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Thema: Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

  1. #1
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    Standard Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

    Hallo, das wird jetzt ein längerer Beitrag.
    Ich bin 21 und mache zur Zeit eine aus Ausbildung zur Erzieherin. Davor habe ich ein FSJ im Kindergarten gemacht und dachte das mir das wirklich gefällt. Aber wenn ich jeden Abend daran denke, morgen früh aufzustehen und in die Einrichtung zu gehen fange ich sofort an zu weinen. An sich ist es dort nicht so schlimm, Kollegen sind nett usw bekomme zwar die typischen Azubiarbeiten (Drecksarbeit) aber das ist schon ok. Deshalb kann ich gar nicht sagen warum ich das so schlimm finde.
    Ich habe vor meinem FSJ schon eine Ausbildung zur industriekauffrau abgebrochen. Dort wurde ich schlechter behandelt. Damals war es genauso, dass ich einfach jeden Abend geheult habe.
    Ich habe das Gefühl, so blöd das klingt, dass mir keine Arbeit Spaß macht zu der ich jeden Tag hin muss. Ab und zu helfe ich Freunden bei Feiern als „Barceeperin“ oder helfe bei Inventuren usw. das gefällt mir und macht mit Spaß.
    Ich weiß einfach nicht was ich tun soll habe noch 2 1/2 Jahre der ausbildung vor mir.
    Am liebsten würde ich von zu Hause arbeiten aber ich weiß dass das nicht einfach so geht.
    Ich hatte jetzt 2 Wochen frei und da ging es mir so gut jetzt geht es morgen wieder los und seit gestern bin ich deswegen nur am weinen.
    Zudem kommt, dass meine Eltern sich im Moment trennen und ich wohne noch zu Hause und das tägliche streiten und Geschreie macht mich auch fertig.
    Außerdem habe ich seit 9 Monaten einen Freund, der jedoch 300km weit weg wohnt und wir uns nur alle 2 Wochen sehen. Am Anfang war das kein Problem für mich aber jetzt fällt mir jeder Abschied so schwer, ich bin nur am weinen es ist kaum auszuhalten. Mir geht es wirklich nur gut, wenn er bei mir ist...
    Ich weiß nicht was los ist, ich bin wirklich den ganzen Tag nur traurig und am weinen wegen einfach allem.
    Was soll ich tun? Sollte ich mal zum Psychiater? Ich bitte wirklich um Hilfe....

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  3. #2
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    Standard AW: Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

    Ich schlage vor, dass du dich zunächst deiner Hausärztin bzw. dem Hausarzt anvertraust. Dort würde ich mir Rat holen, ob in deinem Fall eine Psychotherapie angezeigt ist und, wenn ja, eher bei einem Psychologen oder einem Psychiater.

    Da ich auf beiden Gebieten Laie bin, kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Auf mich wirkt deine Schilderung so, als ob du Angst vor dem Erwachsenwerden hättest. Zum Erwachsensein gehört normalerweise, dass man sich von den Eltern abnabelt, aus dem Elternhaus auszieht, einen Partner findet, eine Berufsausbildung abschließt und in dem Beruf auch arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen - tagaus, tagein, jahrzehntelang - abgesehen von freien Tagen am Wochenende, Feiertagen und im Urlaub. Auch dann, wenn die Arbeit nicht immer, wenig oder keinen Spaß macht - es gibt nämlich keinen Beruf, von dem man über Jahrzehnte immer begeistert ist. Hier und da mal ein bisschen herumzujobben, wenn man gerade Lust dazu hat, reicht bei den allermeisten Menschen nicht aus, um davon den Lebensunterhalt bestreiten zu können. So ist das Leben, man bekommt wenig geschenkt, es sei denn, man hat den Jackpot im Lotto geknackt, superreiche Eltern oder einen entsprechenden Partner.

    Auch ein gewisses Durchhaltevermögen bei Schwierigkeiten gehört zum Erwachsenendasein dazu. Nicht bei der kleinsten Unannehmlichkeit gleich die Flinte ins Korn werfen und sich "mit den Nerven fertig" fühlen. Ich kenne Leute, die seit Jahrzehnten in Teilzeit mit maximal 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten, den Arbeitsplatz quasi vor den Haustür haben, keine längeren Anfahrtswege, Staus, verpasste Busse und Bahnen kennen, keine leitende Position, dafür aber nette Kollegen haben, sich auch nicht alle paar Jahre in ein völlig neues Aufgabengebiet einarbeiten müssen, auch wochentags noch genügend Freizeit für Entspannung und Sport haben - und die dennoch felsenfest davon überzeugt sind, wie sehr sie im Vergleich zu anderen "schuften" müssen. Es ist zwecklos, sie vom Gegenteil überzeugen zu wollen, und erst recht zwecklos, sie darauf hinzuweisen, dass es Berufe und Fallkonstellationen mit wesentlich mehr Stress gibt. Stattdessen werden Vollzeitberufstätige noch darum beneidet, dass sie sich eine (legale, d.h. angemeldete) Haushaltshilfe leisten können.

    Aber wer jahrzehntelang nur Teilzeit arbeitet oder gar nur hier und da mal ein bisschen jobbt (womöglich auch noch schwarz), der hat im Alter wenig oder gar keine eigene Rente. Dann ist das Gejammer groß. Davor die Augen zu verschließen nach dem Motto: "Ach, wer weiß, ob ich mein Rentenalter überhaupt erlebe" ist nicht hilfreich, da es sich dank der gestiegenen Lebenserwartung - zum Glück! - in den allermeisten Fällen bewahrheitet.

