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Thema: Besorgt - Der ewige Student

  1. #6
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    Avatar von Bloodangel´s Cry
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Vielen Dank für die Antworten. Ich werde versuchen, auf die beiden Posts einzugehen:

    @ Sofakissen

    Auch wenn ich natürlich keine Diagnosen stellen kann, so denke ich schon seit langem, dass er depressive Phasen erleidet. Besonders, wenn er sich plötzlich von allem abschottet und „allein“ sein möchte. Ich denke jedoch auch, dass das Studium nur die Spitze vom Eisberg ist. Viel hat auch mit seiner persönlichen Situation zu tun, seiner Kindheit. Er stammt ursprünglich nicht aus Deutschland. In der Zeit, in der er hier lebt, hat es leider kaum geschafft, sich sozial einzugliedern, sprich, Freunde zu finden. Seine Eltern waren ihm diesbezüglich auch keine Hilfe. Im Grunde wurde ihm, das Kind, das er damals noch war, keine Stütze in dieser belastenden Situation gegeben.

    Ob mit 25 eine „Schonfrist“ abläuft, mag ich nicht beurteilen. Ich bin ebenso in dem Alter und auch noch nicht mit dem Studium fertig. Es ist aber auch so, dass mein komplettes Umfeld aus solchen Fällen besteht – Teilweise sind diese Menschen jenseits des 15. Semesters. Ich kenne wirklich niemanden, der in Regelstudienzeit abgeschlossen hat. Mich persönlich fragt aber auch niemand danach. Ist wohl auch eine Sache des eigenen Umfelds. Aber du hast Recht, es hilft ein bisschen, damit man sich nicht alleine fühlt.

    Der geringe soziale Kreis meines Freundes hat, zumindest an unserer großen Uni, den Vorteil der Anonymität. Im Grunde besteht sein realer Freundeskreis nur aus 3 Personen, mich eingeschlossen. Der Rest sind flüchtige Bekanntschaften, die ebenso schnell aus seinem Leben treten wie sie kommen. Da er nicht hausieren geht, erfahren sie wahrscheinlich so gut wie nichts über ihn, somit auch nichts über seine Studiendauer.

    Mein Freund hat, bis auf seine Familie, bei der er lebt, auch keine weiteren Verwandten, die ihm irgendetwas unter die Nase reiben könnten. Ob das von Vorteil ist? Ich weiß es nicht. Mit den eigenen Eltern in der Zwietracht zu stehen, ist wahrscheinlich schon schlimm genug.

    Einen Abschluss zaubern kann ich ihm nicht, das stimmt. Ich sehe ihn wegen solchem aber auch nicht als Loser, was ich ihm auf subtile Weise zu zeigen versuche. Ich wende mich einfach nicht von ihm ab, egal, welche Launen ihn gerade überkommen. Ihm ist bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist.


    @ Tom_Vienna

    Das weiß ich nicht. In seiner Familie scheint alles kompliziert zu sein. Seine Familie, die, wie oben geschrieben, nicht aus Deutschland stammt, hat zwar einen Akademikergrad, allerdings wird dieser in Deutschland nicht anerkannt und die Familie musste einen ziemlich „Statusverlust“ seit ihrer Existenz hier erleiden. Der Bruder meines Freundes müsste sich eigentlich eine Ausbildung suchen, was er aus Trotz jedoch nur „offiziell“ tut. Wie mein Freund meinte, hätten seine Eltern in der Erziehung komplett versagt.

    Mein Freund ist schon lange unglücklich, vor allen Dingen mit sich selbst. Er macht sich oft kaputt, mit allen möglichen Mitteln. Um nur ein paar Aussagen zu zitieren, die ich von ihm zu hören bekomme:
    „Je näher ich einem Menschen komme, desto verschlossener werde ich.“
    „Ich habe wohl nie gelernt, zu lieben.“
    „Ich habe immer weniger Kraft zu sagen, was mit mir los ist. Ich kenne mich selbst nicht.“

    Ich denke, dass er schon längst depressive Phasen, wenn nicht sogar eine ausgewachsene Depression entwickelt hat. Ich wäre auch dafür, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte. An unserer Uni gibt es sowohl eine psychologische Beratung als auch ein Karrierecenter. Letzteres könnte er, mit genug zureden, vielleicht einmal aufsuchen. Ersteres wohl nie. Denn er versteht den Sinn dahinter nicht. Ihm ist bewusst, dass Therapien Menschen helfen können, und fand es gut, dass ich mir Hilfe (auch ich habe psychische Probleme) gesucht habe. Doch sie sind immer mit Gesprächen verbunden. Über seine Probleme reden hilft ihm nicht, nach seinen Angaben. Zumal seine Verschlossenheit ohnehin seine offensichtlichste Hürde ist. Er ist der Meinung, dass niemand ihm helfen könne. Nur er selbst könne dies.

