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Thema: E-Tagebuch

  1. #1
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    Standard E-Tagebuch

    Ich habe früher über viele Jahre hinweg fast immer, wenn auch mit Lücken, ein Tagebuch geführt. Noch ganz altmodisch mit Füller und wunderschönen ledergebundenen Notizbüchern.
    Es ist ein seltsames Gefühl, jetzt hier zu tippen, aber es hat für mich den Vorteil, dass ich das theoretische Gefühl haben kann, meine Worte wieder zu löschen.
    Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich es in den letzten zwei Jahren nicht fertig gebracht habe, meine Gedanken zu Papier zu bringen. Was man sich denkt, was einem im Kopf herum geht, wie man sich sieht und sein eigenes Handeln beurteilt plötzlich fest mit Tinte geschrieben zu lesen, unauslöschlich, das ist gar nicht so einfach. Es bekommt dann plötzlich eine solche Realität, dass ich das kaum aushalten kann.
    Als ob es erste dann wahr wird. Als ob ich mich dem Geschriebenen dann stellen muss. Und das kann ich nicht.

    Was ich früher nicht verstanden habe, beherrsche ich heute meisterlich. Verdrängung. Damit ich jeden Tag funktionieren kann und das tue, was getan werden muss, muss ich alles verdrängen - Schlechtes, aber genauso Gutes. Nichts mehr empfinden, über nichts nachdenken, einfach nur funktionieren. So geht es. Zumindest bis jetzt. Zwei Jahre lang schon.

    Leider habe ich derzeit das Gefühl, dass ich an meine Grenzen komme, was die Verdrängungstaktik angeht. Manchmal funktioniert es nicht mehr und dann freue ich mich über irgend etwas, aus Versehen. Und während ich mich freue, merke ich, wie groß dagegen der Berg ist, der aus meinen Sorgen und Ängsten besteht. Dann ist das gute Gefühl schlagartig weg und weicht der allgegenwärtigen Trauer und Verzweiflung. Es kommt mir dann noch schlimmer vor, als sonst.

    Vielleicht wage ich hier den Versuch, wieder ein Tagebuch zu führen. Für heute muss es das gewesen sein. Es war ein langer Tag und die Schmerztabletten machen mich müde. Wenigstens etwas. Vielleicht ist heute ein wenig Schlaf drin.

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  3. #2
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Mein Kater liegt gerade neben mir auf der Bank. Auf seinem derzeitigen Lieblingskissen. Ab und zu streckt er sich, grunzt selbstzufrieden, sieht mich kurz verschlafen an und hält sich dann wieder die Augen zu, um ungestört weiterzuschlafen. Es war ein langer Tag für ihn, jetzt im Frühling hat er Streß, obwohl er kastriert ist. Die "Mädels" sind trotzdem interessant (ich gönne ihm das) und da so viele Kater derzeit das Grundstück durchqueren, gibt es viel zu tun.
    Ein wenig beneide ich ihn darum, dass er sich nach solchen Aufregungen einfach so hinlegen und schlafen kann. Ein wenig von diesem selbstzufriedenen Gemüt hätte ich auch gerne am Ende des Tages. Ich war heute ebenfalls lange unterwegs. Die langen Autofahrten fürchte ich. Ich fahre zwar unheimlich gerne Auto, aber alleine habe ich viel zu viel Zeit für unschöne Gedanken. Und jetzt bin ich immer alleine unterwegs. Ich gewöhne mich nicht daran. Aber es gibt so vieles, an das ich mich nicht gewöhnen kann. Das ist nur ein eher unbedeutender Teil davon.
    Ich wünschte, ich hätte irgendwann einmal wieder einen normalen Alltag. Ohne Angst vor all den Problemen, die mich jeden Tag in die Knie zwingen. Eine Niederlage jagt die nächste. Und ich bekomme manchmal fast schon Panik, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wie ich mich früher gefühlt habe, als ich diese Angst nicht hatte, als ich die Zuversicht in meinem Innern gespürt habe, dass alles gut wird. Egal was auch kommen mag. Wie fühlt man sich da? Ich habe es vergessen.
    Niederlagen. Meine letzte größere Niederlage ist zwar schon ein paar Tage her, aber sie nagt an mir. Auch heute, während ich im Auto saß, hatte ich keinen anderen Gedanken. Ein wenig von dem, was mich früher ausgemacht hat, ist wohl noch da. Denn ich habe ständig überlegt, wie ich das Problem lösen könnte. Und das, obwohl ich weiß, dass ich es alleine nicht kann. Helfen wird mir niemand. Ich habe niemanden, den ich fragen kann.
    Ich hatte mich endlich aufgerafft, in einem Anfall von „jetzt packe ich das an“, und wolle meinen Garten wieder auf Vordermann bringen, so dass ich wieder draußen sitzen kann, jetzt wo es wieder wärmer wird. Seit über zwei Jahren liegt alles brach. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, wie alles verwildert ist. Die Gartenmöbel sind hinüber. Alles zugewuchert. Es war immer mein größtes Vergnügen, wenn ich draußen rumwerkeln konnte. Mein Garten war immer sehr gepflegt. Ein Ort, an dem ich mich wohlgefühlt und viele Stunden verbracht habe.
    Also habe ich am Montag meine Gartenkluft angezogen und bin entschlossen mit meinen Katzen raus, um wenigstens mal anzufangen. Dass ich das nicht an einem Tag schaffe, war natürlich klar, aber das Gröbste wollte ich wenigstens ausschneiden. Nach vier Stunden, unzähligen weggefahrenen Schubkarren und zerkratzten Armen habe ich aufgegeben. Zu groß sind die Schäden, die Holzterrasse nicht mehr begehbar, da alles morsch geworden ist und die Holzfliesen durchbrechen. Das kann ich nicht reparieren und damit sind alle weiteren Anstrengungen, den Garten wieder herzurichten, nutzlos geworden. Ich saß da, auf meiner kaputten Holzliege und habe mich umgesehen. Wie ein Film ist es vor mir abgelaufen, wie es früher hier ausgesehen hat. Dann bin ich völlig zusammen gebrochen. Ich konnte nicht mehr aufstehen, nur noch weinen.
    Für andere mag das nur ein verwilderter Garten sein. Für mich ist es das Symbol für alles, was ich verloren habe. Für mein Leben, das genauso in Trümmern liegt, wie der Garten. Und genau so wenig, wie ich die Terrasse selbst reparieren kann, genau so wenig kann ich mein Leben reparieren. Und ich sehe jeden verdammten Tag hinaus in den Garten und somit mein Scheitern vor mir.

