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Thema: Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

    Hallo zusammen,

    ich brauch mal eure Hilfe, euren Rat und/oder eure Einschätzung.

    Leider fehlt mir gerade die Kraft, eine umfassende Einleitung zu schreiben. Ich hatte und habe mit diversen psychischen Problemen zu kämpfen, aber auch mit "banalen" Dingen, wie Faulheit.
    Kurz gesagt: ich mache einfach nichts oder viel zu wenig, schiebe alles vor mir her, interessiere mich eigentlich auch für nichts, bin permanent depressiv und kann mich aus den genannten Gründen selbst immer weniger leiden. Bin also schon seit Jahren in so einer richtigen Abwärtsspirale...

    Momentane Studiensituation:
    Ich habe mit 20 angefangen zu studieren und nach 10 Semestern abgebrochen.
    Vor die Wahl gestellt, mit 25 eine Ausbildung anzufangen oder ein anderes Studium, habe ich mich für ein Informatikstudium (Bachelor) entschieden - sollte ja beides 3 Jahre dauern...
    Jetzt bin ich im 7. Semester (6 sind Regelstudienzeit; die Zeit ist gerade so verflogen), ich hab noch unglaublich viel nachzuholen, sodass ich schlussendlich 10 Semester für den Bachelor brauchen werde (zumindest da bin ich mir sicher - noch länger wirds nichts).

    => 20 Semester studiert, davon 10 Semester verschwendet und weitere 10 Semester für einen 6-semestrigen Bachelorstudiengang gebraucht.

    Wie sehen da die Berufschancen aus? - Sicherlich nicht rosig, wobei meine Hoffnung darauf beruht, dass Informatik keine brotlose Kunst ist und Fachkräftemangel herrscht...

    Was kann ich machen, um mein (berufliches) Leben in den Griff zu bekommen?
    Trotz der dann 20 Semester fertig studieren? - Oder doch mal Ausschau nach einem Ausbildungsplatz halten, in der Hoffnung, so alt noch einen zu bekommen?

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  3. #2
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    Standard AW: Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

    Hallo,

    also - ich glaube in deinem Alter kann man durchaus noch einen Ausbildungsplatz bekommen. Es bleiben doch so viele Stellen offen. Einen Versuche wäre es wert.

    Ich schätze aber auch, dass du mit deinem Infostudium eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hast. Allerdings solltest du hierbei vielleicht versuchen, ganz viele Praktika zu machen oder nebenbei arbeiten zu gehen. Vielleicht machst du das ja schon.

    Ansonsten... wenn du wirklich 20 Semester nur studiert hast und nix nebenbei gemacht hast, sollte es wohl schwer werden, einen ordentlichen Arbeitsplatz zu finden... Dann solltest du vielleicht doch darüber nachdenken, eine Ausbildung zu machen, denn dann hast du gleich praktische Inhalte...

  4. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

    Danke für deine Antwort!

    Wenn ich zurückblicke, wird mir schlecht, weil ich einfach nicht verstehen kann, wie ich so dumm und unfähig sein konnte und sämtliche Entscheidungen verschleppt habe.
    Ich hab damals (2003/2004) eigentlich schon im ersten Semester gemerkt, dass "Studieren" nichts für mich ist. Ich wollte es mir nur nicht eingestehen, weil ich eigentlich nicht zu doof für ein Studium bin. Leider fehlen mir aber scheinbar alle anderen Voraussetzungen, die man dafür mitbringen muss. - Ich schaff es einfach nicht, mich selbst zu motivieren; sei es zum Lernen oder zu sonst irgendwas. In mir drin war und ist einfach nur Leere - ich weiß nicht, was ich machen will oder was jetzt das Beste für mich wäre.

    Damals habe ich mir in jedem Semester gesagt: nächstes Semester machst du es anders, da wird es besser. Du bist nicht zu blöd dafür, also setz dich einfach hin und fang endlich mit dem Lernen an.
    Da ich schon immer Selbstwertprobleme hatte, bin ich mit den hochmotivierten und teilweise arroganten Kommilitonen nicht zurecht gekommen und habe es für eine gute Idee gehalten, erstmal eine Therapie zu machen (gegen soziale Phobie, in die ich mich wohl über die (Schul-)Jahre des Minderwertigfühlens "reingesteigert" hatte - damit habe ich jetzt in meinem "gehobenen" Alter eigentlich keine Probleme mehr; mit dem Selbstwertproblem natürlich schon und das wird durch meine Situation nicht besser...).

