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Thema: Unterschätzung der Funktion von Urlaub

  1. #6
    Registriert Avatar von Findefuchs
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    Standard AW: Unterschätzung der Funktion von Urlaub

    Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntenkreis beides: Studenten, die überwiegend in der Studienzeit gechillt haben und welche, die sich echt den Hintern aufreißen mussten. Oft auch in Form von Jobs, die neben dem Studium gelaufen sind, damit man finanziell über die Runden kommt. Meine beste Freundin z. B. habe ich in ihrer Studienzeit eigentlich immer nur am Arbeiten erlebt. Entweder Uni oder Nebenjob. Und wenn sie Semesterferien hatte, hat sie mehr gearbeitet, um mehr Geld zu verdienen für die Zeit, wo sie wieder Uni hat und hat das vom Studium aufgeholt, nachbereitet oder vorbereitet, was wichtig war. Und dann gibt es eben auch Studenten wie eine frühere Mitbewohnerin von mir: Daddy hat alles bezahlt, sie hatte nur 1-2 mal die Woche Uni und sonst hat sie sich ihr Leben gechillt. Und hat einmal im Jahr (im Sommer) einen sehr gut bezahlten Nebenjob angenommen für drei Wochen, aber auch nur, weil Daddy Vitamin B hatte und sie da reingebracht hat.

    Also so pauschal kann man das nicht sagen, ich finde auch es kommt darauf an, was man studiert. Eine andere Freundin von mir ist in den letzten Zügen ihres Studiums und da ist es so, der Konkurrenzdruck ist extrem hoch. Da musst du viel zusätzlich machen, einfach weil es so viele Mitbewerber gibt und du jede Qualifikation mitnehmen musst, die du bekommen kannst. Und dann gibt es wieder Studiengänge, da können es die Leute ganz locker angehen. Meine Cousine z. B. hat sich überhaupt kein Bein ausgerissen und hatte sehr viel Freizeit.

    Aber, was auf jeden Fall meistens meiner Meinung nach nicht drin ist: nach dem Studium erstmal länger Urlaub machen. Außer man hat eine gut verdienende Familie hinter sich. Denn in der Regel geht es nach dem Ende eines Studiums ums Bewerben und eine möglichst sichere Stelle zu finden und da bedankt sich jeder Chef, wenn dann erstmal kommt, dass man sich nach dem Studium eine Auszeit gönnen möchte und deswegen nicht zeitnah anfangen kann mit dem neuen Job. Und so in der Luft zu hängen, ohne zu wissen, wie es weitergeht, das ist für viele einfach nicht so toll. Und viele Eltern sind nicht begeistert davon, sowas zu sponsoren, weil es diesbezüglich nur um das reine Privatvergnügen geht und häufig während des Studiums viel finanziell unterstützt wurde. Irgendwann muss halt Schluss sein. Außer man hat wie gesagt sehr gut situierte Eltern oder wohnt noch zuhause oder das Glück, eine Stelle zu bekommen, die erst in ein, zwei Monaten oder später losgeht. Aber viele Arbeitgeber suchen halt möglichst zeitnah oder "zum nächstmöglichen Zeitpunkt". Dazu kommt, dass dann am Ende des Studiums die Krankenkasse anklopft. Mit höheren Beiträgen, die drohen. Und das Arbeitsamt bezahlt einem kein Arbeitslosengeld, weil man vorher nicht ausreichend in Vollzeit gearbeitet hat, was diese Lücke auffangen würde. Also da geht es für viele schlichtweg um die Existenz.

    Was ich schwer nachvollziehen kann ist, warum bei der Thematik explizit Studierende immer so hervorgehoben werden. Ja, das Studium ist eine Herausforderung. Und ja, je nach Studiengang muss man sich echt den Hintern aufreißen. Aber so hat halt jeder seine Päckchen zu tragen: Auzubis chillen sich auch nicht alle ihr Leben. Die müssen auch von 8 bis 17, 18 Uhr arbeiten, nebenbei Berufsschule machen und sich in einen laufenden Betrieb integrieren und haben keine Semesterferien. Und je nach Beruf ist das alles auch kein Pappenstil. Es gibt Betriebe, die bauen viel auf Azubis als Arbeitskräfte auf. Ich kannte Azubis, die mussten sich Abends und am Wochenende zum Lernen hinsetzen, weil während der Arbeit blieb keine Zeit dazu.

