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Thema: E-Tagebuch

  1. #6
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Heute ist Tag 1.

    Tag 1 meines „neuen Lebens“. Und es fühlt sich gut an.

    Gestern hatte ich mein Schlüsselerlebnis. Eines von vielen in den letzten zwei Jahren. Nie wieder, nie, nie wieder wird mich jemand verletzen. Und wenn das bedeutet, dass ich auch niemanden mehr an mich heranlasse, nie wieder jemanden mögen darf, dann ist das eben so. Es hat mich bisher auch nicht weiter gebracht, wenn ich jemanden mochte, geschweige denn geliebt habe. Im Gegenteil. Es hat mich an den Abgrund gebracht, an dem ich jetzt stehe. Und wenn man in den Abgrund sieht, dann ist das so verlockend, dass man das, was man hinter sich lässt, nicht mehr vermissen wird.

    Ich habe die ganze letzte Nacht am Fenster gesessen und in die Dunkelheit gestarrt. Und je länger ich da saß, desto sicherer wurde ich mir, dass ich den richtigen Entschluss gefasst habe. Als ob eine ganze Tonne Ballast von mir abgefallen wäre.

    Und heute, heute habe ich mich fast frei gefühlt. Ich muss niemandem mehr gefallen, keinem was recht machen, muss nicht mehr traurig sein, weil ich alleine bin. Vor allem muss ich mich nicht mehr verstellen, nicht mehr nett sein. Es ist besser, als all das, was ich bisher erlebt habe. Ich hoffe, das hält an. Ich möchte dieses Gefühl der Freiheit noch genießen.

    Anfangs war ich noch erschrocken, über das, was ich gestern in der Nacht dachte, mir überlegt habe, beschlossen habe. So jemand wollte ich nie sein. Aber da hilft jetzt kein Jammern. So ist es nun einmal. Und wen kümmert es schon? Es hat nur mich zu interessieren und wenn es mir dann besser geht, dann ist es für mich der richtige Weg. Die letzten Jahre war ich jedenfalls auf einem falschen Weg. Zu viel investiert, zu viel verloren.

    Und jetzt heule ich, weil es mir so verdammt gut geht.

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  3. #7
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Vor ein paar Tagen war er da. Es ist immer wieder schrecklich, grausam und tut so unwahrscheinlich weh. Und doch. Keine Sekunde davon möchte ich missen und ich lebe nur für diese Augenblicke. Festhalten möchte ich sie und nie vergessen. Bis zum nächsten Mal. Bis die Tür wieder hinter ihm zufällt. Dann kommt die Leere, genau in dieser Sekunde. Sie kommt mit einer solchen Wucht, dass ich manchmal wirklich das Gefühl habe, mir zieht es die Füße weg. Aber dann lässt es nach und ich kann mich über die schönen Momente freuen. Manchmal.
    Auch wenn ich weiß, dass ich das keinesfalls tun darf, habe ich immer das Bedürfnis, ihm alles zu erzählen. Bei keinem sonst habe ich das Gefühl, dass ich sagen könnte, wie es mir wirklich geht. Ich bin mir sicher, dass er das nicht hören will. Er will sich damit nicht auseinander setzen, sondern lieber einfach so tun, als ob nichts wäre. Wie es halt immer war. 21 Jahre lang habe ich damit gelebt und mich daran gewöhnt. Leicht war das nie, aber ich habe damit umgehen können. Und wenn ich heute sehe, wie ich „lebe“, dann muss ich fast darüber lachen, dass ich damals manchmal ein wenig verzweifelt deshalb war. Wie unbedeutend erscheinen einem die Sorgen von damals. Jetzt weiß ich es besser.
    Es ist immer noch da, dieses Gefühl, dass ich ihm vertrauen kann, dass einfach alles, alles gut wird, wenn ich ihm alles erzähle. Alles Negative wird bedeutungslos. Und das ist heute immer noch so. Leider muss ich immer so lange darauf warten. Früher war es jeden Tag so. Ich wünschte, ich hätte damals schon gewusst, wie gut ich es habe. Dann hätte ich es besser genießen können. Oder überhaupt gewusst, dass ich es genießen muss. Aber leider war ich unachtsam. Ich habe mich einlullen lassen, denn ich hätte wissen müssen, dass es nicht von Dauer ist. 21 Jahre ja, aber ich hätte es wissen müssen. Anscheinend habe ich nichts gelernt aus der Vergangenheit.
    Hätte ich besser aufgepasst, dann wäre mir das alles erspart geblieben. Das ist es, was ich mir nicht verzeihen kann. Dass ich meinen Verstand nicht eingeschaltet habe, als alles anfing vor über 23 Jahren. Ich war daran gewöhnt, alleine zu sein. Es hat mir nichts ausgemacht. Alles eine Gewohnheitssache und ich kannte es nicht anders. Die Frage, die mich ständig umtreibt, ist, weshalb ich mich auf ihn eingelassen habe. Stundenlang sitze ich nachts da und grübele darüber nach. Natürlich lässt es sich nicht ändern, aber ich versuche ständig, einen Grund zu finden, den ich dafür verantwortlich machen kann.

  4. #8
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    Standard AW: E-Tagebuch

    Hallo Stella,

    Bin erst jetzt auf Dein Tagebuch gestossen und sehr traurig das Du nicht weiterschreibst.
    Ich bin in der fast gleichen Situation wie Du , es hat mir gut getan zu spüren das ich nicht ganz allein so fühle.
    Wie gut ich Deine Worte nachspüren kann.
    Kommst Du nochmal ins Forum ich würde Dich gerne weiterlesen und wenn Du magst mich mit Dir auch austauschen.

    Lieben Gruss

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