    Irgendwie konnte ich mir nicht eingestehen, dass ich es (Studieren) einfach nicht kann und habe somit die Entscheidung, abzubrechen, ewig vor mir hergeschoben. In den ersten 8 Semestern (4 Jahre meines Lebens! :-( ) habe ich zwei Therapien gemacht (soziale Phobie, Depressionen), durch die ich mich zwar besser gefühlt, aber leider nichts geändert habe.
    Nebenbei erwähnt habe ich in der Zeit auch mein Privatleben ruiniert. Ich habe meine erste langjährige, eigentlich wunderbare Beziehung beendet, weil ich gemerkt habe, dass ich irgendwas ändern muss, um weiterzukommen. Habe ich echt geglaubt, dadurch mehr ins Studentenleben reinzukommen? Was für ein Schwachsinn... 2 Jahre später hat sich dieses Szenario wiederholt. Noch eine eigentlich tolle Beziehung beendet, weil ich dachte, sie hält mich vom Studieren ab. - Hätte ich mir besser damals schon eine Ausbildung gesucht (aber selbst da dachte ich, mit 24/25 findet man eh nichts mehr...), dann wär ich heute wahrscheinlich glücklich berufstätig und hätte eine schöne Beziehung.

    Aber nein, ich wollte ja unbedingt studieren (ohne etwas dafür zu tun).
    Am Ende meiner ersten 10 Semester habe ich zwei Semester lang in einen anderen Studiengang reingeschnuppert, der natürlich auch nichts für mich war.

    Am meisten ärgert mich, dass ich so unglaublich lange gebraucht hab, um dort einen Schlussstrich zu ziehen und dass ich aus all der Zeit so gut wie nichts mitgenommen habe. Ich hab in den 10 Semestern zahlenmäßig nicht mal die Klausuren von einem einzigen Semester geschrieben und ich war kaum in Vorlesungen. Also wirklich absolut sinnlos verschwendete Zeit.

    Was den Nebenjob angeht:

    Natürlich habe ich einen - irgendwo muss das Geld ja herkommen, auch wenn ich zusätzlich noch von meinen Eltern unterstützt werde (zinsfreies Darlehen).
    Den Job habe ich mir kurz nach Beginn meiner 2. Therapie gesucht. Der hat mich echt aus meinem Depressionstief herausgerissen, weil ich endlich etwas Sinnvolles getan habe, was mir auch Spaß gemacht hat.
    Dort arbeiten viele Studenten (und auch solche, die ihr Studium abgebrochen haben arbeiten dort nun als Angestellte ohne Ausbildung) und er macht mir immernoch Spaß. - Ich habe auch kein Problem damit, tage- und wochenlang am Stück 9-10 Stunden am Tag dort zu arbeiten. Dabei bin ich nicht faul - im Studium aber irgendwie schon.
    Das einzige Problem ist die Branche: Einzelhandel. Ich bin in einem Elektro-Geschäft im Service tätig, d.h. Kunden bei Problemen helfen, beraten und reparieren (meistens Computer). Das macht mir zwar echt Spaß und ich kann das wirklich gut, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass mich das auf Dauer erfüllt. Ich weiß nicht, ob ich es ertragen könnte, das hauptberuflich zu machen. - Wofür hab ich dann mein Abi gemacht? Wofür bisher 17 Semester an der Uni gequält? (ok, Letzteres bringt mir ja eh nichts, da ich dabei nichts gelernt habe)
    Die Leute dort arbeiten für sehr wenig Geld und haben die einzelhandelstypischen, sehr langen Arbeitszeiten.

    Was ich aber bis zuletzt vermeiden möchte, ist, dort auch ohne Ausbildung hängenzubleiben. Mittlerweile erwarte ich eigentlich nicht mehr viel von meinem Leben (ich fühle mich nur noch ausgebrannt, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das nicht schon immer so war). - Etwas mehr aber doch, zumindest etwas "gelernt" zu haben, eine Ausbildung abgeschlossen zu haben und einer halbwegs vernünftigen Arbeit nachzugehen mit geregelten Arbeitszeiten und soviel Geld, dass ich damit eine Familie ernähren kann.