    Klar, kann man bei der Wahl der Ausbildung auch mal völlig daneben liegen, und dann ist es besser, die Ausbildung abzubrechen. Wenn man sich aber trotz netter Kollegen und interessanten oder zumindest erträglichen Aufgaben bei jeder Ausbildung am liebsten zu Hause verkriechen würde und schon mit 21 Jahren gar nicht mehr berufstätig sein möchte, stimmt etwas nicht. Was sollen denn erst Leute sagen, die bereits seit Jahrzehnten tagtäglich in anspruchsvollen Berufen in Vollzeitberufstätigkeit gefordert sind?

    Es kann sein, dass du erschöpft bist, aufgrund der Trennung deiner Eltern und der damit verbundenen Anspannung im Begriff bist, eine reaktive Depression oder eine Angsterkrankung zu entwickeln. Im Moment brauchst du offenbar besonders viel Geborgenheit, mehr, als deinem Alter entspricht. Am liebsten würdest du wieder Kind sein, keine Verantwortung tragen, sondern stattdessen viel Freizeit für Spaß und Spiel haben und dich von den Eltern oder deinem Freund umsorgen lassen. Es wäre aber schade, wenn du die Beziehung zu deinem Freund dadurch gefährden würdest, dass du zu sehr klammerst. Du machst dich zu sehr von ihm abhängig. Statt dessen sollte dein Ziel sein, auch allein klarzukommen. Dann ist dein Freund nicht für dein emotionales Wohlbefinden verantwortlich, ihr begegnet euch auf Augenhöhe und könnt die Zweisamkeit ganz anders genießen.

    Ich denke, du solltest dir so bald wie möglich professionelle Beratung suchen, um abzuklären, ob du tatsächlich eine psychische Krankheit oder Störung hast oder es "nur" an deiner Einstellung liegt. Je eher du das tust, desto schneller und nachhaltiger kommst du aus dieser Krise wieder heraus. Es kann natürlich auch sein, dass deine Eltern dich zu sehr verwöhnt, in Watte gepackt und dir alle Steine aus dem Weg geräumt haben. Das führt dann dazu, dass du das Gefühl hast, das Leben nicht zu bewältigen, sobald es nicht nur angenehm ist. Man kann aber nun mal nicht ewig Kind oder Jugendliche bleiben, behütet und geschont werden. Auch darüber sprichst du am besten einmal mit einem Profi (z.B. Psychologen); es muss ja gar nicht unbedingt eine jahrelange Therapie erforderlich sein.

    Die Übergangszeit zum Erwachsenendasein ist nicht einfach. Die Trennung deiner Eltern erschwert dir womöglich zusätzlich den Absprung vom Elternhaus. Aber mit psychotherapeutischer Unterstützung kann es dir schon bald besser gehen. Vielleicht reichen auch schon ein paar Termine in einer Familien-, Erziehungs- und Lebensberatungsstelle, die es in vielen Gemeinden gibt. Träger sind meist die Kommunen, aber auch Kirchen und Wohlfahrtsverbände.
    Geändert von Sarnade (07.01.2020 um 07:26 Uhr)

  4. Für den Beitrag dankt: Insta

  5. #3
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    Standard AW: Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

    Was macht dich denn genau traurig? Ich weiß bei mir auf der Arbeit, dass es dafür immer bestimmte Auslöser gibt.


    Und noch viel interessanter wäre es zu wissen, wie dein Leben denn sein müsste, damit es dir gut geht? Kannst du vielleicht auch deine Perspektive ändern und dich vielleicht auch auf die Arbeit freuen?
    Das was ich meine, meine ich so wie ich es meine und nicht so, wie es der andere versteht.

  6. #4
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    Standard AW: Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

    Zitat Zitat von Sarnade Beitrag anzeigen
    Zum Erwachsensein gehört normalerweise, dass man sich von den Eltern abnabelt, aus dem Elternhaus auszieht, einen Partner findet, eine Berufsausbildung abschließt und in dem Beruf auch arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen - tagaus, tagein, jahrzehntelang - abgesehen von freien Tagen am Wochenende, Feiertagen und im Urlaub.
    Tja, das ist dann also das Leben. Mit 16 aus der Schule raus, dann Ausbildung 2-3 Jahre, dann von 20- kurz vor 70 (sagen wir fast 50 jahre) jeden tag irgendwie die gleiche routine, jedes jahr irgendwie gleich mit ein paar abwechslungen zwischendurch wie weihnachten oder familienfeiern, ausflüge, bla, und dann irgendwann rente um mit dem rest seiner zeit noch was sinnvolles wie kaffeefahrten und tourischeiße anfangen zu können, wenn man dann überhaupt noch dazu in der lage ist, denn niemand weiß, wie es dir in 50 jahren überhaupt geht. nicht mal in 10 jahren.

    naja und dann halt sterben früher oder später und noch vorher bissl oma/opa spielen, blabla

    was ist das für ein leben?
    Der Weg ist das Ziel. (Konfuzius, 551 - 479 v. Chr.)

  7. #5
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    Standard AW: Ich kann nicht mehr Job, Beziehung, Familie Hilfe bitte

    Liebe TE,

    du musst zunächst für dich die Entscheidung treffen, ob du unabhängig und erwachsen leben möchtest oder lieber spielen.
    Du hast bereits eine Ausbildung abgebrochen und arbeitest aktuell auf die zweite Kündigung hin.
    Wenn du die Ausbildung ebenfalls hinschmeißt, kannst du bestenfalls gelegentlich als "Barkeeperin" arbeiten und ansonsten Sozialleistungen beziehen.
    Es ist deine Entscheidung.
    Meiner Ansicht nach brauchst du keinen Psychologen oder Doktor, sondern Ehrlichkeit zu dir selber.
    Du bist 21 und kein Kind mehr.

    Wie möchtest du leben?
    Wo siehst du dich in 10 Jahren?

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