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Thema: Studium: Burnout? Einfach nur versagt?

  1. #1
    Kovu
    Gast

    Standard Studium: Burnout? Einfach nur versagt?

    Hallo!

    Mein Problem ist wahrscheinlich genauso wie viele andere Studenten es auch haben. Und vermutlich werden auch wieder dieselben „Stell dich nicht so an“ Kommentare kommen, das kenn ich ja alles schon… von Lehrern, Schul- und Studienkollegen, Freunden, Eltern … aus anderen Foren … von meinem ehemaligen Psychologen. Immer wieder hieß es „Beiß die Zähne zusammen, du gibst viel zu schnell auf.“ Ich erhoffe mir hier vielleicht eine konstruktivere Antwort…

    Also angefangen hat alles vor drei Jahren im Abitur. Naja eigentlich schon in der Grundschule. Irgendwie habe ich es immer geschafft von meinen Mitschülern ausgegrenzt oder auch ausgenutzt zu werden. Aber ja ich kannte es ja nie anders und hielt dieses Verhalten für „normal“. In der Sekundarstufe I kam es dann dazu, dass ich ganz offen gemobbt wurde. Man sprach plötzlich nicht mehr mit mir, der Klassenraum wurde schlagartig still, wenn ich reinkam, ich bekam die Hausaufgaben nicht gesagt, wenn ich mal krank war. In der Schule hieß es dann, dass es dafür ja keine Beweise gäbe, ich wäre halt faul, vergesslich oder würde lügen, weil meine Mitschüler ja auch immer die Wahrheit sagen. Das waren dann immer so ich gegen drei andere Situationen und wem haben die Lehrer denn geglaubt? Mir nicht.

    Meine Eltern haben sich da immer schon viel für mich eingesetzt und mich „beschützt“. Wir haben auch echt viel probiert über klärende Gespräche bis zum Schulwechselversuch, hat alles nichts gebracht und schlussendlich habe ich dann auch mein Abitur mit einer 2,0 gemacht. Worauf ich sehr stolz bin, da ich im Abiturjahr insgesamt 3 Monate Fehlzeit wegen psychischer Ausfall Erscheinungen (heftiges Zittern, Schwindelattacken) hatte. Wir waren natürlich auch beim Arzt und ratet mal – die haben nichts gefunden. Ich bin dann irgendwie so in diese „Die hat nen psychischen Knacks“ Schublade gerutscht und war auch bei einem Psychologen. Viel gebracht hat das nicht.

    Nach meinem Abitur hatte ich dann nur noch einen Fluchtreflex und bin zum Studieren ins Ausland. Da waren die letzten drei Jahre auch echt wirklich schön, ich hab gute Freunde gefunden zu denen ich auch (noch) Kontakt halte. Jetzt kam dann allerdings das ich nach meinem Bachelor auch einen Master machen wollte und man mir hier in Deutschland sagte: „Machen Sie ihren Bachelor Abschluss lieber an einer deutschen Hochschule, dann bekommen Sie bessere Chancen auf einen Master Platz.“

    Und ich war so töricht das zu glauben, habe dann im 6. Semester kurz vorm Abschluss die Uni wechseln wollen – das hat auch geklappt, nur dass ich aus meinem Studiengang plötzlich nichts mehr angerechnet bekam. Zu dem Zeitpunkt hatte ich im Ausland aber schon alles aufgegeben und gekündigt. Es gab also kein Zurück mehr. Und dann stand ich da nervlich eigentlich schon am Ende, weil ich nicht weg wollte von meinen Freunden und meinem Leben im Ausland und dann natürlich auch, weil ich vor einem Scherbenhaufen stand. 6 Semester studiert und keinen Abschluss, weil ich nicht gewillt war nochmal alle Scheine absolvieren zu müssen. Schöner Mist.

    Zu Hause kamen dann auch natürlich gleich die Fragen: „Und hast du einen Abschluss?“ „Bist du jetzt fertig?“ „Was arbeitest du denn jetzt?“ etc. Ich hab gelitten, wirklich gelitten und mir eine Geschichte dafür aufgebaut und nebenbei habe ich mich auf Jura beworben, das hat mir im Nebenfach schon im Ausland Spaß gemacht und ich hatte Glück und habe jetzt zum WiSe einen Platz bekommen und studiere seit 1 ½ Monaten. Ich sollte glücklich sein. Eigentlich. Bin ich aber irgendwie nicht.

