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Thema: Besorgt - Der ewige Student

  1. #1
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    Standard Besorgt - Der ewige Student

    Liebe Forenmitglieder,

    ich bin etwas überfragt und möchte ein paar Meinungen einholen. Ich schildere die Situation kurz: Ein guter Freund (26) studiert mit mir an derselben Uni, wir haben uns dort kennengelernt. Allerdings studieren wir nicht dasselbe Fach.

    Ich habe vor kurzem meinen Bachelorabschluss erworben, wenn auch nicht in Regelstudienzeit. Mein Freund hat sein Studium zur selben Zeit wie ich begonnen – und ist immer noch nicht fertig. Genau genommen studiert er nun im 10. Semester (Bachelor, Regelstudienzeit: 6 Semester). Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Das alles wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn er denn etwas „Zielführendes“ studieren würde, bzw. erklären könnte, weshalb er so lange benötigt. Aber auch das kann er nicht…

    Während seiner Zeit an der Uni hat er weder Praktika, noch irgendwelche Nebenjobs gemacht. Zu seinem Fach gehört zwar ein 2-monatiges Pflichtpraktikum, doch auch dieses ist bei ihm noch offen.

    Natürlich hat er mit Nachfragen (allen voran von seinen Eltern, bei denen er lebt), wann er denn sein Studium beendet, zu kämpfen. Wenn wir über dieses Thema sprechen, ist er sichtlich genervt, was ich verstehen kann. Oft vergleicht er seine Leistungen mit meinen, sagt, ich hätte schon viel mehr erreicht als er, weil ich einen BA habe, und er nichts (Oft weiß ich nicht was ich dazu sagen soll, da auch mein Studienfach berufstechnisch nicht das „Gelbe vom Ei“ ist). Er selbst gesteht sich auch ein, dass er allen Grund hätte, um abzubrechen, aber überhaupt nicht wisse, was er sonst tun sollte.

    Mir ist bewusst, dass er mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Er ist ein extrem komplizierter Charakter, sehr introvertiert, oft wirkt er auch abweisend und kühl. Im Grunde ist er jemand, der seine Gefühle vor anderen nicht preisgeben kann und emotionale Hürden – wenn es um das Reden geht – unüberwindbar für ihn sind. Er ist auch jemand, der vieles einfach nur erträgt (auch mit Hilfe von Alkohol) oder er Dinge einfach so hinnimmt, wie sie sind, weil er keine Kraft hat, sich aufzuraffen (Stichwort: Erlernte Hilflosigkeit). Von Prüfungen, die bei ihm anstehen (häufig sind es auch zwei Klausuren an einem Tag in seinem Fach), meldet er sich oft ab, wenn er der Meinung ist, nicht bestehen zu können. Durch die tiefsinnigen Gespräche, die wir zumindest über WhatsApp führen konnten, weiß ich, dass er z.B. Angst hat, Fehler zu machen und von seinem zukünftigen Chef fertig gemacht werden könnte. Auch bereitet ihm der Kontakt mit Menschen allgemein Schwierigkeiten, weshalb er, wenn er denn mal nach einem Nebenjob suchen würde (was er nicht tut), nichts groß mit Menschenkontakt machen möchte.
    Er scheint keine Ziele im Leben zu haben, für die er kämpfen würde, und selbst seine Hobbys (Reisen, Fotografieren) scheinen ihn nicht zu animieren, sich als Mensch wahrzunehmen, der etwas gut kann. Im Grunde betrachtet er sein Leben in Deutschland als gescheitert, obwohl er noch gar nichts probiert hat…

    Wie gesagt, dies war nur die Kurzfassung. Im Grunde spielen noch sehr viele (emotionale) Faktoren bei ihm mit, die ich auf die Schnelle gar nicht alle ausführen kann. Wenn ihr an bestimmten Stellen nachhaken wollt, bitte ich darum. Dann könnte ich noch mehr ins Detail gehen. Die Frage ist nämlich, wie sollte ich ihm begegnen? Was sollte ich ihm raten? Ich bin ja eigentlich kein Maßstab für ihn, sollte es nicht sein. Meine Leistungen sind auch nicht "löblich".
    Im Gegensatz zu ihm bin ich aber auch nicht der Meinung, dass er nichts erreicht hat.

    Manchmal fühle ich, dass ich mich mehr um ihn sorge als er sich um sich selbst… Aber ich denke, das ist nicht unbegründet.

    Ich hoffe auf Unterstützung.
    Geändert von Bloodangel´s Cry (08.07.2018 um 23:59 Uhr)
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  3. #2
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Hallo Bloodangel´s Cry,

    die Situation scheint sehr kompliziert zu sein. Ich kann dich jetzt nicht professionell beraten, sondern nur mutmaßen, welches Problem dahinterstecken könnte, nachdem ich selbst jahrelange Uni-Erfahrung habe.

