Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Wer oder was bin ich?

  1. #1
    Registriert
    Registriert seit
    26.12.2017
    Beiträge
    1
    Danke gesagt
    0
    Dank erhalten:   0

    Standard Wer oder was bin ich?

    Guten Tag miteinander

    Seit einigen Jahren habe ich ein Problem mit meiner Sexualität.
    Vielleicht finde ich in diesem Forum antworten auf die Fragen die ich mir nicht selbst beantworten kann.
    Ich bedanke mich schon mal für das Lesen und eventuelle antworten

    Aber erstmal kurz zu mir: Bin 22 Jahre alt und männlich. Allerdings kann ich euch nicht sagen welche sexuelle Orientierung ich habe. Und genau das ist mein Problem, dazu aber unten mehr.

    Früher, als ich noch jünger war (so bis ca. 15 Jahre) war für mich das Thema Sex nicht relevant.
    Das hat sich mit der Pubertät natürlich geändert: Frauen wurde interessant und man(n) beginnt, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. War allerdings leider nie von Erfolg gekrönt; woran es lag, kann ich auch nicht fest sagen, nur vermuten (Ich hatte eine dicke Brille, war ein kleiner Klugscheißer, hatte ein absolut gemindertes Selbstwertgefühl, wasweißich, ..).
    Ständig Körbe zu bekommen hat natürlich nicht dabei geholfen mein Selbstwertgefühl ein wenig auszubauen, ganz im Gegenteil.
    Als ich dann 17 geworden bin, kamen meine Eltern auf die brillante Idee mal wieder umzuziehen. Und das nicht nur in den nächsten Ort, sondern einmal quer durch Deutschland: In eine Gegend, in der eine gänzlich andere Mentalität und Bevölkerungsstruktur herrscht, als ich es gewohnt war.
    Da ich sowieso schon sehr schüchtern und zurückhaltend war, fiel es mir sehr schwer, neue (echte) Freunde zu finden, von einer Freundin (die ich bis dato noch nie hatte (außer in der 4. Klasse, aber das zählt nicht^^)) ganz zu schweigen.
    Hatte nach dem Umzug erstmal ein Jahr, in dem ich mich zu nichts mehr motivieren konnte und meist die ein Hälfte des Tages schlafend oder depressiv im Bett lag und die andere Hälfte des Tages mich ins Internet geflüchtet habe.
    Im Laufe dieses Jahres haben mir meine Eltern dann klar gemacht, dass sie mich unter Umständen rausschmeißen, wenn ich mir keine Ausbildung suche. Das habe ich dann auch gemacht und auch eine im Einzelhandel gefunden. Ich hegte die Hoffnung dass ich durch diese Arbeitsstätte und meine Berufsschule wieder Freunde finde und vielleicht auch eine Freundin.

    Nun ist meine Ausbildung seit einem halbe Jahr vorbei und nichts der beiden Dinge ist „eingetreten“.
    Ich habe zwar ein paar Bekanntschaften auf freundschaftlicher Ebene gemacht, aber einen hohen Stellenwert habe diese Personen für mich (und ich für sie) nicht, was meiner Meinung nach an mehreren Faktoren liegt:
    1. Unterschiedliche Werte: Wo ich aufgewachsen wurde ich relativ Streng nach christlichem Glauben und den dazugehörigen Werten erzogen. Dort wo ich jetzt wohne wird man für die Vertretung solcher Werte ausgelacht oder gar angegriffen. Ich kann diese Werte nicht einfach fallen lassen, da es mit die einzigen Dinge sind, die mir aus meinem „alten“ Leben geblieben sind.

    Der 2. Grund liegt, denke ich, an den unterschiedliche Erfahrungen: Die meisten jungen Menschen hier wohnen schon immer an diesem Ort und wissen daher nicht, wie beschissen es sein kann umziehen zu müssen. Und sich irgendwo komplett neu integrieren zu müssen. Demnach kann man dahingehend auch keine Empathie oder wenigstens Verständnis erwarten.

    Und der 3. Grund ist, dass ich depressiv bin und oft Probleme damit habe, mich ehrlich über Dinge zu freuen. Oder schlicht „positivi“ zu sein. Wurde oft schon als Pessimist bezeichnet (eher Realist^^).

    Und eine Freundin habe ich aus, denke ich, ähnlichen Gründen nicht gefunden. Ein weiterer Grund ist, dass ich auf Grund meiner Vergangenheit (meine Eltern konnten mir in meiner Kindheit nie das Gefühl von Sicherheit bieten, ganz im Gegenteil, Gewalt war/ist in ihren Augen ein legitimes Mittel zur Erziehung von Kindern, selbst bei kleinen „Vergehen“ wie ein nicht aufgeräumtes Zimmer) keine gefestigte Psyche besitze und häufig Depressionen habe.
    Und sowas finden Frauen alles andere als attraktiv, Frauen wollen einen Mann mit Ausstrahlung und Selbstwertgefühl und niemanden, der sich selbst oft nicht ausstehen kann und sich manchmal wünscht nie geboren zu sein (das lasse ich zwar nicht raushängen, aber man merkt mir es denke ich mal trotzdem an).