    Die letzten 7 Semester des (neuen) Informatikstudiums liefen wesentlich besser, da ich dort zumindest irgendwas gemacht habe. Ok, ich habe zwei Semester lang auch nichts gemacht (ich hab keine Ahnung, warum), aber in den übrigen Semestern habe ich zumindest einen Teil des normalen Pensums geschafft. - Ich habe jetzt nach 7 Semestern 2/3 des Studiums hinter mir (Notenschnitt 2.0) und würde nach insgesamt 10 Fachsemestern den Bachelor in Händen halten (vorausgesetzt, ich finde einen Praktikumsplatz).

    Wäre es vernünftig, zumindest mal diesen Abschluss zu machen, oder sollte ich mich lieber jetzt, da ich noch 28 und noch nicht 30 bin, endlich nach einer Ausbildung umsehen?

    Momentan sehne ich mich nach einem geregelten Job. - Ich weiß nicht, was ich mit dem Informatik-Bachelor überhaupt anfangen würde. Ich fühle mich viel zu antriebslos und schwach und unfähig, um in höheren Positionen zu arbeiten, bei stressigen Projekten mitzuarbeiten...
    Dann sagt mein Lebenslauf natürlich auch jedem Personalchef, dass ich entweder massive Probleme habe, oder einfach eine faule Sau bin. - Ob ich da trotz "Fachkräftemangel" was finde, bezweifel ich. Ich würde mich jedenfalls nicht einstellen :-(

    Auf der Webseite der Arbeitsagentur habe ich einige Ausbildungsstellen in meiner Heimat zum IT-Systemkaufmann, Fachinformatiker, Bürokaufmann, ... gefunden. Da könnte ich wieder im Elternhaus wohnen, hätte keine Mietkosten und etwas Gesellschaft (hier hocke ich nur alleine rum). Sowas klingt momentan "gut" für mich, weil es etwas Solides ist, etwas, das ich erreichen kann und danach ggf. im Ausbildungsbetrieb einfach weiterarbeiten kann.
    Oder sind das jetzt auch wieder nur Ausflüchte, um vor dem Studium zu "fliehen"? Ich weiß nicht, ob es sinnvoll wäre, lieber die 3 Semester noch durchzuziehen, oder endlich die Notbremse zu ziehen und mit 9 Jahren Verspätung eine "normale" Ausbildung zu beginnen.
    (Falls mich überhaupt jemand nimmt, denn momentan bin ich wieder deprimiert, lethargisch und habe mir mächtig viel Kummerspeck angefressen :-( )

    Dann stellt sich auch noch die Frage, wie ich das meiner Familie erklären kann. Die wissen zwar von meinen verschwendeten 5 Jahren, aber dass es auch momentan im neuen Studiengang nicht rosig aussieht, nicht. Und von meinen allgemeinen Problemen wissen die sowieso nix...
    Von ehemaligen Schulkollegen, Freunden, Verwandten und Bekannten mal ganz zu schweigen. - Ich kann ja selbst nicht glauben, dass ich fast 10 Jahre meines Lebens verpennt hab, wie soll ich das dann anderen beibringen?

    Ich würde mich meiner Familie gerne mal öffnen, einfach alles erzählen. Aber ich weiß nicht, ob das nicht ein zu großer Hammer wäre, erst nach 9 Jahren anzukommen, alles auf einen Schlag zu erzählen und mich als psychisch Kranken oder chronisch Faulen hinzustellen.

    Ich hab echt keine Lebensfreude mehr, keine Kraft, keine Ahnung, wo das alles hinführen soll. Es gibt nur zwei Gründe, warum ich mir nicht einfach eine Kugel durch den Kopf jage: 1. ich hab keine Kugel, 2. das könnte ich meiner Familie nicht antun. - Mir selbst wärs egal...

    Irgendwie muss ich aus diesem Elend rauskommen - aber ich weiß nicht wie!

  5. #4
    Celia83
    Gast

    Standard AW: Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

    Ich habe nach 13 Semestern mein Studium abgebrochen.... Jetzt mache ich eine Ausbildung.... Ab und an kommen mir immer noch die Tränen, denn das Gebiet ist ähnlich und ich denke daran, was aus mir hätte werden können.... Ich denke auch an Suizid...das begleitet mich schon ewig...ob ich die Kraft gehabt hätte das Studium zu beenden? wohl kaum, aber das gefühl eine versagerin zu sein, wird mich wohl mein ganzes Leben begleiten.