    Das Fach macht mir Spaß. Ich kann den Professoren folgen und Fälle lösen ist das Tollste was ich bis jetzt gemacht habe – allerdings habe ich ein großes Problem: Ich kann einfach nicht lernen. Ich schaffe es nicht mich länger als 10 Minuten wirklich zu konzentrieren ohne in Tränen auszubrechen oder Panikzustände zu bekommen. Ich erlebe ein Wechselbad der Gefühle. Mal geht mir richtig super und ich könnte Bäume ausreißen und im nächsten Moment denke ich darüber nach was denn wäre, wenn ich einfach verschwinde…

    Ich hab versucht mit meinen Eltern zu reden, die sehen das nicht ein. Mein Vater verlangt Leistung. Ich soll jetzt endlich einen Abschluss machen. Im Ausland das war ja nur „Spiel und Spaß“, das soll nicht nochmal sein. Als ob das meine Schuld wäre, dass die mir dann nicht wie anfangs versprochen fast nichts mehr anrechnen…

    Ich arbeite nebenbei auch (geringfügig), aber mein Chef hält sich nicht an vereinbarte Arbeitszeiten. Und wo es anfangs hieß: Uni kein Problem, wir planen sie da drum herum, sitze ich jetzt regelmäßig in der Arbeit, wenn ich Uni hätte oder mal Motivation zu lernen. Kündigen ist keine Option, weil meine Eltern verlangen, dass ich jobben gehe, um mir meinen „Luxus“ selbst zu leisten. Seh ich ja auch so und habe ich im Ausland die letzten 2 Jahre auch genau so gehandhabt.

    Ich habe nur jetzt schon Angst vor den ersten Zwischenprüfungen, kann mir nichts merken, schlafe schlecht und bin einfach nur verzweifelt. Ich trau mich auch nur nicht irgendwem nochmal etwas davon zu sagen, weil alle anderen ja genauso leisten müssen wie ich und ich will doch auch mal endlich was schaffen und nicht dann die ZP vergeigen oder noch schlimmer im Staatsexamen da stehen und mit 26 wieder auf das „Abitur Führerschein“ Niveau fallen. Wenn ich es nur hinbekommen könnte Panik frei zu lernen.

    Mir bringt der noch so gut struktuierteste Plan nichts. Ich hab alles schon probiert. Wochen- und Tagespläne geschrieben, mich belohnt, mich gezwungen, zwischen durch spazieren gegangen, diverse Lerntechniken probiert … ich hab das Gefühl es bleibt nichts hängen. Und grad – die Juristen hier mögen mir da wohl zustimmen – die so wichtigen Schemata für die Prüfungen und Definitionen … alles nicht abrufbar.

    Mein Papa will mir jetzt noch Nachhilfe (professionell so etwas wie ein Rep nur fürs Grundstudium) buchen, dass ich das dann auch noch mache… ich hab nur keine Ahnung, wann ich das noch unterbringen soll. Ich bin jeden Tag durch den Plan nicht vor 19h oder 17h zu Hause, habe dann noch Physio (wegen dem immer noch auftretenden Schwindel) und muss halt arbeiten, aber mein Vater ist eh der Auffassung, dass es gar kein Problem darstellt von morgens um 7h bis abends um 22h durchgängig aufnahmefähig zu sein…

    Ja also ich bin verzweifelt, nur noch müde und weine viel… vielleicht hat ja irgendwer einen Rat. Bei der Unipsychologin war ich schon, die meinte halt auch „das wäre normal, dass man sich im ersten Semester Jura so überfordert fühle…“
    Aber ja, ich will ja lernen … ich habe nur das Gefühl es nicht zu können…

    Danke, dass du bis hierhin gelesen hast.

    KOWU

    PS: Ich habe mich hier auch angemeldet, hab dann nur festgestellt, dass ich da erst nach 48h einen Beitrag verfassen darf, deshalb habe ich jetzt erstmal als „Gast“ geschrieben.

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  3. #2
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    Standard AW: Studium: Burnout? Einfach nur versagt?

    Also, so wie das für mich klingt, sind deine Eltern finanziell sehr gut gestellt. Mit Auslandsstudium, Papa bezahlt Nachhilfe usw. aber das sie dich gleichzeitig damit überfordern.

    Mobbing hat immer mit dem Selbstwert zu tun. So war das bei mir auch. Im Gegensatz zu dir, hat sich meine Mutter allerdings erst gekümmert als das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Bei dir scheint es allerdings in die andere Richtung zu gehen und die Eltern haben sich zu sehr gekümmert.

    Das mit dem Auslandsstudium ist so eine Sache. Ich bin der Meinung, letztendlich hätte dir auch ein Semester gereicht und ich habe leider auch von Freunden gehört, dass der Bachelor vom Ausland hier in Deutschland nicht anerkannt wird. Wolltest du das Fach studieren? War das wirklich dein Wunsch?

