Anzeige
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 5 von 6

Thema: Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

    Hallo liebes Forum,

    ich komme jetzt ins 8. Semester, Studiengang Wirtschaftsinformatik,(davor 2 Sem. E-Technik) und habe in den 3,5 Jahren eigentlich nie wirklich studiert. Meine Bilanz ist ein paar Klausuren aus dem Kernstudium bestanden zu haben, so im 2er Bereich. Also ein Hauch von Nichts. Man könnte also sagen, ich habe nach meinem Zivi nichts mehr hinbekommen, außer ein paar Nebentätigkeiten fernab meines Studienfachs. Jetzt bin ich fast 27. Und habe noch nichts in der Hand, beruflich.

    Das ich fast nichts geschafft habe liegt an meiner Antriebslosigkeit, welche mich nach dem Abitur (aber auch schon mein ganzes Leben verfolgt) richtig gepackt hat. Ja ich konnte mich nie richtig aufraffen um zu lernen, auch wenn ich es wollte. Der innere Schweinehund schien so übermächtig. Das hat mich so oft zur Verzweiflung gebracht, weil ich wenigstens mit etwas Geistesgaben gesegnet worden bin. Sicher ein Genie bin ich nicht, aber eben auch nicht dumm. Deswegen finde ich es umso trauriger, dass ich nie etwas zu Ende gebracht habe. Ich habe zwar alles getan um mich abzulenken und die Realität ein Stück weit zu verdrängen, aber trotzdem hatte ich immer dieses Gefühl eines "verschenkten Tages". Und das jetzt 4 Jahre lang.
    Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass mein Selbstwertgefühl im Keller ist, und ich mich derzeit nicht sehr mag.

    Oft habe ich versucht aus diesem Kreislauf rauszukommen, bin aber immer wieder in altbekannte Gewohnheiten zurückgefallen. Meist hat es ein paar Wochen geklappt und ich hatte das Gefühl es einigermaßen auf einen guten Weg geschafft zu haben, aber dann war es auch wieder vorbei.

    Nun hat es vor 2 Wochen Klick gemacht, und Panik breitete sich in mir aus. Ich habe mich dann hingesetzt und überlegt wie ich wieder Struktur in mein Leben bringen kann, denn so war ich die letzten Jahre nicht glücklich. Und werde es auch nicht sein. Ich habe mir vorgenommen mit dem Lernen anzufangen, schon jetzt am Anfang des neuen Semesters. Desweiteren habe ich mir mehrere Dinge aufgeschrieben um meinen Tagesablauf zu strukturieren. Früh aufstehen, Uni besuchen, Abends noch etwas lernen und Freunde treffen, usw.

    Wenn ich mein Studium jetzt durchziehe wäre ich im 12-13. Semester fertig, mit dem Bachelor. Allerdings ohne Praktika oder sonst was. Und das ist nun wirklich nicht rosig (Weil dann auch schon knapp 30!). Ich kann mir höchstens einen Platz als Werksstudent suchen, um wenigstens etwas Praxiserfahrung zu bekommen. An unserer Uni kann man zusätzlich noch ein SAP Zertifikat machen, also eine Zusatzqualifikation. Ich meine ich brauch wirklich alles was ich kriegen kann. Schwer wird's wohl trotzdem oder?

    Das alles hört sich für mich vernünftig an und ich habe auch Lust das zu tun. Ich habe nichts gegen das Lernen, wenn ich mal dran saß hat es mir auch Spaß gemacht. Ich habe nur wieder die Angst in diese alten Gewohnheiten zurück zu fallen. Denn nur ich kann mich jetzt da raus holen und weiter machen. Möglichkeiten ergeben sich immer im Leben, auch wenn ich momentan zu traurig bin um diese wirklich zu sehen. Nun aber das ist wohl auch keine rationales Denken. Mein Problem ist wohl auch, dass ich mit niemandem richtig darüber reden kann, außer in einem anonymen Forum. Ich habe einfach zu viel Angst vor den Reaktionen meiner Eltern. Meine Freunde wissen da schon mehr, aber auch nicht alles. Dieses scheiß lügen ist so ätzend, ich war noch nie der große Lügner.Jetzt bin ist es aber so... Ich meine ich fühle mich schon als absoluter Versager und irgendwie als nicht gut genug für diese Welt. Ebenso habe ich Angst dann am Ende doch nur in der ungelernten Zeitarbeit zu landen oder gleich im Hartz4. Irgendwie so ein trostloses Leben. Ich versuche diese Gedanken möglichst weg zu wischen, weil sie mich in keiner Weise weiterbringen, aber das ist einfacher gesagt als getan.

    Ich habe angefangen Tagebuch zu schreiben, um eben einen Überblick zu behalten was gut gelaufen ist und was nicht. Sozusagen ein Schutzmechanismus gegen diese altbekannten Gewohnheiten, die mir nichts als Kummer einbrachten. Ich weiß nur nicht ob ich die Kraft habe das durchzuhalten. Ich kann mir aber vorstellen, dass wenn es einmal läuft, es auch nicht mehr so trostlos aussieht und ich wieder viel mehr Spaß im Leben habe. Ganz egal was ich jetzt denke. Denn wenn es mal lief, egal was, dann war ich immer schon motiviert und viel zufriedener.