    Mein nächstes Problem wartet schon auf mich. Ich möchte morgen das erste Mal in diesem Jahr mit meinem Motorrad fahren. Zumindest habe ich mich schon aufgerafft und die Batterie an das Ladegerät gehängt. Aber, ob das Motorrad dann auch anspringt… das ist beim ersten Mal immer etwas knifflig. Ich weiß zwar jetzt schon, wie das ausgeht, aber ich sag mal ganz zuversichtlich: wir werden sehen.

  4. #3
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Ich habe so viele Gedanken in mir und weiß nicht wohin damit. Es fällt mir sogar schwer, sie aufzuschreiben. Ich finde keine Worte mehr. Nur die Gedanken kreisen in meinem Kopf. Wild durcheinander. Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde verrückt. Komme nicht mehr zur Ruhe. Es sind so viele Dinge, die mir durch den Kopf gehen, dass ich ansonsten stumm geworden bin. Ich komme nicht mehr zu Wort. Das klingt so verrückt und abgedreht. Es fällt sicher schwer, das zu verstehen.
    Die letzten Tage waren furchtbar. Die Sehnsucht hat alles andere verdrängt. Alle Probleme an den Rand gedrängt. Ich habe mich gekümmert, versucht alles Mögliche zu regeln, gearbeitet, aber den Schmerz bin ich nicht los geworden. Mir zieht sich alles zusammen und ich kann es nicht benennen. Es ist so ein Gefühl, als ob man Grippe hätte, alles tut weh, die Haut, die Knochen, der Kopf, jede Bewegung. Und dabei ist es einfach nur Sehnsucht. Heute ist so ein Tag, an dem ich nicht weiß, wie ich ohne ihn jemals weiterleben soll. Und doch tue ich es. Es geht weiter, aber nicht das Leben.
    Alles um mich herum ist stumm geworden. Nichts hat mehr eine Sprache, die ich noch verstehen kann. Was schön war, ist bedeutungslos geworden. Was weniger schön war, ebenfalls.

  5. #4
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Zitat Zitat von Stella1 Beitrag anzeigen
    Mein nächstes Problem wartet schon auf mich. Ich möchte morgen das erste Mal in diesem Jahr mit meinem Motorrad fahren. Zumindest habe ich mich schon aufgerafft und die Batterie an das Ladegerät gehängt. Aber, ob das Motorrad dann auch anspringt… das ist beim ersten Mal immer etwas knifflig. Ich weiß zwar jetzt schon, wie das ausgeht, aber ich sag mal ganz zuversichtlich: wir werden sehen.
    Meine hängt den ganzen Winter über in einem ''Ladungserhaltungsgerät'' aber ich kenne das Gefühl von - Hoffentlich geht das Ding gleich an!

  6. #5
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Zitat Zitat von Harle Beitrag anzeigen
    Meine hängt den ganzen Winter über in einem ''Ladungserhaltungsgerät'' aber ich kenne das Gefühl von - Hoffentlich geht das Ding gleich an!
    Meine auch, aber irgendwas ist ja immer. Diesmal war es die Benzinleitung, ist aber schon repariert. Nun kann ich wieder einsam meine Runden drehen.

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