    Ihm hilft es eigentlich nur, wenn er reisen kann. Im Ausland, wenn er Gast ist, fühlt er keinen Druck und keine Erwartungen an sich. Auch fühlt er sich den Menschen dort verbundener, sind sie doch so anders als wir Deutschen.
    Seine Reiselust hat dazu geführt, dass er sein komplettes BAföG sofort aufgebraucht hat und quasi keinerlei Ersparnisse hat. Seitdem hadert er mit dem wenigen, was er hat. Von seinen Eltern bekommt er nicht viel. Wenn er denn mal doch etwas Geld übrig hat, versucht er, sich Flüge zu buchen. Es kam schon häufiger vor, dass er mitten im Semester einfach weg war.

    Dass er sein Studium pausiert, wäre sicher eine gute Idee. Würde er wahrscheinlich nur nicht machen – Würde ich ihn darauf ansprechen, erinnert er mich wahrscheinlich nur daran, wie lange er eh schon studiert und das so nur noch länger dauert. Im Grunde möchte er fertig werden. Bis auf die Klausuren, die er verschiebt, geht er ja zur Uni (Momentan hat er auch kein Geld zum Reisen). Nur eben macht er nicht so viel, wie er könnte – aus Kraftlosigkeit und Motivationslosigkeit. Sein Pflichtpraktikum steht bei ihm nicht an erster Stelle. Und der Druck, den fremde Erwartungen bei ihm auslösen, verhindert auch, dass er irgendetwas sucht. Dabei denke ich, dass seine enorme Reiselust ein guter Motivator sein könnte, sich etwas zu suchen – Mit Geld könnte er sich schließlich etwas für ihn sinnvolles finanzieren. Wobei ich denke, dass das Reisen auf Dauer auch keine Lösung für ihn sein wird – Seine Probleme sind in ihm, und es ist egal, wo er sich aufhält.
    "Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben."
    - Epiktet

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  3. #7
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    was ich wirklich schön finde, dass du dich wirklich um ihn sorgst und helfen möchtest.
    du kennst ihn ja, überleg was zu ihm passen könnte.
    manchmal braucht man einfach eine helfende hand.
    dann schaut ihr euch die sachen gemeinsam an, die für ihn in frage kommen.
    er hat zu recht angst, leider steigt dies mit zunehmenden semester und alter.
    daher ist es wichtig, dass ihr ein offenes gespräch führt.
    auch das du ihn ohne b.sc. auch liebst. das es nicht sein weg sein muss, wenn es nicht seins ist.

  4. #8
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Als allererstes möchte ich dir sagen: Es ist schön, dass du dich sorgst, aber letztendlich ist es dennoch allein die Sache deines Freundes.
    Wenn er der Meinung ist, er muss so lange studieren, ist das seine Entscheidung.

    Oftmals weiß man gar nicht, was für Schlachten Leute nebenbei noch zu kämpfen haben.
    Du denkst vielleicht, du kennst deinen Freund, aber vermutlich hat er triftige Gründe.

    Eins lass dir gesagt sein: Ein schönes Gefühl so lange zu studieren ist es nicht.
    Ich selbst bin fast 30 und studiere im Master.
    Niemand weiß, dass ich nebenbei meine kranke Mutter pflege und meine 10 jährige Schwester groß ziehe und noch arbeite neben dem Studium.

    Ich dachte auch immer, mit 25 ist das Leben gelaufen, aber was sagt das Alter schon aus?

    Jeder entscheidet selbst was er für ein Lebenskonzept lebt. Und wenn dein Freund mit 30 nach Indien geht oder eine Surfschule in Australien eröffnet, ist es auch seine Entscheidung.

    Nicht immer sind es Depressionen.

    Deine Sorge in allen Ehren, aber wenn dein Freund Hilfe braucht, dann muss er sich schon selbst kümmern oder hier anmelden.

    Bitte bedenke das. Helfersyndrom, gut und schön. Aber dein Freund muss den Hintern hochkriegen, nicht du.

    Solange er nichts tut, findet er es ja offenbar okay.

    Und auch die Aufarbeitung der Kindheit: Dafür sind Professionelle zuständig. Dafür hast du vermutlich gar nicht das Fachwissen.

    Ich halte überhaupt nichts davon wie einige die Idee gut finden, einem erwachsenen Mann irgendwelche Vorschriften zu machen oder an die Hand zu nehmen.

    An die Hand nehmen kannst du nur denjenigen, der an die Hand genommen werden will. In jeglicher Hinsicht.

    Ich kenne das von meiner Arbeit mit Menschen.
    Den schlimmsten Fehler, den du machen kannst ist der, Menschen irgendwas aufzwingen zu wollen, worauf sie keinen Bock haben.