    Was meint ihr soll ich mich an meinen Plan halten oder vielleicht doch noch mit 27 eine Ausbildung suchen? Ich finde das Studium hoch interessant, und die technischen wie auch betriebswirtschaftlichen Aspekte interessieren mich auch stark. Am Interesse liegt es nicht, sondern an meiner Unselbstständigkeit. Die gehört es zu überwinden.

    Ich wäre dankbar für jede Antwort.

  2. Anzeige

  3. #2
    Registriert
    Registriert seit
    11.04.2013
    Beiträge
    3
    Danke gesagt
    0
    Dank erhalten: 1

    Standard AW: Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

    Hallo Gast,

    mir geht es ziemlich ähnlich wie dir! Bevor ich zu viele Worte verliere, vielleicht hast du Lust, direkten Kontakt mit mir aufzunehmen, vielleicht studieren wir ja sogar zufällig in der gleichen Stadt...Who knows? Vielleicht könnte uns ein Erfahrungsaustausch weiterbringen, ich weiß es nicht, mal sehen...Falls du also Lust hast, melde dich einfach mal...

    Liebe Grüße.
    Jobert

  4. #3
    Registriert
    Registriert seit
    28.11.2012
    Beiträge
    579
    Danke gesagt
    7
    Dank erhalten:   156

    Standard AW: Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

    Hey,
    erst einmal tut es mir leid, dass du gerade so unzufrieden mit dir selbst bist. Das ist echt kein schönes Gefühl.

    Meiner Ansicht nach ist es wichtig realistisch und positiv zu sein. Du schreibst, dass du unzufrieden bist und mit deinem bsiherigen Umgang mit Studium/Leben nicht einverstanden bist. Wie sagt man: Einsicht ist der beste Weg zur Änderung .
    Du weißt, was dich stört: Unstrukturiertheit, keine Resonanz, das Lügen. Jetzt sind wir an einer Stelle, an der du für dich überlegen solltest, was du dagegen tun kannst (hast du ja schon im Ansatz gemacht).

    Für mich wären das persönlich folgende Herangehenspunkte:

    1. Strukturierung. Einige Menschen brauchen einfach mehr Struktur um den Alltag überwinden zu können. Mir geht es dabei ähnlich. Wichtig ist, dass du dir einen haargenauen Tagesablauf machst. Von Montag bis Sonntag (wann Uni, wann Lernen, wann putzen, wann Sport, wann Freizeit). An diesem Plan musst du dich dann einfach möglichst genau halten. Das klappt tatsächlich ganz gut, auch wenn es sich sehr streng anhört. Aber so schafft man echt ganz viel und ist mit sich selber im reinen - da man alles unter einen Hut bekommt. Also wage dich daran und halte ihn möglichst gut ein. Eventuell weihst du einen Freund von dir ein, der dich ab und zu daran erinnert.

    2. keine Resonanz. Deine "Vergangenheit" kannst du jetzt nciht mehr ändern. Aber du kannst daraus lernen und nun anders mit dieser Situation umgehen. Du gestehst dir es ja ein. Also lass die Vergangenheit, Vergngenheit sein und schaue nach vorne. Am beten motiviert . Dir stehen auch noch mit 30 Jahren alle Türen offen. Also stresse dich nicht unnötig...

    3. Lügen. Weihe deine Eltern ein, auch wenn es dir schwer fällt. Irgendwann werden sie es ja eh mitbekommen. Sage ihnen, dass du Schwierigkeiten hast und du jetzt aber in Sachen Studium dich mehr bemühst und zu einem Ende kommen möchtest. Vlt. treten sie dir ja auch ab und zu in den Hintern. Oder Fragen nach. Wenn du es ihnen sagst, wird dir bestimmt ein Stein vom Herzen fallen... Denke dran, es sind deine Eltern- die möchten immer das Beste für Ihr Kind und unterstüzten einem immer. Außerdem wäre das ein großer Vertrauensbeweis.

    Ich wünsche dir viel Glück und Kraft.

  5. Für den Beitrag dankt: Lysbona

  6. #4
    Registriert
    Registriert seit
    28.11.2012
    Beiträge
    579
    Danke gesagt
    7
    Dank erhalten:   156

    Standard AW: Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

    Hey,
    erst einmal tut es mir leid, dass du gerade so unzufrieden mit dir selbst bist. Das ist echt kein schönes Gefühl.

    Meiner Ansicht nach ist es wichtig realistisch und positiv zu sein. Du schreibst, dass du unzufrieden bist und mit deinem bsiherigen Umgang mit Studium/Leben nicht einverstanden bist. Wie sagt man: Einsicht ist der beste Weg zur Änderung .
    Du weißt, was dich stört: Unstrukturiertheit, keine Resonanz, das Lügen. Jetzt sind wir an einer Stelle, an der du für dich überlegen solltest, was du dagegen tun kannst (hast du ja schon im Ansatz gemacht).

