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Thema: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

  1. #61
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    Standard AW: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

    Hallo Regis

    Vielen Dank für deinen offenen Beitrag.

    Der Schlüsselsatz darin ist für mich: "Wenn der Arzt mir sagen würde, ich hätte nur noch 6 Monate zu leben, würde ich ihm die Hand schütteln und ihm danken". Es ist alles eine Frage der Einstellung, der Sichtweise, des Blickes, mit dem man auf das eigene Leben schaut. Und gerade die Nähe des Todes kann diesen Blick auf besondere Weise schärfen und das Wesentliche in den Mittelpunkt rücken. Du würdest also dem Arzt danken. Welch schöne Vorstellung! Könnte es sein, dass du in den Tiefen deiner Depression doch sowas wie Dankbarkeit für dein Leben empfindest? Könnte es sein, dass deine Depression, wie Carl Jung meinte, eine Botschaft an dich heranträgt, die da lauten könnte: Schau, du bist nicht den 0815-Weg gegangen, mit Studium oder Ausbildung, hast dich dafür aber auf Wesentlicheres konzentriert, vielleicht auf Dinge, die von anderen Leuten gar nicht wahrgenommen geschweige denn wertgeschätzt werden, die das Leben aber in besonderer Weise lebenswert machen.

    Deine Depression ist in diesem Sinne kein Hindernis, sondern ein Geschenk. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man gerne beschwingt wäre wie alle Anderen und dass es unerträglich ist, ständig, mehr oder weniger, in dieser inneren Blockade leben zu müssen, wenn die Krankheit besonders stark zuschlägt. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass dieses nunmal mein Leben ist, unaustauschbar durch ein anderes. Vielleicht wäre es auch für dich denkbar, dass du den Blick auf dein Leben und auf deine Depression änderst: Dankbar zu sein für sie, auch wenn es zynisch klingt, dass man sich für dieses Leid auch noch bedanken soll. Aber durch den blossen Fokus auf die Dankbarkeit kann sich ganz viel verändern und ehe man sich's versieht, ist der Lebensmut zurückgekehrt.

    Alles Liebe.
    Geändert von nucha (11.12.2019 um 13:18 Uhr)

  2. Für den Beitrag dankt: beihempelsuntermsofa

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  4. #62
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    Standard AW: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

    Hallo nucha, danke für Deinen Beitrag.

    Zitat Zitat von nucha Beitrag anzeigen
    Könnte es sein, dass deine Depression, wie Carl Jung meinte, eine Botschaft an dich heranträgt, die da lauten könnte: Schau, du bist nicht den 0815-Weg gegangen, mit Studium oder Ausbildung, hast dich dafür aber auf Wesentlicheres konzentriert, vielleicht auf Dinge, die von anderen Leuten gar nicht wahrgenommen geschweige denn wertgeschätzt werden, die das Leben aber in besonderer Weise lebenswert machen.

    Ich denke durchaus, dass eine Depression ein 'Warnsignal' sein kann, das deutlich anzeigt, dass etwas nicht stimmt bzw. schief läuft. Der Weg der Heilung besteht u.a. darin herauszufinden, wo das Problem ist.
    Mag sein, dass ich nicht den '08/15-Weg' gegangen bin, aber das Problem ist, dass ich gar keinen Weg gegangen bin...

    Aber durch den blossen Fokus auf die Dankbarkeit kann sich ganz viel verändern und ehe man sich's versieht, ist der Lebensmut zurückgekehrt.
    Die Tatsache, dass ich mich im Grunde genommen nicht beschweren darf, da ich ein Dach über dem Kopf und zu essen habe, sprich, dass es den meisten Menschen auf der Welt viel schlechter geht als mir, bringt keine Dankbarkeit in mir hervor, sondern viel eher ein schlechtes Gewissen oder den Eindruck, schwach zu sein.

  5. #63
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    Standard AW: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

    Zitat Zitat von Regis Beitrag anzeigen
    Hallo nucha, danke für Deinen Beitrag.




    Ich denke durchaus, dass eine Depression ein 'Warnsignal' sein kann, das deutlich anzeigt, dass etwas nicht stimmt bzw. schief läuft. Der Weg der Heilung besteht u.a. darin herauszufinden, wo das Problem ist.
    Mag sein, dass ich nicht den '08/15-Weg' gegangen bin, aber das Problem ist, dass ich gar keinen Weg gegangen bin...



    Die Tatsache, dass ich mich im Grunde genommen nicht beschweren darf, da ich ein Dach über dem Kopf und zu essen habe, sprich, dass es den meisten Menschen auf der Welt viel schlechter geht als mir, bringt keine Dankbarkeit in mir hervor, sondern viel eher ein schlechtes Gewissen oder den Eindruck, schwach zu sein.

