Im Bezug auf das Thema „Liebe“ stellen sich mir in letzter Zeit viele Fragen, die mich einigermaßen in Verzweiflung treiben.
Sowohl in der praktischen „Ausführung“ einer Liebesbeziehung, wie auch im Bezug auf dem der Liebe zugrunde liegenden Prinzips:

Die Probleme, die sich mir aus dem Praktischen stellen ist zum Beispiel die Frage, ob heutzutage ein Mensch, der versucht sein Handeln so zu richten, dass er es moralisch vor sich selbst verantworten kann, überhaupt noch so was wie eine Beziehung führen kann?
Um ein konkretes Beispiel (aus dem „PickUp“ =die Verführungskunst) zu geben: Während eines Flirtgespräches wird empfohlen, dass man möglichst viel Körperkontakt herstellt, und viele Berühungen stattfinden, damit Vertrauen und Körperliche Anzehung geschaffen wird.
Soweit so gut, und nehmen wir an, es funktioniert.
Darf nun ein Mensch, der um die Gefühlsgenerierende Wirkung von Berührungen weiß, diese überhaupt noch in einem Gespräch mit einer Frau einsetzen? Im Endeffekt würde ich ja manipulieren, wenn ich das täte.

Ich stehe momentan vor der Krise, dass meiner Definition nach eine Beziehung mit Seelenverwandtschaft anfängt, und in Körperlichkeiten endet.
Aber so läuft das ja anscheinend nicht; wenn man mit Seelenverwandtschaft beginnt, wird man „nur gute Freunde“. Beginnt man dagegen mit Körperlichkeiten, entstehen zwar die großen Gefühle, aber es beruht nicht auf Seelenverwandtschaft, sondern nur daran, dass man mittels der Körperlichkeiten Gefühle im Partner generiert hat.
Ist es wirklich das, worum es in einer Beziehung geht?
Lässt sich das vor dem eigenen Gewissen verantworten?

Letztenedes stellt sich mir dadurch die Frage nach dem Sinn der Liebe, womit ich bei dem Problem bezüglich des Prinzips, welches der Liebe zugrunde zu liegen scheint, angekommen bin:
Es ist unabdingbar, dass ein gesunder Mensch nach Liebe in seinem Leben sucht, aber im Endeffekt geht es dabei scheinbar um einen hedonistischen Akt der Selbstbelohnung, und nicht etwa um höhere Werte.
Zwischenmenschliche Liebe ist somit die Reduktion des Partners zum Objekt der Selbstbelohnung.
Wir alle richten uns danach, denn so hat sich das im Laufe der Evolution ergeben (Liebe ist aus evolutionärer Perspektive die Verknüpfung vom Nützlichen mit dem Angenehmen), aber wir sind auch keine Tiere, und für unser Dasein ist eigentlich die Vernunft unerlässlich, um uns von unseren Trieben zu lösen. Ist aus dem Standpunkt eines Vernunftwesens, das die Achtung vor anderen Menschen als hohes Gut betrachtet fähig, die Reduktion seines Gegenüber zum Objekt der Selbstbelohnung vor dem eigenen Gewissen zu verantworten?