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Thema: Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

  1. #1
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    Standard Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

    Hey, mir fällt es nicht so leicht hier zu schreiben, schon alleine aus dem Grund, weil meine Uroma noch lebt und ich mich dem Gedanken eigentlich nicht hingeben möchte, dass wir Weihnachten vielleicht schon ohne sie verbringen müssen. Auf der anderen Seite sieht es aber auch nicht wirklich gut aus.

    Meine Uroma ist 91 Jahre alt. Nach ihrem 90. Geburtstag hat sie rapide abgebaut. Das Laufen ging ab da nicht mehr so gut, das Fahrradfahren musste sie einstellen, weil sie mehr als einmal gestürzt ist. Ihre Ohren machten eh schon nicht mehr so richtig mit. Aber sie fing dann langsam auch an Anzeichen von Demenz zu zeigen. Jeder, der demenzkranke Mitglieder in der Familie hat weiß wie schwer so eine Situation manchmal ist und ich möchte das auch gar nicht weiter ausführen. Auf jedenfall war sie dann seit Juli 2012 in einem Seniorenheim, nachdem es zu Hause einfach nicht mehr ging. Von Besuch zu Besuch konnte man den Verfall meiner geliebten Uroma sehen, es brach mir jedes Mal fast das Herz wenn ich wieder da war und sie mich nicht erkannte oder nur wirres Zeug geredet hat. So wollte sie nie werden, einer ihrer größten Wünsche war es friedlich einzuschlafen und in Würde zu sterben, aber das wird ihr so nicht erfüllt werden. Seit sie dement ist, hat sich ihre ganze Persönlichkeit geändert, sie ist aggressiv, schlägt um sich, kratzt beißt, ist unfreundlich, eben genau anders als sie es sonst immer wahr. Ein Albtraum für sie so zu werden, da sie dies bereits von ihrer Mutter her kannte.

    Also sie noch nicht komplett dement war, merkte sie ja selber noch, dass sie langsam "blöd in der Birne wird", wie sie es selber immer nannte und formulierte auch, dass sie sich selber das Leben nehmen würde, wenn sie könnte, aber sie habe ihrem Gott geschworen, dass sie nicht zur Selbstmörderin wird.
    Dazu muss man wissen, dass sie es zeitlebens nie leicht hatte. Ungewollt schwanger mit 20, von einem Mann der sie nicht heiraten durfte und das in den 40er Jahren, ein Skandal in einem kleinen Ort. Danach alleinerziehend, mit einer tyrannischen Mutter, die sie als Abfall betrachtete.

    Auf jedenfall ist sie in der letzten Woche in eine Demenzstation verlegt worden in einer Psychiatrie, da sie nur dort mit den passenden Medikamenten eingestellt werden konnte. Heute erhielt ich dann die Nachricht, dass meine Uroma gestürzt sei, nun im Krankenhaus liegt, sehr schlechte Nierenwerte hat und nicht mehr ansprechbar ist.
    Mir kommen schon wieder die Tränen, wenn ich dieses schreibe.
    Der behandelde Arzt ließ wohl vorsichtig anklingen, dass es wohl nicht realistisch sei, dass es meiner Uroma bald wieder besser gehen würde und dass man sich überlegen müsse wie man weiter verfährt.

    Ich weiß gerade nicht genau was ich tun soll. Ich habe nur noch 2 Tage Urlaub, sodass ich nicht die ganze Woche in meine Heimat fahren kann. Auf der anderen Seite bin ich stark erkältet, sodass ich meine Uroma vermutlich eh nicht besuchen dürfte, um sie nicht zusätzlich zu gefährden.
    Und zusätzlich sitzt einem natürlich noch die Verantwortung durch den Job im Nacken...


    Ist es richtig sich schon zu verabschieden oder überwältigt mich gerade nur meine Trauer und meine Gedanken? Ich weiß es nicht...

  2. #2
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    Standard AW: Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

    Zunächst mal finde ich es sehr schön, dass Dir Deine Uromi so am Herzen liegt. Es tut mir natürlich sehr leid, dass es ihr so schlecht geht - nicht mehr ansprechbar ist und die Nierenwerte auch nicht sonderlich gut sind.

    Es ist verständlich, dass Du Dir soviele Gedanken machst- gerade weil sie Dir was bedeutet.

    Wenn Du erkältet bist- glaube ich tatsächlich, dass ein Besuch Deinerseits gefährlich werden könnte.

    Unabhängig davon jedoch - denke ich sehr gut, dass Du "spürst" wenn es ihr schlecht geht und vielleicht aus dem Bauchgefühl heraus doch die Situation realistischer einschätzen kannst- als Außerstehende.

    Auf jeden Fall würde ich die nächst mögliche Gelegenheit ergreifen- sie zu besuchen.

    Ich weiss natürlich, wie schwer es ist- das Ganze beruflich unter einen Hut zu bekommen.

    Aber sehs mal so:

    Du hast immerhin noch 2 Tage Urlaub. Wenn Du den vor einem Wochenende nehmen könntest- so wären es immerhin knapp 3 Tage. Wäre sicherlich zwar anstrengend für Dich-
    aber auf der anderen Seite soll sie sehen, dass sie nicht alleine ist. Auch wenn sie dement sein sollte-
    auch wenn sie nicht mehr ansprechbar sein sollte-
    ich bin der Überzeugung, dass sie Dich in irgend einer Form wahrnehmen wird.

    Du sollst natürlich nicht das Schlimmste denken-
    doch es kann nicht schlecht sein- Dich gedanklich irgendwie damit auseinanderzusetzen.

    Sicherlich würdest Du es später bereuhen, wenn Du sie nicht besuchen würdest.

    Egal, was passiert-
    ...so bald es Dir besser geht- würde ich die 2 Tage Urlaub einreichen- und sie besuchen- damit Du bei ihr bist und sie spürt, dass sie nicht alleine ist.

    Alles erdenklich Gute und viel Kraft!

    lg, Sissy
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  3. #3
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    Standard AW: Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

    Danke für deine liebe Antwort Sissy73,

    ja recht hast, ich würde es mir nicht verzeihen wenn ich sie nicht mehr besuchen würde.
    Ich bin ja froh, dass meine Oma und meine Mama noch vor Ort sind, sodass meine Uroma nicht alleine sein muss.
    Falls sie etwas am Zustand meiner Uroma ändert bekomme ich natürlich sofort bescheid.

    Was mir nur Angst bereite ist einfach, dass sich der Zustand so schnell ändern kann, dass ich keine Zeit mehr habe. Das belastet mich und macht mich sehr traurig.

    Auf der anderen Seite kann es natürlich auch sein, das sie sich wieder erholt, auch wenn mir klar ist, dass in diesem stolzen Alter alles möglich ist.

    Ich denke ich werde eine gepackte Tasche im Auto haben und einen unterschriebenen Urlaubszettel haben, damit ich sofort reagieren kann..

    Falls sich bis zum We nichts ändert fahre ich dann auf alle Fälle in die Heimat.

  4. #4
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    Standard AW: Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

    Zitat Zitat von SerendipityW Beitrag anzeigen
    Danke für deine liebe Antwort Sissy73,

    ja recht hast, ich würde es mir nicht verzeihen wenn ich sie nicht mehr besuchen würde.
    Ich bin ja froh, dass meine Oma und meine Mama noch vor Ort sind, sodass meine Uroma nicht alleine sein muss.
    Falls sie etwas am Zustand meiner Uroma ändert bekomme ich natürlich sofort bescheid.

    Was mir nur Angst bereite ist einfach, dass sich der Zustand so schnell ändern kann, dass ich keine Zeit mehr habe. Das belastet mich und macht mich sehr traurig.

    Auf der anderen Seite kann es natürlich auch sein, das sie sich wieder erholt, auch wenn mir klar ist, dass in diesem stolzen Alter alles möglich ist.

    Ich denke ich werde eine gepackte Tasche im Auto haben und einen unterschriebenen Urlaubszettel haben, damit ich sofort reagieren kann..

    Falls sich bis zum We nichts ändert fahre ich dann auf alle Fälle in die Heimat.
    Es ist schon mal ganz gut, dass Du auf dem Laufenden bleibst!
    Die Idee mit der gepackten Tasche ist eine sinnvolle Lösung- ebenfalls, sofort, wenn sich was ändert-
    Urlaub einzureichen.

    Besuchen würde ich sie auf jeden Fall-
    aber es ist schon mal gut, dass sie nicht alleine ist.

    Weisst Du-
    ich glaube schon, dass man bei geliebten Menschen ein persönliches Gespür entwickelt-
    um richtig zu reagieren. Es kann natürlich tatsächlich sein, dass es ihr vielleicht ja schon bald wieder besser geht.
    Dennoch solltest Du auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

    Egal was passiert-
    ...es ist schon mal beruhigend, dass sie nicht alleine ist.

    Jetzt versuch einfach zur Ruhe zu kommen-
    sei Dir bewusst, dass sie in guter Behandlung ist und alles nötige für sie getan wird.

    Es bringt nichts - Dir zuviele Gedanken zu machen-obwohl man das natürlich erfahrungsgemäß nicht abstellen kann.

    Doch dass sie nicht alleine ist- das ist das Wichtigste...- so gesehen,
    egal was passiert-
    am Ende hat man vieles dann doch nicht in der Hand.

    Doch ich wünsche Dir,
    dass Du die richtige Entscheidung treffen kannst zum richtigen Zeitpunkt und dass Du Dir immer vor Augen hältst,
    dass sie- selbst wenn Du nicht direkt vor Ort sein kannst- immoment so und so nicht alleine ist.

    Das sollte doch ein wenig beruhigend für Dich sein!

    lg, Sissy
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  5. #5
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    Standard AW: Meine Uroma scheint ihren letzten Weg zu gehen.

    Ja das bin ich auch sehr froh drüber. Ich bin froh, dass wir uns in unserer Familie so gut verstehen, dass niemand den anderen alleine in seiner Not und Trauer lässt.
    Wir lieben unsere Uroma alle sehr und haben immer schon versucht so gut es geht alles für sie möglich zu machen. Und ich weiß auch, dass sie sich darüber freuen würde, dass wir an sie denken und sie nicht alleine lassen. Selbst wenn sie dies niemals so zeigen konnte.

    Ich werde morgen nochmal hören wie es aussieht, meine Mutter hat das heute ebenfalls erst erfahren und fährt morgen früh ins KH.
    Ich weiß, dass mir meine Familie sofort sagen würde, wenn die Situation einem Abschied entgegen geht, sodass ich noch die Möglichkeit habe auf wiedersehen zu sagen.

    Natürlich muss man in dem Alter mit allem rechnen und seitdem sie vor 6 Monaten so extrem abgebaut hat, ist uns allen bewusst, dass jedes Leben irgendwann endlich ist. Aber ich glaube selbst wenn man dies weiß, so ist man nie genügend auf diesen Moment vorbereitet.

    Und mich beruhigt, dass meine Uroma immer auf uns zählen konnte und sich immer bewusst war, dass sie geliebt wurde und wird.

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