörige kennen gelernt, von der ich meine Katzen habe. Sie hat die Katzen sehr lieblos und schlecht gehalten. Eigentlich hat sie ständig erzählt, wie viele Freunde und Bekannte die alte Dame gehabt hat und dass quasi ständig die Bude voll war. Egal, ob sie das der Angehörigen jetzt so erzählt hat, damit sie nicht komisch dasteht oder ob die Angehörige das als Rechtfertigung und Ausflucht hergenommen und erfunden hat, letzten Endes ist die alte Frau gestorben und lag eine beachtliche Zeit in der Wohnung und erst, als es immer unerträglicher gestunken hat, hat man gehandelt.

    Ich finde die Geschichte unfassbar traurig.

    Warum erzähle ich dir das jetzt? Weil ich sie nie kennen gelernt habe. Aber ich habe ihre Katzen sehr lieb. Sie führen bei mir ein wunderbares Leben und ich tue alles für sie, was mir möglich ist. Ich denke mir, dass das etwas ist, was der alten Frau sehr wichtig gewesen sein muss, denn meine Katzen hatten es lange Zeit ebenfalls sehr gut bei ihr und haben Menschen als etwas eigentlich positives kennen gelernt und wurden dahingehend geprägt. Vielleicht hat es sie beschäftigt, wie es mit ihren Katzen weitergehen wird. Vielleicht hat sie sich gefragt, wo sie hinkommen werden. Und nachdem es meinen Katzen einige Zeit nicht gut ging, sind sie jetzt bei mir und sind glücklich.

    Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich frage jetzt bei meinen Nachbarn öfters nach, wie es ihnen geht. Gerade bei den älteren. Ich habe ein nettes Ehepaar im Haus, die sind schon sehr alt und der Kontakt ist gut. Ich biete ihnen immer wieder an, dass wenn ich etwas für sie tun kann, sie mich jederzeit anrufen oder klingeln können. Sie haben nochmal einen alten Kater zu sich geholt und ich habe ihnen versprochen, wenn sie sterben oder in ein Krankenhaus kommen sollten etc. dass ich mich solange um ihn kümmere und ich auch einen entsprechenden Kontakt anrufen werde.

    Ich habe irgendwie aus der Geschichte gelernt. Und das finde ich wichtig: das nicht so stehen zu lassen und nicht nur traurig zu sein, sondern etwas zu ändern, soweit das geht. Klar, du kannst deiner Nachbarin jetzt nicht mehr helfen und auch nichts mehr für sie tun, aber für andere Nachbarn oder Mitmenschen kannst du das.

    Vielleicht hatte sie auch Angehörige, die sich kaum gekümmert haben. Die sich nicht darum bemüht haben, dass sie in eine Alteneinrichtung kommt oder einen mobilen Pflegedienst hat, der vorbeikommt oder eine Haushaltshilfe. Da kann man jetzt spekulieren. Man weiß es nicht.

    Ich würde mich auch auf meine Art von ihr verabschieden. Sowas kann sehr gut tun. Zünde doch eine Kerze für sie an oder sammle ein wenig Geld unter den Nachbarn für ein hübsches Blumengesteck und übergebe das ihren Angehörigen.

  6. Für den Beitrag dankt: ~scum~

  7. #15
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    Standard AW: Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung...

    Ich finde alte Leute sollten generell nicht mehr allein wohnen.
    Ab 70 sollte man definitiv ein betreutes Wohnen oder ein Mehrgenerationenhaus ins Auge fassen.


    Die Wahrscheinlichkeit, dass allein lebenden alten Leuten sowas passiert ist schon höher, als bei jungen Leuten.

    Schlimm finde ich generell, dass sowas passiert. Du bist da kein Einzelfall. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

    Also Leute, wenn ihr alte Leute in der Nähe habt, die allein wohnen (mögen sie euch noch so unsympathisch vorkommen) und ihr seht sie länger nicht, dann klingelt als erstes bei den Nachbarn und hakt da nach (vielleicht wissen die ob sie verreist sind). Das fördert auch gleich das Sozialverhalten im Wohnhaus. Und falls nicht ruft bei der Polizei an. Entweder allein oder ihr schließt euch zusammen. Die Polizisten reißen euch da keinen Kopf ab. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig-

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