    Also Studenten sind nicht die einzigen, die hart arbeiten müssen.
    Geändert von Findefuchs (06.01.2019 um 14:49 Uhr)
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  2. Für den Beitrag danken: Sisandra, ~scum~

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  4. #7
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    Standard AW: Unterschätzung der Funktion von Urlaub

    @cloudy: Nur weil andere nicht studiert haben, gibt es keinen Grund sich über Menschen aufzuregen, die MAL in der Sonne liegen (die momentan gar nicht scheint). Auch normale Arbeitnehmer liegen in München in der Sonne. Das ist kein Studentenphänomen und wäre wohl stark stigmatisiert.
    Wie die anderen sagten, gibt es während der Klausurphasen Tage, an denen man wenn man nicht arbeiten sollte nicht viel zu tun hat und Tage, an denen sich der workload kaum steigern lässt.



    Übrigens würde ich wirklich jedem empfehlen nach dem Studium eine Pause zu machen. Der Geistewissenschaftler arbeitet genauso hart an einer Masterthesis wie der BWL Mensch.
    Der springende Punkt ist hier die Abschlussarbeit, bei der man bei mindestens 80 Seiten lange am PC hockt, Abgabedruck hat und viel leisten muss und ggf. auch noch nebenher arbeiten geht.


    Woher also das Geld nehmen, wenn sich zeitgleich mit der Exmatrikulation auch noch die Krankenkassenbeiträge verdoppeln?
    Ich habe mir damals für die letzten 6 Monate einen Kredit bei meinen Eltern aufgenommen, durch den ich nicht arbeiten musste. Den brauchte ich auch, da ich über 3 Monate an meiner 90 Seiten langen Arbeit saß.
    In dieser Zeit habe ich die Wohnung ausschließlich zum einkaufen am Wochenende oder zu nötigen Arztbesuchen und Treffen mit dem Prof verlassen. Feiern, weg gehen usw. war davor schon nicht drinnen. Ich hab aber auch nie geraucht oder getrunken. Was ich übrig hatte, hab ich gespart. In den ersten 3 Monaten hab ich die Masterthesis geschrieben. Als ich den Großteil fertig hatte, hab ich die Reste meines zuvor erarbeiteten Geldes genommen und bin mit meinem Freund für 3 Wochen nach Südfrankreich gefahren. Meine Eltern wussten nichts davon. Kam später über mehrere Ecken raus, weil ich von früher noch Freunde in Frankreich habe, die auch meine Eltern kannten. Ist aber auch egal, denn ich hab meine Schulden später zurück gezahlt. Als ich wieder zurück kam, hab ich die Arbeit angemeldet und 4 Wochen später abgegeben. Das setzt voraus, dass man einen Prof hat, der empathisch ist und bei der Abgabefrist mitzieht und auch vorab bereit ist, sich abzusprechen und nicht damit argumentiert, dass man erst bespricht, wenn die Arbeit angemeldet ist.
    Es hätte auch ins Auge gehen können. Meine Vorgehensweise ist daher nicht uneingeschränkt zu empfehlen.
    Ich habe das damals bewusst so gemacht, damit ich nach einer Pause Korrektur lese. Wenn ich einmal exmatrikuliert wurden wäre, hätte ich vermutlich Lücken im Lebenslauf gehabt.
    Ich verdanke es meinen Eltern und der Uni bzw. dem Prof, der sehr human war.

    Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass man direkt nach der Abgabe weg
    fährt. Ist aber riskant. Im Normalfall haben die Profs nachdem man abgegeben hat 3 Monate Zeit, bis sie zum Kolloquium einladen. Es gibt aber auch Dozenten, die eher fertig sind.

    Ansonsten fressen auch 2 Wochen nach dem Kolloqium noch keine Lücken in den Lebenslauf. Bewerbungen einfach vorab schreiben

    Ohne Urlaub kriecht man definitiv auf dem Zahnfleisch. Man hat ja auch danach erstmal kaum eine Chance, da man dann in der Probezeit ist und erst recht die volle Energie braucht, um durchzustarten.