    Kann es sein, dass er einfach nicht das Richtige studiert und sich das nicht eingestehen will, da er bereits im 10. Semester ist? Wenn ich deine Zeilen lese, habe ich irgendwie das Gefühl, dass er komplett ohne Ziel studiert und selber nicht wirklich weiß, was er will.

    Ich tu mir jetzt ehrlich gesagt etwas schwer, dir einen konkreten Rat zu geben... aber vielleicht hilft es, wenn du ihn mal vorsichtig auf seine beruflichen Vorstellungen ansprichst oder ihn fragst, wo er sich z.B. in 5 Jahren sieht. Sollte er wirklich das Falsche studieren, dann hat er im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Entweder durchhalten und das Studium zu einem Abschluss zu bringen oder eben ein anderes Studium bzw. eine andere Ausbildung beginnen.
    Auch ich habe nach drei erfolglosen Jahren auf der Uni zunächst für 1,5 Jahre pausiert und erst danach das richtige Studienfach für mich gefunden und im "fortgeschrittenen" Alter einen Neuanfang auf der Uni gewagt - es ist natürlich nicht leicht, aber machbar. Und ich bereue diesen Schritt nicht, auch wenn ich jetzt 30 bin und meinen Master mache.

  4. #3
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Hallo Tom_Vienna,

    tatsächlich habe ich ihn schon darauf angesprochen, schon mehrmals. Meist in Bezug auf einen Nebenjob. Aber mittlerweile zügle ich die Nachfragerei, weil es bei ihm nichts Neues gibt und er das Ganze auch nicht mehr hören kann.

    Im Grunde weiß er recht genau, was er theoretisch mit seinem Studienfach beruflich anfangen könnte. Die Betonung liegt auf theoretisch – Es scheint mehr eine Liste, die er im Kopf hat, weil ihm im Studium vermittelt wurde, was er damit anstellen könnte. Jedoch geht er auf keinen dieser Punkte in irgendeiner Weise ein, zeigt, dass es mehr ist als nur eine theoretische Möglichkeit. Ich denke auch, dass er etwas ziellos ist (ich bin auch planlos, daher verstehe ich ihn diesbezüglich ganz gut), aber sein Studium ist, wie er mal sagte, das richtige in seiner Situation, da ihm ansonsten auch nicht einfallen würde, was er stattdessen machen könnte. Bevor er angefangen hat sein jetziges Fach zu studieren, wollte er ein komplett anderes Fach auf einer anderen Uni beginnen. Leider ist es wegen einigen Verzögerungen nicht dazu gekommen. Ich habe ihn mal gefragt, ob er heute noch daran Interesse hätte, in seinen Erstwunsch einzusteigen – Mittlerweile hat er das Interesse daran verloren und ist ganz „zufrieden“ mit seinem jetzigen Studium.

    Dass er im Übrigen nicht weiß, was er will, stimmt zu einhundert Prozent – Das bezieht sich jedoch nicht nur auf seine akademische Situation.

    Ich denke nicht, dass er sein Studium abbricht, zumindest jetzt noch nicht. Ich vermute, dass er den Stress Zuhause bei einer solchen Entscheidung vermeiden möchte. Seine Eltern sind beide Akademiker und neigen leider dazu, ihm unter die Nase zu binden, dass die Kinder ihrer Freunde schon viel weiter wären als er. Sie fördern so, dass er sich wie ein Taugenichts fühlt.
    Er weiß allerdings auch nicht, was er nach seinem Studium machen soll – Ob er den Master dranhängt oder etwas komplett neues, das könne er noch gar nicht sagen. Allgemein lebt er mehr in der Gegenwart, nur seine Bürden aus der Vergangenheit, die trägt er fleißig mit sich, auch in die Zukunft.
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  5. #4
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Hmm, das Problem kenne ich irgendwoher. Ich denke, dass er latente Depressionen hat, speziell in Bereich Studium. Die hatte ich vor allem zum Ende hin auch. Der Kopf fängt dann an, Vermeidungsstrategien zu entwickeln und das Studium zu verdrängen, was die Sache natürlich nicht besser macht.

    Das Problem ist, dass du in unserer Gesellschaft ohne Beruf nichts zählst und die "Schonfrist" mit 25 abläuft. Bis dahin wird es noch stillschweigend akzeptiert, dass man halt noch studiert, aber das ist dann irgendwo die magische Grenze, wo man doch bitte fertig zu sein hat (bevorzugt mit Master). Gehörte es vor ein paar Jahren noch zum guten Ton, die Regelstudienzeit um das eine oder andere Semester zu überschreiten (man studierte schließlich für sich und nicht fürs Establishment), soll man heute in dieser Zeit fertig werden, was je nach Studium zeitlich kaum machbar ist.