    Warum machst du deinen Bachelor nicht? das sind immerhin 1.5jahre weniger als dich ne Ausbildung kosten würde. dann hast du einen abschluss und wenn der nicht reicht, kannst du drauf aufbauen. für dein selbstwertgefühl wäre ein abschluss schon besser, denke ich. dass du Beziehungen beendet hast um dich aufs Studium zu konzentrieren war sicher falsch. aber ich kann das auch nachvollziehen, denn im grunde wolltest du dich bestrafen, nicht wahr? so abgedroschen wies klingt, aber du hast immer liebe verdient, nicht nur wenn du erfolgreich bist. dein wert als mensch sollte unangetastet bleiben von äußeren umständen.

    natürlich könntest du auch jetzt oder später eine ausbildung anfangen, aber es ist manchmal demütigend mit 16/17 jährigen deutschunterricht und dergleichen zu haben, aber man gewöhnt sich auch daran, wenn man weiß, dass der beruf für den man die ausbildung macht der richtige ist.

    LG
    Celia

  6. #5
    Gast
    Gast

    Standard AW: Langzeitstudent - verzweifelt! Berufs-Chancen?

    Hallo Gast,

    Ich denke es geht primär nicht darum, ob du jetzt dein Studium abbrechen solltest oder nicht. Denn in so einem deprimierten Zustand kann man doch keine rationale Entscheidung treffen.

    Natürlich wäre es vernünftig, dass Studium erst einmal zu beenden, doch die Frage ist, ob du noch 3 Semester lang weiter mit dieser Einstellung studieren kannst/solltest?!

    Daher denke ich, dass es wichtiger ist, an deinen Gedanken zu arbeiten.

    Du sprichst von der „Leere“ in dir, die dir die Kraft raubt, das Leben als etwas Wertschätzendes zu betrachten und es genussvoll zu erleben. Diese Leere scheint in Abständen immer wieder hochzukommen, so dass ich glaube, dass eine Veränderung in deiner Umgebung nur kurzzeitig dazu führen kann, diese Leere nicht mehr wahrzunehmen. Doch wenn sich die Gewohnheit wieder eingestellt hat, wirst du die Leere mit Sicherheit wieder bemerken.
    Mir kommt es so vor, als würdest du außen nach Veränderung suchen, mit der Hoffnung, dass dein Leben besser und sicherer wird. (Studium abbrechen, neues Studium beginnen, neue Ausbildung anfangen, Trennung von der Freundin etc.) Ich meine, du bist doch all diese Wege gegangen, weil du immer nach etwas gesucht hat, was dich wirklich erfüllt und glücklich macht?!
    Stattdessen ist da nur die „Leere“, die immer wieder kommt…
    Ich bin der Meinung, dass du dieses „Glück“ oder diese „Zufriedenheit“ niemals außerhalb des eigenen Selbst finden kannst. Eine wirkliche fundamentale Veränderung findet doch in einem selbst statt…
    Du bist sicherlich nicht zu dumm für das Studium oder zu faul. Ich denke, dass du einfach nicht weißt, was du wirklich in deinem Leben willst und was für einen Sinn das Ganze haben soll.

    Natürlich kann man nicht einfach so total glücklich werden oder den „Sinn des Lebens“ finden. Aber du sollest erst mal versuchen, deine jetzige Situation anzunehmen. Bereue nicht deine Entscheidungen in der Vergangenheit. Es war kein Fehler! Du hast dich damals dafür entschieden, weil es in dem Moment das Richtige für dich war!

    Dass du jetzt sehr stark an deinen Weg zweifelst, ist ein Zeichen dafür, dass du etwas in deinem Leben verändern willst. Und eine grundlegend positive Veränderung geschieht nicht primär dadurch, dass man Ort und Beruf wechselt, sondern wenn du in dir ein mutiges und ehrliches Selbst entwickelst.

    Ich hoffe sehr, dass du schlau genug bist, deine Fähigkeiten in dir zu erkennen und sie für das Gute in deinem Leben einzusetzen.

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