    Auf mich wirkt das, als ob du noch sehr unter den Fittichen deiner Eltern stehst und die dich ohne Ende unter Druck setzen.
    Wenn sie dir das Auslandsstudium finanziert haben, hätten sie eigentlich wissen müssen, dass das noch nicht das endgültige ist und damit sollte es eigentlich vorausgesetzt sein, dass sie dich auch weiter unterstütztzen.
    Als Studentin im Master erzählst du mir nichts neues, wenn du sagst, dass die Studienwahl heute schwerer als denn je ist.

    Auf der einen Seite verstehe ich auch deine Eltern. Ich weiß ja nicht wie alt du bist, aber es ist nachvollziehbar, dass sie irgendwann mal wollen, dass du ein Papier vorzuweisen hast und nicht alle Studiengänge von A bis Z ausprobierts.
    Auf der anderen Seite ist Druck nicht der richtige Weg. Hast du sachlich mit deinen Eltern geredet? Hast du dir Hilfe bei einer Beratungsstelle geholt?Wie wäre es, wenn du deine Eltern dorthin mitnimmst.

    Bezüglich deines Nebenjobs: Wenn das so weiter läuft, gehst du am Rand eines Burn outs entlang. Ich würde dringend bei dem Nebenjob kündigen und mir einen anderen suchen. Heißt ja nicht, dass du gar nicht arbeitest. Ansonsten sehe ich schwarz fürs Studium, denn du drehst dich im Kreis zwischen Eltern, Uni und Chef und im Extremfall drehst du durch.

    Deine Eltern wirken auf mich etwas, als hätten sie die rosa Brille aufgehabt. Eigentlich hätten sie wissen müssen, dass ein Auslandsstudium nicht überall in Deutschland anerkannt wird.
    Bei 3 Jahren hätten sie sich irgendwann mal fragen müssen was das mit dir wird bzw. hättest du eventuell eher merken müssen, dass hier wenn du irgendwo im Ausland deinen Abschluss machen willst nicht viel zu holen ist.

    Rede mit deinen Eltern offen und ehrlich über das Problem. Formuliere Ich Botschaften und such dir unbedingt Hilfe wegen der psychischen Probleme .
    Du bist erwachsen. Eigentlich haben deine Eltern nur einen geringen Einfluss. Sie sind der Geldgeber. Den Rest solltest du selbst planen. Und wenn du keine Nachhilfe schaffst, dann ist es so. Dann muss Papa wie bei einem Schulkind auch nicht ins Nachhilfestudio rennen und Nachhilfe buchen.

    Ansonsten wenn das alles nichts bringt, würde ich mich an deiner Stelle entweder nach einer Ausbildung oder nach einem dualen Studium umsehen, bei dem du selbst so viel Geld bekommst, dass du dich selbst finanzierst und entscheidest was wird.
    Ist dem nicht so, würde es helfen, wenn du dich örtlich von den Eltern distanzierst.

    Auf mich wirkt das so, als wärst du immer noch 16 und die Eltern bestimmen was wann wo und wie gemacht und gelernt wird.
    Die Uni soll dir nicht nur Wissen vermitteln, sondern dich auch qualifizieren auf eigenen Beinen zu stehen.

    Wenn du mit dem jetzigen Trott weiter machst, bist du jedoch vorher schon burn out.

    Und noch was: Nach einer verpatzten Ausbildung/Studium müssen Eltern nur dann einen Zweitversuch zahlen wenn du es gut begründest oder nach 2 Semestern abbrichst.

  4. #3
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    Standard AW: Studium: Burnout? Einfach nur versagt?

    Bow , mir geht bei deinen Eltern schon der Hut hoch.

    Ich stimm in vielen meiner Vorrednerin zu....
    Du schreibt du bist 26, bist nach dem Abi ins Ausland, hast 6 Semester studiert - aber warum bist du dann jetzt 26 Jahre?
    Man macht doch mit spätestens 19 Abi - du solltest doch eigentlich erst 22 jetzt sein? Was hast du 4 Jahre gemacht?
    oder habe ich da etwas falsch interpretiert?v.g.

  5. #4
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    Standard AW: Studium: Burnout? Einfach nur versagt?

    Hi, was mir auffällt. Du schreibst viel über die Symtome. OK, die verstehe ich, es geht dir offensichtlich nicht gut.
    Aber was für ein Bedürfnis hast du genau? Wie kann die Gruppe- Forum - "hilferuf" dir helfen?
    Was brauchst du? Was wünscht du dir hier?
    Gruß Ingo

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