    Und genau hier liegt das Problem: Mein Herz sagt, dass ich auf Frauen stehe und auch später (wie es mir beigebracht wurde) eine Familie gründen will. Und wenn mir eine sympathische, junge Frau gegenüber tritt, kriege ich auch das bekannte kribbeln im Bauch und es besteht die „Gefahr“ dass ich mich verliebe (was leider sehr schnell passiert).
    Doch mein Kopf sagt mir, dass ich in meiner aktuellen psychischen Verfassung nie ein Frau finden werde die sich das freiwillig antut und mir das gibt was ich brauche (Liebe) und ich auf Grund dessen aktuell in einer „normalen“ Beziehung wahrscheinlich nicht glücklich werden würde.


    Auf Grund dieser Misserfolge und der daraus folgenden Einsamkeit spiele ich schon seit etwa einem Jahr auch aus Verzweiflung mit dem Gedanken, mich auf einen Mann einzulassen. Er könnte mir zumindest temporär das geben was ich aktuell brauche (was mir eine Frau nicht geben könnte/sollte). Doch das widerspricht sich sehr stark mit den Werten die mir beigebracht wurden und den Zielen meines Lebens (Frau, Kinder, glückliche Familie). Zudem könnte ich einen Mann nicht so lieben wie eine Frau.
    Desweiteren wurde mir Homosexualität als etwas falsches beigebracht und ich habe diese Werte auch in gewisser Weise unbewusst verinnerlicht.
    Das soll nicht heißen, dass ich Homophob bin oder so, ich bin, denke ich, ein recht liberaler Mensch (jeder Mensch ist gleich). Doch es ist nun mal schwer auf einmal gegen die Werte zu sein, die mir mein Leben lang beigebracht wurden, bzw. diese einfach fallen zu lassen.
    Selbst wenn ich diese Werte fallen lasse, würde sich diese Art der Liebe sehr komisch anfühlen.

    Ein weiteres Rätsel in dieser Richtung ist, dass ich vom denken und meiner psychischen Sensibilität und Emotionalität her eher wie eine Frau denke/bin als wie ein Mann. Der stereotypische Mann ist jemand, der sich dass nimmt war er braucht bzw. will (zielstrebig), er hat eine stabile Psyche und (auch wenn das jetzt komisch klingt) er denkt nicht viel nach, sondern handelt; zudem zeigt er keine oder nur wenige Emotionen. Und genau diese Eigenschaften, außer vielleicht die erste, besitze ich nicht.

    Vielleicht hat jemand ja auch schon mal solche oder ähnliche Probleme gehabt, oder hatte mit Leuten zu tun, die so oder so ähnlich drauf waren/sind. Wie seid ihr damit umgangen? Wie lebt ihr heute?

    Ich habe Angst, dass ich, wenn ich weiterhin alleine bleibe (sowie in 99% meiner Freizeit) ich bzw. meine Psyche komplett kaputt geht und ich mein Leben auf ewige in Einsamkeit verbringen muss und irgendwann als vereinsamter und verbitterter Mensch Ende.

    Vielen dank schon mal für die Antworten
    MfG

    R.

  2. #2
    Registriert
    Registriert seit
    18.11.2015
    Beiträge
    11
    Danke gesagt
    4
    Dank erhalten:   0

    Standard AW: Wer oder was bin ich?

    Hey,

    probier dich aus.

    Was spricht dagegen, bisexuell zu sein? Hatte diesen Gedanken richtig stark das 1. Mal bei meiner Trennung nach 8 Jahren - "ein bisschen Bi schadet nie" bzw. "die Auswahl wird größer" :-D
    Bin zwar in einer Hetero-Beziehung, aber Phantasien mit Frauen hab ich öfters. Weiss, dass das weibliche Geschlecht da allgemein etwas toleranter scheint.

    Naja, als mein bester Freund/1. große Liebe sein Outcoming hatte, war ich echt froh darüber: NEIN, es lag nicht an mir persönlich, whuuuu auch keine intelligente Model-Sängerin wird ihn kriegen :-D ... und mein Bruder ist ebenfalls schwul. Er sagte mir mal, dass er glaube im Prinzip sei jeder Mensch fähig, sich homo zu verlieben. Nur die meisten lassen sich diese Möglichkeit gar nicht.

    Falls du jetzt beim körperlichen Kontakt merkst, dass du doch hetero bist und das nicht willst, hast du ja auch nichts verloren.

    Mit der Religion/Tradition... meine Eltern wünschten sich leibliche Enkel vom schwulen Bruder. Aber sie sind inzwischen einfach froh, dass er nicht alleine und sogar glücklich verheiratet ist.

    Dir viel Erfolg & Spaß! Halte uns gerne auf dem Laufenden hier :-)

    Lieben Gruß
    chuck-chick

  3. #3
    Registriert
    Registriert seit
    06.01.2018
    Beiträge
    11
    Danke gesagt
    0
    Dank erhalten:   3

    Standard AW: Wer oder was bin ich?

    Ich glaube dass du ein liebenswerter Mensch bist. Ich glaube dass du nicht zulassen kannst das andere dich lieben weil du dich selbst nicht liebst

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 68
    Letzter Beitrag: 28.06.2018, 16:48
  2. Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 27.02.2018, 20:21
  3. Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 14.11.2012, 11:38
  4. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 15.06.2011, 18:11

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •