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Thema: Und wenn es nicht geht??

  1. #1
    Hamtho
    Gast

    Standard Und wenn es nicht geht??

    Hallo,

    ich bin in einer Psychotherapie!
    Und immer wieder finde ich mich in einer ähnlichen Situation wieder: die Therapeutin rät mir, daß ich Dinge, vor denen ich Angst habe, einfach tun soll. Ihnen begegnen! Mir selber den Druck nehmen! Die Erfahrung machen, daß ich es aushalten kann. Und dann die Erfahrung machen, daß die Angst langsam ihren Schrecken verliert.

    In der Situation selber bin ich dann aber wieder ganz alleine! Und auf einmal türmt sich alles wieder zu so einem Berg auf, daß ich es einfach nicht selber in den Griff bekomme. Und nun? Was ist, wenn es einfach nicht geht? Wie soll ich dann meine positiven Erfahrungen machen? Was kann ich denn in einer solchen Situation tun? Einfach Zähne zusammenbeissen und durch bekomme ich einfach nicht hin! Auch wenn ich es gerne wollte!

    Irgendwas kann doch hier nicht stimmen...

    Wer weiss einen Rat?

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  3. #2
    BettyBoo
    Gast

    Standard AW: Und wenn es nicht geht??

    Das klingt nach Verhaltenstherapien. Vielleicht würde eine psychoanalytisch orientierte Gesprächstherapie mehr Sinn machen.

  4. #3
    Registriert Avatar von bird on the wire
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    Standard AW: Und wenn es nicht geht??

    Soweit ich weiß, steigert man die Aufgaben in einer Verhaltenstherapie. Vielleicht mußt Du einen Schritt zurück gehen und die Aufgabe kleiner machen.

    Wenn Du Höhenangst hast, kannst Du nicht einen Leuchtturm besteigen, sondern vielleicht nur 3 Stufen hochgehen. Und die so lange stetig hinaufgehen, bis Du auch die vierte, fünfte und 20. nehmen kannst.
    Wenn Du Angst vor Spinnen hast, reicht es zunächst, sie von weitem zu betrachten und es wäre überfordernd, sie direkt auf den Handrücken zu nehmen.


    Was sagt Deine Therapeutin zu Deiner Verzweiflung?

    Sagst Du ihr, wenn es Dir noch nicht gelingt, das umzusetzen, was sie Dir geraten hat? Ist ja nicht so schlimm, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Oder fühlst Du das als Dein Versagen? Und verschweigst es ihr womöglich? Sprich mit ihr über Deine Erfahrungen. Überleg mit ihr zusammen, bis zu welchem Grad eine positive Erfahrung für Dich möglich ist und wann das ins Negative kippt. Laß Dich von ihr stärken.


    Vielleicht denkst Du aber auch mal über alternative Methoden nach. Das kannst Du auch mit ihr besprechen, ob sie Dir da was raten kann.


    Ansonsten kann ich Dir nur raten, sei freundlich und geduldig mit Dir. Sei mit Dir so großzügig wie du es mit Deinem besten Freund sein würdest, den Du sicher auch nicht verurteilen würdest, wenn er mal was nicht auf Anhieb umsetzen kann, sondern noch ein zwei oder drei Anläufe braucht oder auch mal einen Schritt zurück gehen muß.


    In einem hat Deine Therapeutin allerdings Recht - das kann ich Dir als jemand sagen, der 15 Jahre aus Angst nicht mehr zum Zahnarzt gehen konnte - wenn Du die Erfahrung machst, daß es aushaltbar ist, dann löst sich sehr vieles und Deine Lebensqualität wird sich enorm verbessern. Dafür lohnt es sich, sich zu überwinden und den einen Schritt zu gehen, von dem Du glaubst er sei zu hoch und Du könntest den nicht mehr schaffen.


    Ich wünsche Dir Mut.

  5. #4
    Gast
    Gast

    Standard AW: Und wenn es nicht geht??

    Und wenn es nicht geht? Ist das nicht eine falsche Fragestellung? Die Frage ist doch eher, wie es geht. Ängste können mit Konfrontation kleiner werden, aber wenn du - nur weil es deine Thera gesagt hat - zu verbissen an die Angst gehst, dann geht´s halt wirklich nicht. Deine Seele hält nur das aus, was du gerade - in diesem Moment - fertig bringst. Geh es langsam an, immer wieder, aber nur dann, wenn du dich in der Lage fühlst. Ein paar Tricks könnte ich dir ja geben, z.B. einen starken Pfefferminzhaltigen Kaugummi kauen. Wenn der Körper mit kauen beschäftigt ist, ist die Angst schon mal kleiner. Wenn die Angst größer wird, lege ein paar getrocknete Linsen oder Erbsen in deine Schuhe. Der Schmerz an deinen Füßen holt dich schnell wieder ins hier, heute und jetzt.
    Ich bin z.B. ganz langsam an meine Angst gegangen, hatte höllische Panik vor überfüllten Straßenbahnen und Bussen. Zuerst ging ich nur zur Haltestelle, setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Geschehen um mich herum. Das habe ich so lange gemacht, bis ich mich stark genug fühlte, in die Straßenbahn einzusteigen. Das habe ich nicht gleich in der Hauptverkehrszeit gemacht, sondern erst mal, wenn weniger Menschen unterwegs waren. Zuerst nur eine Haltestelle. Auch hier habe ich das so lange gemacht, bis ich in der Lage war, mein an der Endhaltestelle zu erreichen. OK, hat mich viel Angstschweiß und viel durchgeschwitzte Klamotten gekostet, aber es war der Mühe wert und es war wirklich viel Mühe, waren einige Monate bis ich es geschafft hatte und es gab immer wieder Rückschläge, vor allem dann, wenn ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt hatte. Wichtig war mir auch, woher meine Angst kommt. Parallel suchte ich nach den Ursachen, die ich in meiner Kindheit schließlich fand.

    Bei meiner Spinnenphobie ging es leichter. Ich habe im Zoo erst mal die Spinnen im Terrarium angeschaut. Viel, viel später dann beim Tierpfleger die Haut einer Vogelspinne berührt und noch viel später schaffte ich es, eine Vogelspinne auf meiner Hand zu halten. Auch hier galt, von nichts kommt nichts, es war wieder viel Mühe.

    Ich würde an deiner Stelle nicht gleich aufgeben, mach weiter und wenn du merkst, dass du mit deiner Thera nicht klar kommst, such dir eine andere. Was nützt es dir, wenn deine Thera dir sagt: "umarme dein Angst". Das stimmt zwar, ist aber eben wirklich nicht so einfach wie es ausgesprochen wird.

    Ich wünsch dir viel Kraft und Durchhaltevermögen und möchte dich ermuntern weiter an dir zu arbeiten.

    liebe Grüße
    Momo

  6. #5
    Registriert Avatar von bertil
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    Standard AW: Und wenn es nicht geht??

    Wenn Psychotherapie bewirken könnte, dass man auf Aufriß geht wie Blücher und
    den heißen Wai auslacht, könnten die ganz andere Honorare verlangen.

    Es geht darum, in der Normalität anzukommen. Anders gesagt auf halbem Weg. Die
    restliche Distanz müssen auch die Gesunden selber bewältigen.

    Wenn man die Geisterbahn schon von Weitem nicht aushält, das ist das Zuviel der
    Krankheit. Wenn man direkt davorsteht und nach Ausflüchten kramt, ist man in der
    Normalität angelangt. Darin besteht ja die Dienstleistung einer Geisterbahn.

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