    Statt hier mit Lösungsvorschlägen auf Konfrontation zu gehen, wäre doch die erste sinnvolle Frage an den Partner: Was möchtest du? Was macht dich glücklich? Wie stellst du dir deine Zukunft vor und inwieweit kann ich dir helfen, deine Pläne zu realisieren?

    Bitte nimm dich ein Stück weit zurück.

    Ich hatte genug Familienangehörige in der Beratung, die immer meinten sie wissen was das Beste für ihren Sohn, die Tochter, den Mann oder den Freund ist.

    Ende vom Lied war, dass man sich oft so zerstritten hat, dass die Beziehung/Ehe kaputt ging oder ein Kontaktabbruch resultierte.

    Das ist ein ganz übler Kardinalsfehler, den nicht nur viele Sozialpädagogen machen, sondern auch Bekannte und Familienangehörige.

    Du hast kein kleines Kind vor dir sitzen. Der Mensch ist erwachsen und davon, dass sich andere für ihn den Kopf machen, lernt er nicht Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.
    Geändert von Runalin (10.07.2018 um 20:02 Uhr)

  5. Für den Beitrag dankt: Lysbona

  6. #9
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    Zitat Zitat von Sofakissen Beitrag anzeigen
    Das Problem ist, dass du in unserer Gesellschaft ohne Beruf nichts zählst und die "Schonfrist" mit 25 abläuft. Bis dahin wird es noch stillschweigend akzeptiert, dass man halt noch studiert, aber das ist dann irgendwo die magische Grenze, wo man doch bitte fertig zu sein hat (bevorzugt mit Master). Gehörte es vor ein paar Jahren noch zum guten Ton, die Regelstudienzeit um das eine oder andere Semester zu überschreiten (man studierte schließlich für sich und nicht fürs Establishment), soll man heute in dieser Zeit fertig werden, was je nach Studium zeitlich kaum machbar ist.
    Wie kommst du auf sowas? Würde mich echt mal interessieren. Hast du das in deinem Umfeld so erlebt? Oder irgendwo gelesen?

    Ich kenne jedenfalls jede Menge Leute, die mit über 25 noch nicht im Beruf stehen. Wenn man bspw. erst eine Ausbildung macht, und dann ein komplettes Studium hinterherhängt ist man zwangsläufig bei Studienabschluss über 25. Und in meinem Studiengang gibt es etliche Studenten, die die Regelstudienzeit überschreiten. Mit 23 sind wohl die wenigsten mit dem Master fertig. Da muss ja dann alles glatt gelaufen sein. Und von so einer Schonfrist habe ich noch nie gehört.

    Ich habe das Gefühl, du verallgemeinerst hier etwas, was du mal so gehört hast, auf die gesamte Gesellschaft.

  7. Für den Beitrag dankt: Bloodangel´s Cry

  8. #10
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    Standard AW: Besorgt - Der ewige Student

    In meinem Umfeld ist es so. Kann natürlich auch daran liegen, dass 95% meiner in meiner Verwandtschaft mit 16 eine Ausbildung gemacht haben und dadurch mit 20 fertig wurden. Die rechnen "Abi mit 19, dann müsste man mit 22 den Bachelor haben und mit 24 den Master". Sie denken, dass die Regelstudienzeit wie bei der Ausbildung die Regeldauer wäre, mit nur geringfügigen Abweichungen. Dass das je nach Studium die Mindestdauer ist, verstehen sie kaum. Jedenfalls ist ihnen nicht erklärlich, warum man mit 25 nicht fertig ist, schließlich arbeiten sie zu dem Zeitpunkt schon seit fast 10 Jahren. Entsprechend penetrant sind auch die Nachfragen, wie lange man denn noch brauchen würde.

    Und so geht es vielen meiner Freunde auch. Zumindest jenen, die nach dem Abi direkt studiert haben (wer davor eine Ausbildung gemacht hat, ist ein anderer Fall, klar. Da gelten dann die Jahre seit Studiumsbeginn als Maß). Alle jenseits der 25 werden jedenfalls mit Nachfragen genervt und mit jenen verglichen, die ihr Studium "zeitig" abgeschlossen haben. Das ging mir so. Das ging meinem besten Freund so, genauso wie meiner besten Freundin. Und all meinen übrigen Freunden, die es gewagt haben, ein paar Semester mehr zu brauchen (oder zwischendrin den Studiengang zu wechseln) und somit "in Zeitverzug" zu kommen.

    Vielleicht hast du ja Glück und bei dir ist es nicht so.

    Nicht zu vergessen die "sich-vor-Arbeitgebern-rechtfertigen-müssen-Phase". Ich habe jetzt meinen Abschluss, aber bei JEDER Firma muss ich lang und ausführlich erklären, warum ich das erste Studium abgebrochen habe, warum mein jetziger Abschluss so lange gedauert hat usw. usf.". Das müssen jene, die in Regel durchkamen, nicht.

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