    Hallo Regis

    Man kann das Leben entweder nur ganz bejahen oder gar nicht. Denn die Tatsache, dass du einen Lebensweg zurückgelegt hast, ist unbestritten. Manche Leute meinen, es gehe im Leben darum, den einen richtigen Weg zu finden, von dem andere Wege ablenken oder gar in die Irre führen. "Der Weg ist das Ziel", heisst es dann. Meines Erachtens ist es eher so, dass der Weg entsteht, indem man in verschiedene Richtungen geht. Deine Depression wäre insofern kein "Warnsignal", sondern vielmehr Teil deines Lebens, eine Weggefährtin, wenn man so will. Sie zu bekämpfen wäre dann in etwa so wie wenn du dich selbst bekämpfen würdest.

    Nachdem, was du im zweiten Abschnitt deiner Antwort geschrieben hast, geht es vielleicht wirklich darum, Dankbarkeit zu entwickeln. Dankbar zu sein für dein Leben so wie es gewesen ist und wie es jetzt ist. Je nachdem, an welchen Therapeuten du gerätst, wird er/sie sich mit dir auf die Suche nach auslösenden Faktoren, schuldigen Personen und unabänderlichen Tatsachen machen. Manche Therapeuten belächeln die Dankbarkeit und verbannen sie ganz aus ihrem Diskurs. Doch meiner Meinung nach, ist die Depression kein Fehler oder kein Problem, das es zu beseitigen gilt; sie ist vielmehr eine Form der Welterfahrung, ähnlich wie in Kafkas Türhüterparabel: Dieser Eingang, dieser Zugang zur Welt, war nur für dich bestimmt, heisst es am Ende des Lebens. Man kann natürlich sagen: Ich will nicht durch diese Tür, ich will durch eine andere. Ich will keine Depression, sondern lieber einen verantwortungsvollen Job und lauter schlaflose Nächte, um meinen Job zu behalten. Wie gesagt: Wer das Leben mit Depression nicht wertschätzt, würde auch den verantwortungsvollen Job und die schlaflosen Nächte nicht wertschätzen. Man kann das Leben nur ganz (d.h. mit Dach über'm Kopf und täglich warmen Mahlzeiten oder ohne) wertschätzen oder gar nicht.

    Ich wünsche dir eine/n Therapeuten, der diesen Weg mit dir geht und die Lebensfreude so in dein Leben zurückkehrt. Du hast ein Leben in Freude verdient!

    Liebe Grüsse

    Geändert von nucha (11.12.2019 um 16:57 Uhr)

  6. Für den Beitrag dankt: beihempelsuntermsofa

  7. #64
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    Standard AW: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

    Zitat Zitat von nucha Beitrag anzeigen
    Man kann das Leben entweder nur ganz bejahen oder gar nicht.
    Ich habe über diese Aussage nachgedacht, sie aber immer noch nicht verstanden.

    Deine Depression wäre insofern kein "Warnsignal", sondern vielmehr Teil deines Lebens, eine Weggefährtin, wenn man so will. Sie zu bekämpfen wäre dann in etwa so wie wenn du dich selbst bekämpfen würdest.
    Mir ist natürlich bewusst, dass mein Hang zu Depressionen ein Teil von mir ist, den ich nicht einfach abstellen kann. Ich muss stattdessen lernen, damit umzugehen. Dennoch möchte ich sie nicht als Weggefährtin bezeichnen.
    Ich weiß auch, dass ich nach einer Therapie nicht zum Sonnenschein werde, ich gehe sogar weiter und sage, dass ich nicht mal glücklich sein muss, zufrieden würde mir völlig reichen.

    Je nachdem, an welchen Therapeuten du gerätst, wird er/sie sich mit dir auf die Suche nach auslösenden Faktoren, schuldigen Personen und unabänderlichen Tatsachen machen. Manche Therapeuten belächeln die Dankbarkeit und verbannen sie ganz aus ihrem Diskurs. Doch meiner Meinung nach, ist die Depression kein Fehler oder kein Problem, das es zu beseitigen gilt; sie ist vielmehr eine Form der Welterfahrung, ähnlich wie in Kafkas Türhüterparabel
    Da ich die Depression durchaus als Problem sehe, finde ich diese Herangehensweise auch sinnvoll. Es geht um keine "Schuldfrage", sondern um Ursachenforschung, denke ich.

    Ich will keine Depression, sondern lieber einen verantwortungsvollen Job und lauter schlaflose Nächte, um meinen Job zu behalten.
    Ob ein Job verantwortungsvoll ist oder nicht, liegt nicht zuletzt an dem, der ihn ausführt. Ich verstehe ehrlich gesagt auch den Zusammenhang nicht.

    Du hast ein Leben in Freude verdient!
    Vielen Dank.

  8. #65
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    Standard AW: Todessehnsucht vs Lebensmut oder: Kann man Lebensfreude "lernen?"

    was du beschreibst, es gibt die im englischen genannten highly effective depression. die deutsche übersetzung ich bin mir da nicht ganz sicher, ich denke sie heißt "hochfunktionale depression". Dysthymia oder Dysthymie.

    https://www.netdoktor.de/krankheiten...ion/dysthymia/

    vielleicht magst du dich da mal einlesen. was du beschreibst klingt so danach.
    Menschenrechte statt rechte Menschen
    _____________________________________

    Was die Raupe „Ende der Welt“ nennt, nennt der Rest der Welt „Schmetterling“. Laotse

  9. Für den Beitrag dankt: Regis

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