Als mein Vater gestorben ist, und ich somit an seine privatesten Sachen musste, war das ein Gefühl, wie wenn ich etwas Verbotenes tun würde. Das Eindringen in seine Privatsphäre ist mir sehr schwer gefallen. Wir haben von den Eltern gelernt, dass man die Privatsphäre auch innerhalb der Familie wahrt und nicht in den Sachen der anderen rumstöbert, oder sogar rumschnüffelt. Und es wurde auch von allen Seiten so gehandhabt.

Besonders seine heilige Nachttisch-Schublade war für mich sehr schwer zu öffnen und durchzuschauen. Einfach weil es sich so falsch anfühlte.

Zum Glück habe ich keine schlimmen Geheimnisse gefunden. Das einzige war ein Sexual-Ratgeber für junge Eheleute, datiert aus den 60er Jahren, was ich nicht peinlich fand. Und in einem anderen Schrank fand ich lustige Fotos von Parties von früher, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Die hatten ja auch ganz schön gefeiert...

Aber was ich gelernt habe daraus ist, es gibt keine Privatsphäre mehr, wenn man verstorben ist. Besser schaut man, dass man nichts hinterlässt, dass keiner sehen soll...