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Thema: Lebensbuch.

  1. #6
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    Standard AW: Lebensbuch.

    Es liest sich für mich so als wärst Du an dem Punkt im Leben angelangt, in dem Du zum ersten Mal Bilanz ziehst. Vielleicht hier etwas bewusst überspitzt und in zwanghaft pointierter Form. Die Grundaussage ist für mich: Ich bin (fast) 30 und alleine: "Ich bekomme die ersten Falten und fange an schlecht zu sehen. Dabei will ich doch noch viele infantile Dinge machen."
    Ich denke, dass ist eine Phase, die Ende 20 normal ist. Das war bei mir ähnlich. Ich dachte, so etwas geht erst Ende 30 los - aber aus heutiger Erfahrung weiß ich: Da sind diese Phasen schon wieder vorbei.
    Entweder man hat für die wichtigen Dinge gekämpft oder man findet sich damit ab, dass man sie nicht erreicht hat.

    Irgendwie sehe ich es (10 Jahre älter als Du!) inzwischen wieder lockerer.

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  2. #7
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    Avatar von malou.
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    Standard AW: Lebensbuch.

    Heute haben wir (d.h mit Hilfe meiner Brüder + Stiefvater) Möbel hochgetragen.
    Ich bin froh, wenn ich hier weg bin.

    Selbst ohne jegliche Konflikte ist es einfach an der Zeit auch einmal allein, eigenständig und anderswo zu sein.
    Ich bin bald 30.

    Ganz oft denke ich daran, wie so andere in meinem Alter leben. Viele leben mit einem Partner zusammen und/oder bereisen die Welt.
    Und ich hocke irgendwie bei meinen Eltern, meiner Oma, meinem Bruder mit Frau und Neffem.
    Und ich fühle mich dabei unweigerlich in eine Rolle gepresst.
    Ganz gleich wie sehr es im Bewusstsein aller angekommen ist wer und wie ich bin - Es sind ständig alte Erwartungsmuster, Self-Fulfilling Prophecies, Co-Abhängigkeiten und Rollen, die auf mich übertragen werden.
    Manchmal unbewusst, manchmal bewusst. Kommunikationsprobleme, die auslösen, dass ich wie erwartet reagiere und handel und dieses ständig wie ein Kind, ein trotziger Teenager oder etwas kleines, Unselbstständiges wirke und reagiere.
    Man "triggert" sich gegenseitig in seine Rollen. Stülpt sich gegenseitig unaufhörlich über.
    Das fühlt sich toxisch und unpassend an.
    Das will ich nicht.

    Immer, wenn ich einmal allein verreise oder irgendwo übernachte fühle ich mich frei. Ich blieb, nachdem mit den Möbeln geholfen worden ist, noch etwas in der Nachbarschaft.
    Es fühlte sich an, als würde ein Ballast abfallen.
    Ein Ballast der mich klein macht. Wirklich.
    Ich fühle mich gut.

    Ich bin gerade erinnert daran, wie es war, wenn ich einmal als Kind allein auf Kindergeburtstagen war oder bei Klassenkameradinnen übernachtete oder auf Klassenreise war und ich mich richtig gut und frei fühlte.
    Und wenn meine Mutter mich abholte, dann wollte sie mir immer einreden, dass ich sie ja wahnsinnig vermisst hätte und ich wegen ihrem Verlust wohl bald krank geworden wäre.
    "Na, hast du mich sehr vermisst? Ja, du hast mich sehr vermisst" - Dabei habe ich sie überhaupt gar nicht vermisst, sondern war froh, dass man auch einmal woanders war.
    Das war nicht einmal "böse" gemeint und hatte nicht zu bedeuten, dass ich es bei ihr schlecht gefunden hätte oder per se froh wäre "weg zu sein", aber man möchte als Kind eben nicht immer allein bei der Mutter sein, sondern ist auch mal gern irgendwo allein ohne Mutter und möchte "frei" agieren oder will mit anderen Kindern sein.
    Das darf auch Spaß bringen.
    Ich war ein sehr ehrliches Kind. Ich sagte oft: "Nö. Hab ich nicht!".
    Dann tat meinte Mutter immer traurig: "Ach, hast du es so schlecht hier, dass du es hier nicht vermisst? Bin ich so eine schlechte Mutter, dass du mich nicht vermisst? Ja, du bist froh, dass du weg bist von mir..." etc und dann kam sie bei jeder Gelegenheit wieder damit an: "Ja, sie findet mich eine schlechte Mutter, denn sie vermisst mich nicht einmal, wenn sie ohne mich ist!"
    So war sie dann die ganze Zeit zu mir und das total ernst. Mein Gott, ich war ein Kind und man spielt als Kind auch gerne mal ohne dass eine Mutter daneben ist und einem sagt was man wie machen darf und was nicht.
    Sie hätte es in ihrem Gedankenkonstrukt wohl gern so gehabt, dass ich in ihre Arme renne und eine kleine Party mache: "Juchhhuuu! Mama! Du bist da! Endlich! Ohne dich habe ich keinen Spaß!". Dem war halt nicht so.
    Habe sie ja dennoch umarmt und mich gefreut sie zu sehen. War ja aber nie genug.