    Für mich wären das persönlich folgende Herangehenspunkte:

    1. Strukturierung. Einige Menschen brauchen einfach mehr Struktur um den Alltag überwinden zu können. Mir geht es dabei ähnlich. Wichtig ist, dass du dir einen haargenauen Tagesablauf machst. Von Montag bis Sonntag (wann Uni, wann Lernen, wann putzen, wann Sport, wann Freizeit). An diesem Plan musst du dich dann einfach möglichst genau halten. Das klappt tatsächlich ganz gut, auch wenn es sich sehr streng anhört. Aber so schafft man echt ganz viel und ist mit sich selber im reinen - da man alles unter einen Hut bekommt. Also wage dich daran und halte ihn möglichst gut ein. Eventuell weihst du einen Freund von dir ein, der dich ab und zu daran erinnert.

    2. keine Resonanz. Deine "Vergangenheit" kannst du jetzt nicht mehr ändern. Aber du kannst daraus lernen und nun anders mit dieser Situation umgehen. Du gestehst dir es ja ein. Also lass die Vergangenheit, Vergngenheit sein und schaue nach vorne. Am beten motiviert . Dir stehen auch noch mit 30 Jahren alle Türen offen. Also stresse dich nicht unnötig...

    3. Lügen. Weihe deine Eltern ein, auch wenn es dir schwer fällt. Irgendwann werden sie es ja eh mitbekommen. Sage ihnen, dass du Schwierigkeiten hast und du jetzt aber in Sachen Studium dich mehr bemühst und zu einem Ende kommen möchtest. Vlt. treten sie dir ja auch ab und zu in den Hintern. Oder Fragen nach. Wenn du es ihnen sagst, wird dir bestimmt ein Stein vom Herzen fallen... Denke dran, es sind deine Eltern- die möchten immer das Beste für Ihr Kind und unterstüzten einem immer. Außerdem wäre das ein großer Vertrauensbeweis.

    Ich wünsche dir viel Glück und Kraft.

  7. #5
    Registriert
    Registriert seit
    11.04.2013
    Beiträge
    1
    Danke gesagt
    0
    Dank erhalten:   0

    Standard AW: Langzeitstudent, Leben unstrukuriert

    @ Frau_Holle:


    Vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Ja wirklich, das tat gut zu lesen. Ich versuche mich in den letzten Tagen mehr und mehr zu besinnen und die Traurigkeit zu überwinden, um mir vernünftige Gedanken über mein Leben zu machen. Denn mal ehrlich, "rationales" Denken ist so echt schwer.


    Ich werde finde deinen Tipp mit dem Erstellen eines Tagesplans wirklich gut. Sowas in der Art habe ich mir auch schon überlegt, bzw. grob angefangen. Ist gar nicht so einfach wie es sich anhört, wenn man davor sitzt und quasi in großem Ausmaß umstrukturieren will. Aber ich bleibe am Ball, auch wenn es nicht auf Anhieb hin bekomme einen Plan zu erstellen der mich weder erdrückt (und so vermutlich wieder in alte Gewohnheiten zurückversetzen wird) noch zu viel rumgammeln lässt. Ich habe mich heute auch auf einen Aushilfsjob beworben, um auch etwas mehr Geld zu haben und natürlich auch eine Beschäftigung. Weil 24/7 lernen schaffe ich nicht. Soviel ist klar.


    Nun was das Einweihen meiner Eltern angeht. Ich habe gestern Abend einen Brief verfasst, weil ich einfach zu feige bin direkt mit ihnen zu sprechen. Das bring ich momentan einfach nicht. Ich war auch schon immer ein schüchterner Mensch, eher der Denker/Grübler. Deswegen fällt es mir unter Druck oft schwer mich in gewünschter Weise auszudrücken. Deswegen habe ich mich dafür entschieden meine Gedanken und die Situation nieder zu schreiben. So kann ich mich einfach besser ausdrücken.


    Aber danke nochmal für deine Antwort, tat schon mal gut.


    @ jobert_wörgon:


    Hallo jobert,


    ich bin der Gast vom Eingangspost. Ich habe mich jetzt erst angemeldet, kann aber noch keine PN's schreiben. Erst ab 5 Forumsbeiträgen und 2 Tagen Mitgliedschaft. Ich hätte aber durchaus Interesse mich mit dir auszutauschen. Wenn du schreibst, dass deine Situation ähnlich ist, dann kann ich mir sehr gut vorstellen wie es für dich ist. Schreib mir doch einfach eine PN. Ich schreibe sobald es freigeschaltet ist zurück.

Anzeige

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 32
    Letzter Beitrag: 09.07.2014, 14:51
  2. Langzeitstudent
    Von Gast im Forum Studium
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 06.02.2013, 15:28
  3. Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 03.12.2012, 12:49
  4. Langzeitstudent...jetzt abbrechen?
    Von keber im Forum Studium
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 31.12.2010, 02:41
  5. Langzeitstudent.Weiß nicht mehr weiter
    Von Gast im Forum Studium
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 05.02.2010, 19:44

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Anzeige