    Gut möglich, dass er für ein Studium eigentlich gar nicht geeignet ist und ein Ausbildungsberuf für ihn deutlich besser wäre. Allerdings ist bei ihm wohl der "Point of no return" bereits eingetreten. Man gilt als Looser, wenn man ein Studium abbricht und dann was macht, was "man mit der mittleren Reife 10 Jahre vorher auch hätte machen können" (Zitat aus meinem Umfeld). Er weiß genau, dass er nicht aufhören kann, ohne dass gemeine Verwandte jahrelang über ihn herziehen. Und glaube mir, das tun sie. Sogar dann, wenn man den Abschluss noch schafft...

    Dadurch, dass ihn jeder ständig nach dem Studium fragt, zieht er sich wohl auch zurück. Das muss gar nicht an Introvertiertheit liegen. Auch ich (tendenziell sogar extrovertiert) habe irgendwann angefangen, Menschen zu meiden, weil man sich immer und überall dafür rechtfertigen muss, warum man immer noch nicht fertig ist. Ich habe dadurch auch irgendwann aufgehört, mir Lerngruppen zu suchen, weil ich mich ständig für meine offensichtlich uralte Matrikelnummer vor Kommilitonen rechtfertigen musste (wurden in fortlaufender Nummer vergeben... weshalb man sehr wohl einschätzen konnte, wann wer angefangen hat).

    Dass er nicht aufhört, liegt mit daran, dass so ein Studium irgendwo eine Schutzblase ist. Besser als arbeitslos. Solange man noch studiert, kann man zumindest noch so tun, als ob alles irgendwie doch in Ordnung ist. Zumindest Fremden gegenüber hat man eine Ausrede.

    Was mir gut getan hatte war, dass mein Freund sich mit Nachfragen zurückhielt und lediglich am Ende der Prüfungsphase mal sehen wollte, wie es jetzt fortgeschritten ist. Und ich ein paar wenige ebenso erfolglose Freunde hatte, vor denen ich mich nicht rechtfertigen musste und wir uns gegenseitig zujammern konnten.

    Wenn du ihm helfen willst, dann musst du ihm irgendwie klar machen, dass du ihn nicht als Looser siehst, falls er doch nochmal zugunsten einer Lehre abbricht. Oder eben doch nochmals 3 Semester studiert. Viel mehr kannst du eigentlich nicht tun, denn den Abschluss herbeizaubern kannst du ja nicht.

  6. Für den Beitrag dankt:

  7. #5
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Kann es sein, dass ein Universitätsstudium generell nicht der geeignetste Ausbildungsweg für ihn ist und er nur deswegen studiert, weil seine Akademikerfamilie dies von ihm erwartet?

    Wenn er ohne Ziel studiert und nicht so richtig weiß, was er will und deswegen sein Studium übermäßig in die Länge zieht, dann wird er von Zeit zu Zeit immer unglücklicher, was im schlimmsten Fall zu einer Depression führen kann - ich spreche da aus eigener Erfahrung. Außerdem sollte er bedenken, dass er bei einer überdurchschnittlich langen Studiendauer deutlich schlechtere Jobchancen hat (ich kann leider nur ein Lied davon singen).

    Ich fürchte leider, dass du ihm nicht wirklich helfen kannst, sondern er professionelle Hilfe benötigt. Habt ihr an eurer Universität so etwas wie eine psychologische Studentenberatung? Wenn er sich dazu nicht überwinden kann, dann kannst du ihm ja anbieten, dass du das erste Mal gemeinsam mit ihm dorthin gehst.

    Wenn er der Meinung ist, dass dieses Studium absolut das richtige für ihn ist, er aber nur wage Vorstellungen über seine berufliche Zukunft hat, dann sollte er vielleicht jetzt in den Sommerferien mal eine Berufs- bzw. Bildungsberatungsstelle aufsuchen. Oder vielleicht gibt es ja bei euch an der Uni ein Karrierecenter? (Möglicherweise verwendet ihr in Deutschland eine andere Bezeichnung dafür als wir in Österreich.)

    Oder vielleicht hilft es, wenn er für ein Semester pausiert und in dieser Zeit arbeiten geht oder sein Pflichtpraktikum absolviert. Nachdem er noch nie gearbeitet hat, hat er wahrscheinlich auch überhaupt keine Vorstellungen über das Berufsleben. Vielleicht findet er nach einem mehrmonatigen Praktikum heraus, was er eines Tages mal beruflich machen möchte, was ihm den Abschluss des Studiums deutlich erleichtern könnte.
    Auch ich habe mein Studium für 1,5 Jahre unterbrochen, was mir sehr geholfen hat, für mich selbst herauszufinden, was ich eigentlich wirklich möchte.

  8. Für den Beitrag dankt:

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