    Ich war ein pummeliges Kind. Immer, wenn ich irgendwo für längere Zeit ohne meine Eltern war, habe ich von allein meist schnell abgenommen. Besonders immer nach Klassenreisen (Da gab es nämlich nur ungesüßte Tees zum Trinken und keinen Ketchup und kein Nutella und es gab nicht jeden zweiten Tag Pommes und Süßigkeiten wurden rationiert. Und man hat sich jeden Tag bei irgendwelchen Aktivitäten bewegt).
    Meine Mutter machte immer einen Akt daraus: "Oh nein! Du bist so dünn geworden! Du wiegst ja schon fast gar nichts mehr! Hast du da nichts Vernünftiges bekommen? Mochtest du ohne mich nichts essen?"
    Und dann wurde ich immer mit Süßigkeiten en masse und anderen Geschenken beschenkt.
    Mir war das unangenehm. Ja, ich habe mich gefreut. Aber ich wusste gar nicht, was ich damit anfangen sollte.

    Aber so ist sie. Sie wollte mir gestern nahelegen, dass ich noch nicht alles da hochtragen und noch nicht richtig einziehen solle.
    "Da ist zu viel Schimmel! Wir suchen dir eine bessere Wohnung! Zieh' da bitte nicht ein. Schimmel macht krank!" -
    Als ich ihr sagte, dass ich es mir da für mich erst einmal so schön machen möchte wie es geht und erst einmal einziehen möchte für die nächsten Monate und mir dann schon selbst etwas suchen werde, reagierte sie beleidigt.
    Ihr komischer Zusatz als sie den Raum verließ: "Naja, ich wollte mit dir ja nur von erwachsener Frau zu erwachsener Frau reden, aber du weißt ja alles besser!" hat es auch nicht gebracht.

    Immerhin werde ich jetzt wie ein Teenager behandelt. Bis bestimmt 19 oder so wurde ich wirklich wie ein kleines Kind behandelt. Jetzt wie ein bockiger Teenager. Verhalte ich mich auch so? Ja, definitiv, aber das hat wieder mit Kommunikation/Rollenverständnis/Erwartungsmuster als Thematik zu tun.
    Menschen reagieren so, wie man es von ihnen erwartet und wie man mit ihnen kommuniziert, wenn man sie
    co-abhängig einem sozialen Rollenmuster zuordnet.
    Da will ich jetzt ausbrechen. Man muss das ja nämlich nicht mit sich machen lassen.
    Muss sich emotional nicht manipulieren lassen. Aber dafür ist Abstand nötig.

    Wenn ich dann ganz und gar dort wohne, dann werde ich viele Dinge plötzlich wie von selbst in Angriff nehmen können. Das spüre ich. Ich weiß nämlich, dass mich meine Famillie hier und die Nähe zur Familie einfach nur blockiert. Da bringt mich nichts weiter, sondern es hält mich zurück. Bye-bye Ballast.

    Ich übernachte noch erst einmal hier. Sie betrat auch den Raum und fragte:
    "Wirst du dich noch bei uns melden, wenn du weg bist, oder nicht?"
    So wenig Positives.
    Ich vermisse wirklich: "Wow toll, dass du deinen weg gehst. Toll, dass du dich allein finanzieren willst. Toll, dass du das siehst und willst und in die Wege leitest. Viel Glück!" etc etc
    Es ist immer nur auf SIE bezogen. Entweder auf der emotionalen Beziehungsebene auf sie bezogen oder auf der finanziellen Ebene (was hier ja wegfällt).
    Nicht einmal Positives oder auf mich oder mein Leben bezogen.
    Gleiches mit dem Thema Studium. Es kommt und es kam nicht einmal: "Wow, super. Neuer Lebensabschnitt!" etc etc...immer nur: "Und wer bezahlt das? Was du schon beim Amt? Bekommst du Hartz4 oder Wohngeld dann?"


