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Thema: Damit hr Hoffnung habt

  1. #1
    moses
    Gast

    Standard Damit hr Hoffnung habt

    nach diesem wochenende habe ich nach reiflicher Überlegung und nachdem ich mir die Reportagen vom Ökumenischen Kirchentag auf allen sendern angeschaut habe, den entschluss gefasst, eventuell in den Hungerstreik zu treten.
    Passender hätte für uns Opfer das Motto: Damit Ihr hoffnung habt, nicht sein können. Auf der Podiumsveranstaltung zum Thema Missbrauch, saß nicht ein (1) Opfer. Wiedereinmal wurde über uns gesprochen, aber nicht mit Uns! Es kam dann auch verständlicherweise zu einem Eklat, aber sprechen durfte dennoch kein Opfer. Auch die Flugzettel wurden von Kirchentagshelfern flugs wieder eingesammelt, das verstehe ich nicht, weder von den Initiativen "Wir sind die Kirche", oder "Kirche von unten".
    Das Puplikum hätte die Teilnahme eines Opfers fordern müssen, doch sie fügten sich dem Hausrecht und schwiegen.
    Da habe ich gemerkt, das vieles nur Lippenbekenntnisse sind und den Worten keine Taten folgen.
    Also, müssen wir leider noch aktiver werden und wie sagte schon Mahatmar Ghandi: "Wo Unrecht geschieht, muss es an die Öffentlichkeit" und trat daraufhin in den Hungerstreik. Weissgott, ich bin kein Ghandi und will es mir auch nicht anmassen, dazu fehlt mir einiges an charisma und Mut, aber wenn es nicht anders geht, um zu seinem Recht zu kommen, dann soll es eben so sein.
    Mein ganzes Leben war bisher ein einziger Kampf und eigentlich mehr ein Versuch in dieser Welt zu überleben. Ich habe nichts unversucht gelassen, im Guten wie im Schlechten, meine Existenz zu sichern und meinen Platz in dieser unserer Gesellschaft zu finden. Immer habe ich erfahren müssen, das
    wer ohne Wurzeln ist, wer keinen familiären backround hat, wer ohne finanzielle Mittel ist, wer beziehungsunfähig ist, und wer den allgemeinen gesellschaftlichen Werten(wie immer geartet sie sind) nicht entspricht, einfach bzw. kaum eine Chance hat, ein friedliches Dasein führen zu können. Geschweige denn anerkannt und akzeptiert zu werden.
    Wenn ich sage, ich habe alles versucht, dann meine ich auch meine Hinwendung zu Gott und meinen Glauben. Inbrünstig, flehend, bittend, schreiend, singend aus voller Brust,habe ich zu Gott und zur Gottesmutter Maria um Hilfe gerufen. Habe meditiert, in der Hoffnung auf neue und andere Wege, auf Eingebungen. Stets verbunden mit der Frage nach Sinn und Zweck meines Lebens.
    Für die Frage, warum wir Opfer erst jetzt darüber sprechen können, ist zwar in erster Linie immer die Scham gewesen, aber auch die Angst vor der öffentlichen Reaktion, die wir intuitiv gefühlt haben, wenn wir unser Maul aufgemacht hätten. Die Kirche gibt ja zu, das Macht und Gewalt stets vorherrschend war und wer hatte als Kind keine Angst vor Sanktionen und Schlägen (keine Watschn)?! Erstrecht für kinder, die wie ich vollwaisen waren und sich nicht schützend hinter einer intakten Familie fliehen konnten. Wer Institutionen (Vormundschaftsgericht, Jugendämter usw.) als Familienersatz zur damaligen Zeit hatte, brauchte mit keinen Gefühlen und keiner Gnade rechnen. Emotionslos wurde über dein Leben verfügt, verordnet und sanktioniert!
    Wertevorstellungen wurden dir zwar auch vermittelt, aber nur insoweit, wie sie in die gesellschaftlichen Strukturen und Hierarchien hineinpassten. Ein Waisen(Heim)-Kind hatte keine Lobby, gehörte zu keiner Gesellschaftsschicht und sie waren noch unter den Arbeiterkindern angesiedelt, also Freiwild für alle potentiellen Täter und Ausbeuter. Je älter ich (man) wurde, um so deutlicher wurde einem das bewusst.
    Während der 3 Jahre Lehrzeit (Ausbildung), habe ich 7-Tage-Woche arbeiten müssen von morgens bis abends und dafür im Monat 20 DM erhalten. Kleider-u.Ausbildungsbeihilfe wurde mir vorenthalten und ich musste noch Danke sagen, das mir der Lehrmeister ein Dach über den Kopf gab.Ein Waisen-Heim-Kind befindet sich in einem andauernden Abhängigkeitsverhältnis, ohne die Möglichkeit aufzuschreien gegen geltendes Unrecht.
    Die selbst vom Papst geforderte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, ist in jeder Hinsicht innerhalb der Kath. Kirche nichts weiter, als das Problem einfach auszusitzen und auf die angeblichen neuen Richtlinien der Bischofskonferenz zum Herbst diesen Jahres zu verweisen (Bischof Ackermann).
    Vielleicht hoffen sie auch, das irgendwo auf dieser Welt eine neue schlimme Katastrophe passiert und so die Missbrauchsgeschichte aus der Welt ist, erst recht aus den Medien. Da kann es nicht sein und darf auch nicht sein!
    Erst, wenn die Kirchen ihr Unrecht eingesehen haben, Wiedergutmachung leisten für an Leib und Seele begangenes Leid, Entschädigung zahlen für vorenthaltene Lebensqualität und für die Zerschlagung von Kindheitsträumen, sowie ein grosses Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa für ein ungerechtfertigtes Eingreifen in unsere Zukunftsplanung,erst wenn mir neue Zukunftsperspektiven gegeben werden, erst dann wird für mich Kirche wieder ein Thema sein.
    Davon bleibt meine Einstellung und Hingabe zu Gott völlig unberührt. Denn fast alles hat die Kirche uns Opfern genommen, aber nicht unseren Glauben an eine
    ausgleichende Gerechtigkeit. Wie sagte Mahatmar Ghandi: "Jeder Despot, jeder Diktator, jede schlechte Machtstruktur wird früher oder später einmal fallen müssen, weil das Gute und die Liebe sich noch immer überall auf dieser Welt durchgesetzt hat". Dies sagte sinngemäss auch Jesus: "Glaube, Hoffnung, Liebe und von allen dreien ist die Liebe das Grösste."
    Wenn sich in naher Zukunft die Kirche nicht bewegt und uns Opfer weiterhin versucht hinzuhalten, dann wird wohl oder Übel der Hungerstreik mein letztes Ultima ratio sein.
    Geändert von moses (17.05.2010 um 14:25 Uhr)

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  3. #2
    Gast
    Gast

    Standard AW: Damit hr Hoffnung habt

    Nur kurz der Hinweis, die Ikvu hat dem ÖKT ein Podium zur sexuellen Gewalt angeboten, was aber abgelehnt wurde.
    Daher fand ja auch außerhalb des offiziellen Programms das Podium am Samstag in der TU statt und da kamen selbstverständlich die Opfer zu Wort.

    Nachzulesen in den Pressemitteilungen der IKvu unter Ökumenisches Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu)

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