    Ich habe zuvor seit Jahren nebenher zwischen 15 und 20 Stunden die Woche in sozialen Einrichtungen gearbeitet. Ohne Urlaub wäre ich vermutlich ausgebrannt.
    Geändert von Bonsoir (06.01.2019 um 15:55 Uhr)

  5. #8
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    Standard AW: Unterschätzung der Funktion von Urlaub

    Zitat Zitat von Zenny Beitrag anzeigen
    Hat man so einen Studiengang in dem man quasi nie frei hat und nebenbei auch noch arbeiten muss, ja dann gute Nacht. Angenehm ist das sicher nicht und man ist gefangen. Weniger arbeiten, damit man mehr Zeit zum Lernen hat ist nicht drin, denn dann würde das Geld für das Studium fehlen. Irgendwo irgendwann mehr arbeiten, um sich einen Puffer aufzubauen ist in solchen Studiengängen auch nicht möglich. Ich bin/war selber oft genug in solchen Situationen und freue mich tatsächlich auf meine 40h/Woche in der Arbeitswelt, in der ich wieder ein Leben habe.

    Allerdings habe ich in meinem Studiengang auch genug Kommilitonen die gut betuchte Eltern hinter sich haben, die müssen nicht nebenbei arbeiten und können sich schöne Kurzurlaube nach sonst wohin leisten. Der Druck jeden Monat aufs neue knapp bei Kasse zu sein haben solche Leute auch nicht. Es gibt also immer zwei Seiten.

    Persönlich war meine Ausbildung vor dem Studium auch ein Spaziergang und wesentlich entspannter. Es war einfach weniger Druck, man musste keine Semestergebühren ansparen, hatte mehr Freizeit, hatte echte Ferien/Urlaub. Aber finanziell guckt mal ans Auszubildender genauso dumm aus der Röhre und hat die selben Geldsorgen wie Studenten. Und Geldsorgen sind bekanntlich ja nicht gerade die angenehmsten Sorgen. Macht man sowas Jahrelang durch kann man als Auszubildender am Ende genauso ausgebrannt wie ein Student sein, wenn man macht und tut und dennoch immer wieder unter dem Existenzminimum lebt.
    Ich denke, es ist halt echt der Einzelfall. Ein Jura- oder Medizinstudium ist was anderes, als ein Studium im IT-Bereich. Ein Student, der Eltern hat, die da einiges finanziell bezuschussen oder eben alles, hat es sehr viel einfacher, als jemand, der nebenbei arbeiten muss.

    Nur, diesen Idealfall, dass man sich länger Urlaub nach dem Studium leisten kann, hat man meiner Meinung nach sehr selten.

    Ich habe eine Bekannte, die hat eine Ausbildung im medizinischen Bereich gemacht. Die musste Latein neben der normalen 39 Stunden/Woche lernen, medizinischen Fachkram und auf Prüfungen lernen. Und hatte dazu noch Geldsorgen. Daneben hast du halt auch den Azubi, der um 17 Uhr seinen Stift fallen lassen kann und dann wirklich Wochenende und Urlaub hat. Oder eine Freundin von mir hat Bürokauffrau als Ausbildung gemacht, die hat die Berufsschule gut neben der Arbeit stemmen können, während das für andere Berufe schwieriger machbar ist, oft auch weil sie über die Arbeit und Schule hinaus Projekte umsetzen und stemmen müssen.
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  6. Für den Beitrag dankt: Sisandra

  7. #9
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    Standard AW: Unterschätzung der Funktion von Urlaub

    Urlaub wäre schön für viele Leute, die sich keinen leisten können aus unterschiedlichen Gründen.

    Wenn ich jetzt dich TE als Beispiel nehme, denke ich, dass man nach dem Studium nicht unbedingt vor einem Teilzeitjob noch viel Urlaub braucht.
    .

    Aber es stimmt, viele Leute bräuchten mal Urlaub, bestimmt auch einige der Studenten.

  8. #10
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