    Ich habe immer wieder Flashbacks. Dass ich mich oft nicht traute die Wohnung zu verlassen. Rausgehen. Dass ich mich nicht traute mir Freunde zu suchen oder etwas mit Gleichaltrigen zu unternehmen.
    Der Grund war nicht, dass ich menschlich komisch oder unsozial gewesen wäre. Ich habe mich durchaus mit Menschen verstanden. Der Grund war, dass ich mich nicht "traute". Ich traute mich einfach nicht.
    Weil meine Mutter stets komisch reagierte.
    Es ist wirklich schwer zu erklären.
    Die Antwort auf sehr viele Dinge in meinem Leben ist: "Ich traute mich wegen meiner Mutter nicht" und das klingt irgendwie "falsch".
    So als wäre sie irgendwie streng und würde mir irgendetwas verbieten oder als wäre sie böse.
    All dieses trifft so gar nicht zu.
    Sie ist sehr lieb und fürsorglich. Aber manipuliert stark emotional.
    Liest ständig Nachrichten und Zeitung vor, was alles passiert draußen. Macht einem Angst. Sagt, dass ich "in dieser Nachbarschaft" nicht allein rausgehen dürfe. Ja, warum ist man dann hier hingezogen?
    Bei jeder Person mit der ich kurz davor bin Freundschaft zu schließen:
    "Wer ist das denn? Naja - Die will dich sicher auch nur als Lückenbüßer. Naja, so sehr kann die ja nicht mit dir befreundet sein wollen wenn dies und das..."
    Es wird alles sehr negativ gesehen und es wird immer sehr viel Angst und Misstrauen gestreut.
    Ich war lange Zeit verschüchtert.
    Ich war nicht verschüchtert von explizit ausgesprochenen Verboten oder etwaiger Strenge (Nö, sie war in vielem sogar sehr inkonsequent, was ich regelmäßig ausnutzte^^), sondern ich war verschüchtert von ihrer Fürsorge und ihrer Angst und ihrem Misstrauen und wie sie emotional reagieren würde.
    Ich wusste, dass dieses oder jenes wieder zu "Trauer" oder "Angst" bei ihr führen würde.
    Es ist schwer zu erklären.
    Dennoch war ich wirklich schon immer, ja wirklich schon immer, eine, die sich nicht alles gefallen lässt und immer ein wenig rebelliert.

    Ich glaube, dass meine Entwicklung riesige Sprünge machen wird, sofern ich endlich ganz weg bin.

    Habe momentan dennoch einpaar Unstimmigkeiten in mir.
    Musst oft über meine Identität nachdenken.

    Dissoziiere oft.

  3. #8
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    Standard AW: Lebensbuch.

    Hi Malou,
    ich verfolge deinen "Werdegang" hier im Forum sehr genau. Ich versuche alle Beiträge von dir zu lesen. Gut, dass du angefangen hast, deine neue Wohnung einzurichten. Das mit dem Schimmel solltest du unbedingt noch klären, bzw. entfernen lassen.
    Deswegen die Wohnung nicht zu beziehen, erst noch mal bei den Eltern zu bleiben in der Nähe usw. klingt für mich eher als Hysterie deiner Mutter.

    Du beschäftigst dich viel gedanklich mit deiner Kindheit. Ja, deine Mutter hat geklammert. Ich finde die Vorwürfe von ihr total unsinnig. Als seist du als Kind undankbar gewesen. Was da für ein Druck auf Kinder ausgeübt wird, wirklich völlig bescheuert.

    Du hast jetzt mit fast 30 angefangen, dich richtig von deinen Eltern zu lösen, das ist gut so. Ich denke die Entwicklung ist schon recht spät, aber nicht zu spät. Deine Lücken im Lebenslauf finde ich nicht so schlimm. Studium abgebrochen usw. ist nicht so ungewöhnlich. Du willst das Studium ja wieder aufnehmen und nebenher arbeiten. Das ist dein Plan. Lass dir da nicht reinreden!

    Ich bin 15 Jahre älter als du, meine Ablösung von den Eltern war vor 25 Jahren, als ich weggezogen bin um zu studieren. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Natürlich redeten sie mir auch rein, wenn irgendwas war. Wie meinen Geschwistern ja auch. Ich habe um Unterstützung gebeten bei technischen Fragen, einfach, weil sie da mehr Lebenserfahrung haben. Und sie haben geholfen. Für sie war aber völlig klar, dass sämtliche Kinder eine Ausbildung oder Studium machen, ausziehen und einen eigenen Hausstand oder Familie gründen. Und sie unterstützen das wo sie können. Weil man als Student eben nicht viel Geld hat in der Regel. Und wir 4 haben es auch geschafft, uns zu lösen. Man trifft sich jetzt alle paar Monate, aber sonst führt jeder sein Leben. Wir wohnen auch etwas verstreut und nicht mal in der gleichen Stadt.

    Man bleibt sein Leben lang das Kind. Man muss sich aber ablösen, unabhängig werden. Besser spät als nie!
    Ich möchte dir raten, das mit dem Umzug durch zu ziehen und danach nicht ständig Besuch von deinen Eltern zu empfangen. Hat bestimmt auch der Mitbewohner was dagegen. Deiner Mutter würde ich auf keinen Fall einen Schlüssel für die Wohnung geben, auch wenn sie dich darum bittet.

    Du finanzierst dich doch selber, so wie ich das verstanden haben. Warum kommt dann deine Mutter mit Hartz IV an? Ja, anscheinend traut sie dir tatsächlich nichts zu.

    Du bist auf dem richtigen Weg, lass dich nicht beirren!
    All you need in this life is ignorance and confidence, and then success is sure - Mark Twain.

  4. #9
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    Standard AW: Lebensbuch.

    Ich kann dich so gut verstehen.. Angst haben, wie sie emotional darauf reagieren wird.. du hast es auf den Punkt gebracht.

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